In dieser Folge gibt es Abenteuergeschichten von der See! Beate Stelzer ist Kapitänin auf einem Containerschiff und erlebt unsere globalen Handelsstrukturen hautnah.
Habt ihr euch schon mal gefragt, welchen Weg die Banane im Obstkorb hinter sich hat? Fast 90 % aller Waren weltweit werden in Containern auf Schiffen transportiert. Beate Stelzer erzählt von ihren Fahrten auf Containerschiffen: von Geruch und Klängen des Amazonas, über Stürme auf hoher See bis hin zum Verwaltungsalltag als Kapitänin.
Warum auch weiterhin so viel über das Meer transportiert werden muss, ob die Schifffahrt in Zukunft nachhaltiger wird und ob sich Familie und das Leben auf See in Einklang bringen lassen, erfahrt ihr in dieser Folge von FabrikFunk.
Die Episode gibt damit einen Vorgeschmack auf die Ausstellung „Container – die globale Box“, die ab Frühjahr 2025 im LWL-Museum Schiffshebewerk Henrichenburg zu sehen ist.
Hallo und herzlich willkommen zu Fabrikfunk, dem Podcast der Industriemuseen von LVR und LWL.
In jeder Folge stelle ich euch einen spannenden Menschen vor, der uns von seinem Leben und seiner
Arbeit erzählt. Mein Name ist Nadine Haddad, ich bin Journalistin und die Moderatorin dieses Podcasts
und heute bin ich im LWL-Museum Schiffshebewerk Henrichenburg. Das Gespräch findet zum Thema
der kommenden Sonderausstellung Container – Die globale Box statt. Heute sprechen wir über globalen
Handel, die Arbeit und das Leben auf einem Containerschiff. Meine heutige Gesprächspartnerin
ist Beate Stelzer. Sie ist Kapitänin eines Containerschiffs. Moin Beate. Moin, moin. Oder
sagt man Ahoi? Nee, weniger noch. Was sagt man denn? Einfach Hallo? Good Morning. Ja,
wahrscheinlich immer Good Morning, weil du international unterwegs bist. Wir sitzen ja
heute hier auf dem Museumsschiff Ostarra, einem rund 100 Jahre alten historischen Schleppkahn,
der früher Güter wie Kohle und Eisenerz für die Industrie über Flüsse und Kanäle transportierte.
Es ist ja ein Podcast, deswegen beschreibe ich euch das mal. Also der ist wirklich super lang
und wir haben hier unser Podcaststudio aufgebaut und sitzen jetzt einfach auf dem Schiff und ich
freue mich sehr, dass du heute hier bist. Du bist Kapitänin und arbeitest auf einem
Containerschiff. Was bedeutet das? Was bedeutet das? Ja, ich könnte jetzt sagen, es ist ein Beruf
wie jeder andere, ist es aber nicht so ganz. Das will ich wohl sagen, zugeben, wie man es auch
immer nimmt. Es ist schon anders und in vielerlei Hinsicht auch besonders natürlich, weil wir ja
nicht jeden Morgen zur Arbeit gehen. Wir gehen auch zur Arbeit, aber wir verbringen eben auch
viel Freizeit miteinander. Ja, du bist Kapitänin, also du lenkst, steuerst, fährst ein Containerschiff
um die Welt. Was ist genau ein Containerschiff? Was können wir uns darunter vorstellen, wenn
manche Leute einfach noch gar keine Ahnung haben? Ein Containerschiff ist einfach ein großes Schiff,
in der Regel. Das kann aber auch schon mit 100 Metern losgehen tatsächlich. Es ist ein großes
Schiff, in dem eben Containerboxen gestapelt werden und zwar eben unter Deck und auch auf Deck,
also auf Deckung. Ja, und da gibt es kleinere, wie gesagt, die können 100 Meter lang sein,
aber das kann eben auch 300 oder 400 Meter lang sein. Und in diesen Boxen, das ist wie Lego,
so kann man sich das eigentlich ganz gut vorstellen, finde ich. Also das ist immer ein
schönes Beispiel. Man stapelt halt diese kleinen Lego-Klötzchen übereinander und in diesen Lego-
Klötzchen ist dann halt jede Menge unterschiedliche Ware drin. Was zum Beispiel ist in diesem Container?
Man sieht ja manchmal die Container. Also ein ganz tolles Beispiel, was eigentlich alle
mittlerweile kennen, sind Handys oder auch Computer. Es sind jede Menge aus Asien. Es ist sehr viel
Technik, die wir haben. Es kann Bekleidung drin sein, die kann aus Indien, Bangladesch oder Korea
kommen oder aus Südafrika haben wir zum Beispiel auch Früchte. Es gibt auch besondere Container.
Container sind ja nicht einfach nur eine Box. Es kann auch ganz speziell ausgestattet sein,
zu kühlen. Das sind dann sogenannte Kühlcontainer. Da sind dann Früchte drin oder man hat Rindfleisch,
die berühmten Steaks aus Argentinien. Die kommen auch über Container. Tiefgefroren sind die in
diesem Container. Eben diese speziellen Kühlcontainer. Oder aber auch die Banane aus
Ecuador. Also das ist wirklich, eigentlich wird alles verschifft. Eine Zahl, die mir vor der
Recherche auch nicht so bewusst war, dass 90 Prozent aller Produkte in Schiffscontainer
transportiert werden. 90 Prozent aller Produkte, die wir so nutzen. So eine große Menge. Wir sind ja
insgesamt weltweit global vernetzt, wenn man das so will. Also Papierproduktion, auch Papier wird
über Container verschifft. Also es ist wirklich, es wird Gefahrgut transportiert für weitere
Herstellungen oder für die Industrie. Es wird Spielzeug transportiert. Es hat sich einfach
bewährt, da der Container so schön wie Lego eben zu stapeln ist. Aber es gibt natürlich auch, ich
will transportieren, auch ganz viel Maschinenbauteile zum Beispiel. Und das sind dann sogenannte offene
Container. Sind nicht alle abgeschlossen wie so eine Geschenkebox, sondern sie können auch
offen sein. Bevor wir zu den Waren an Bord kommen, weil da will ich dich auch noch ein paar Fragen
fragen. Nimm uns erstmal mit, wie so ein Alltag bei dir aussieht. Also stehst du auf, machst du
den Kaffee, wann geht der Morgen los? Mach uns mal ein Bild. Genau, also es hängt bei uns immer ein
bisschen davon ab, bin ich auf See oder bin ich in einem Hafen oder habe ich zum Beispiel am
frühen Morgen eine Ansteuerung für einen Hafen. Wenn ich auf See bin, was uns meistens das Liebste
ist, draußen zu sein. Ich habe einen Arbeitsalltag, meiner beginnt, sagen wir mal, ich stelle mir so um
sechs meistens den Wecker. Dann mache ich mir morgens meine Tasse Tee. Das trinke ich morgens sehr
gerne. Ich bin jetzt immer noch so ein bisschen Frühgymnastik-Mensch. Also ich mache mir dann immer
noch ein paar Minuten meine Yoga-Übung und gehe unter die Dusche. Und dann gucke ich mal beim ersten
Offizier um die Ecke auf der Brücke, denn der ist zwischen vier Uhr und acht Uhr morgens auf der
Brücke. Und der erste Offizier ist ja mein Stellvertreter und mit dem bespreche ich dann so
den Tag. Also der erzählt mir dann auch, was gemacht werden muss an Wartungsarbeiten, wo er spezielle
Genehmigungen braucht, die ich ihm miterteilen muss. Also das ist dann sozusagen das Vier-Augen-Prinzip,
wo wir eben drauf gucken, da muss ich dann bestimmte Sachen mit genehmigen, die muss er ausfüllen. Das
läuft mittlerweile alles digital. Ja und wir besprechen den Tag und dann kommt der dritte
Offizier. Der ist immer von acht bis zwölf Uhr auf der Brücke. Der dritte ist immer noch so ein
bisschen unerfahrener. Also der ist dann, der hat immer die Wachen von acht bis zwölf, auch abends.
Und da ist, das ist einfach eine Zeit, da sind noch viele Leute wach, die ihn noch unterstützen
können, einschließlich mir. Ja und dann frühstücke ich meistens mit dem ersten Offizier zusammen. Dann
macht er seine Besprechung mit seinen Deckjungs und beginnt eben die Arbeiter einzuteilen dafür,
also die Matrosen. Und ich gehe meistens morgens dann erstmal an den Computer und gucke, was sind
denn so für E-Mails reingekommen. Denn ein großer Anteil ist tatsächlich auch administrativer. Also
wirklich gucken, kommen Anfragen von der Reederei oder muss ich Papiere vorbereiten für den nächsten
Hafen, um uns anzumelden als Schiff, auch wann wir reinkommen, bestimmte Sachen auch genau festlegen
zeitlich. Ja und das nimmt eine ganze Menge Zeit in Anspruch. Du wohnst ja, wie ich, in Berlin. Da
gibt es ja keinen Hafen. Wo fährst du denn los? Wo ist denn dein Starthafen? Das ist ganz unterschiedlich, je
nachdem, wann ich ablöse den Kollegen. Und wir fliegen tatsächlich, ich brauche, ich sage immer,
ich brauche eigentlich nur einen Flughafen in der Nähe. Und wir fliegen dann tatsächlich auch zu
den Schiffen hin. Also das kann sein, ich fliege entweder vielleicht nach den USA oder ich fliege
nach Korea oder nach Shanghai oder häufig auch Singapur, sind ja große Häfen. Oder Tanjung
Pilipas, das ist Malaysia, das ist auch ein Riesenhafen. Und da lösen wir dann den Kollegen ab.
Interessant, aber was du gerade erzählt hast, von 4 bis 8 Uhr morgens gehst du dann mal hin und wo trinkst
du dann deinen Kaffee und machst deine Gymnastik? Im Hotel in der Nähe vom Hafen? Das mache ich bei mir an
meiner Kammer. Das mache ich bei mir selber. Wir sprechen übrigens auch von Kammer oder im Englischen
ja Kevin. Und das mache ich so für mich. Das ist nochmal so meine 5 Minuten. Auf dem Schiff? Auf dem Schiff,
ganz genau. Denn ich bin ja auf See, da kann ich ja nicht runter. Und wenn ich 4 Wochen auf See bin
oder 3 Wochen, je nachdem was ich, wenn ich über den Pazifik Überquerung mache, kann ich auch mal 3
Wochen auf See sein. Je nachdem natürlich, wie schnell ich fahre, damit hängt das ja zusammen.
Und dann ist das so mein Morgenbeginn. Okay, das heißt aber, wenn du arbeitest, bedeutet es eigentlich,
dass du auf See bist. Das bedeutet nicht immer, dass du auch fährst, aber es bedeutet, wenn du
arbeitest, dass du immer auf dem Containerschiff glücklich bist. Ich bin fest auf dem Schiff. Genau,
die entsprechende Zeit für meines Einsatzes. Also ich fahre zum Beispiel 3 Monate am Stück. Die bin
ich tatsächlich unterwegs und da bin ich dann beheimatet auf meinem Schiff. Und wenn wir in
den Hafen einlaufen, was ja auch mal morgens sein kann zum Beispiel, dann muss ich manchmal um 3
Uhr aufstehen, also ganz ungenähtige Uhrzeiten eigentlich. Aber dann bin ich eben frühmorgens
wach und bin dann zum Beispiel eine Ansteuerung an den Hafen mit dem ersten Offizier zusammen
machen. Und weil man da einfach mehr zu tun hat natürlich. Man hat Funkverkehr mit dem Hafen,
meldet sich an oder sind andere Sachen, die besprechen werden müssen. Wir müssen immer
Lotsen an Bord nehmen und so. Also das ist ein ganz anderer Arbeitsaufwand. Aber ich bin immer auf
dem Schiff, selbst wenn ich mal 2-3 Tage oder auch mal eine Woche in einem Hafen liege. Mit dem Schiff
ist meine Übernachtung immer auf dem Schiff. Und sag mal, um nochmal dich und so dein Alter
kennenzulernen. Also du bist 3 Monate im Jahr auf See? Nein, ich bin ein Jahr, Jahr und rein. Also
ich bin 3 Monate auf See. Dann bin ich in der Regel 3 Monate zu Hause und bin dann wieder 3 Monate
auf See. Also man kann sagen, ich bin im Prinzip übers Jahr gesehen ungefähr ein halbes Jahr weg.
Okay. Und in diesem halben Jahr arbeitest du aber durch? Genau. Also wenn ich jetzt in diesen 3
Monaten, ich arbeite jeden Tag. Also 12, manchmal 16 Stunden oder mehr. Je nachdem, was anliegt,
was passiert. Wenn irgendwelche Sachen sind, die mehr Aufmerksamkeit erfordern, dann ist das eben
auch tatsächlich so. Wie kriegst du das mit Privatleben organisiert? Ja, das erfordert eine
enorme Logistik für einen selber. Also man muss sich tatsächlich wirklich gut organisieren. Das
ist einfach so. Also meine Eltern sind leider verstorben, aber ich kann mich also noch an die
Zeit auch erinnern. Und das ist dann schon schwierig, wenn man Eltern hat und wo man sich
kümmern möchte und so. Also da braucht man eine unheimliche Logistik um sich herum, ein Netzwerk.
Und so ist es auch für alle privaten Dinge, die nach der Wohnung gucken oder die nach der Post
gucken. Also die alltäglichen Sachen. Genau, das ist tatsächlich so. Da braucht man ein großes
Netzwerk und ein Background an Leuten einfach. Und wenn du auf See bist, vermisst du zu Hause
oder ist das Schiff dein Zuhause? Das Schiff ist auf jeden Fall mein Zuhause in dem Moment. Ich
mache es mir auch immer sehr gemütlich, also so, wie ich es gerne hätte. Da hat ja jeder so ein
bisschen andere Prioritäten. Und wenn ich eine Kabine übernehme, die chaotisch ist, weil der
Kollege so chaotisch gelebt hat, dann wird das erst mal aufgeräumt, weil ich das nicht so gut
abkann. Also bei mir sind die Dinge, die haben alle ihren Platz und dann fühle ich mich wohl. Und das
gehört aber immer dazu. Also das ist auch ein ganz, ganz wichtiges Ding. Also das machen eigentlich
alle Kollegen. Also ich bin auch irgendwie mit meinem Job viel unterwegs und da sagen schon
irgendwie Freunde und Freundinnen manchmal so, krass, du bist so viel unterwegs und so viel weg, etc.
Wurde dir das manchmal so auch gefeedbackt? Ach, jetzt bist du schon wieder so lange weg? Oder
würdest du sagen, in deinem Familien- und Bekanntenkreis einfach Leute, die das akzeptieren, die das
unterstützen? Und danach bist du ja wieder drei Monate voll verfügbar. Also das ist ja der Vorteil.
Genau, das ist tatsächlich dann so. Also ich sag mal so, es sortiert sich natürlich ein bisschen aus.
Das ist so. Aber das, was an Freunden übrig bleibt, klingt vielleicht nicht so nett, aber es ist
tatsächlich so, was da ist, was übrig bleibt, das sind die, die eigentlich immer mit dabei sind, mit
denen man durch dick und dünn geht und die einem auch helfen oder unterstützen, wenn was ist. Und
mittlerweile ist es ja auch so, die Zeit hat sich ja enorm gewandelt. Also ich kann mich noch an
eine Zeit erinnern, da gab es ein Satellitentelefon auf der Brücke, da hat der Kapitän dann mal
erlaubt, dann konnte man für sechs Dollar die Minute telefonieren, muss man sich mal vorstellen.
Heute haben wir alle Satellitenschüsseln, wir haben also einen Satellitendom, weiß man ja, und wir
haben WLAN und wir können alle über die normalen Messenger-Netzwerke uns miteinander verbinden. Ich
kann darüber sozusagen kostenlos telefonieren, ich kann Videotelefonie machen, ich kann den anderen
sehen. Also das hat sich enorm verändert und damit natürlich auch genauso, auch wenn ich jetzt sage,
früher war es schwieriger, ich musste vielleicht jemanden für die Post, der genau hinguckt. Vieles
kann ich heute online machen, das hat sich schon deutlich verbessert. Und würdest du aber sagen,
du bist ein Menschentyp, der auch gut alleine klarkommt? Ja, das musst du, also das ist tatsächlich
auch so. Deswegen machen wir ja auch im Studium diese Praxissemester, man muss einfach gucken,
kann ich das eigentlich? Und ich muss ja auch, wenn ich ein Problem habe und dann überlege ich,
wie mache ich denn das jetzt? Ich kann jetzt nicht so einfach die Freundin anrufen oder ich sage mal,
jetzt mal ein Kumpel, der sich damit besonders auskennt, das ist nicht so einfach. Kann man
schon machen, auf eine gewisse Weise, aber ich habe mich dann immer morgens bei mir. Wir haben
auch immer einen Sportraum an Bord und dann setze ich mich auf ein Rudergerät und dann rudere ich
da eine halbe Stunde und dann fällt mir das in der Regel ein oder spätestens dann beim Yoga. Also
ich habe tatsächlich für mich einen Weg gefunden, wie ich Probleme löse. Natürlich auch im Gespräch
mit meinem Stellvertreter oder noch einem der anderen Offiziere oder ich sage, komm wir machen
ein Meeting und wir klären das, wie können wir das Problem jetzt so lösen, dass es für alle
verträglich ist. Hast du dich in Anführungsstrichen hochgearbeitet? Bist du diese großen,
internationalen Reisen über den Pazifik machen konntest oder wolltest du direkt so internationale
Reisen machen? Ich wollte tatsächlich auch das große Patent, so sagen wir in Deutschland,
erlangen. Also ich wollte tatsächlich auch die großen internationalen Reisen. Also ich wollte
kein Kümo-Fahrer. Wie man immer sagt, Kümo ist Küstenmotorschiff. Das wollte ich nicht. Ich
wollte tatsächlich weltweit fahren, also von Anfang an. Wie bist du dazu gekommen, dass du diese Vision
hattest? Ich möchte mit diesem Riesenteil, also größer geht es nicht, den Pazifik zum Beispiel
überqueren. Also eigentlich muss ich da immer zurückgehen in die Kindheit tatsächlich. Ich
hatte eine Tante an der Ostsee in Travemünde und habe da immer die großen weißen Fähren gesehen.
Das war so mein Punkt und ich habe immer gedacht, ach ich möchte auch gerne mitfahren. Da war ich
als Kind und das ist ja auch schon hoch, die Brücke weit oben und hätte gerne diesen wirklich
weiten, schönen Blick gehabt. Ging aber nicht. Und dann habe ich ja erst einen anderen Beruf
gelernt. Erzähl uns den gerne nochmal, ich weiß nicht, weil es ist so spannend. Ich habe eigentlich
tatsächlich als Krankenschwester gelernt und habe auch noch Weiterbildung zur Fachkrankenschwester
für Anästhesie, Intensivmedizin und habe auch lange Zeit in der Anästhesie gearbeitet,
auf Intensivstationen. Also es hat auch Spaß gemacht, aber dann war so ein Punkt, wo ich
gesagt habe, so wenn ich jetzt tatsächlich noch was anderes machen will, dann muss ich jetzt damit
anfangen. Ich war dann Ende 30 und weil ja für die Naude und für das große Patent, ich habe da
auch noch eben sozusagen drauf gesetzt, den Diplom Ingenieur und da braucht man eben auch noch mal
vier Jahre Studium und da sind zwei Praktika dabei, wo man dann als Studentin eben zur See fährt. Also
auch das fängt auch tatsächlich so an, was eigentlich ganz geschickt gemacht ist, weil man
dann eben auch erst mal feststellt, ob man überhaupt seefest ist. Das ist ja immer so ein
Punkt, wenn man das vorher nicht so weiß. Ich komme aus keiner seefahrenden Familie,
kannte das also nicht wirklich und eine Fernüberfahrt ist natürlich noch mal was völlig anderes.
Was war deine erste Fahrt? Ich bin in Emden losgefahren. Es war ein kleineres Schiff. Als
Praktikantin kann ich mich noch gut erinnern. Wir sind nach Spanien gefahren, tatsächlich eher
küstennah in dem Sinne, aber wir hatten Windrotoren, also Windkrafträder zerlegt,
hatten wir auf diesem Schiff. Also das war nochmal eine besondere Fracht auch. Man muss
das ganz besonders, wir sagen ja so schön laschen. Also das war auch so ein Schiff,
das nennt sich ein Multi-Purpose-Schiff. Also da kann man einen Container draufstellen,
aber man kann im Schüttgut fahren, man kann aber auch im Schwergut fahren,
da werden halt Maschinenteile draufgesetzt und die müssen ganz besonders gelascht werden,
also festgezurrt werden und für mich war das ein Lernfaktor auch. Ich wollte das einfach lernen
und sehen und ich weiß, dass ich damals, ich war ja schon Ende 30, ich musste so eine 11 Meter
Bordwand hoch, auf so einer 90 Grad-Leitner da hochklettern und hab mir immer gedacht,
nicht umdrehen, nicht umdrehen, nicht runtergucken. Also das sind so Erinnerungen,
die daraus noch geblieben sind. Ich hab in diesen Monaten dort, da habe ich innerhalb von zwei
Monaten, zweieinhalb Monaten, habe ich irgendwie elf Kilo abgenommen. Weil du die ganze Zeit nur
am Klettern warst. Genau, ich war die ganze Zeit nur am Klettern und das war wahnsinnig anstrengend.
Jedes bisschen Babyspeck war dann völlig weg. Also ja, aber das Essen war trotzdem sehr gut,
das ist bei uns immer ein wichtiger Faktor. Eigentlich auf allen Schiffen wird da immer
sehr geguckt, wird drauf gelegt, weil das eine extrem schwere, körperlich schwere Arbeit ist.
Nicht für jeden, für mich als Kapitän inzwischen nicht mehr so, aber für meine Mitarbeiter an Deck
und auch unten in der Maschine ist es schon so. Du hast mir jetzt von deiner ersten Fahrt erzählt.
Was war so deine Highlight-Fahrt, wenn du jetzt sagen musst, oder die Fahrt fährst du immer wieder,
weil das ist die schönste oder aufregendste? Schönste oder aufregendste? Also es gibt zwei
Sachen, die ich besonders gerne mache, das ist einmal durch den Panama-Kanal fahren. Das ist
tatsächlich wunderschön, das ist also ein unglaubliches Naturerlebnis und ich habe mir
wirklich auch einen Wunsch erfüllt, das hat auch geklappt mit der Reederei, dass ich zwei Schiffe
fahren konnte, Neubauten damals aus Shanghai, den Amazonas rauf nach Manaos. Das war also eigentlich,
ich wollte immer mal den Amazonas hochfahren nach Manaos. Warum wolltest du das? Ja, ich wollte
einfach in diese Natur, in diesen Dschungel und das fand ich einfach unglaublich. Und war es dann
auch? Hat sich das so? Ja, fantastisch. Wieso? Erzähl uns, was war daran so besonders? Ja, die Natur einfach um einen
herum und man fährt ja tatsächlich drei Tage, fährt man. Also das ist Wahnsinn und auch diese
Natur zu erleben, das ist unheimlich schön. Also das sind ganz andere Geräusche, die Vogelgeräusche
auch und das Wasser der Amazonas ist vom Gewässer her völlig, also es ist total spannend. Man hat in
der Zeit auch tatsächlich Lotsen an Bord, diese drei Tage, die auch sehr eigenverantwortlich dann
eben fahren. Man muss da eigentlich gar nicht so groß anwesend sein. Wir haben das zwar schon so
gemacht, aber es ist schon unheimlich bewundernswert da. Also die Natur ist wirklich, ja es ist toll.
Also man sieht einfach über den Wäldern, über diesem Grün, man sieht morgens dann auch so diese
Nebelwolken, Wölkchen zum Teil und erst habe ich gedacht, oh je, am Anfang, man hört ja auch immer,
der ist abgewandert und gerodet. Ein bisschen sieht man das auch tatsächlich noch, aber es ist
auch schon deutlich besser geworden an einigen Stellen. Also nachher am Amazonas, wenn man dann
hochkommt, dann treffen sich ja diese zwei großen Flüsse und der eine ist eben warm, der andere ist
kalt. Das ist einfach auch eine ganz tolle Sache. Also ich konnte ein paar Tage länger bleiben. Ich bin
dann umgestiegen in ein anderes, wieder zurück dann sozusagen und hatte eine Woche dazwischen und
konnte das dann eben da auch tatsächlich noch mal genießen. Also mit einem, wir haben uns einen
Überflug gegönnt, also mit so einer kleinen Chesna einmal das so von oben zu sehen und ich war auch
tatsächlich noch eine Woche im Dschungel selber. Also das sind so, das klappt nicht immer, aber wenn
es manchmal eben, das war wirklich toll. Mal so eine Woche im Dschungel leben, das ist wie drei Wochen
Urlaub. Das hatte eine unglaubliche Entspannung. Hätte ich auch nicht gedacht. Weil du wahrscheinlich einmal
komplett einfach runterfährst. Völlig. Also ich bin ja jetzt auch, genau und ich bin auch nicht,
wirklich nicht der Insekten-Fan. Also das ist ja, da hatte ich schon ein bisschen Schiss auch mit
diesem ganzen Wasser, so krabbelt und kreucht und fleucht, aber das ist einfach wunderbar gewesen.
Lass uns noch mal zu dem Containertransport und den Waren, die so an Bord sind, kommen. Wie werden
Container genau verladen? Wie lange dauert das und bist du da auch mit dabei? Nicht direkt, also
ich sehe es natürlich von meiner Kamera aus. Ich sehe, da geht es jetzt los. Also verladen werden
die in modernen Häfen über sogenannte Gantries. Das sind so Kräne, Kranen, Brücken, die sich so über
die Schiffe runterfahren. Man sieht das immer sehr schön bei den Nachrichten, wenn über Wirtschaft
berichtet wird. Da ist immer ein Bild von Container-Häfen und da fährt dann einer lang und hebt
diesen Container an und setzt ihn dann an Land auf Trucks, also auf LKWs und dann werden die
abtransportiert und so wird auch wieder geladen. Wie lange etwas dauert, das kommt immer auf den Hafen
drauf an und wie modern der Hafen ist. Ich sage mal, ich habe 800 Container in Hongkong oder in
Singapur dauert das vier Stunden, fünf Stunden. Bin ich aber in Angola oder in Nigeria, brauche ich
eine ganze Woche mindestens. Da wird noch mit eigenen Kränen, sind oft Schiffe, die noch selber
Kräne auch haben, dann gelöscht. Das dauert viel, viel länger. Lass uns mal dazu kommen, ich habe
es eingangs schon gesagt, 90 Prozent aller Produkte werden in Schiffscontainern transportiert. Also
die Weltwirtschaft und Globalisierung wäre gar nicht so möglich, wenn es nicht Containerschiffe
gäbe, die diese ganzen Produkte durch die Welt transportieren. Wie wichtig siehst du die Rolle
der Schifffahrt und der Containerschiffe innerhalb dieser Weltwirtschaft und Globalisierung? Ja,
enorm wichtig, weil vieles wäre, also man muss sich das wirklich mal überlegen, das, was ich
in der Hand habe, wo kommt das her und wie kommt das überhaupt zu uns? Also insofern ist es schon
enorm wichtig, das auch am Laufen zu halten. Ansonsten würde uns einiges fehlen und wenn wir
einfach hier auf den Tisch gucken, was hier so steht an Technik, da ist das meiste nicht aus
Deutschland. Hast du manchmal Angst an Bord oder hattest du schon mal Angst an Bord? Also du bist,
würde ich sagen, auch wenn ich dich erst kurz kenne, wahnsinnig tiefenentspannt. Aber wenn
du jetzt probieren müsstest, eine Geschichte zu erzählen, die schon sehr aufregend war, auch wenn
sie dir keine Angst gemacht hat, was war die? Wir brauchen hier so ein bisschen Team. Die
aufregend war, ach Gott, naja, ja, was war aufregend? Weiß ich nicht, mal so ein verrückter
Sturm oder du warst auf dem Boden. Ja, verrückter Sturm hatte ich in Asien mal, da war ich aber
Offizierin, da war ich selber nicht Kapitänin. Da kann ich mich erinnern, dass wir tatsächlich
mal im Hurricane rein, der hat gedreht, also wir wollten den umfahren, dann hat das blöde Ding
gedreht. Die haben ja sonst so eine Laufbahn, die man so vorhersagen kann, das hat er aber nicht
gemacht, hat sich da nicht dran gehalten, sondern hat gedreht, ist zurückgekommen. Wir haben das
auch wirklich ordentlich abgekriegt und waren dann plötzlich so in der Mitte, in dem Auge
dieses Sturms und dann hat man wirklich so drumherum, wie es beschrieben ist, wirklich so
grünes Wasser, weil wirklich von unten hoch alles wirklich aufgewühlt war und dann ist es
Totenstille und das ist schwer beeindruckend. Das ist so wie so dieser Hurricane. Da tobt es,
aber um euch herum. Genau, genau und du bist im Auge und es ist völlige Stille, total ruhig. Das
Wasser ist richtig, richtig grün und das war schwer beeindruckend. Also habt ihr da alle einfach
nicht miteinander geredet, sondern das einfach beobachtet? Einfach beobachtet, weil alle,
die in der Regel zu sie fahren, die sind einfach von der Natur überwältigt immer wieder und da
gibt es immer wunderbare Beispiele, auch für schlechte Tage, wenn man mal einen blöden
Kollegen hat, was ja immer sein kann, die überall dann entschädigen viel solche Sachen, aber das
war natürlich schon sehr besonders und wir sind da Gott sei Dank richtig gut wieder rausgekommen,
aber das ist mir so schwer in Erinnerung geblieben. Ja, das klingt auch super, super spannend. Bei
diesem Hurricane, den ihr hattet, seid ihr da gespannt? Ja, schon. Also wir sagen ja krängen
oder eben eine List bekommen, also eine Seitenbewegung, die schon mal zehn Grad ist schon
heftig. Also da fliegt man schon ganz schön hin und her und da bleibt auch nichts mehr still auf
dem Tisch. Also da muss alles gesichert werden, was wir vorher natürlich alles machen und trotzdem,
da muss man sich selber auch festhalten. Also gerade oben auf der Brücke ist ja immer so der
höchste Punkt, da fliegt man noch mehr hin und her als jetzt die unten in der Maschine und dann
kann es schon mal sein, wenn das über mehrere Tage geht, so ein schlechtes Wetter, dann werden
durchaus mehrere Leute seekrank. Weil es tatsächlich so ist, man kommt auch im Schlaf nicht zur Ruhe,
man rutscht in den Betten hin und her, selbst wenn sie sich dann so anders legen, dass man
nicht rausrollt, aber man kann sich ja dann auch zum Beispiel quer zum Schiff, dann rutscht man
immer nach vorne und nach hinten in den Bett. Also das heißt, der Körper ist permanent in Bewegung
und dadurch hat man eine Grundmüdigkeit, die man bekommt und das macht dann irgendwann seekrank.
Also da wird einem dann nicht so gut, also das kenne ich auch. Für mich ist es dann einfach,
ich gehe oben auf die Brücke, ich sehe den Horizont, habe die Augen für eine Weile ruhig,
dann beruhigt sich das auch wieder. Aber der Koch in der Kommuse, der kämpft schwer mit den Töpfen
und mit sich selbst. Klar, auf jeden Fall. Es gehen ja jährlich hunderte von Containern auch
verloren. Passiert es dann, wenn es einen Sturm gibt, zum Beispiel bei diesem Hurricane? Also
sind da Container von Bord gegangen in so einem Moment? Natürlich kann immer was passieren. Also
man kann das gar nicht so ganz ausschließen, das ist schon richtig. Aber wo ich auch eben sehr
darauf achte mit meinem ersten Offizier, dann wenn wir Atlantiküberquerung haben,
Pazifiküberquerung, dass nochmal wirklich alle Reihen vorher durchgegangen werden und alles
nochmal wirklich nachgezogen wird. Trotzdem kann das natürlich immer passieren. Auch ein Container
kann mal so einknicken und dann kriegt das Ganze eine ziemliche Schlagseite, was dann wieder zur
Schlagseite des Schiffes führen kann. Also das ist schon nicht ungefährlich. Und vor allem,
wenn da Gefahrengut oder irgendwas in den Containern ist, die sollen ja auch nicht auf
mehreres Grund einfach liegen. Nein, das sollen sie nicht. Und auch schwimmende Container sind
für alle gefährlich, auch für uns. Die schwimmen ja erst mal, bevor sie untergehen. Und wenn sie
da dran vorbeifahren, man sieht die nicht und man knallt gegen. Wir haben ja keinen unteren
Skandal in dem Sinne. Bist du schon gegen Container? Nein, Gott sei Dank nicht. Aber
das ist schon nicht ganz ungefährlich und natürlich auch für kleinere Schiffe. Das ist
ziemlich gefährlich. Du hast gerade schon gesagt, wie im normalen Leben auch. Kommt man mal mit dem
einen besser klar und mit dem anderen weniger gut klar. Wenn du auf Land bist und dir jemand
nicht so gefällt, dann gehst du halt einfach weg. Du bist auf dem Schiff, da ist jemand und du denkst,
den mag ich wirklich gar nicht. Genau und dann sitzt er auch noch an meinem Tisch und ich muss
mit ihm essen. Ja, genau. Und dann schmatzt er vielleicht noch. Richtig nervig. Also bei den
Seeleuten ist das immer so, das habe ich sehr früh gelernt, man muss alles ansprechen. Es ist
tatsächlich so. Also wir müssen sofort in die Kommunikation gehen. Jetzt haben wir aber einen
Kollegen, der super nervig ist, der will nicht reden, der hat irgendwas, da kann man nichts machen.
Das ist dann tatsächlich so. Das muss man dann irgendwie tolerieren. Also es ist tatsächlich so,
wenn es natürlich wirklich übel wird oder ich sage mal ganz banal, der mobbt jemanden, dann
gibt es natürlich schon die Ansage vom Chef. Das ist einfach so. Also bei uns ist da eben auch eine
enorme Hierarchie, die hat auch was und die ist auch ganz bewusst so. Das wissen auch alle. Wer
sich da völlig übel aufführt, der geht dann im schlimmsten Fall nach Hause im nächsten Hafen.
Also das ist tatsächlich so. Also da ist es auf der einen Seite die Toleranz, aber wenn aber
eben auch jemand so völlig aus dem Rahmen fällt oder was bei uns auch zum Beispiel ein absolutes
No-Go ist, wir bestehen uns auch nicht gegenseitig. Das ist auch so ein Punkt. Na klar, ihr seid halt
alle eng beieinander. Ihr müsst extrem vertrauen, sowohl was eure Arbeit angeht, aber auch eure
Privatsphäre. Wir sind aufeinander angewiesen in jedem Fall und das ist ganz, ganz wichtig und
ist ein ganz wichtiger Aspekt. Ich könnte das Schiff alleine nicht fahren. Mit einem Frauenanteil
von über sieben Prozent liegt Deutschland sogar deutlich über dem durchschnittlichen
internationalen Frauenanteil in der Schifffahrt von etwa zwei Prozent. In Deutschland gibt es
rund 1000 Kapitäne und neun davon sind Frauen. Das heißt, du bist eine von den neun Frauen.
Ich bin eine von den neun. Das war gerade die letzte Statistik.
Ja, genau. Das ist ja wirklich krass, auch wenn man jetzt davon redet. Also die Wahrscheinlichkeit,
dass du auf dem Schiff mit noch einer anderen Frau bist, ist sehr gering.
Ist gering, genau. Ich bin meistens auch alleine. Das ist tatsächlich so.
Wie ist das für dich?
Ich habe mich daran gewöhnt.
Wünschst du dir manchmal so ein bisschen Girl Support?
Ja, ich bin dem Girlie-Alter ja entwachsen.
Pädagogen-Support?
Ja, ja, nein. Also ich muss sagen, bei uns im Moment in der Reederei wird das schon auch
gefördert und unterstützt. Also wir kriegen gerade auch nochmal so einen richtigen Bonus
an Frauen. Kommt nochmal rein. Ich habe mich nie versteckt. Also ich habe bei mir auch,
ich sage mal ganz erlaubt, den Lippenstift.
Du hast auch heute einen schönen Lippenstift drauf.
Ich verstecke mich in dem Sinne nicht.
Du hast gerade schon gesagt, dass bei dir in der Reederei das auch so gefördert wird.
Es gibt ja auch den Trend des Gendershifts.
Kurze Erklärung zu dieser Begrifflichkeit für unsere Zuhörerinnen.
Gendershift bedeutet, dass traditionelle Geschlechterrollen zunehmend aufgebrochen
und neu definiert werden.
Im beruflichen Kontext, dass Frauen zunehmend auch in Berufe und Positionen gehen,
die historisch eher als Männerdomänen galten, wie zum Beispiel in der Schifffahrt
oder auch in der Technik oder in irgendwelchen Führungspositionen.
Gleichzeitig engagieren sich aber auch mehr Männer in Berufen, die traditionell eher von Frauen
dominiert oder ausgeübt wurden, wie der Pflege oder der Erziehung.
Siehst du diesen Trend des Gendershifts auch in der Schifffahrt?
Also bei uns ja tatsächlich. Also es wird auch unterstützt und gefördert auch durch Trainees.
Also so heißen die Auszubildenden bei uns ja.
Da ist da wirklich tatsächlich auch geguckt, auch speziell auf Frauen da gefördert wird.
Also in dem Sinne gefördert wird, dass man sie nimmt, zulässt, dass man auch noch mal bewusst,
das macht, wir nehmen zum Beispiel immer zwei Trainees zusammen und dann auch gerne eben zwei Frauen zusammen,
als junge Frauen dann, die sich eben auch untereinander stützen können.
Findest du, dass auch mehr Frauen deiner Branche so guttun würden?
Könnte ich schon sagen. Also mir wurde auch öfter gesagt,
oh, das finden sie eigentlich ganz toll, eine Frau zu haben,
weil die einfach nochmal einen anderen Blick auf die Dinge hat.
Und sei es einfach der schön gedeckte Tisch an Weihnachten.
Das ist tatsächlich so.
Also man könnte jetzt auch sagen, es reduziert auf das.
Aber es gibt ja auch Männer, die da Spaß dran haben, etwas schön zu decken.
Aber wenn jetzt jemand zu Hause ein schwer krankes Kind hat oder Eltern, die präfinal sind,
dann wie gehe ich in dem Moment um?
Ich weiß, ich kriege den Kollegen so schnell nicht mehr nach Hause.
Ja, oder wir versuchen sowas immer.
Aber das kann schwierig sein.
Ja, dann ist ja auch so ein psychologischer Aspekt.
Wie rede ich mit dem Kollegen?
Wie kann ich ihn unterstützen?
Ja, aber wie ist es theoretisch machbar auch, dass vielleicht Frauen,
die Kinder kriegen wollen, diese diese Job ausüben?
Also muss es dann eine andere Art von Förderung geben?
Sind es vielleicht nicht die drei Monate?
Also wenn du das einfach mal so weiterspinnen würdest, wie wäre das möglich?
Also wir haben das mal in einer meiner ersten Redereien auch so ausprobiert,
tatsächlich mal mit einem, wie alt war es, sechs oder sieben,
die ging noch nicht zur Schule, Kind ausprobiert.
Also erster Offizier war eine Frau und die Kleine war mit dabei.
Und es hat richtig gut funktioniert.
Interessanterweise so eine wahnsinnige Vorbereitung,
auch weil man auch Kindermedikamente an Bord haben muss.
Das sind ja alles so, alles so, sag mal, wir ja keinen Arzt an Bord haben.
Und das war also mit großen Bedenken.
Dieses Kind hat am Ende nicht mal ein Pflaster gebraucht,
weil auch natürlich alle sich wahnsinnig gefreut haben.
Also die gesamte Crew fand das super toll,
weil da ein Kind war, auf einmal etwas, was normal ist im Leben.
Und dieses Kind wurde so behütet.
Also da gab es jeden Tag eine Eiskugel.
Das war eigentlich gar nicht mehr als ein Teil.
Aber das war also ein unheimlich tolles Projekt.
Das hat wirklich super funktioniert.
Aber natürlich ist da schon der Punkt.
Das muss man sagen.
Also ich denke, da könnte man sagen,
vielleicht entweder eine Europaküstenfahrt zu machen, also nicht so ganz weit weg
oder dann eben tatsächlich nicht so lange einsetzen.
Also vier Wochen, sechs Wochen.
Aber du glaubst, theoretisch wäre das möglich?
Theoretisch ist es möglich.
Spannend, ja.
Lass uns noch mal so ein bisschen zu Stichwort
Containerschiff gleich Umweltsau, Ausführungszeichen, Fragezeichen gehen.
Die Seefahrt macht mittlerweile 2,7 Prozent der jährlich weltweit
von Menschen freigesetzten Treibhausgasmengen aus.
Das ist ungefähr so viel wie Deutschland insgesamt pro Jahr ausstößt.
Das war mir vor der Recherche auch nicht bewusst.
Das ist echt verrückt.
Aber eben, jetzt müssen wir es hier auch noch mal betonen.
90 Prozent aller Produkte werden in Schiffscontainern transportiert.
Ist Containerschiff und Umweltsau
für immer, geht es für immer so weiter?
Siehst du da die Zukunft?
Siehst du Verbesserungen?
Wo wird daran gearbeitet?
Was ist so dein Gefühl?
Also da wird auf jeden Fall sich was ändern, weil wir machen das
auch im Moment schon sehr deutlich.
Es werden Schiffe entwickelt mit Maschinenantriebe,
die entweder über LNG fahren, also Gase oder auch Methanolgase.
Das ist jetzt gerade ganz, ganz neu auch.
Ja, also ich glaube schon, das Öl wird zurückgehen.
Aber es ist immer noch sehr günstig.
Also wenn man da sagt Okay, wir zahlen da ein bisschen mehr
und nehmen das im Moment in die Produktion von CO2 freien Kraftstoffen rein,
dann wird sich das ändern.
Das glaube ich schon.
Aber es braucht noch ein bisschen Zeit.
Also der Gedanke ist Eigentlich wollen die Firmen das schon auch.
Jeder möchte ja irgendwie, wenn man sich die Lieferketten anguckt,
irgendwie vielleicht auch ein grünes Schiff haben.
Aber dafür ist im Moment das Öl einfach noch zu günstig.
Das ist einfach so.
Man muss da vielleicht ein bisschen den Preis erhöhen,
also einen gewissen Zwang auch irgendwie ausüben und das diesen Gewinn
dann in Methanolschifffahrt oder in LNG-Gase dann investieren.
Auf der einen Seite ist es ja super schön, dass du diese vielen
internationalen Fahrten machen kannst.
Aber es bedeutet im Umkehrschluss, dass wir natürlich ganz viele Produkte
von weit weg aus dem Ausland zum Beispiel hierher bringen.
Hast du das Gefühl, dass es immer mehr zu einem Reshoring kommt,
also die Rückfalllagerung von Produktionsstätten
aus dem Ausland zurück ins Industrieland?
Ja, es ist schon so eine Entwicklung auch da, dass ich auch natürlich
überlege, ich mir, wenn ich eine Kiwi essen will, kommt die aus Israel
oder aus Neuseeland, will ich gar nicht sagen.
Ich muss mir das natürlich wirklich überlegen.
Aber so ganz zurückdrehen werden wir das nicht können.
Das glaube ich auch allein gerade auch die Technik, die wir hier vor uns haben.
Und wir sehen es jetzt gerade ganz schön ja auch an den Autos, was da passiert.
Aber hast du das Gefühl, dass die Schifffahrt gerade in einem extremen Wandel ist?
Wird es mehr, wird es weniger?
Wir sind ja hier bei dir direkt dran.
Also was ist so dein persönliches Gefühl?
Im Moment ist es viel mehr.
Es ist gerade schon richtig viel.
Also das hat aber auch wirklich dadurch zu tun.
Wir müssen einfach auch noch mal um dieses Geopolitische und auf die Welt gucken,
dass wir alle eben nicht durchs Rote Meer fahren können, durch den Suezkanal,
weil da eben die Rebellen sich gerade extrem
aufführen und alle unten um das Kap fahren müssen.
Und das heißt, wir brauchen im Moment noch mehr Schiffe, um die Linie,
die man immer hat.
Wir fahren ja einen Linienverkehr wie einen Bus eigentlich aufrecht zu erhalten.
Das heißt, ich habe im Moment eh schon mehr Schiffe.
Ob das noch mehr wird?
Naja, die Häfen sind extrem voll und es ist auch sehr, sehr getaktet.
Ja, wir können natürlich noch weiter fahren und noch mehr größere Häfen bauen.
Ich weiß gar nicht, wohin eigentlich im Moment.
Aber es ist schon, also auch Singapur, das ist extrem getaktet.
Also da kommt man schon kaum mehr zwischendurch.
Aber es liegt in Anführungsstrichen an uns, weil wir so viel konsumieren.
Sonst würden ja nicht so viele Schiffe fahren, oder?
Ja, so ist es natürlich.
Wie gesagt, muss ich das Steak aus Argentinien essen?
Natürlich ist das so.
Aber ich habe die ganze Technik.
So viel Technik kommt aus Asien.
Das ist einfach so.
Das werde ich so in dem Sinne schlecht zurückdrehen können.
Ich habe, bevor ich das Interview hier ja mit dir angefangen habe,
auf Instagram mal eine Umfrage gemacht, beziehungsweise ein Fragentool,
dass meine Follower oder Followerinnen Fragen stellen konnten
an eine Kapitänin vom Containerschiff.
Und da sind natürlich ganz viele Fragen reingeprasselt,
weil Beate, du einen sehr spannenden Job hast.
Und ich werde dich jetzt einfach mal ein paar Fragen stellen.
Ist es schwer, ein Containerschiff zu steuern?
Ja, schon, schon manchmal schon.
Ja, genau.
Also eigentlich haben wir ja entweder ein kleines Rad oder ein Steuerrad
oder wir haben einen kleinen Joystick auch manchmal.
Aber nicht jedes Schiff.
Das ist so wie mit jedes Auto.
Jedes Auto ist anders.
Jedes Schiff ist anders.
Ich hatte gerade zum Schluss zum Beispiel eins, das fühlt sich nicht wirklich schön.
Also das hat ja mal Mühe gehabt, um die Kurve zu kommen.
Das ist dann schon anstrengend.
Hast du Arm-Muckis? Also musst du trainieren?
Ne, das da nicht.
Ne.
Die Elfmeter, die muss ich nicht mehr rauf und runter.
Die musst du nicht mehr.
Noch eine weitere Frage.
Ist man oft einsam?
Das empfindet, glaube ich, jeder anders.
Also ich könnte einsam sein, wenn ich das wollte.
Aber eigentlich bin ich das eher nicht.
Also weil ich einfach auch ein offener Mensch bin
und Ansprechpartner für alles Mögliche.
Also von daher, es mag sein, dass manche Menschen das einsam empfinden.
Ich eher nicht.
Ganz im Gegenteil.
Manchmal ist es mir sogar zu viel und ich bin froh, wenn ich mal die Tür zumachen kann.
Die nächste Frage ist, an welchem Hafen bist du am liebsten?
Ich bin sehr gerne in Singapur tatsächlich.
Wieso?
Weil alles so schnell läuft.
Ja, das ist eigentlich schade.
Also eigentlich in Singapur ist eine tolle Stadt.
Es ist ein wunderbarer Stadtstaat und man ist auch relativ schnell in der City.
Und es gibt noch einen anderen kleinen, wunderbar
brasilianischen Hafenzau, Francisco do Sul.
Da konnten wir auch richtig ranfahren und dann ging man die Gangway runter
und dann marschierte man zu Fuß ins Dorf und konnte da wunderbar essen.
Und das ist auch so ein bisschen Grün, Wald leicht, kleiner Dschungel.
Also das ist auch sehr schön. Das sind die Kleinen.
Also du kannst dann auch vom Schiff gehen und theoretisch,
da wo du bist, die Gegend auschecken?
Genau, je nachdem, wie viel Zeit dann da ist natürlich.
Und kann ich das aber auch tun.
Noch zwei Fragen.
Kann der, die Kapitän, Kapitänin zur Rechenschaft gezogen werden,
zum Beispiel bei Drogen im Container?
Theoretisch ja, praktisch offiziell nicht mehr so.
Also man hat verstanden, dass wir dafür nicht verantwortlich sind
und dass wir den ja nicht packen.
Es kommt ein bisschen auf die Länder drauf an.
Das muss man tatsächlich so sagen.
Wir wissen aber, wenn also Ecuador, Kolumbien.
Ich hatte eine Route, wo man dann durch Panamakanal,
eben durch Europa, verschiedene Häfen in Europa
und bis ins Schwarze Meer damals noch reingefahren ist.
Und da weiß ich auch, da war dann schon klar, oh,
da kann immer wieder was drin sein.
Das wurde uns dann nachher auch mitgeteilt.
Ja, ihr habt hier 75 Kilogramm Kokain drin gehabt.
Ja, aber die wissen auch mittlerweile, dass wir das natürlich
ja nicht unterstützen.
Ja, also die Sache ist halt die, ihr fahrt es und es wird gepackt.
Da sind Kontrollen, ihr müsst es abnehmen.
Ihr, was du am Anfang gesagt hast, da steht dann Gefahrengut etc.
Wahrscheinlich ist es rechtlich gar nicht erlaubt,
dass ihr wisst, was da drin ist.
Und na ja, wir machen die Container auch nicht auf.
Ja, die sind ja gesiedelt.
Insofern machen wir sie nicht auf.
Trotzdem, also ich kann mich auch an einen Fall erinnern,
wo wir tatsächlich auch mal verdächtige Päckchen an Deck gefunden haben.
Die sind mir dann gemeldet worden.
Und ich habe das dann für den nächsten Hafen, den Behörden
einfach offiziell gemeldet, mit Fotos, mit allem.
Und die haben sich bedankt und das abgeholt.
Und gut war es.
Interessant.
Es kommt wirklich auch auf die Häfen drauf an.
Aber bisher die letzten Jahre, jetzt muss ich sagen,
habe ich eigentlich nicht mehr gehört,
dass irgendjemand dafür in den Knast gegangen ist.
Ich weiß, in den Anfängen war das oft noch so,
weil einem das immer unterstellt worden ist,
dass man sich schmuggelt.
Verrückt, verrückt.
Mich würde interessieren,
wie einfach es ist, mit Containerschiffen mitzureisen.
Und wie kann man das?
Also als Privatperson?
Oh, das gibt es schon.
Es gab lange Zeit.
Ich glaube, es gibt es auch noch in Hamburg zum Beispiel ein Reisebüro.
Es gibt Räder auch immer noch, die ein, zwei Kabinen, drei Kabinen
frei halten für normale Passagiere, Fahrgäste.
Also ich bin selber auch mal auf solche Containerschiffe gefahren,
wo wir Passagiere mit hatten, maximal drei.
Nur da muss man wissen, eben tatsächlich so,
wir sind keine Eventagentur.
Man muss sich die Zeit selber bespaßen
oder sich ausreichend Lesestoff mitnehmen
und die Zeit dann so verbringen.
Und man muss in den einzelnen Häfen in der Regel dann auch gucken.
Wenn ich sage, ich fahre jetzt hier nach Buenos Aires oder Montevideo,
dann muss ich mir selber überlegen, was will ich mir da angucken?
Weil wir da nichts organisieren, natürlich.
Beate, in jeder Folge unseres Podcasts
frage ich am Schluss meine Gesprächspartner oder Gesprächspartnerinnen
nach einer Art von Handlungsempfehlung,
wie man die Zukunft etwas besser machen kann.
Ich würde dich fragen,
welche Handlungsempfehlung würdest du unseren HörerInnen geben,
die eine größere berufliche Veränderung wagen wollen,
wie du es ja auch getan hast?
Oh, Handlungsempfehlung.
Ja, also offen sein.
Also für mich war auch immer, das ist ja auch, wenn man schon,
ich sage mal, mit 40 ist man ja schon so ein bisschen in der Mitte des Lebens
und da haben immer viele gesagt, oh Gott, wie kannst du nur?
Und ich war einfach immer offen und neugierig.
Und selbst wenn man sich manchmal fragt, wie finanziere ich das denn?
Da befindet sich immer etwas.
Und diese Offenheit, die Neugierde auch dem Neuen gegenüber,
finde ich, das muss man sich immer bewahren.
Das hilft einem auch bei so größeren Sprüngen eigentlich weiter.
Voll schön, voll schön.
Damit endet die heutige Folge des Podcasts im LWL-Museum
Schiffshebewerk Henrichenburg.
Die Sonderausstellung Container, die globale Box,
könnt ihr im Frühjahr 2025 hier in diesem Museum sehen.
Falls ihr jetzt Lust bekommen habt, die anderen Folgen noch zu hören,
weil vielleicht habt ihr euch noch gar nicht angehört, tut das auf jeden Fall.
So, Beate.
Vielen, vielen Dank für deine Offenheit.
Gerne.
Es war super spannend.
Ich wünsche dir noch weitere tolle Reisen und das dann auch so sicher
und auch so spannend verlaufen, wie du schon erlebt hast.
Alles Gute dir und auch alles Gute unseren Zuhörern und Zuhörern.
Tschüss, tschüss.
Das war Fabrikfunk, ein gemeinsamer Podcast der LVR und LWL Industriemuseen,
moderiert von Nadine Haddad.
Sounds von Studierenden der FH Dortmund Sound Design.
Redaktion Saskia Berghäuser, Ellen Böhmler, Sonja Faller und Konrad Utkowski.