Ein Vorschlag für das Welterbe der UNESCO

LWL-Museen für Industriekultur
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04.11.2024
Das Ruhrgebiet will Welterbe werden: Das Land Nordrhein-Westfalen ist mit der industriellen Kulturlandschaft Ruhrgebiet im Rennen um die Fortschreibung der deutschen Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe. Im Jahr 2014 wird darüber entschieden, ob dieser Nominierungsvorschlag auf die internationale Vorschlagsliste der UNESCO gelangt. Im Zusammenhang mit der Bewerbung entstand der Kurzfilm "Zollverein und die industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet".
Im Archiv des Deutschen Bergbaumuseums in Bochum lagert auf 6000 Regalmetern die Geschichte des Ruhrgebiets.
Einer dörflichen Landschaft, die zur industriellen Maschine wurde.
Es gibt keine Erscheinung auf der Welt, die sich hiermit irgendwie vergleichen ließe.
Mit der Erfindung der Dampfmaschine in England setzt eine Entwicklung ein,
die das Gebiet zwischen Ruhr und Lippe zu einer Blaupause der Industrialisierung macht.
Runde ist ein Diamant, auch nur ein Stück Kohle, das die nötige Ausdauer hatte.
Das Ruhrgebiet wird zu einer weltweit einzigartigen industriellen Landschaft.
400 Zechen mit über 1000 Schächten perforieren den Boden.
Kokereien, Hütten und Stahlwerke erleuchten den Nachthimmel.
Die Luft ist geschwängert von den Ausdünstungen der Industrie.
Gleise, Kanäle, Straßen und Rohrleitungen zerschneiden den Raum.
Die Kohle dieser begehrte Stoff geht über Tage fantastische Wege.
Von Rohr zu Rohr, von Werk zu Werk wird sie weitergeschickt, werden ihr Stoffe entnommen, Gase.
Und immer noch lohnt sich ein Rohr für den Rest.
Die Entwicklung des Ruhrgebiets folgt in bis dahin nicht gekannter Konsequenz der Logik industrieller Produktion.
Schön im klassischen Sinne ist die Industrielandschaft nicht.
Aber Heimat für 5 Millionen Menschen.
Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden.
Heute erobern sich die Menschen das Ruhrgebiet zurück, mit dem Fahrrad auf den alten Bahntrass.
Erst der Stillstand der Montanindustrie hat den Blick für ihr Erbe geschärft.
Und plötzlich entdeckt man Ästhetik, wo früher scheinbar nur Funktion war.
Historismus, Jugendstil, klassische Moderne.
Das alles hat es auch im Industriegebiet gegeben, nur anders.
Als größte künstliche Landschaft Europas hat das Ruhrrevier die Chance zum größten Kunstwerk der Welt zu werden.
Wo andere nach römischen Resten graben, gräbt das Ruhrgebiet die eigene Geschichte aus.
Zum Beispiel die Fundamente der ersten Hochöfen.
Nirgendwo auf der Welt gibt es auf so engem Raum so viele bauliche Zeugnisse einer der wichtigsten Umwälzungen der Menschheitsgeschichte.
Der industriellen Revolution.
Dort unten werden ganze Gebirge bewegt, verlagert, gefördert.
Stürme frischer Luft werden in die Erde gepumpt.
Ganze Wälder verschwinden als Stützmaterial in den Tiefen.
Nirgendwo wird das industrielle Erbe intensiver gepflegt.
Natürlich erzählen die Orte heute eine etwas andere Geschichte.
Und vielleicht auch nicht immer die ganze Wahrheit.
Doch um zu verstehen, wie die Industrialisierung die Welt verändert hat, sind sie unverzichtbar.
Das Industriezeitalter hat im Ruhrgebiet eine einzigartige Landschaft und einzigartige Menschen geschaffen.
Ihr kleinster gemeinsamer Nenner ist die Arbeit.
Die Denkmale der Maschine Ruhrgebiet sind ihre Geschichte und ihre Kultur.
Das Ruhrgebiet hat sich, im wahrsten Sinne des Wortes, das Recht erarbeitet, sich hemmungslos zu stilisieren und sich zu dem zu bekennen, was es einzigartig macht, nämlich die Arbeit.
Das Ruhrgebiet befindet sich längst mitten im nächsten Wandel.
Dazu gehört die Erforschung, Bewahrung und Transformation des Vergangenen, genauso wie der Blick in die Zukunft.
Als weltweit erste Universität bietet die Technische Fachhochschule Georg Agricola den Studiengang Nachbergbau an.
Das Interesse ist groß, weltweit.
Die Geschichte des Ruhrgebiets mag nicht die schönste sein, aber sie ist weltweit einzigartig.
