Mit der Erweiterung des Campus der Internationalen Psychoanalytischen Universität auf das Gebäude Alt-Moabit 91a (2. Etage im Gebäudekomplex parallel zur Stromstraße) hat das Erich Fromm Study Center einen eigenen Raum für die Lehre und Forschung bekommen.
Am 12. Juni 2024 um 19 Uhr lud das Erich Fromm Study Center zu einer öffentlichen Abendveranstaltung ein, bei der es um die Bedeutung des wissenschaftlichen Denkens von Erich Fromm für die Gegenwart ging. Fromms Menschenbild und sein Wissenschaftsverständnis sind wichtige Impulse für den hoch spezialisierten Wissenschaftsbetrieb der Gegenwart und unterstreichen und ergänzen zugleich die Zielsetzungen der Internationalen Psychoanalytischen Universität.
Wir danken der Karl Schlecht Stiftung, die die Einrichtung des EFSC an der International Psychoanalytic University durch ihre Finanzierung möglich gemacht hat.
[Musik]
der Titel meines Vortrags ist sicher
etwas ambitioniert auch wegt er die
Erwartung er from Forschungen und
Erkenntnisse mit dem heutigen
Wissenschaftsverständnis
abzugleichen um seinen Beitrag für die
Gegenwart auszuloten ich möchte dies
hier auf eine etwas andere Weise tun
zunächst werde ich mit einigen
Lebensstationen von from bekannt machen
die mit wichtigen wissenschaftlichen
Erkenntnissen verknüpft sind im
Anschluss daran werden ich dann einige
Wissenschaft iche Fragestellungen
Methoden und Theorien froms skizzieren
die mir nach über
50jähriger Beschäftigung mit seinem
Denken für die Gegenwart besonders
relevant zu sein scheinen from wurde in
Frankfurt am Main im Jahre
1900 geboren und wuchs als
Einzelkind in einer orthodox jüdisch
lebenden Familie heran die jüdische
Sozialisation ist in meinen Augen ganz
entscheidend um froms Menschenbild und
froms
Gesellschaftsverständnis adäquat zu
verstehen mit 19 Jahren nahm from bei
Alfred Weber in Heidelberg das Studium
der Soziologie auf und promovierte
1922 wurde promoviert
Entschuldigung über die Frage welche
Bedeutung das geleb jüdische Gesetz für
den sozialen Kit der in der Zerstreuung
in der Diaspora lebenden Juden hat mit
23 Jahren nernte er über seine Freundin
und spätere erste Frau Frieda Reichmann
die Psychoanalyse Freuds kennen seine
Ausbildung zum Psychoanalytiker schloss
er 1930 hier in Berlin ab von 1930 an
arbeitete auch in Frankfurt an dem
neuerdings von Max horgheheimer
geleiteten Institut für Sozialforschung
mit und definierte mit seiner
sozialpsychologischen Theorie und seiner
Untersuchung zum autoritären Charakter
deutscher Arbeiter und Angestellten bis
1936 auch
weitgehend die Programmatik des
Instituts über Autorität und Familie das
war from im Institut
1931 erkrankte from an offener
Lungentuberkulose und verbrachte 3 Jahre
bis zu seiner Emigration nach New York
in der Quarantäne auf der Schatzalp in
Davos und später im Dorf Davos selbst in
der
Schweiz hier formulierte from seine
bereits 1929
entwickelten Theorien zur sozial
Psychologie als
freudomarxistische Projekt als
freudomarxistisches Projekt dann weiter
das eigentlich innovative der
sozialpsychologischen Theorie froms ist
darin zu sehen dass er eine eigene
psychische Strukturbildung annimmt und
deshalb zunächst von einer libidinösen
Struktur der Gesellschaft dann aber von
einer eigenen sozialtypischen
Charakterbildung dem Gesellschafts oder
Sozialcharakter
spricht dieser psychischen
Strukturbildung ist es zu
verdanken dass die vielen einzelnen nach
demem Streben was die betreffende
gesellschaftliche Gruppierung für ihren
Bestand und sozialen Zusammenhalt
braucht und die selbst dann wenn die
sozialcharakterstrebungen für das
Gelingen des Menschen und des
gesellschaftlichen Miteinanders
abträglich sind und zu psychischen
defekten führen eben dies hat from mit
seiner
1930 durchgeführten Untersuchung zum
autoritären Charakter auch empirisch zu
belegen versucht in Davos beschäftigte
sich from auch immer stärker mit den
Schriften von Johann Jakob bachof
von morgen und von privau über
matrizentrische Gesellschaften und
darüber hinaus mit anderen
kulturanthropologischen Forschungen
schon bald nach seiner Ankunft in New
York
1934 nahm from dann mit dem
Psychoanalytiker und Psychiater
harrisivan Sowi einem Kreis von
Kulturanthropologen und Margaret mi und
Benedikt Rut Benedikt K auf sent sah
nicht wie Freud in als Instinkten
verstandenen trieben das
movins für die psychischen
strukturbildungen sondern im psychisch
überlebensnwendigen Bedürfnis nach
Bezogenheit davom schon seit geraumer
Zeit Zweifel daran hatte ob freuz
Libidotheorie als Erklärungsrahmen für
psychische strukturbildungen in anderen
Kulturen und in nicht autoritären
Gesellschaften hilfreich sein kann nahm
er sich im Herbst
1936 eine
Auszeit und formulierte eine
psychoanalytische
bezogenheitstheorie als Ersatz für
Freuds
Libidotheorie dieser fiel zwar in
Ungnade am Institut für Sozialforschung
und markiert den Beginn seines
1939 dann vollzogenen
Rauswurfs aus dem Institut für
Sozialforschung für from aber war das
sogenannte
relationale
Paradigma der von da an genutzte
Erklärungsrahmen für seine
sozialpsychoanalytische Theorie sie
bestimmt auch froms erstes großes Buch
escape V friedon im Jahr 1941 sich indem
er seinen anderen psychoanalytischen
Ansatz in einem bei in einem Anhang zum
Buch dann auch
darlegte
1950 siedelte from wegen seiner kranken
zweiten Frau Henny nach Mexiko über und
hatte dort bis
1973 seinen
Hauptwohnsitz hen starb zwar im Juni
1952 doch V hat hat zwischenzeitlich
eine Professur für Psychoanalyse an der
autonomen nationalen autonomen
Universität von Mexico der UNAM
angenommen sodass er auch nach der
Heirat der Amerikanerin annis Freeman im
Dezember
1953 in Mexiko
blieb gleichzeitig verbrachte allerdings
from in der Regel drei bis vier Monate
im Jahr in den USA auch verstand er sich
seit
1940 als amerikanischer Staatsbürger und
engagierte sich intensiv in der Politik
der Vereinigten Staaten in Mexiko
entwickelte from seinen
Ansatz bei den existenziellen
psychischen Bedürfnissen als den
motivationalen Antriebskräften weiter in
dem 1955 erschienenen Buch the S Society
im deutschen Wege aus einer
krankengesellschaft
reflektierte er erneut die mit der
Gehirnentwicklung beim Menschen
einhergehenden
Veränderungen die
selbstreflexive Fähigkeiten des Menschen
und vor allem sein
Vorstellungsvermögen schaffen über das
Bedürfnis nach Bezogenheit auf die
Realität und auf andere Menschen noch
weitere
bezogenheitsbedürfnisse die ebenfalls
unbedingt befriedigt werden müssen
nämlich das Bedürfnis auf sich selbst
bezogen zu sein und das Bedürfnis auf
eine soziale Gruppe bezogen zu sein um
sich identisch und Wert erleben und sich
in einer sozialen Gruppe einer sozialen
Gruppe zugehörig fühlen zu können auch
muss jeder Mensch auf einen Rahmen der
Orientierung bezogen sein um sich Geist
zu verorten und Sinn bestimmt leben zu
können nur so sind Kunst Kultur Religion
Wissenschaft Weltanschauung als
Spezifika des Menschen
verständlich der immer bedrohlicher
werdende Krieg Kalte Krieg verstärkte in
from eine quälende Frage die schon freut
nach dem Ersten Weltkrieg
umtrieb ob der Mensch zu einer
Aggression fähig ist die ihn destruktiv
handeln lässt aus purer Lust am
destruktiven so dass das Destruktive
Selbstzweck wird was from
1962 angesichts der Kubakrise und der
Möglichkeiten eines atomaren Weltkriegs
beunruhigte war die Befürchtung dass die
Menschen sich nicht sich mehr vom
destruktiven und toten angezogen fühlen
als vom kreativen und
lebendigen und ich denke froms erleben
damals ist in meiner Wahrnehmung auch
heute sehr aktuell
ähnlich wie Freud erkannte from eine
Alternative
dass Menschen mehr vom lebendigen oder
vom Toten und leblosen angezogen werden
und deshalb in ihren
Verhaltensäußerungen mehr biophil oder
nekrophil nekross ist der Leichnam
orientiert sind doch anders als Freud
sieht from den Grund hierfür eben nicht
in angeborenen trieben
viel mehr geht er von einer
angeborenen Tendenz zur biophilie aus
die allen Lebewesen und leben
Lebensformen eigen ist sie bedeutet dass
jede Lebensform ihre ihr eigenen
Potenziale des Lebens auch realisieren
will während sich die Nekrophilie bei
Mensch
erst entwickelt wenn durch individuelle
oder gesellschaftliche Faktoren diese
biophile
Tendenz stark behindert oder gar
vereitelt wird Destruktivität sagt
fromschön
1941 ist die Folge
ungelebten
Lebens nun die Erkenntnisse über
biophilie und Nekrophilie
veröffentlichte V der 194 60 in dem Buch
the heart of man in diesem Buch
entwickelt er auch erstmals
systematisch seine Vorstellungen zum
Narzissmus obwohl er bereits
1939 in einem großen Aufsatz zu
selfishness and self love veröffentlicht
hatte und dann 1941 in escape vom
Frieden seine Vorstellungen vom selbst
dann auch dargestellt hat also vom hat
relativ früh schon eine ganz ein
Konzeption
des psychoanalytischen Begriffs des
selbst
entwickelt eine idealisierte Bezogenheit
auf sich selbst ist für from vor allem
dann
problematisch wenn die Idealisierung des
eigenen mit einer
Entwertung von allem
einhergeht das anders oder fremd ist bzw
das eigene nicht spiegelt oder ergänzt
vor allem aber läkt from den Blick über
den individuellen Narzissmus hinaus auf
die Möglichkeit der
Identifizierung vieler Menschen mit
narzisstischen Persönlichkeiten Ideen
Institutionen Organisationen und
Unternehmen um sich selbst eben
großartig zu erleben so erkennt from
etwa in nationalistischen rassistischen
oder fundamentalistischen Bewegungen und
Gruppierungen vor allem eine Gruppen
narzisstische Dynamik am Werk welche
Bedeutung diese Erkenntnisse für die
gegenwärtigen rechtspopulistischen
Entwicklungen haben davon wird noch zu
sprechen sein heute nun wurde from mit
seinem Buch escape von Frieden
1941 zum bekanntesten amerikanischen
Psychoanalytiker der
Gesellschaft und avasierte er mit dem
1956 veröffentlichten Buch Theard of
loving zum weltweit erfolgreichsten
Sachbuchautor noch heute werden 56 ist
das erschienen noch heute werden
jährlich
Hunderttausende von diesem Titel
weltweit produziert und verkauft
so führt ein anderes Buch und die darin
vermittelten
Erkenntnisse weiterhin ein Schatten da
sein obwohl dieses Buch es verdient
hätte wissenschaftlich rezipiert zu
werden froms Forschungen zur
menschlichen Aggression mit dem Titel
Anatomie der menschlichen
Destruktivität das 1973 erschienene Buch
ist das Ergebnis fünfjähriger
Forschungen in allen nur erdenklichen
wissenschaftlichen Bereichen besonders
eindrucksvoll ist die Rezeption der
Evolutionsbiologie und der damals noch
Neurophysiologie genannten
Neurobiologie dabei Forst from immer
nach beidem was den Menschen mit den
Tieren und vor allem mit dem Primaten
verbindet und was ihn von diesen
unterscheidet das erkenntnisleitende
Interesse zielt dabei auf die spezifisch
menschlichen
Verknüpfungsmöglichkeiten kognitiver
affektiver und imaginativer Fähigkeiten
wie dies vor allem in der Psychoanalyse
getan wird um n eines der vielen
Ergebnisse hier stellvertretend zu
nennen
nur der Mensch ist aufgrund seines
Vorstellungsvermögens fähig Affekte und
mit Vorstellungen zu verknüpfen die
nicht aus äußeren oder inneren reizen
resultieren sondern sozusagen spontan
sind diese spezifisch menschlichen
Fähigkeiten können sich dabei
konstruktiv und destruktiv auswirken nur
der Mensch entwickelt bestimmte Formen
der
Kreativität und Kultur schreibt Gedichte
und baut Solaranlagen und nur der Mensch
zeigt eine Lust an der
Grausamkeit reagiert
gewalttätig auf die Verletzung seiner
Größenvorstellungen und nur der Mensch
entwickelt Formen nekropiler
Destruktivität bei der das Tod machen
und die Faszination für das
leblose Spaß
machen wie sich eine solche saistische
und nekropile Destruktivität
konkretisiert hat from übrigens in
diesem Buch an Hitler und an Himmler
detailliert zur Darstellung
gebracht beide Möglichkeiten eine
menschlich produktive oder
nichtproduktive sind dem Menschen
aufgrund der der Hirnentwicklung gegeben
dass die destruktive Möglichkeit sich
erst im Laufe der Geschichte umfassender
entwickelte ergab sich für from auch
eindeutig aus den
evolutionsbiologischen und
archäologischen Forschungen da nur eben
kooperative und solidarische und
prosoziale Menschen überhaupt eine
Überlebenschance
hatten ab 19 73 ver verbrachte from die
letzten 7 Jahre seines Lebens ganzjährig
in Locarno in der Schweiz um in dem Buch
haben oder sein diese produktiven
Orientierung für die Gegenwart dieser
ein konkretes Gesicht zu geben weshalb
from in der deutschen Ausgabe dieses
Buches den Untertitel die seelischen
Grundlagen einer neuen Gesellschaft
hinzufügte in habe ich dann auch from
1972 im Zusammenhang mit einer
Dissertation die ich übrigens nicht bei
from sondern an der Universität Tübingen
geschrieben habe from erstmals
persönlich getroffen ab 1974 war ich
dann zunächst vor Ort und dann von
Tübingen aus auch als Assistent tätig
beeindruckt hat mich schon damals am
meisten wie dieser fromm der die Hälfte
seiner Verwandtschaft in den Gaskammern
der Nationalsozialisten verfolgt
verloren hat wie dieser from trotz
Auschwitz und zunehmender Entfremdung
des Menschen dennoch den humanen Kräften
des Menschen vertrauen
konnte und damit komme ich zum zweiten
Teil meines
Vortrags indem ich vom
wissenschaftlichen Beitrag froms für die
Gegenwart sprechen möchte dass
Wissenschaft nicht nur objektiv sondern
immer auch mehr oder weniger Interesse
geleitet ist soll hier nicht eigens
begründet werden wie sehr
wissenschaftliches erkenntnisstreben
darüber hinaus von einem meist nicht
reflektierten
Menschenbild mitbestimmt wird lässt sich
besonders eindrücklich an Erich from
zeigen das von ihm ver
humanistische Menschenbild und sein
persönlich gelebter Humanismus als
Wissenschaftler durchziehen sein
wissenschaftliches Denken weshalb sein
humanistisches Menschenbild
Modellcharakter
über sein eigenes Werk hinaush
hat ein Merkmal dieses
Menschenbildes ist die Überzeugung dass
der Mensch
und das menschliche
Miteinander
grundsätzlich mit Hilfe der Realisierung
der dem Menschen
selbst möglichen Kräfte gelingen kann
diese
Grundüberzeugung hat selbst dann Bestand
wenn menschliches Leben wie alles Leben
nur als Prozess von Entstehen und
Vergehen möglich ist so sehr das Leid
notwend
zum Leben gehört so
wenig ist für ein humanistisches
Menschenbild das Destruktive und das
Böse etwas
unausweichliches einem solchen
Menschenbild steht das vor allem vom
Christentum spätestens seit Augustinus
im vierten Jahrhundert favorisierte
Menschenbild
gegenüber das von der faktischen
Destruktivität des Menschen ausgeht und
dann in biologischen und historischen
Gegebenheiten schon bei der Entstehung
des Menschen schtichwort Sündenfall eine
totale oder zumindest partielle
Verderbtheit des Menschen annimmt wo
sich allerdings dann bei den Christen
die protestantische und die katholische
Version auch unterscheidet für die
Protestanten ist der Mensch total
verderbt für die Katholiken nicht so
ganz total verderbt aber das sind
sozusagen nur Variationen der gleichen
Problematik eine solche angeborene
Destruktivität oder
Erbsünde lässt sich dann eben auch meist
nur durch einen übermenschlichen
erlösungsakt
relativieren es geht mir hier nicht um
die Frage der Erlösung und
Rechtfertigung sondern um
unreflektierte wissenschaftliche
Implikationen eines solchen Menschen
bildest die dann dazu führen dass der
Mensch von Natur
aus destruktiv und gewalttätig ist und
erst dann durch
Zivilisation Bildung
Züchtigung und Erziehung zu einem
vernünftigen und liebenden Menschen
gemacht werden müsse oder das
zerstörerische Formen der sozialen
Ungleichheit einfach zum Leben
gehörten oder dass der Krieg immer ein
Mittel der Politik sein werde und wir
deshalb eben heute wieder kriegstüchtig
werden müssen oder dass der
Säugling völlig narzisstisch sei und von
archaischen Ängsten umgetrieben werde
oder dass es kein richtiges im falschen
Leben geben könne und so weiter das V
wissenschaftliches erkenntnisstreben von
einem anderen Menschenbild durchdrungen
ist hat nach meiner Wahrnehmung vor
allem mit seiner jüdischen Sozialisation
zu tun tatsächlich lebte lebte und
praktizierte from bis zu seinem 26
lebensjahr ein orthodoxes
Judentum das ich am prophetischen
Messianismus orientiert und sich durch
einen unerschütterlichen Glauben an den
Menschen und durch eine
Hoffnung auf die utopischen
Realisierungen des Menschen möglichen
auszeichnet deshalb begreift from das
Destruktive als Folge ungelebten Lebens
strebt der Mensch von sich aus nach
Sozialität
und geht es darum dass sich die
menschlichen Antriebskräfte an der
optimalen Entfaltung der kreativen
Wachstumskräfte menschlichen Lebens
orientiert dieses spezifisch jüdische
Menschenbild prägte froms humanistische
Wissenschaft vom Menschen zeitlebens und
ist ein
Vermächtnis auch für das gegenwärtige
Wissenschaftsverständnis es gibt noch
einen anderen
Aspekt des wissenschaftlichen Interesses
von from der seinen Ursprung in froms
jüdischer Sozialisation
hat seine kritische Einstellung
gegenüber dem mehrheitlich
anerkannten die Kindheit und
jugendfs zeichnet sich durch eine
Religiosität und Sozialität aus die die
eigene Identität
bevorzugt in der Abgrenzung vom
gesellschaftlich
anerkennterkannten zu erleben versuchte
dies galt nun für jüdische Menschen in
Deutschland zu Beginn des 20
Jahrhunderts zunächst grundsätzlich
gegenüber der christlichen und
bürgerlichen Mehrheitsgesellschaft dies
galt aber noch einmal verstärkt
innerhalb des
Judentums selbst wo sich das orthodoxe
Judentum ganz entschieden vom
mehrheitlich assimilierten Judentum
abgrenzte die Suche nach dem
eigenen nicht nur per Identifizierung
sondern im Gegenteil vor allem in
Abgrenzung von mehrheitlichen zeichnet
das vorübergehende Interesse froms der
Studenten froms from am Zionismus aus
und ist überdeutlich in seiner
Dissertation erkennbar wo er kaum
Sympathien für für das assimilierte
Judentum
zeigt die Identitätssuche vor allem per
Abgrenzung ist bei from aber nicht auf
die frühen Jahre
beschränkt ob es die Freudsche
Psychoanalyse ist oder die Ideen von
Marx sind from fand seine eigene
Identität als
Psychoanalytiker erst in
Abgrenzung von der orthodoxen
psychoanalytischen
Bewegung und grenzte sein sein Marx
Verständnis
überdeutlich von dem des Marxismus und
des vor allem des real existierenden
Sozialismus
ab gleiches erfuhr eben from dann auch
hinsichtlich seiner
sozialpsychologischen Methode im
Institut für Sozialforschung als er ihr
statt eines triebtheoretischen eine
Bezogenheit theoretischen Rahmen gab und
sich auch da zwischen alle Stühle
setzte die Identitätssuche vornehmlich
durch Abgrenzung erwies sich für froms
Tätigkeit als Wissenschaftler als sehr
kreativ auch wenn ihm die Anerkennung
dafür auf weiten Strecken versagt blieb
gerade heute wo das Mainstream denken
eigene ät zu ersticken
droht und eine psychodynamische
Psychologie weitgehend aus dem
akademischen Bereich ausgeschieden wurde
sind die Psychoanalyse und eine
kritische
Psychologie sowie eine psychodynamisch
orientierte kritische
organisationsarbeits und
Sozialpsychologie um so wichtiger und
ist eine psychoanalytische Universität
wie die IPU
ein echter
Hoffnungsträger dass das
mehrheitliche skeptisch zu sehen ist
wurde für from bereits mit dem Sieg des
Nationalsozialismus und dem Erstarken
des autoritären Sozialcharakters in
Deutschland zur wissenschaftlichen
Leitlinie die er vor allem
psychoanalytisch
begründete je mehr sich der Mensch von
seinen menschlich produktiv
Antriebskräften
entfremdet desto skeptischer ist das zu
sehen wo Naach die Mehrheit
strebt weil im Streben der
Mehrheit nach irrationaler Autorität
nach gewinnen und erfolgreich sein nach
eigener Großartigkeit nach
rücksichtsloser Selbstbestimmung weil
darin das
Bewusstwerden der eigenen psychischen
defekte abgewehrt wird so kommt es zu
einer Pathologie der
Normalität bei der Menschen an
psychischen defekten leiden ohne
leidenssymptome zu entwickeln zumindest
solange sie das realisieren und
erstreben können wonach sie ihr
Sozialcharakter zur Abwehr ihrer
psychischen defekte Streben
lässt und damit komme ich zum dritten
wissenschaftlichen Beitrag froms für die
Gegenwart zu seiner
sozialpsychoanalytischen Theorie und
Methode und zu seinem Konzept des
Sozialcharakters mit der Methode in den
vielen
einzelnen den
Sozialcharakter als eine unterscheidbare
psychische Strukturbildung zu
identifizieren hat from einen echten
interdisziplin deren Weg gefunden
soziologisches denken und
psychologisches Denken zu verbinden und
die Beziehung des Individuums zur
Gesellschaft wissenschaftlich neu zu
bestimmen die Strebungen des
Sozialcharakters in den vielen einzelnen
geben nämlich zu erkennen welche
Antriebskräfte eine bestimmte
Gesellschaft oder gesellschaftliche
kupierung für ihren Zusammenhalt
braucht nun ist das wissenschaftliche
Interesse an solchen
makrosoziologischen
erkenntnisgegenständen heute bei
Psychologen eher gering weil man sagt
die Gesellschaft sei zu vielfältig und
zu komplex und jede sozialpsychologische
Aussage beinhaltet zu viel
Unschärfe eine solide
sozialpsychologische Forschung könne es
nur hinsichtlich klar definierter
Zusammenhänge geben das ist das Argument
nun dieses Argument ist nicht völlig von
der Hand zu weisen und dennoch ist es so
offensichtlich dass es auch gesamt
gesellschaftlich zu fundamentalen
Veränderungen bei dem kommt was viele
Menschen leidenschaftlich erstreben man
denke nur ETW an das Streben nach
Beschleunigung solche
grundstrebungen hat from mit dem Konzept
des
Sozialcharakters zu fassen versucht um
einige zu nennen beim autoritären
Sozialcharakter ist es das Herrschaft
ausüben wollen und das unterwürfig sein
wollen beim dem was from den
marketingszialcharakter genannt hat ist
es das erfolgstreben und das gewinnen
müssen dass die Menschen nicht nur
beruflich sondern auch persönlich und in
ihrer Freizeitbeschäftigung antreibt in
vier Tagen beginnt wieder ein
hochfest dieser
sozialcharakterorientierung auf dass die
Medien schon seit Wochen
hinfiebern beim narzisstischen
Sozialcharakter ist es die Idealisierung
des
eigenen und die Entwertung von allem
anderen worauf ich gleich noch zu
sprechen kommen werde und schließlich
wird eine grundstrebung in unserer
Gesellschaft immer mächtiger bei der es
in Bezügen um ein Streben nach
bindungsloser
Selbstbestimmung geht die ich mit froms
Methode vor 20 Jahren als ich
orientierten Sozialcharakter beschrieben
habe es ist ja zeitlich nicht möglich
bei jeder dieser grundstrebungen
herauszuarbeiten was es bedeutet wenn
eine grundstrebung gesellschaftlich
dominant wird und als auch öffentlich
dann als
normal vernünftig und
angesehen wird und man deshalb auch eben
von einer Mentalität einer Gesellschaft
sprechen könnte selbst wenn sich in der
psychoanalytischen Perspektive sie sich
als eine Pathologie der Normalität
entpuppt dabei bedeutet das dominant
werden natürlich nicht dass es dann nur
noch diese grundstrebung gibt zumal ja
jeder Mensch ja auch noch ganz
individuelle charakterstrebungen
entwickelt und aus leben will mit dem
dominantwererden wird aber eine
bestimmte grundstrebung zur sozialen
Norm erhoben die in
Demokratien immer auch im Widerstreit
mit noch anderen gesellschaftlich
relevanten grundstrebungen dann
liegt ich möchte abschließend die
Bedeutung von froms Ansatz bei
bezogenheitsbedürfnissen und sein
Konzept des Sozialcharakters für die
gegen wird beispielhaft an der Frage
verdeutlichen warum wir
derzeit mit einer
rechtspolitischen und
rechtspopulistischen Entwicklung
konfrontiert
sind für from so wurde skizziert sind
das
Movens das was uns antreibt der
psychischen Strukturbildung eben nicht
angeborene Triebe sondern existenzielle
psychische Bedürfnisse nach Bezogenheit
anders als die meisten relationalen
Ansätze die die Bezogenheit auf andere
Menschen nur
intersubjektiv oder interaktional sehen
begreift from den Menschen mit seinem
Bedürfnis nach
Verwurzelung als ein schon immer
soziales Wesen sodass das
kollektivsoziale und die Sozialität des
Menschen primäre Dimensionen seiner
Bezogenheit und oder wie harm rosa sagen
würde seines
weltverhältnisses sind Ausdruck dieses
angeborenen Strebens nach
Sozialität ist die
sozialcharakterbildung zu verstehen als
Anpassungsleistung an die sozial
sozioökonomischen Erfordernisse und eine
entsprechende soziale Lebenspraxis im
Klartext bedeutet dieses Bedürfnis nach
Verwurzelung dass sich jeder Mensch
einer sozialen Gruppierung zugehörig
fühlen
muss sei es in einer eher Kollektiv
bestimmten Weise sei es in einer Stärken
individualisierten das ist eine
sekundäre Frage
dann zum anderen ergibt sich aus diesem
Bedürfnis dass jeder Mensch sich nicht
nur individuell
identisch erleben will sondern auch ein
psychisch überlebensn
es Bedürfnis nach sozialer Identität
hat die Frage der eigenen sozialen
Identität ist aber das Thema unserer
Zeit heute schlechtthin weil sich immer
mehr Menschen abgeschrieben vergessen
ausgegrenzt entfertet und
unmächtig erleben und
verzweifelt nach einer sozialen
Identität und Zugehörigkeit suchen die
sie wieder anerkennt berücksichtigt und
Wert erleben lässt dass die Frage der
sozialen Identität Anerkennung und
Zugehörigkeit in unserer Zeit so
virulent ist hat viele Grunde auf die
ich aus Zeitgründen hier nicht eingehen
kann dennoch in psychodynamischer
Perspektive lässt sich immer häufiger
aber folgender Ausweg aus dieser
desolaten Situation beobachten wer sein
sozial
Selbsterleben und sein Gefühl der
sozialen Zugehörigkeit bedroht erlebt
und deshalb mit Gefühlen des
selbstverlusts der onmacht der
Bedeutungslosigkeit und Wertlosigkeit
kämpft kann diese Gefühle mit einer
fantasierten
Idealisierung des eigenen Selbst
dauerhaft dadurch von sich fernhalten
dass er sich mit der fantasierten
Großartigkeit einer Person einer Gruppe
einer Organisation oder Institution
identifiziert hier interessiert vor
allem diese letztgenannte Möglichkeit
die Identifizierung mit einer anderen
narzisstischen Person oder mit einer
narzisstischen Gruppe das
eine sind starke narzisstische
Persönlichkeiten in Politik Religion in
Kultur die Medienwelt nicht zu vergessen
das andere sind
Gruppierungen mit ihrer
Fankultur oder narzisstische Programme
Institutionen und Unternehmen mit einer
narzisstischen
Unternehmenskultur im politischen
Bereich ist es nicht nur mit Donald
Trump zu einer neuen Blüte der
Nationalismus und rechtspopulistischer
Personen und Programme gekommen mit from
halte ich es deshalb für dringend
geboten den Rechtspopulismus und die
starken rechtspolitischen Entwicklungen
gerade in den technisch hochentwickelten
westlichen
Staaten von der desolaten
Identitätsfrage her zu
begreifen wenn der Rechtspopulismus sich
nationalistisch fremdenfeindlich
rassistisch und ab und ausgrenzend gibt
dann folgt diese
Programmatik in erster Linie einer
narzisstischen Logik und Psychodynamik
und nicht einer autoritären wie der
Mainstream der Sozialwissenschaftler
noch immer behauptet und ist Ausdruck
eines immer mächtiger und dominanter
werdenden narzisstischen
Sozialcharakters
das eigentlich bedrohliche im Blick auf
Trump den brexit die AFD oder die ST
anderen starken rechtspopulistischen
Parteien
Westeuropas ich spreche nicht von denen
in Mittelosteuropa oder gar in Russland
ist daran zu sehen dass so viele
Menschen ihr Bedürfnis nach einem
sozialen
identitätserleben und nach sozialer
Zugehörigkeit dadurch befriedigen dass
es sich mit narzisstisch Personen
nationalistischen Ideen rassistischen
Gruppierungen und Vorstellungen
identifizieren um mit einem gespaltenen
selbst das das eigene idealisiert und
das nichtteigene
entwertet und bekämpft ihre Identität zu
sichern in psychologischer Perspektive
ist das gefährliche des
gruppennarzissmus vor allem darin sehen
dass das Interesse am
anderen also an allem was das eigene
übersteigt was fremd unbekannt und nicht
so ist wie man selbst dass dieses
Interesse
zunehmend verloren
geht der
Rechtspopulismus gibt sich als des Volke
Stimme ist dem Kern aber Anti
demokratisch weil zu jeder Demokratie
die positive Anerkennung des anderen als
anderen gehört eben wegen seiner
vorwiegend narzisstischen Psychodynamik
kennt er keine wirkliche Toleranz und
Akzeptanz gegenüber dem
nichtteigenen jeder Gruppen
narzississmus propagiert ein
Gegeneinander statt das überle
lebensnotwendige
miteinander bringt man den fromschen
sozialpsychoanalytischen Ansatz seine an
psychischen Bedürfnissen orientierte
Triebtheorie und sein
sozialcharakterkonzept zur Anwendung so
scheint mir from sehr wohl einen
wissenschaftlichen Beitrag für die
Gegenwart leisten zu können danke Ihnen
für die Aufmerksamkeit
[Musik]