Nachdem die rund 1.000 MediaMarktSaturn-Läden nun in chinesischer Hand sind, haben wir mit dem MediaMarkt-Mitgründer Walter Gunz über das einstige Erfolgsrezept von MediaMarkt gesprochen, was er von der Übernahme hält und wie es ihm damit geht. ________________________________________________________________
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Nach mehreren Prüfverfahren haben Bundesregierung
und EU-Kommissionen der Übernahme des deutschen
Unternehmens Ceconomy durch den chinesischen
E-Commerce-Riesen JD.com grünes Licht gegeben.
Für einen Kaufpreis von 2,2 Milliarden Euro gehen damit
über 1000 Media- und Saturn-Märkte
in elf Staaten an JD.com,
das in der Vergangenheit staatliche Subventionen von Peking erhielt.
Über die umstrittene Übernahme
und das Vermächtnis der mitverkauften Mediamärkte
sprechen wir mit Walter Gunz, dem Mitgründer von Mediamarkt.
Guten Tag, Herr Gunz.
Guten Tag, Herr Hausch.
Herr Gunz, wie finden Sie die Übernahme eines Unternehmens,
an dessen Gründung und Erfolg Sie beteiligt waren,
jetzt an eine chinesische Holdinggesellschaft?
Ich kann mich gut erinnern, das ist 1990 gewesen, also 35 Jahre her,
als die Vorstände Dr. Jens Hohlewald und Rolf Leisten von der
Metro-Kaufhausgruppe sich für unser Unternehmen interessiert haben.
Die beiden Verhandlungspartner, Dr. Hohlewald und Rolf Leisten,
haben uns damals versichert, die Struktur,
die Kultur im Unternehmen so zu belassen,
wie sie war, weil es ja auch extrem erfolgreich war.
Das Unternehmen war damals, als ich ausgeschieden bin, 2000,
ja ein Vielfaches, ein Vielfaches wert von dem,
was es heute wird mit Goldman Sachs,
die Bewertung war über 10 Milliarden Dollar.
Und man hat dann im Laufe der Jahre
Eigentlich aus einem dezentralen Unternehmen,
aus einem Unternehmen mit dem Motto, der Mensch steht im Mittelpunkt,
nach einem Unternehmen mit extrem flachen Hierarchien.
Vielen
Mit hoher Eigenverantwortung der
Geschäftsführer, die auch persönlich
immer einen 10-prozentigen Anteil
an der jeweiligen Outlet
hatten, hat
man das so sukzessive
über die Jahre hinweg abgebaut,
weggenommen,
verändert. Es ist
Dank.
immer noch ein gutes Unternehmen,
es sind immer noch tolle Leute da drin,
Vielen
es ist immer noch
relativ erfolgreich, es ist
sicher der stationär interessanteste
Laden, wenn man mal jetzt
von dem Online-Geschäft abzieht,
ist MediaMarkt sicherlich nach wie vor und wird es auch bleiben,
der nationale, internationale,
regionale Platzhirsch an den Orten quasi als stationäres Geschäft.
Dank.
Also, jetzt kommen wir zu den Chinesen.
Da gibt es tatsächlich Synergien.
Natürlich ist da ein weinendes Auge immer dabei,
wenn einem das Baby verkauft wird wieder, ja.
Aber ich denke mal, das ist eigentlich eine Chance.
Es ist eine Chance, weil ich denke,
dass es zwischen der Käufergruppe und der Mediamarktgruppe
doch eine Fülle von guten Dingen gibt, die man austauschen kann.
Und ich glaube auch, dass die interessierter und engagierter sind,
das Unternehmen wieder voran und weiterzubringen.
Also für die Mitarbeiter von MediaMarkt und Saturn.
Und für die Unternehmenszukunft von MediaMarkt und Saturn ist dieser
Deal auf jeden Fall ein Vorteil gegenüber der jetzigen Struktur.
Weil die Leute was vom Geschäft verstehen, weil die Leute
interessiert sind, weil die Leute vom Online-Business was verstehen
und weil sie eben das vielleicht einbringen können und liefern können,
was wir ursprünglich von der Metro uns eigentlich gewünscht haben,
nämlich Synergien.
So sehe ich das.
Aber wie sehen Sie denn die Bedenken?
Die EU-Kommission, aber auch die Bundesregierung hatte Bedenken
mit der Übernahme, da JD.com stark staatlich subventioniert wird.
Und man sorgte sich,
dass es zu Wettbewerbsverzerrungen kommt und dazu für Nachteile.
Das ist so typisch.
Es ist so diese typische europäische und deutsche Abwehrhaltung,
dieses typische Schlechtmachen von Amerika
oder von den Chinesen oder von den Russen.
Das ist so eine, ja, ich kann nur den Kopf schütteln.
Das sagen meine Bürger nicht, aber sie wollen ja wissen,
was ich für eine Meinung dazu habe.
Und diese Gefahr sehe ich also überhaupt nicht.
Warum geht es in Europa so schlecht?
Warum ist die Autoindustrie kaputt?
Unter den unsäglichen, spinösen Ideen von CO2-Abgaben.
Warum sind wir wirtschaftlich bald an letzter Stelle?
Warum haben wir die höchsten Energiekosten in Deutschland?
Ja, ich
Also Datenschutz, wissen Sie, heute hackt in jeder halb...
glaube,
Jeder Halbspezialist packt Ihnen die Daten alle raus,
die Sie haben wollen.
das ist
Ich habe eine einzige Befürchtung, ich glaube, dass sie eintreten wird,
eine
wir haben ja jetzt enorm gespart, es ist ja an Personal gespart worden,
gute
es ist an Strukturen gespart worden,
Frage.
also in den einzelnen Märkten ist es schon so,
dass man wirklich personell am Ende ist eigentlich.
Und die einzige Befürchtung, die ich hätte, die wäre die,
dass wenn man jetzt nochmal, um die Gewinne zu erhöhen,
auf die Personalkosten nochmal drückt oder noch mehr
von den Geschäftsführern vor Ort verlangt,
dass sie mit noch weniger Leuten den gleichen Umsatz machen.
Wenn Sie in den stationären Laden gehen,
möchten Sie eine persönliche, eine gute Beratung haben.
Die haben Sie immer bekommen beim MediaMarkt und bei Saturn.
Und das ist etwas...
Was hochgehalten werden muss,
weil das ist das letzte Sicherungsnetz
der stationären Geschäfte.
Sonst haben wir bald nur mehr Online-Geschäfte,
dann haben wir tote Innenstädte, gehen Sie mal
durch München oder durch andere, da sind daneben
da schon Läden leer.
Also ich bin nach wie vor
ein Freund des Bargeldes und ich bin
ein Freund der stationären Geschäfte
und das gehört einfach zur Kultur mit dazu.
Das würde mir
sehr leid tun, wenn also hier die
Schraube mit den Personalkosten
nochmal
1979 erfolgte die erste
Eröffnung einer
MediaMarkt-Filiale
in München.
Zahlreiche folgten.
Was war das Erfolgsrezept von MediaMarkt?
Ja, das waren viele Zutaten.
Ein Hauptpunkt, es waren die Dezentralität, die hohe Eigenverantwortung
der Menschen, nicht nur der Geschäftsführer, das Vertrauen,
das wir in die Menschen gesetzt haben, die Freiheit,
die wir den Menschen gegeben haben, auch was am Ort des Geschehens
zu entscheiden, also in der Abteilung, in Rosenheim, in der Ferne,
da entscheidet der Verkäufer und die Dezentralität der Struktur.
Flache Hierarchien, das Gegenteil von dem,
was heute von Brüssel über Europa gelegt wird, nämlich Zentralismus.
Zentralismus geht man mit Bürokratie einher, mit Misstrauen,
mit Kontrollen, mit Kontrollwahn. Wir wollten nicht kontrollieren.
Wir haben den Leuten die Zahlen vorgegeben,
die konnten die Zahlen untereinander über den Computer vergleichen.
Wir haben ihnen vor allem Vertrauen geschenkt.
Vielen
Vertrauen führt, Vertrauen,
jeder Mensch will geschätzt und geliebt und geachtet werden.
Und dieses Vertrauen, das wir in die Mitarbeiter gesetzt haben,
das hat sie beflügelt, die Qualitäten, die sie hatten, auch umzusetzen.
Dank.
Sie haben gerne gearbeitet. Wir haben gedacht,
der Mensch muss in der Arbeit ja auch den Lebenssinn finden.
Eine zutiefst menschliche Führungsstruktur.
Vielen
Auch deshalb, weil ich früher bei Karstadt schon gelernt habe,
wie das ist, wenn man also mehr oder weniger
doch das Befehl sind, sagen wir es.
Also der Erfolg war die menschliche Führung
und die Dezentralität.
Und heute, warum ist die DDR kaputt gegangen?
Warum sind die Warenhäuser, Neckermann, Horten, Kaufhof, Karstadt?
Dank.
Jetzt sind ja alle mehr oder weniger pleite.
Warum ist Europa halb pleite?
Weil wir von Brüssel und zentralistische Strukturen
über die Länder hinwegweben,
mit tausend Verordnungen und Bürokratien,
damit wir heißen, die Bürokratien werden abgeschafft.
Ja, wird ein Prozent abgeschafft, der Rest bleibt.
Also das Unternehmen ist groß geworden.
Weil wir wenig Bürokratie hatten, viel Vertrauen hatten,
viel Freiheit, viel Verantwortung für die Leute.
Und das hat den Leuten gut getan und dem Unternehmen gut getan.
Aber hat sich nicht das Kaufverhalten auch verändert?
Also sehen Sie noch eine Zukunft für diesen stationären Verkauf,
auch mit großen Märkten?
Es gibt den ein oder anderen Markt,
der vielleicht ein bisschen zu groß ist.
Aber im Prinzip...
Bin ich ein Verfechter,
obwohl ich natürlich auch online
einkaufe, ich kann ja nicht
Online-Bestellungen machen, aber
Dinge wie den Fernseher zum Beispiel,
den will ich mal anschauen.
Und es ist ja auch was Schönes,
einen Menschen noch zu haben,
wo man sich beraten kann.
Schauen Sie,
als das Fernsehen rauskam, hat man gesagt,
das Buch stirbt
Es gibt zwar nicht mehr so viele Bücher,
aber das Buch ist nicht gestorben.
Und als Online-Design-Grupp hat man gesagt, der Einzelhandel stirbt.
Ja, aber nicht in dem Umfang.
Es wird immer Einzelhandel und Lokalgeschäfte geben.
Und da ist ja die Chance von Media Markt und Saturn,
durch gute Beratung, durch freundliche Menschen,
durch den persönlichen Kontakt mit den Kunden,
etwas zu schaffen, was man online nicht bekommt.
Vielen Dank.
Okay, ich auch.
Tschüss, wiedersehen.