Er brachte als "Didi" mit seinen Filmen Generationen zum Lachen. Heute inspiriert Dieter Hallervorden Millionen Zuseher mit seinen Meisterwerken wie "Sein letztes Rennen" oder "Honig im Kopf". Mit 73 Jahren übernahm er das total desolate Berliner Schlossparktheater, sanierte es und inszeniert dort unter seiner Führung seit 15 Jahren erfolgreiche Produktionen. Mit 86 Jahren veröffentlicht er seine CD "80 plus" und stürmt damit die Charts.
Im großen Exklusiv-Interview erzählt Dieter Hallervorden von seinen Anfängen, seinen größten Herausforderungen und dem großen Durchbruch als Didi. Er verrät, welcher Film sein Vermächtnis sein soll und wie er auch mit 86 Jahren noch fit und kreativ Filme produziert, zwei Theater führt, auf der Bühne steht, u.vm.
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Ich bin, glaube ich, jemand, den man nicht so leicht in eine Schublade stecken kann,
weil ich kann sehr lustig sein, aber auch sehr unangenehm werden.
Wollen wir es ausprobieren?
Das Ziel haben, das gegen alle Widerstände zu verfolgen, nicht aufzugeben,
auch nackte Schläge wegzustecken, also immer mindestens einmal mehr aufstehen als hinfallen.
Das ist genau mein Lebensmotto.
Herzlich Willkommen bei Menschen im Porträt.
Meinen heutigen Gast brauche ich nicht lange vorstellen.
Er begeisterte Generationen mit seinen Filmen und brachte sie zum Lachen.
Heute inspiriert und berührt er Millionen.
Ich freue mich sehr auf dieses Gespräch mit Dieter Hallervorden. Herzlich Willkommen.
Hallo, Tagchen.
Wann haben Sie zum ersten Mal die Begeisterung für die Schauspielerei gespürt?
Ja, das war ja so, ich habe ursprünglich ja Romanistik und Publizistik studiert
und dann bin ich als Student vier-, fünfmal die Woche ins Theater gerannt und habe mir Dinge angesehen
und dachte ja, Mensch, die Kultur, wo ich doch bin und so, bis mir irgendwann dämmerte,
ich glaube, ich will da selbst auf die Bühne.
Und dann kam es dazu, dass ich der Stasi in der DDR von der Schippe gesprungen bin,
hatte an der FU in West-Berlin weiterstudiert und da gab es eine Gruppe,
die wollte Stücke aufführen in französischer Sprache.
La Compagnie des Inconnus, also die Gruppe der Unbekannten.
Und da habe ich mich dazugesellt und hatte auf Anhieb super Erfolg.
Damals kamen ja auch noch Kritiker und sahen sich die Aufführung von Laien an
und ja, dachte ich, eigentlich könnte ich aus dem Hobby einen Beruf machen.
Und das ist dann auch glücklicherweise geworden.
Sie haben einmal Ihren Vater als Ihr Vorbild bezeichnet, aber Ihr Vater war ja nicht Schauspieler.
Wie hat er Sie inspiriert oder inwiefern war er für Sie Vorbild?
Mein Vater war ja Flugzeugkonstrukteur, aber er war wirklich vom Schicksal gebeutelt.
Ihm wurden als jungen Mann beide Beine abgenommen,
eines allerdings am Unterschenkel, sodass er mit künstlichen Prothesen laufen konnte.
Und er hat mir beigebracht, dass er sein Leben meistert, wie man sich nie beklagt, nie jammert,
sondern einfach mit den Dingen lebt, die für ihn möglich sind.
Und er hat mir in meinem Poesiealbum, das gab es damals ja noch, als ich zur Schule ging,
hat er reingeschrieben, ich will, das Wort ist mächtig, spricht einer leis und still,
die Sterne holt vom Himmel das kleine Wort, ich will.
Und das ist zu meinem Lebensmotto geworden.
Und zwar eben durch sein Vorbild, durch die Art, wie er sein Leben gemeistert hat.
Auf dem Weg zur Schauspielerei sind Sie dann bei den Stachelschweinen beworben, sehr früh.
Welcher Alter war das ungefähr?
Ja, das war so, dass da zufällig einer ausfiel und die suchten da für eine gewisse Zeit einen Ersatz.
Und da hat sich der Bruder von Jo Herbst, der Wilfried Herbst,
der mit mir zusammen zur Schauspielschule war und ich, wir haben uns da beworben
und wurden aber nicht genommen.
Da dachte ich, den wische ich eins aus, da gründe ich einfach mein eigenes Kabarett.
Das Kabarett hat dann die Wühlmose zusammen mit mehreren Kollegen gegründet im Jahre 1960.
Also es existiert jetzt immer noch.
Und wenn so ein Theater über 60 Jahre ohne staatliche Hilfe existiert,
dann kann ja der Spielplan so schlecht nicht gewesen sein.
Wobei ich gelesen habe, dass es in dieser Volksgeschichte auch bei den Wühlmäusen
eine Zeit gegeben hat, wo sie finanziell fast ausgestanden sind.
Ja, ich war mit den Wühlmäusen umgezogen in ein Haus,
wo ich 250.000 Mark in selbstschuldnerischer Bürgschaft investieren musste,
um weiter spielen zu können.
Und das war dann irgendwie so, dass nach etwa einigen Jahren
waren die Zinsen ja mehr als das, was ich an Abzahlungen aufbringen konnte.
Und daraus entstand einfach der Wunsch zu sagen, ich muss irgendwas machen,
politisches, satirisches Kabarett ist ja schwierig im Fernsehen ohne weiteres unterzubringen,
irgendwas machen, was fernsehtauglich ist.
Und da wurde also quasi die Figur des Didi erfunden von mir.
Didi, der dann eben Nonstop Nonsense mit auf die Bildschirme gebracht hat.
Und es war natürlich ein absoluter Durchbruch, weil ich war von heute auf morgen bekannt wie ein bunter Hund.
Das hatte seine Vor- und seine Nachteile.
Aber auf jeden Fall hat es mir geschafft, war es für mich eine Möglichkeit,
meine Schulden abzutragen.
Auf dem Weg zum Didi oder quasi nach dem Start als Didi,
was war so der erste oder der prägendste Erfolg, den Sie gespürt haben, auch mit dem Didi?
Und jetzt habe ich es geschafft.
Also der erste prägende Erfolg war eigentlich schon früher.
Ich habe für den norddeutschen Rundfunk eine Serie gemacht, die hieß Abra Makabra,
zusammen mit der damals auch sehr bekannten Helga Feddersen.
Und danach das Millionenspiel, wo ich den Gangsterboss Köhler spielte.
Dann noch den Springteufel.
Da spiele ich auch einen Mann, der aus dem Irrenhaus entsprungen ist
und beim Generaldirektor quasi so einen Rollentausch erzwingt,
wo der Generaldirektor später quasi als Irrer verhaftet wird,
während ich mit dessen Auto in die Freiheit fahre.
Also auch so bitterböse Rollen.
Das habe ich damals als großen Erfolg schon wahrgenommen,
weil ich dadurch schon langsam auch einen Bekanntheitsgrad kriegte.
Und die Premiere des ersten Didi-Films, damals als erster Vorhang,
viel im Kino meine ich jetzt beim Didi,
was war das für ein Gefühl dann, als das Publikum zum ersten Mal auf den Didi reagiert hat?
Ja, das war für mich natürlich erstaunlich,
weil irgendwie war es dann so, dass ich dachte, hoffentlich habe ich alles richtig gemacht.
Und wenn man so merkt, man sitzt in einem Publikum
und man sieht einen Film, den man selbst kreiert und total selbst geschrieben hat,
und die Leute reagieren tatsächlich an den Stellen, die man dafür vorgesehen hatte,
ist es natürlich eine Riesenfreude, weil man sagt, da hast du doch nicht alles falsch gemacht.
Denn man weiß es ja nie.
Ich meine, Schauspiel ist nun immer behaftet mit den Möglichkeiten des Risikos.
Und natürlich macht es mehr Spaß, wenn man tatsächlich die Leute auch wirklich
in der Weise ermuntert und erheitert, wie man es sich vorgestellt hatte.
Und es macht ja auch keinen Spaß, einen Film gemacht zu haben,
den nur die Freunde und Verwandten sehen wollen.
Es macht schon mehr Spaß zu predigen, wenn die Kirche voll ist.
Das stimmt.
Das heißt, Didi klingt nach einer Erfolgsgeschichte von Anfang bis zum Schluss,
oder gab es auch Herausforderungen mit Didi oder als Didi in der Zeit?
Naja, ich habe natürlich schon erkannt, dass die Leute da immer mehr und mehr und mehr wollten.
Aber ich dachte mir, ich habe eigentlich als Didi alles ausgenutzt,
was in Mitteleuropa eigentlich möglich wäre.
Wenn man mir jetzt sagt, ja, wir fahren nach Afrika und Didis erstes Straußenrennen
oder was auch immer, dann kann ich was Neues machen.
Aber ich dachte, eigentlich ist die Zitrone ziemlich ausgepresst.
Und man muss aufpassen in dem Beruf.
Wenn man dann zu lange auf so einem Zug mitfährt,
irgendwann lassen sie einen fallen wie eine ausgepreschte Zitrone
und dann ist es zu spät.
Man muss selbst rechtzeitig die Kurve kriegen.
Und das habe ich dann auch gemacht und glücklicherweise auch da mit Erfolg.
Gab es einen Zeitpunkt, wo Sie jetzt rückblickend sagen können,
ich habe damals zum ersten Mal so gespürt, ich möchte ernste Filme machen?
Wann war so zum ersten Mal dieses Gefühl, jetzt möchte ich unter Anführungszeichen
jetzt ernste Filme auch machen?
Also ich bin ja jemand, wir kennen uns ja schon ein bisschen,
ich klopfe nicht auf die eigene Schulter, ich singe nicht, kein Eigenlob.
Aber dass ich ernste Rollen spielen konnte, wusste ich schon auf der Schauspielschule.
Nur, wer lässt einen?
Man muss ja erstmal das richtige Angebot bekommen.
Man muss ein Drehbuch bekommen, an das man selbst auch glaubt und so.
Und es war für mich natürlich wirklich toll, als ich das Drehbuch las,
sein letztes Rennen, weil der Paul Aberhoff, den ich da spiele,
ist eben jemand, der meiner Mentalität und meiner Lebensphilosophie
so total entspricht.
Ein Ziel haben, das gegen alle Widerstände zu verfolgen,
nicht aufzugeben, auch Nacktbeschläge wegzustecken.
Immer mindestens einmal mehr aufstehen, als hinfallen.
Das ist genau mein Lebensmotto.
Und das konnte ich da verkörpern.
Und dafür bin ich natürlich dem Regisseur und den Produzenten
bis in alle Ewigkeiten dankbar.
Charlie Chaplin begann eigentlich ähnlich wie Sie,
auch mit Komödie, mit Humor, mit Slapstick
und hat später dann mit ernsten Filmen Meisterwerke geschaffen,
der Film- und Kulturgeschichte.
Filme, die bei Chaplin heute inspirieren und auch zum Nachdenken anregen.
Wenn ich jetzt so die Bandbreite, den Zeitverlauf von Didi
bis zu Paul Aberhoff zum Beispiel sehe,
Dieter Haller vor allem als Mensch,
steckt ein bisschen Didi und ein bisschen Paul Aberhoff in Ihnen
oder ist der Didi zum Paul Aberhoff gereift?
Wie kann man sich das vorstellen?
Also erstmal muss ich bitten,
doch nicht Charlie Chaplin und mich in einem Atemzug zu nennen,
denn er ist ja doch der größere Künstler.
Zum anderen ist es so,
natürlich sind in dem Didi Teile von mir.
Auch ich bin chaot,
auch ich betrete gerne in Fettnäpfchen ungewollt,
aber alles andere ist eben sehr tief auch in mir angelegt.
Das andere war eigentlich,
Didi ist einfach eine Kunstfigur,
das ist etwas, was erschaffen ist,
was aber Gott sei Dank nicht ich bin,
denn wenn ich privat so wäre wie Didi,
würde ich ja womöglich nicht mehr frei rumlaufen.
Das andere ist eigentlich mehr mir zu eigen,
ich bin auch ein bisschen Grübler,
ich bin auch jemand,
der ständig sich seine eigenen Probleme schafft,
aber auch nur, um sie dann auch zu bewältigen.
Aber beides sind zwei Facetten desselben Menschen.
Ich bin glaube ich jemand,
den man nicht so leicht in eine Schublade stecken kann,
weil ich kann lustig sein,
aber auch sehr unangenehm werden.
Sollen wir es ausprobieren?
Botschaft verstanden.
Was ging Ihnen durch den Kopf,
als Sie zum ersten Mal das Drehbuch
zu Honig im Kopf gelesen haben?
Also ich habe auf Anhieb erkannt,
dass da ein Pfund liegt,
habe aber auch gleichzeitig gewusst,
das wird sehr schwierig.
Erstes Mal muss ich mit einem Kind spielen,
das natürlich doch eher bei jedem Drehort guckt,
wo ist die Schaukel
und hat mal meinen Hund mitgenommen.
Zweites Mal,
man muss sich auf die Mentalität eines Kindes einstellen
und versuchen,
dass da eine ehrliche Zuwendung unter uns besteht.
Das heißt, ich habe als erstes,
bevor ich den Vertrag gemacht habe,
die Tochter von Zischweiger besucht
und habe mit der auf dem Teppich gespielt
und mal geguckt,
wie weit kommen wir überhaupt uns nahe.
Weil wenn das nur gespielt ist,
wird das Publikum das
merken und dann ist es nämlich nicht mehr
zu Tränen rühren,
sondern es ist plötzlich kitschig.
Und die zweite Schwierigkeit lag daran,
und das ging mit der Emma leicht, gut.
Die zweite Schwierigkeit bestand daran,
dass man ja einen Film nicht chronologisch dreht.
Das heißt, ich musste mir immer überlegen,
in welchem Stadion der Krankheit bin ich denn jetzt?
Wie passt es zu dem,
was ich gestern gedreht habe
oder was ich vor zwei Wochen gedreht habe,
wie passt das nachher zusammen?
Das war ziemlich schwierig.
Und da wir,
auch weil wir das Kind ja ruhig sich nehmen mussten
und nur etwa sechs, sieben Stunden am Tag
mit ihr drehen konnten,
also schon mit mir natürlich länger,
haben die gesamten Lehrarbeiten
mehr als zwei Monate gedauert.
Und wenn man eben ständig
so selbst einen Dementen spielt,
das trägt nicht dazu bei,
dass man abends besonders lustig ist.
Ich war auch immer dann besonders gut untergebracht,
nett von der Produktion,
aber natürlich eben nicht in dem Hotel,
wo die ganzen anderen Mitarbeiter wohnten.
Das heißt, ich war immer allein abends
und immer dann den Text lernen für den nächsten Tag.
Also es war eine Sache,
wo ich mich wirklich manchmal
an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen musste,
weil es natürlich
die Stimmung
war gedrückt.
Millionen von Menschen
seit Generationen kennen und lieben Sie jetzt
aus Film und Fernsehen.
Was begeistert Sie so am Theater?
Ich glaube einfach,
Theater ist ja die Keimzelle unseres Berufes.
Alles andere ist ja später durch Technik dazugekommen,
Film und Fernsehen.
Aber Theater ist die einzige Domäne,
wo man eben sagt,
ich kann nicht Dinge wiederholen.
Ich kann nicht sagen,
ach, da ist ja gerade eine Wolke
und da kann ich
den großen Bogen über 90 Minuten,
100 Minuten spannen.
Man muss die Aura haben,
die Kraft haben,
bis zur 33. Reihe zu kommen.
Es sei denn, es gibt 35 Reihen,
dann eben noch weiter.
Und man muss
so viel Ausstrahlung haben,
dass die Leute sich für einen interessieren.
Und in dem Moment,
wo das Wort dem Munde entfleucht,
da gilt es,
es nicht mehr zurückzunehmen.
Und jede Vorstellung ist unterschiedlich,
je nachdem, wie das Publikum zusammengesetzt ist.
Also Theater ist für mich
der Inbegriff dessen,
was für mich
künstlerische Arbeit
im Schauspielberuf bedeutet.
Was man auch spürt auf der Bühne,
den Herrn Hallervorden erlebt im Theater,
spürt man auch diese Liebe zum Theater.
Aber der Sprung von
ich stehe auf der Bühne zu
ich kaufe mir ein eigenes Theater,
wie kam das damals zustande?
Ich muss sagen,
ich habe mir kein Theater gekauft.
Ich habe es gemietet.
Aber es war zumindest geschlossen.
Es ist ein Theater mit großer Reputation,
das Berliner Schlossparktheater,
was ganz große Zeiten früher erlebt hat
mit namhaften, großen Schauspielen,
was geschlossen war,
weil die staatliche Unterstützung
eingestellt wurde.
Und ich habe dann irgendwann gesagt,
ja, ich renoviere das,
ich mache das wieder auf.
Ich erwecke das Schlossparktheater
wie nach wie vor
stolz erfüllt.
Und wir gehen jetzt bald
in die 15. Spielzeit unter meiner Ägide.
Und ja,
es ist ein absolutes Herzensprojekt.
Ich könnte sagen,
es ist eben mein viertes Kind.
Theater ist ja verbunden
mit der deutschen Sprache.
Jetzt sind Sie ein sehr streitbarer Kämpfer,
auch für die deutsche Sprache.
Warum ist Ihnen dieses Thema so wichtig?
Also ich bin ja seit langen Jahren
Ehrenvorsitzender im Verein
für die deutsche Sprache.
Und es ist so,
die deutsche Sprache
ist ja ein Kulturgut,
was uns allen gehört.
Ich kann nicht akzeptieren,
dass von einer politisch orientierten Minderheit
vorgeschrieben werden soll,
wie man jetzt in Zukunft
sich ausdrücken kann.
Wir leben ja in einer Art
von Empfindsamkeitskult
und ich weiß manchmal überhaupt nicht mehr,
wie ich verbal
welchen Slalom ich nehmen muss,
einigermaßen zu umrunden.
Und es ist ja auch nirgends
jemals festgestellt worden,
ob tatsächlich
ein Eingriff in die Grammatik
einen gesellschaftlichen Wandel
herbeiführen kann.
Ich glaube,
dass Sprache sich aus sich heraus
entwickelt,
aber nicht von oben herab,
auf Befehl.
Und deswegen kämpfe ich natürlich dafür,
dass man die deutsche Sprache
so lässt, wie sie ist.
Ich persönlich,
was die Gleichstellung
von Frauen und Mannen betrifft,
ich brauche da nicht zur Sensibilität
erzogen zu werden.
Und ein großer, weiser,
nicht weißer,
ein großer, weiser alter Mann
wie Jochen Gauck hat gesagt,
Gendern ist wie betreute Sprechen
und das glaube ich auch.
Jetzt ist Ihr Lebenswerk
künstlerisches über viele Jahrzehnte
mit so vielen Filmen
und ähnlichen Dingen
untergehen
und eine neue Arche Noah
könnte nur ein einziger ihrer Filme
retten für die Menschheit.
Welcher Film sollte das sein?
Das wird Sie,
wenn Sie jetzt gut zugehört haben,
nicht verwundern.
Das wäre natürlich der Film
Sein Letztes Rennen.
Ich habe es vermutet.
Sicherlich gibt es manches,
was man auch erwähnen könnte,
aber das wäre mein absoluter Lieblingsfilm,
Sein Letztes Rennen.
Haben Sie mir gesagt,
Ihr erster Österreicher Auftritt
ist seit einer langen Zeit.
Was erwartet die Theaterbesuche
jetzt in Österreich an dem Abend
mit Hallervorden,
ein Komiker macht ernst?
Also Tim Kröse ist ja jemand,
der damals mal eine Autobiografie,
also eine Biografie über mich geschrieben hat
und natürlich ist das Buch
geschrieben worden vor einigen Jahren.
Inzwischen ist ja einiges Neues passiert.
Er liest so ein bisschen aus Erinnerung
und ich spreche über die Gegenwart,
die er neu ergeben hat.
Ich habe gerade eine CD rausgebracht,
ein Lebensalbum mit verschiedenen wichtigen Themen
und ziemlich erfolgreich wird das gerade überall
bei Amazon gekauft.
Und dann habe ich im Theater
neue Wege betreten.
Inzwischen habe ich andere Filme gemacht.
Dazu gebe ich auch noch ein paar Dinge zum Westen.
Ich habe ja Programme gemacht,
von denen Tim Kröse noch nichts weiß
und damit überrasche ich ihn dann ein bisschen.
Vielleicht die Zuschauer auch.
Ich versuche eine Mixtur zu schaffen,
wo ich sage,
die Leute, die wegen Didi kommen,
werden überrascht sein,
was für andere Facetten ich noch habe.
Jetzt haben Sie gleich vorgegriffen,
Ihre neue CD.
Jetzt frage ich mich jemand,
der seit Jahrzehnten auf der Bühne steht
und auch im Film und Fernsehen zu sehen ist,
wie kam die Idee zu einer CD
und warum dieses Album,
wie ist es entstanden
und warum gerade diese Titel
und warum diese Parasitäre Pandemie,
die uns von der Bühne abhielt,
unsere Kunst zu zeigen.
Da dachte ich,
ich habe immer so einen Aktivitätsdrang,
ich muss immer irgendwas unternehmen.
Gehst du einfach ins Studio
und singst ein bisschen.
Dazu habe ich mir zwei Leute dazu geholt.
Einen Morse Musiker und Komponisten,
der Frank Nimskern,
der im musikalischen Bereich
schon große Meriten sich erworben hat.
Und einen Mann als Cheftexter,
den ich schon lange kannte.
Den habe ich mir vorgegeben.
Speziell Freiheit und mein Leben
und was erwartet mich noch
und was erwarte ich.
Was können Leute von mir erwarten
mit 80 plus.
Und den habe ich immer gefüttert
mit zwei, drei Seiten
mit Gedankensplittern zu dem Thema,
was ich grundsätzlich drin haben möchte.
Und ja,
irgendwie haben wir das zunächst
als Hobby gemacht
und waren dann überrascht,
als plötzlich drei Schallplattenfirmen
mit einer CD draus machen.
Da dachte man,
hat sich anscheinend doch noch gelohnt.
Und es ist ein Herzensprojekt gewesen.
Es hat unheimlich viel Spaß gemacht.
Und ich meine,
was kann man mehr erwarten vom Leben
als den Tag auszufüllen
mit Dingen,
die einem ein Selbstvergnügen bereiten.
Dieses neue Album kam heraus
in Ihrem 86. Lebensjahr, glaube ich.
Ist das korrekt?
Ja.
Oder mit 86 jetzt?
Ein klein bisschen später, ja.
Mit 86, kann man sagen.
Jetzt ist das ein Alter,
wo viele Menschen schon in Pension sind,
gemütlich am Strand liegen
und der Zeit zuschauen, wie sie vergeht.
Gibt es ein Geheimnis,
das Sie da herauffordern,
dass Sie mit 86 aktiver sind
in den Projekten,
aber auch von der Fitness her
als viele 60-Jährige?
Naja, ich glaube,
dazu gehört einmal
das, was man von seinen Eltern
vererbt bekommen hat.
Dann gehört dazu,
dass man rechtzeitig erkennt,
vielleicht reichen auch mal
zwölf Bier statt 18.
Einfach sich vielleicht ein bisschen
zu mäßchen in dem,
was man so zu sich nimmt.
Auch die Ernährung
spielt eine große Rolle.
Und vor allen Dingen ist es wichtig,
nichts vergessen,
dass die Beine dazu da sind,
sich zu bewegen.
Und ja,
das alles bringe ich mit
so als Bausteine.
Und dann macht das Leben auch
mit 86 noch sehr viel Spaß.
Wenn man jetzt zurückblickt
auf Ihr Leben und auf Ihr Lebenswerk,
gibt es eine wichtigste Erkenntnis
der letzten Jahre?
Naja, klar.
Also wenn ich auf die Pandemie
zu sprechen komme,
ich finde,
man muss solche Dinge
immer als Problem sehen,
da muss man Tatkraft,
Energie aufbringen,
Initiativgeist haben
und sich nicht unterkriegen lassen.
Es hilft in solchen Fällen eben nicht,
die Hände in den Schoß zu legen
und zu jammern,
sondern wie ich uns zu sagen pflege,
wenn einem das Wasser schon
bis zum Halse steht,
sollte man tunlichst nicht
den Kopf hängen lassen.
Sondern ganz im Gegenteil,
man muss kämpfen
und muss sagen,
ich kann das nicht,
also man muss einfach kämpfen.
Viel Energie,
manchmal auch Kampf,
klingt für mich alles
nach viel Disziplin.
Gab es auch jemals
etwas ganz Verrücktes,
was Sie gemacht haben,
das Verrückteste in Ihrem Leben?
Das Verrückteste war vielleicht
mein erster Fallschirmsprung
aus mehr als
4000 Metern Höhe
im Alter von mehr als
82 Jahren,
das war schon vor 100 Jahren.
Wie kamen Sie auf die Idee?
Oder war es andersherum?
Das war die Idee meiner Frau
und ich wollte nicht sagen,
weil ich möchte nicht,
das ist ja natürlich klar,
selbstverständlich kein Problem.
Das hat aber Spaß gemacht.
Also ich habe das nicht bereut,
ich sage nur,
verrückt war es trotzdem,
weil mit 82 Jahren
liegen sich manche
Projekte an.
Jetzt merke ich,
dass Sie viele Projekte ansprechen,
auch noch an neuen Projekten
und Dingen arbeiten und planen,
quasi auf die Zukunft gerichtet.
Jetzt eine philosophische Frage,
wenn das Leben jetzt
morgen vorbei wäre,
wie würde Sie den heutigen Tag
noch verbringen?
Ich würde als erstes
das Interview sofort abbrechen,
vielleicht den Leuten
noch kurz mitteilen,
weil es im Lautsprechern dröhnt,
hier, final countdown,
will ich da nicht hören.
Dann gehe ich kurz beim Grab
meiner Eltern vorbei und kündige an,
dass ich sie bald besuchen komme
und danach suche ich mir heraus,
das am weitesten entlegenste
Bestattungsunternehmen
und gehe gemächlich schon mal
darauf zu,
mache aber an jeder Kneipe
einen kurzen Stopp,
gehe dann tocke in dieses
Unternehmen rein,
und schlafe in Überdämmerung
in den Ewigen.
Soll ich vorher
trotzdem noch nach Österreich kommen?
Wobei Ihr Album ja auch
einen absoluten Hammersong
neben allen anderen
Hammersongs hat wie den Tod
zum Beispiel,
das kann man auch nur
empfehlen sich anzuhören,
wirklich, wirklich mega.
Jetzt stoßt aus Ihnen sehr viel Energie,
sehr viel Kraft,
sehr viel positiver Lebensmut,
also ich habe jetzt gerade
in letzter Zeit gemerkt,
Glück ist das einzig Kapital,
das mehr wird,
wenn man es teilt.
Und das genieße ich mit meiner
Frau Christiane Zander
so in ich, wie es geht.
Bei all diesen Dingen,
die um Sie herum sind,
auch die Anerkennung des Publikums,
der Applaus, auch die Kritiken,
die quasi Ihr Werk würdigen,
was sind da die persönlichen
Magic Moments,
das kommt drauf an.
Also ich meine,
das kann, wenn man genügend Hunger
hat, auch ein sehr schönes
Essen sein.
Das kann, wenn man jemanden von
Herzen liebt, eben die Nähe,
die Begegnung sein.
Das kann natürlich auch,
wenn man gerne Theater spielt,
die Lust sein,
eine Rolle zu spielen,
die Facetten aufdeckt,
die man bisher als Zuschauer
von mir nicht erwartet hat.
Das sind Momente,
die einem schon so ein bisschen
Gänsehaut bereiten können,
aber eine wohlige Gänsehaut.
Ich persönlich bin als Kind
ja mit Didi groß geworden.
Von Ich brauche mehr Details
bis alle anderen berühmten Dinge
habe ich mit meinem Vater
und meinen Großeltern gelacht,
geweint und geschmunzelt
und habe Didi als Kind schon geliebt
und heute ist es auch für mich
ein Traum wahr geworden
mit dem Gespräch.
Was wäre aus Ihrer Sicht
jetzt völlig losgelöst
von den letzten Monaten,
die uns politisch oder auch
mit der Pandemie beschäftigt haben?
Was wäre die wichtigste Botschaft
an die heutige Jugend?
Also ich bin nicht jemand,
der Botschaft an andere Leute
erteilt, aber ich würde vielleicht
einfach bitten,
Mensch, hab doch ein bisschen
mehr Geduld mit uns Alten,
denn ihr werdet ja selbst mal
alt werden.
Vor einigen Wochen auf der Bühne
ist die Aussage gefallen,
am Leben ist wie Zeichnen
ohne Radiergummi.
Warum ist diese Aussage
für Sie so wichtig?
Ich glaube, dass alles,
was man an Meinungen von sich gibt,
alles was man an Ideen vertritt,
wird einem ja irgendwann mal
vorgehalten werden.
Also was ich jetzt hier
zum Beispiel zum Besten gebe,
wer weiß, wenn ich dann
10 oder 20 Jahre mal wieder
da bin, wird man vielleicht auch
gemessen an den Dingen,
die man damals vor sich hergetragen
hat, an Grundeinstellungen
zum Leben.
Und alles was ich im Fernsehen
mache und so,
all diese Dinge sind ja
erhalten und müssen
später nochmal Bestand
haben vor Leuten,
die es 20, 30 Jahre später sehen.
Alles was man tut,
alles was man sagt,
hinterlässt Spuren.
Wie bist du in
politischen Fragen oder in
Genderfragen und so weiter.
Und deswegen ist es schon so,
dass man sich immer sehr gut
überlegen muss, hält das Stand?
Möchte ich, dass das später
von mir erwähnt wird?
Soll das ein Zitat sein,
was allgemeingültig stehen bleibt,
auch über Jahrzehnte hinweg
oder nicht?
Deswegen finde ich,
ist es schon wichtig,
auch im künstlerischen Schaffen.
Es hätte es für mich
gegeben, auch einen Weg
ohne Didi.
Aber ich fand es trotzdem gut,
diesen Umweg zu gehen,
um später zu ernsthafter
Unterhaltung zurückzukehren,
weil ich habe viel Spaß
an, in Anführungsstrichen,
gebrochenen Karrieren.
Es hat keinen Zweck,
einen Weg ewig weiter zu gehen,
auch wenn man schon weiß,
dass man gar nicht an das Ziel
kommt, was man ursprünglich mal
hatte und zu ganz anderen
Entschlüssen kommt.
Und das habe ich immer
beherzigt und dadurch wird
das Leben auch spannender,
wenn man nicht ewig nur auf
ausgetretenen Pfaden latscht,
sondern auch nur sagt,
ich gehe mal ganz neue Wege.
Ich merke schon, die nächsten
Jahre und Jahrzehnte werden uns
noch mit vielen Überraschungen
auch beschenken, die sie für
uns vorhaben.
Jetzt seit vielen Jahrzehnten
lachen die Menschen und
lieben auch den Didi und
staunen, weinen und fühlen sich
berührt von den jüngsten Filmen.
Wenn jetzt in hundert Jahren
ein junger Mensch fragt,
wer war Dieter Hallervorden?
Was hat ihn ausgezeichnet?
Was sollte man ihm antworten?
Das sage ich so aus dem Kopf.
Also man könnte sagen,
es war ein Glückspilz,
der die Menschen unterhalten
hat, auf der schweren
Balance zwischen
glücklich und zutiefst berührt
sein und der sich gleichzeitig
Anerkennung erworben hat,
weil er sich als Mensch
nie hat verblieben lassen.
Alles Gute für den weiteren Weg.
Danke für die Inspiration,
für Ihr Lebenswerk,
für viele schöne Momente
des Lachens, auch des Weinens.
Alles Gute weiter.
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