Der stellvertretende FDP-Chef und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki wirft den Ministerpräsidenten und der Kanzlerin Rechtsbruch vor und warnt vor Klagen. „Dass wir die Maßnahmen, die die MPK für eine 200er-Inzidenz eingeführt hat, nahezu unverändert bis zum Inzidenzwert von 35 beibehalten sollen, ist unverantwortlich und ein offener Rechtsbruch“, sagte Kubicki gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag).
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Kubicki wirft Kanzlerin und Ministerpräsidenten Rechtsbruch vor
Lindner!
Erst weiß es die Öffentlichkeit, dann das Parlament?
Ein Artikel von Epoch Times vom 11. Februar 2021
Der stellvertretende FDP-Chef und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki, wirft den Ministerpräsidenten
und der Kanzlerin Rechtsbruch vor und warnt vor Klagen.
Dass wir die Maßnahmen, die die MPK für eine 200er-Inzidenz eingeführt hat, nahezu
unverändert bis zum Inzidenzwert von 35 beibehalten sollen, ist unverantwortlich und ein offener
Rechtsbruch, sagte Kubicki gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, RND Donnerstag.
Dabei gerieten die verfassungsmäßigen Kompetenzen komplett unter die Räder.
Dass plötzlich die MPK über die Impfreihenfolge befinden soll, ist evident verfassungswidrig.
Dies gehört eindeutig in die Zuständigkeit des Bundestages.
Und weiter, und dass auf einmal die infektionsschutzrechtlich verankerten Inzidenzschwellenwerte, keine
Rolle mehr spielen, zeigt eine Ignoranz gegenüber dem Gesetzgeber, die mit Sicherheit gerichtliche
Auseinandersetzungen provozieren wird.
FDP-Chef Christian Lindner hat die am Mittwoch beschlossene Verlängerung des Lockdowns mit
geringen Lockerungen als unzureichend kritisiert.
Angesichts der großen Erschöpfung in der Gesellschaft seien die Beschlüsse enttäuschend,
sagte Lindner am Donnerstag in der Debatte zur Regierungserklärung von Bundeskanzlerin
Angela Merkel.
Viele Menschen haben sich mehr erwartet als einen frischen Haarschnitt, sagte der FDP-Partei-
Lindner warf der Bundesregierung erneut vor, den Bundestag nur unzureichend an den Entscheidungen
zu beteiligen.
Über die Pläne der Regierung sei in den Medien schon am Dienstag berichtet worden,
während der Bundestag sich noch am Mittwoch mit anderen Fragen befasst habe.
Ich rate davon ab, diesen Umgang mit dem Parlament zur ständigen Staatspraxis werden zu lassen,
sagte er.
Im Parlament hätten auch alternative Möglichkeiten diskutiert werden können, denn die Politik
von Bund und Ländern sei keineswegs alternativlos.
Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans hat den neuen Zielwert einer Sieben-Tage-Inzidenz
der Corona-Neuinfektionen von 35 verteidigt.
Die Absenkung vom zuvor stets genannten Wert von 50 sei unumgänglich, sagte er der Rheinischen
Post vom Donnerstag.
Das Vorgehen berücksichtige die neue Herausforderung, die sich durch veränderte, wesentlich infektiösere
Varianten des Coronavirus ergibt.
Bund und Länder hatten sich am Mittwoch darauf verständigt, die derzeitigen Corona-Eindämmungsmaßnahmen
bis zum 7.
März fortzuschreiben.
Ausnahmen gibt es lediglich für Friseure, Schulen und Kitas.
Weitere Öffnungsschritte, etwa im Einzelhandel, sollen in den Ländern erst erfolgen, wenn
dort der Wert von 35 positiv getesteten Personen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen
erreicht ist.
Wenn wir den Fuß zu früh von der Bremse nehmen, droht die Gefahr, dass die Schussfahrt in
die Überlastung unseres Gesundheitswesens mit vielen vermeidbaren Todesopfern unvermittelt
weitergeht, sagte dazu Walter-Borjans.
Niedersachsens Regierungschef Stefan Weil verteidigte das Vorgehen ebenfalls.
Wir können mit Hinblick auf die Mutationen niemandem schnelle Öffnungen versprechen,
so sehr ich den Druck und das Leiden nachvollziehen kann, sagte er der Wirtschaftswoche.
Eines haben wir doch alle schmerzlich gelernt.
Der Anstieg kann schnell und plötzlich kommen, ein Abstieg hingegen ist mühsam und schwierig.
Für die Betriebe und Firmen wäre es hochschädlich, wenn wir nach dem mühsamen Kampf der vergangenen
Monate in eine dritte Welle hineinlaufen würden, betonte Weil.
Das wäre der Worst Case.
Zugleich forderte Weil zügig Klarheit über die weitere Perspektive.
Es müsse bis Anfang März ein Konzept geben, im Rahmen dessen aus den bekannten Fakten
transparent abgeleitet wird, was möglich ist und was nicht.
Das kann je nach Lage Öffnung bedeuten oder, wenn nötig, leider auch weitere Einschränkungen.
Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Fellbermayer, hat die Bund-Länder-Beschlüsse
zur Corona-Politik als enttäuschend kritisiert.
Es sei zwar richtig, nicht überstürzt zu öffnen, erklärte er am Donnerstag.
Aber das Fehlen eines Stufenplanes ist sehr bedauerlich.
Es wäre an der Zeit gewesen, klar vorzulegen, bei welchen Kennziffern welche weiteren Öffnungen
möglich werden.
Sehr bedauerlich sei zudem, dass es immer noch keine wirkliche Teststrategie in Deutschland
gebe.
Hier liege das Land sehr deutlich hinter vielen anderen EU-Staaten zurück, kritisierte Fellbermayer.
Eine Massive-Test-Offensive wäre sinnvoll, weil die Impfungen sich verzögerten und
die Virus-Mutanten im Spiel seien.
Damit könnte man nachweislich positiv getesteten Personen unter Auflagenfreiheiten zurückgeben,
und man erhielte wertvolle Informationen über die tatsächliche Infektionsrate.
So könnte man auch die wirtschaftlichen Schäden reduzieren.
Was die Unternehmenshilfen angehe, so sei abzuwarten, ob und wie schnell nun tatsächlich
die versprochenen Abschlagszahlungen fließen, erklärte Fellbermayer.
Weitere Verzögerungen bei der Auszahlung sind nicht hinnehmbar.
Doch auch eine raschere technische Abwicklung der Hilfen ändere nichts an der grundsätzlich
falschen Ausrichtung der Hilfsarchitektur, kritisierte der Wirtschaftswissenschaftler.
Sie helfe, so häufig nur den Banken, Leasinggesellschaften und Immobiliengesellschaften, nicht aber den
Unternehmern selbst.
Kanzleramtsminister Helge Braun mahnt bei der Lockerung der Corona-Beschränkungen zur
Vorsicht.
Es ist schwierig einzuschätzen, welche Maßnahmen mit den neuen Mutanten nötig sind, sagte
er am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin.
Braun warnte vor einem möglichen Jojo-Effekt.
Sollten die Infektionen wieder steigen, wäre, der Erfolg, den wir uns in den letzten Wochen
mühsam erkauft haben innerhalb weniger Tage und Wochen wieder kaputt.
Die Öffnungen sollten mit extrem vorsichtigen und umfassenden Hygienemaßnahmen begleitet
werden, sagte Braun.
Er bekräftigte zudem die Forderung des Bund-Länder-Gipfels, eine höhere Impfpriorisierung für Kita- und
Grundschulkräfte zu überprüfen.
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