So wie die Aristokratie an ihrer eigenen Geldgier erstickt, stolpert die Demokratie über ihre eigene Freiheit, und zwar geradewegs in die Tyrannei. Denn die Freiheit entfesselt nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Verwaltung. Ohne Obrigkeit, die sie kleinhält, wuchert die Verwaltung zum neuen Machtapparat heran. Um sich zu finanzieren, belastet sie die Wirtschaft mit Abgaben und mindert so den Wohlstand. Die Wirtschaft wehrt sich rechtlich gegen die Verwaltung, worauf diese die Wirtschaft beim Volk diffamiert und ihr die Schuld am Wohlstandsverlust zuschiebt. Wehrt sich die Wirtschaft dann politisch, schart sich die Verwaltung hinter einen starken Führer, der sich zum Beschützer des Volkes gegen die Wirtschaft erhebt. Im Namen des Volkes zerschlägt er die Wirtschaft, bis der Wohlstand ganz dahin ist und sich aus dem Volk Stimmen gegen den Führer erheben. Zu seiner eigenen Sicherheit muss der Führer das Volk entwaffnen und unterdrücken.
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dem sprachphilosophischen Feuilleton auf Kontrafunk, der Stimme der Vernunft aus der Schweiz.
Mein Name ist Andreas Thiel.
Heute betrachten wir zusammen mit Platon, wohin uns die Demokratie führt.
Sokrates sagt, in die Tyrannei.
Weshalb die Tyrannei die logische Folge der Demokratie ist,
erklärt Sokrates im achten Buch von Platons Politeia.
Bisher hat Sokrates hergeleitet, wie überhaupt ein Staatswesen entsteht
und dass durch dieses Zusammenspiel von Zusammenarbeit und Arbeitsteilung
in Kombination mit gegenseitigem Beistand,
Beistand im Falle von Gefahr oder Bedrohung von innen wie von außen,
das heißt im Sinne eines Rechtssystems gegen innen und eines Verteidigungsbündnisses gegen außen,
dass also durch ein solches Staatswesen, dass dadurch Wohlstand entsteht,
der gerade entstehen muss, weil ein solcher gesellschaftlicher Zusammenschluss allen zugute kommt.
Im weiteren erklärt Sokrates, dass nur diejenigen, die diesen Staat aufbauen,
die Vernunft und das Maß haben werden, das heißt die Tugenden überhaupt haben werden,
die einen gesunden Staat ausmachen, ihnen folgende Generationen,
die bereits in den Wohlstand hineingeboren werden und im Wohlstand aufwachsen,
werden dieses Maß und diese Vernunft nicht mehr haben oder nicht mehr halten können.
Sie werden Begehrlichkeiten über ein vernünftiges Maß hinaus entwickeln
und dadurch den Staat in einer ungesunden Weise aufblähen
und diesen zu einem Macht- und geldgierigen Monster mutieren lassen,
das sich gegen Nachbarstaaten und am Ende auch gegen die eigenen Bürger wenden wird.
Dieser aufgeblähte und kranke Staat wird geprägt von Oligarchen,
das heißt Geld- und machtgierigen Menschen, die gemeinsam Macht ausüben,
indem sie den Bürger ausnehmen über Steuern und Gebühren
und das so lange, bis das Volk völlig ausgenommen, also völlig verarmt ist
und sich auflehnt gegen diese Oligarchen, die in Saus und Braus leben
und diese Regierung stürzt.
Sobald das Volk die Regierung losgeworden ist, herrscht Demokratie,
die kann turbulenter sein, wir nennen das im Volksmund Anarchie
oder sie kann geordneter sein, was wir uns eigentlich unter einer Demokratie vorstellen,
aber das Wesen der Demokratie ist, das Volk regiert sich selbst ohne Regierung.
Das heißt, laut Sokrates führt die Oligarchie in die Demokratie.
Nun führt die Demokratie wiederum in die Tyrannei und weshalb das so ist,
das erklärt nun Sokrates im 8. Buch dieser Polytheia
und wir werden unsere Zeit, in der wir leben, hier wiedererkennen,
so wie wir bereits letzte Woche unsere Zeit in dieser Beschreibung der Oligarchie
wiedererkannt haben. Das liegt daran, dass wir in einem politischen Mischsystem leben.
Wir haben auf der einen Seite oligarchische Strukturen, das ist das Parlament.
Das Parlament ist eine aristokratische Struktur, die sich einen demokratischen Anstrich gibt,
und dadurch, dass man angeblich die Parlamentarier, also die Aristokraten, wählen kann,
aber das ist nichts anderes als ein statistischer Hütchentrick, der ganz einfach entlarvt werden kann,
stellen Sie sich vor, das gesamte Volk weigert sich, das Parlament zu wählen.
Kein einziger geht zur Wahl. Alle Bürger sagen, wir wollen kein Parlament, es interessiert uns nicht.
Wir wählen euch nicht, wir wählen niemanden, die Sitze bleiben leer.
Was passiert dann? Wer geht trotzdem zur Wahl? Die Parlamentarier.
Sie wählen sich selbst. Und da die Stimmenthaltungen nicht gezählt werden,
das ist ja dieser verrückte Hütchentrick, die Stimmenthaltungen werden einfach nicht mitgezählt,
respektive als ungültige Stimmen behandelt. Aus diesem Grunde aus, wenn sich das Parlament selber wählt,
hat es sich mit 100% gewählt. Mit 100% der abgegebenen Stimmen.
Und nur die abgegebenen Stimmen zählen bei diesen Wahlen.
Deswegen kann sich die Aristokratie selber erhalten, weil man sie nicht abwählen kann als Gesamtes.
Der Parlamentarismus, den wir haben, ist also ein aristokratisches und somit oligarchisches Element.
Und dann haben wir noch demokratische Strukturen auch, allerdings nur in der Schweiz.
In der Schweiz kann das Volk auf der einen Seite Gesetze erlassen, es kann die Verfassung ändern und es kann auch durch,
das ist das Initiativrecht, es kann Gesetzesvorschläge machen und die auch selber verwerfen oder annehmen.
Und das Volk kann auf der anderen Seite auch Referenten erheben gegen Beschlüsse der Aristokratie, also des Parlaments.
Diese demokratische Struktur ist auf dem Papier stärker als die oligarchische Struktur.
Nur leider ist sie nicht so effektiv wie die oligarchische Struktur.
Das Parlament ist faktisch ein Berufsparlament.
Da sind Menschen, die den ganzen Tag nichts anderes machen als Macht ausübeln und sich dafür auch selber sehr großzügig entschädigen,
indem sie dem Volk das Geld aus der Tasche ziehen, weil das ist ja das, was sie beruflich tun.
Vor allem dem Volk das Geld mittels Gebühren und Steuern aus der Tasche zu ziehen.
Während diese oligarchische Struktur nun sehr professionell und dadurch effektiv ausgestaltet ist,
ist das Volk als Machtapparat ein amateurhaftes Konstrukt, weil das Volk besteht aus einzelnen freien Bürgern und die haben alles andere zu tun.
Als Macht, staatliche Macht auszuüben oder sich an der staatlichen Macht zu beteiligen.
Das heißt, die Bürger sind in erster Linie damit beschäftigt, das eigene Überleben und das Leben der Kinder zu sichern,
während Politiker das nicht müssen. Sie bedienen sich ja aus der Staatskasse.
Und so kann das Volk nicht als geschlossene Machtstruktur oder als geschlossene Einheit betrachtet werden, die einmütig Macht ausübt,
weil das Volk hat nicht den Fokus, Macht auszuüben. Das Parlament schon.
Es sieht sich selbst als machtausübende Institution, die einzig den Zweck hat, Macht auszuüben,
während das Volk sich nicht als Machtapparat betrachtet.
Der einzelne Bürger sieht sich nicht als Teil eines Volkes, das Macht ausübt,
sondern er sieht sich als freier Bürger, der als Nachbar anderer freier Bürger sein Leben freigestaltet.
Und damit ist alles andere als Selbstverwirklichung gemeint.
Freie Gestaltung des Lebens bedeutet hier, dass der Bürger in Selbstverantwortung einen freien Beruf ausüben kann
und das aber auch muss, um damit seine Familie selber zu ernähren und seine Kinder so zu erziehen, wie er es für richtig hält.
Und während nun die Schweiz trotz allem diese demokratische Struktur aufweist,
nebst einer oligarchischen, die wir hier auch haben,
weisen die angeblichen Demokratien um die Schweiz herum nicht einmal mehr diese demokratischen Strukturen auf.
Da sind nur noch oligarchische Strukturen, weil das Volk hat nicht zu sagen, es darf Parlamentarier wählen,
also es darf sich seine eigenen Aristokraten wählen, muss aber nicht, sie werden so oder so gewählt.
Das hat uns letzte Woche vielleicht erinnert an diese spartanische Staatsordnung,
wo die Bürger zwar das aktive Wahlrecht haben, aber nicht das passive.
Das heißt, sie können nicht ins Parlament gewählt werden,
wohingegen die Adelsfamilien dieses passive Wahlrecht besitzen.
Sie können sich aufstellen und man kann dann schauen, wer von den Adligen ins Parlament gewählt wird,
von den wahlberechtigten Bürgern.
Und das Einzige, was die Bürger nicht können, ist das Parlament abschaffen.
Dennoch gibt es den freien Bürger auch in diesen Demokratien, die keine sind, um die Schweiz herum,
denn er ist ja nicht Sklave, er hat einfach keine politische Macht,
aber selbst wenn wir das so betrachten, dass das oligarchische Strukturen sind,
ist da eine gefühlte demokratische Struktur im Volk,
weil man kann nicht gerade sagen, dass es brutal unterdrückt wird von der Regierung,
es wird eher abgezockt.
Und das unterscheidet, wie wir sehen werden, das lernen wir bei Sokrates,
das unterscheidet die Oligarchie von der Tyrannei.
In der Tyrannei wird das Volk dann richtig unterdrückt, in der Oligarchie wird es nur ausgenommen.
Und weil wir diese beiden Ebenen haben, die oligarchische und die demokratische,
kommt uns sowohl die Beschreibung der Oligarchie des Sokrates sehr bekannt vor,
wenn wir sie auf unsere Politiker anwenden,
und diese Strukturveränderung Richtung Demokratie, das kommt uns auch bekannt vor,
und gleichzeitig, weil wir ja bereits schon diese demokratischen Strukturen haben,
wird uns auch sehr bekannt vorkommen, wenn jetzt dann Sokrates erklärt,
wie sich die Demokratie verändert und weshalb daraus zwingend eine Tyrannei hervorgehen muss.
Nachdem Sokrates hergeleitet hat, dass die Oligarchie an ihrer eigenen Dekadenz zugrunde gehen wird,
stellte sich folgende Frage.
Entsteht nun etwa auf dieselbe Weise wie aus der Oligarchie die Demokratie,
auch aus der Demokratie die Tyrannei?
Seine Gesprächspartner fragen nach, wie er darauf komme, und Sokrates antwortet,
was die Oligarchie sich als das größte Gut vorstreckte und wodurch sie auch zustande gekommen war,
das war doch der große Reichtum.
Die Unersättlichkeit im Reichtum aber und die Vernachlässigung alles übrigen um des Geldmachens Willen
gereichte ihr zum Untergang.
Richtig, bestätigen seine Zuhörer, und die Demokratie, fährt deshalb Sokrates fort,
löst nicht auch diese sich auf durch die Unersättlichkeit in dem, was sie sich als ihr Gut vorsetzt?
Sofort kommt die Frage, was meinst du, dass sie sich vorsetze?
Und Sokrates sagt, die Freiheit, denn von dieser wirst du immer in einem demokratischen Staat hören,
dass sie das Vortrefflichste sei und dass deshalb auch nur in einer solchen leben dürfe,
wer von Natur frei sei.
Ist es nun etwa nicht die Unersättlichkeit hierin mit Vernachlässigung alles übrigen,
was auch diese Verfassung umgestaltet und sie dahin bringt, der Tyrannei zu bedürfen?
Da treibt uns Sokrates aber wieder einen hübschen Ochsen zwischen die Beine.
Er behauptet, dass die Demokratie nicht nur einfach in die Tyrannei schlittert,
sondern dass sie der Tyrannei bedürfe.
Und Sie werden sehen, er meint nicht, dass das das Heilmittel ist,
sondern dass die Demokratie sich die Tyrannei selbst schaffen wird.
Das heißt, sie wird nach der Tyrannei gieren.
Sie wird geradezu irgendwann nach der Tyrannei greifen.
Denn sind nicht die meisten Tyrannen irgendwann mal von ihrem Volk zum Führer gewählt worden?
In einem Zustand äußerster Freiheit, sagt Sokrates, zittert der Lehrer vor seinen Zuhörern.
Denn seine Zuhörer machen sich nichts aus Lehrern.
Und das führt dazu, dass der Lehrer den Zuhörern schmeicheln muss.
Kommt uns das nicht schon ein bisschen bekannt vor?
Befinden wir uns nicht bereits in diesem Zustand, dass die Lehrer nicht mehr lehren,
sondern versuchen das zu sagen, was sie glauben, dass von ihnen verlangt wird, dass sie lehren?
Folgen unsere Universitäten nicht längst nicht mehr der Wissenschaft,
sondern irgendwelchen ideologischen Modeströmungen?
Versuchen unsere Wissenschaftler nicht längst den Zuhörern zu gefallen,
dem Zeitgeist zu gefallen mit ihren Klima- und Genderstudien?
Und natürlich sind mit Lehrern die Erfahrenen gemeint und mit Zuhörern die Unerfahrenen.
Und hier sagt Sokrates, die Jüngeren werden sich den Älteren gleichstellen.
Die Alten aber setzen sich unter die Jugend und suchen es ihr gleich zu tun.
Und haben wir nicht längst diesen Jugendwahn der Alten erreicht?
Auf der einen Seite versuchen sich die Älteren der Jugend anzubiedern,
auf der anderen Seite versuchen sie selbst jung zu bleiben oder zumindest jung zu erscheinen,
denn sie können es ja nicht bleiben und tun infantile Dinge,
schlagen jede Lebenserfahrung, die sie zu vernünftiger Einsicht führen könnte, in den Wind.
Aber Sokrates hatte es gerade begonnen mit seinen Betrachtungen.
Die äußerste Freiheit wird wohl dem Einzelnen und dem Staat sich in nichts anderes umwandeln
als in die äußerste Knechtschaft.
So kommt denn natürlicherweise die Tyrannei aus keiner anderen Staatsverfassung zustande
als aus der Demokratie, aus der übertriebensten Freiheit, die strengste und wildeste Knechtschaft.
Da die Demokratie aus der Oligarchie hervorgegangen ist, hat sie ein ungutes Erbe angetreten,
nämlich Untugenden wie Faulheit und Verschwendertum.
Und jenes Geschlecht fauler und verschwenderischer Menschen, sagt Sokrates,
wovon die Tapferen anführen und die Feigeren ihnen folgen, richtet nun Unordnung an in jeder Verfassung,
wo sie sich auch finden, wie im Körper Schleim und Galle.
Moment, Moment, was ist damit gemeint?
Hier schreiten seine Gesprächsfrauen ein und fragen ihn, was meinst du genau?
Und Sokrates führt aus.
In drei Teile lass uns einen demokratischen Staat einteilen.
Der erste Teil ist diese Gattung, welche wegen der Ungebundenheit in einem demokratischen
nicht minder entsteht als im oligarchischen.
Aha, was meint er damit?
Dort, also im oligarchischen, weil sie nicht in Ehren gehalten,
sondern von den obrigkeitlichen Ämtern zurückgedrängt wird, bleibt sie ungeübt und wird nicht kräftig.
In der Demokratie aber hat diese mit wenigen Ausnahmen überall den Vorsitz.
Aha, das ist im Moment noch nicht so klar, was er meint.
Aber er teilt den demokratischen Staat in drei Teile.
Und der erste Teil, das ist eine Gattung von Bürgern, welche der Ungebundenheit wegen
sowohl in einem demokratischen wie auch in einem oligarchischen Staat entsteht.
Im oligarchischen werden diese aber irgendwie zurückgedrängt, weil sie von den Herrschenden
nicht besonders hoch geschätzt werden und deswegen bleiben sie ungeübt und werden nicht kräftig.
Aha, in einem demokratischen Staat ist nichts da, das sie zurückbindet.
Und sie in einem demokratischen Staat, weil es da keine Regierung gibt, nicht zurückgebunden,
oder keine starke Regierung gibt, werden sie nicht zurückgebunden und dann plötzlich haben sie überall den Vorsitz.
Was meint er damit? Lesen wir mal weiter.
Und die Hitzigen darunter, also in dieser Gattung, reden und handeln,
die anderen setzen sich um die Gerichtsstellen her und summen und leiden nicht, dass jemand etwas anderes sage,
so dass in einem solchen Staate bis auf einiges wenige alles von dieser Gattung verwaltet wird.
Oh, da haben wir es. Er meint die Verwaltung.
Die Verwaltung entsteht sowohl in der Oligarchie wie auch in der Demokratie.
In der Oligarchie hat sie aber starke Mächtige über sich und kann dadurch nicht allzu kräftig werden,
aber in der Demokratie hat sie niemanden über sich, weil das Volk ja nicht einig ist und vor allem nicht professionell Macht ausübt.
Die Verwaltung hingegen, der immer eine Professionelle ist, deswegen ist sie ungebunden
und plötzlich hat die Verwaltung überall den Vorsitz.
Und zwar gibt es da die einen, die Hitzigen, die reden und handeln,
und die anderen, die sich einfach still verhalten und schön mitmachen,
aber verstärken die Macht derjenigen, die reden und handeln,
so dass in einem solchen Staat bis auf einiges wenige alles von dieser Gattung verwaltet wird.
Das ist lustig, dass die Freiheit ausgerechnet an der Ungebundenheit der Verwaltung zugrunde gehen wird.
Das andere ist nun wohl dieses, was sich von der Menge abhebt.
Aha, da kommt auch noch etwas Gehobenes.
Zum Glück sind auch gute Menschen oder brauchbare Bürger, verantwortliche Bürger in einer Demokratie
und einer Demokratie nicht professionell Macht ausgeübt wird.
Bis dahin, wo dann die Verwaltung professionell Macht ausübt, aber da sind wir erst auf dem Weg dazu.
Da ist alles auf das Erwerben gestellt.
Das heißt, der normale Bürger ist damit beschäftigt, seiner beruflichen Beschäftigung nachzugehen,
und zwar des Erwerbs wegen, weil er muss ja seine Familie ernähren.
Also wenn doch alles aufs Erwerben gestellt ist, so werden die von Natur Sitzahmen gewöhnlich die Reichsten.
Wir haben soeben vernommen, dass die Demokratie diese untugenden Faulheit und Verschwendungssucht von der Oligarchie geerbt hat.
Und jetzt sagt er, aber die Sitzahmsten, also diejenigen, die eben nicht diesen Untugenden verfallen,
die werden nun gewöhnlich die Reichsten, also die Fleißigen und Sparsamen.
Von denen nun, sagt er, fließt der meiste und reichlichste Honig.
Also das sind die großen Wohltäter der Gesellschaft.
Das sind diejenigen, die Stiftungen gründen, die Schulen bauen, Armenhäuser,
und das nicht nur, weil sie es sich leisten können, sondern auch, weil sie die Sitzahmsten sind.
Von da nun fließt der meiste und reichlichste Honig.
Durch ihre Tugendhaftigkeit können sie in der Freiheit reich werden.
In der Oligarchie wurden sie geschröpft, aber hier können sie richtig reich werden,
und das ist gut für die freie Gesellschaft, denn die Sitzahmen, die teilen ihren Reichtum.
Also haben wir diejenigen, die zur Verwaltung neigen,
die die Freiheit dazu nutzen werden, die Verwaltung ausufern zu lassen,
und keiner stellt sich ihnen entgegen, weil es herrscht ja Freiheit.
Dann gibt es diejenigen, die die Freiheit nutzen, um Werte zu schöpfen.
Das sind die Innovativen, die die Gesellschaft wirtschaftlich weiterbringen,
und zugleich sind sie diejenigen, die einen Ausgleich schaffen können,
indem sie weniger Erfolgreichen, Minderbemittelten oder solchen,
die vom Schicksal ungünstig getroffen sind, unter die Arme greifen.
Und dann die dritte Gattung wäre das Volk, sagt Sokrates, also die große Masse.
Alle, die mit eigenen Händen arbeiten und sich der Staatsgeschäft enthalten,
und deren Besitz aber wenig bedeutet.
Die sind weder an der Verwaltung interessiert, noch sind sie fähig, zu Reichtum zu kommen,
weil, naja, es ist einfach die arbeitende Bevölkerung, das ist die Mehrheit.
Aber sie pflegt nicht leicht, zusammengebracht zu werden.
Aha, hier kommt die Erkenntnis des Sokrates, dass das Volk die Mehrheit keine Einheit ist.
Das ist ja nur eine statistische Mehrheit, aber die bilden keine Einheit.
Mit einer Ausnahme, er sagt nämlich,
Aber sie pflegt nicht leicht, zusammengebracht zu werden, wenn sie nicht von dem Honig etwas bekommt.
Aha, die breite Masse kann zusammengebracht werden, wenn man ihnen etwas verspricht.
Oder man kann sie, sagen wir, korrumpieren oder kaufen.
Und nun könnte man meinen, naja, das ist ja dann leicht für die zweite Gattung,
da die Erfolgreichen, die zu Reichtum kommen, die können ja dann die breite Masse kaufen.
Aber wer so denkt, der gehört offensichtlich nicht zu jenen,
denn da sind ja die Sitzahmen, die kommen nicht auf die Idee, die Masse zu kaufen.
Das sind wohltätige Reiche.
Aber andere kommen auf die Idee, die Masse zu kaufen.
Nämlich jene, die selber ja gar nichts generieren,
sondern die keinen Mehrwert generieren, sondern darauf angewiesen sind,
dass sie irgendjemandem das Geld aus der Tasche ziehen können, um das eigene Leben zu finanzieren.
Und wer ist das, wo gerade keine Oligarchen da sind, die das sonst tun?
Es ist die Verwaltung.
Genau das sagt nun Sokrates.
Aber sie pflegt, also die Masse pflegt nicht leicht, zusammengebracht zu werden,
wenn sie nicht von dem Honig etwas abbekommt.
Davon bekommt sie aber jedes Mal, so oft die Vorsteher, also die Amtsvorsteher,
Gelegenheit finden, die Vermögenden zu berauben
und davon, indem sie das meiste für sich behalten, auch unter dem Volk zu verteilen.
Auch da erkennen wir unsere eigene Verwaltung in Kombination mit der noch oligarchischen Regierung wieder.
Die breite Masse pflegt nicht leicht, zusammengebracht zu werden,
wenn sie nicht von dem Honig etwas bekommt.
Davon bekommt sie aber jedes Mal, so oft die Vorsteher, also die Amtsvorsteher,
Gelegenheit finden, die Vermögenden zu berauben
und davon, indem sie das meiste für sich behalten, auch unter dem Volk zu verteilen.
Platon zu lesen macht Spaß, nicht wahr?
Und der Ochse im Salon wird noch dicker.
So nach werden doch diejenigen, welche man beraubt,
genötigt, sich durch Reden im Volk und auch, soweit sie können, täglich zur Wehr zu setzen.
Auch das passiert doch heute.
Die erfolgreichen Unternehmer, die das Potenzial haben, sehr viel Wohltätigkeit zu stiften,
wenn die beraubt werden von der Obrigkeit, dann sehen sie sich genötigt,
sich durch Reden im Volk und auch, soweit sie können, täglich zur Wehr zu setzen.
Also sie versuchen jetzt durch Steueroptimierung oder sagen wir jetzt schon Steuersitzverlegung
sich zur Wehr zu setzen und versuchen durch Publikationen dem Volk klar zu machen,
das ist nicht gut, was hier abgeht.
Die Unternehmer versuchen dem Volk zu erklären, dass die Nöte, in welchen sich die Unternehmen befinden,
dass die existenziell sind fürs ganze Volk.
Aber das Volk wird es nicht verstehen.
Denn was macht die Verwaltung, was macht unsere Regierung,
wenn sich Unternehmer gegen dieses Gebaren der Obrigkeit stellen?
Sokrates gibt die Antwort.
Sie beschuldigt die Unternehmer, dass sie dem Volke Nachstellen und Oligarchen sind.
Aha, die freien Unternehmer, die sich nicht für Regierungsmacht interessieren,
sich aber, wenn es zu bunt wird, gegen diese Macht wehren müssen,
die werden nun von den Mächtigen, also von der Politik beschuldigt,
sie seien Oligarchen und würden dem Volk nachstellen.
Das heißt, sobald die Unternehmer beginnen, politische Aufklärungsarbeit zu leisten,
werden sie von der Verwaltung und der Regierung bezichtigt,
sich wie Oligarchen zu verhalten und zu versuchen, das Volk zu kaufen.
Am Ende also, wenn sie sehen, also diese tugendhaften und dadurch erfolgreichen freien Unternehmer,
am Ende also, wenn sie sehen, dass das Volk nicht aus eigenem Antriebe,
sondern in seiner Unwissenheit und von ihren Verleumdern hintergangen,
doch darauf ausgeht, ihnen Unrecht zu tun,
dann endlich, mögen sie nun wollen oder nicht, werden sie wirklich Oligarchisch.
Warum kommt mir hier Elon Musk in den Sinn?
Um sie selbst und die Freiheit, und zwar die Freiheit aller zu retten,
müssen sie nun selber versuchen, die Mächtigen zu bekämpfen.
Das heißt, sie müssen selber versuchen, Macht im Staat zu erlangen.
Und da die Machtausübung ihnen aber gar nicht entspricht und da das auch nicht ihr Kernanliegen ist,
werden sie natürlich nicht versuchen, sich an die Macht zu putschen,
sondern sie werden nur versuchen, die Macht dieser Verwaltung und der Politiker einzudämmen,
und zwar auf legalem Weg.
Und auch das beschreibt Sokrates.
Und so entstehen dann gegenseitige Anklagen, Rechtsstreitigkeiten und Kämpfe.
Und da sind wir heute auch schon wieder, wo sich die Vermögenden der volkreichen Freien
gegen den Staat auf dem Rechtsweg versuchen zu wehren.
Und der Staat bekämpft die Vermögenden natürlich auf eben diesem Weg.
Und, so Sokrates weiter, pflegt nun dann nicht das Volk ganz vorzüglich immer einen an seine Spitze zu stellen
und diesen zu hegen, um groß zu machen.
Wenn ein Tyrann entsteht, so ist dieses Vortreten seine Wurzel.
Und anderwärts sproßt er nicht auf.
Also der Tyrann, der kann nur aus dieser Situation hervorgehen,
wo sich die erfolgreichen Freien gegen die Verwaltung zur Wehr setzen,
die Verwaltung aber diese erfolgreichen Freien diffamieren und bekämpfen muss.
Und deswegen die Verwaltung diese erfolgreichen Freien gegenüber dem Volk als Oligarchen diffamieren und verleumden muss.
Und die Verwaltung muss das Volk hinter sich haben, um die Oligarchen zu bekämpfen.
Und weil aber alle Ressourcen bei diesen erfolgreichen Freien liegen
und diese erfolgreichen Freien nun plötzlich nicht mehr bereit sind,
die ganze Verwaltung einfach so zu finanzieren,
muss die Verwaltung sich vom Volk das Mandat holen,
mit aller Gewalt des gesamten Volkes die erfolgreichen Freien zu bekämpfen,
um nicht zu sagen zu enteignen.
Und dazu braucht die Verwaltung jetzt einen starken Führer, den sie dem Volk vorsetzen kann.
Welches ist also der Anfang dieser Umwandlung aus einem Volksvorsteher in einen Tyrannen, fragt Sokrates.
Ganz einfach. Dieser nun wird also Parteihaupt gegen die Vermögenden.
Das demokratische Volk sehnt sich der Freiheit überdrüssig einen Tyrannen herbei.
Sokrates kann sich den ironischen Unterton nicht verkneifen, wenn er schildert
die allbekannte tyrannische Forderung, also sinnen sich deshalb auch alle aus,
die einmal so weit gegangen sind, nämlich das Volk um eine Leibwache zu bitten,
damit doch der Beschützer des Volkes selbst sicher sei.
Und was machen die der Demokratie überdrüssigen Demokraten, Sokrates fährt gleich fort,
und die geben sie ihm, also die Leibwache, weil sie besorgt sind seinetwegen,
ihrer selbst wegen aber ganz guten Mutes.
Angesichts der bewaffneten polizeilichen Überfallkommandos, die man heutzutage in Deutschland riskiert,
wenn man sich negativ über die Regierung äußert, müsste man heute wohl singen
Küßt die Grünen, Küßt die Grünen, Küßt die Grünen, wo ihr sie trefft.
Und ganz passend dazu erklärt uns nun Sokrates, weshalb der Tyrann Krieg führen muss.
Wird er nun nicht in der ersten Zeit wohl alle anlächeln und begrüßen, wem er nur begegnet,
und behaupten, er sei gar kein Tyrann, und ihnen vielerlei Versprechen einzeln und gemeinsam
wird ihn auch Befreiung von Schulden und Verteilung von Äckern dem Volke gewährt,
und denen, die ihn umgeben, und wird sich gegen alle günstig und milde anstellen?
Wenn er aber mit den äußeren Feinden sich teils vertragen, teils sie aufgerieben hat,
und also Ruhe vor jenen geworden ist, dann regt er zuerst immer irgendeinen Krieg auf,
damit das Volk eines Anführers bedürfe.
Und natürlich auch, damit sie durch starke Abgaben verarmend genötigt werden,
an den täglichen Bedarf zu denken und ihm weniger nachstellen können.
Und zudem auch noch, wenn er einige im Verdacht hat, dass sie freisinnig wären
und ihn nicht würden fortherrschen lassen, damit er die auf gute Art aus dem Weg schaffen könne,
indem er sie den Feinden preisgibt.
Und ist es nicht aus allen diesen Ursachen einem Tyrannen immer notwendig, Krieg zu erregen?
Und wenn er aber so handelt, ist es doch natürlich, dass er den Bürgern auch immer mehr verhasst werde.
Wie sollte er nicht?
Und werden dann nicht einige von denen, die ihn haben einsetzen helfen und mächtig sind,
gegen ihn und unter sich frei mit der Sprache herausgehen und ihn tadeln,
was geschieht wenigstens die Herzhaftesten unter ihnen?
Und aller dieser muss der Tyrann sich entledigen, wenn seine Herrschaft bestehen soll,
bis weder von Feind noch Freund irgendeiner übrig ist, der etwas taugt.
Jetzt kommt also auf die Besäuberungen zu sprechen,
auf die politischen, ideologischen, vielleicht auch ethnischen Säuberungen,
und er nennt das wieder voller Ironie eine schöne Reinigung.
Entgegengesetzt der, wie die Ärzte den Leib reinigen,
denn diese führen das Schlechteste aus und lassen das Beste übrig,
er, der Tyrann, aber umgekehrt.
Und doch kann er, wie es scheint, nicht anders, wenn er herrschen will.
Und jetzt sinkt er von der Ironie noch in den Sarkasmus ab,
wenn er hinzufügt, so ist er, also der Tyrann,
so ist er also von einer gar seligen Notwendigkeit gebunden,
welche ihm auferlegt, unter einer Menge schlechter Menschen zu hausen
und noch dazu von diesen gehasst zu werden.
Diese Beschreibung des Tyrannen ist ein einziger, ironischer, salto-mortaler Rückwärts.
Je mehr er nun durch alles dieses den Bürgern verhasst geworden ist,
wird er nicht desto mehrerer und treuerer Leibwachen bedürfen?
Aber welche sind treu, und woher soll er sie sich holen?
Von selbst, sagt Sokrates, werden sie ihm in Menge zugeflogen kommen,
wenn er nur den Lohn reicht.
Und im gleichen zynischen Ton fährt Sokrates fort,
so ist denn ein Tyrann wahrlich ein glückseliges Wesen,
wenn er sich nun solcher Freunde und Getreuen rühmt,
nachdem er die anderen von früher zugrunde gerichtet hat.
Und was macht das Volk?
Ja, das Volk, welches ja den Tyrannen erzeugt hat,
soll ihn und seine neun Freunde nun ernähren.
Und wenn nun das Volk aufsässig wird,
dann wird das Volk beim Zeus wohl sehen,
was für ein Früchtchen es sich erst erzeugt und dann gehegt und gepflegt hat
und wie es nun als der schwächere Teil die Stärkeren austreiben will.
Wird denn der Tyrann so dreist sein,
seinem eigenen Volk Gewalt anzutun?
Ja, nachdem er ihm nämlich die Waffen genommen hat.
Und dieses wäre nun, wie es scheint, die ganze eingestandene Tyrannei.
Und das Volk, wie man zu sagen pflegt, wäre,
weil es schon dem Ruch der Knechtschaft,
wie sie unter Freien ist, entgehen wollte,
in die Flamme einer von Knechten ausgeübten Zwangsherrschaft hineingestürzt
und hätte statt jener übergroßen und unzeitigen Freiheit
die unerträglichste und bitterste Knechtschaft angezogen.
Und hier nun freut sich Sokrates,
hinlänglich auseinandergesetzt zu haben,
sowohl wie Demokratie in Tyrannei übergeht,
als auch wie diese, einmal entstanden, beschaffen ist.
Aber Sokrates wäre nicht Sokrates,
wenn er sich mit einer solchen banalen Erkenntnis zufriedengeben würde.
Sogleich fragt er weiter.
»Weißt du wohl«, fragt er, »was ich noch immer vermisse?
Wegen der Begierden, dünkt mich,
haben wir noch nicht gehörig unterschieden,
was für welche und wie vielerlei es gibt.
Ist aber dies mangelhaft,
so wird auch die Untersuchung unsicherer sein,
die wir hier anstellen.
Und was nun folgt,
ist ein subtiles, differenziertes Psychogramm des Tyrannen.
Und damit kommen wir ins neunte Buch von Platons Politeia.
Damit beschäftigen wir uns aber nächste Woche.
Für Ihre Zeit und Ihr Interesse danke ich Ihnen.
Sie hörten Juju Gaga,
die sprachphilosophische Sendung auf Kontrafunk,
der Stimme der Vernunft aus der Schweiz.
Ich wünsche Ihnen eine demokratische Woche ganz ohne Tyrannei.
Ihr Andreas Thiel
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