Das Fabelbuch ist - im wahrsten Sinne des Wortes - ein fabelhafter Begleiter durch das Kalenderjahr. Autorin Petra Fiedler hat für jede Woche des Jahres eine Fabel ausgewählt. Passend zur Jahreszeit erzählen die kurzen Texte lebhafte Geschichten. Heiter und unterhaltend oder auch tiefgründig und zum Gedankenaustausch anregend. Nach dem Vorlesen knüpfen Sie als Betreuungskraft mit Fragen zum Thema an die Erinnerungen alter Menschen an. Rätsel zu Redensarten, Tieren und Pflanzen oder Wortsammlungen lassen sich nach den Fähigkeiten und Interessen der Teilnehmer auswählen. Das Fabelbuch ist für die Einzel- wie für die Gruppenbetreuung einsetzbar. Für die Kurzaktivierung zwischendurch oder im Rahmen einer vergnüglichen Gruppenstunde.
Ich bin Petra Fiedler. Ich bin Sozialarbeiterin und Altentherapeutin und
habe Spiele und Bücher für die Altenarbeit entwickelt. Und als Neuestes
ist jetzt das Fabelbuch erschienen in der Reihe Woche für Woche aktivieren.
Fabeln sind deshalb so toll zum Vorlesen, weil sie kurz und knackig schöne
lebendige Geschichten erzählen, in denen Tiere oder Pflanzen vorkommen. Aber wir
wissen alle, dass die Tiere oder Pflanzen für menschliche Eigenschaften
und Charaktere stehen. Wir kennen alle den schlauen Fuchs, die
fleißige Biene oder den aufgeblasenen Frosch. Das Schöne bei den Fabeln ist,
dass ich sie sowohl bei orientierten älteren Menschen einsetzen kann, weil
Fabeln ja immer eine tiefere Ebene haben, eine Bedeutungsebene. Da kann man sich
eben auch wunderbar austauschen über das menschliche Miteinander, über die
menschlichen Schwächen. Da können wirklich sehr schöne Gespräche darüber
entstehen. Wenn ich die Fabeln aber einsetze bei
Menschen mit Demenz, dann setze ich die Fabel einfach als Fabel, als schöne
lebhafte Geschichte ein, weil Menschen mit Demenz sind eben damit überfordert,
eine Geschichte zu interpretieren. Und am einfachsten stelle ich das einfach mal
anhand einer Fabel vor und dann sehen sie eben auch, dass es nicht nur die
Fabel ist, sondern wir haben eben auch Gesprächsimpulse und eine Rätselecke, so
dass ich wirklich mit jeder Fabel eben auch eine kleine Aktivierungseinheit
gestalten kann, ohne dass ich überhaupt irgendetwas vorbereiten muss. Das ist
eben das Wunderbare daran. Also die Fabel von der Hundefreundschaft, da geht es so,
zwei Hunde leben auf einem Bauernhof und knurren sich immer an und da meint
eines Tages der eine Hund zum anderen, Mensch, sollen wir denn nicht Freunde
sein? Das ist doch nicht schön, dass wir uns immer bekriegen.
Lass uns Freunde sein. Und der andere sagt, ja, hast du auch recht.
Wir freunden uns an. Gesagt, getan. Die Tür geht auf, die Bäuerin kommt raus und
wirft einen Knochen auf den Hof und sofort stürzen sich beide Hunde auf den
Knochen und knurren sich an und das war es dann erst mal mit der
Hundefreundschaft. Nachdem ich die Fabel vorgelesen habe, schließt sich die Moral
von der Geschichte an, weil Menschen mit Demenz sind damit überfordert, die
Bedeutung der Fabel selber zu erklären. Ich lese ihnen das vor und zwar kann man
ja kurz und knapp sagen, man kann leicht sich Freundschaft versprechen, wenn man
satt ist, wenn es einem gut geht, aber sobald Mangel herrscht, sieht die Sache
schon wieder ganz anders aus und man kann eigentlich diese Fabel auch kurz
und knapp zusammenfassen in der Redensart, jeder ist sich selbst, der und
dann wird die Gruppe eben ergänzen, der Nächste. Redensarten sind eben ganz
wunderbar für Menschen mit Demenz zu ergänzen, weil sie das eben noch sehr
sehr lange können, im Langzeitgedächtnis abgespeichert sind.
Jetzt habe ich die Moral von der Geschichte, jetzt geht es aber auch
weiter, ich habe ja jetzt nicht nur die kleine Geschichte, die Fabel, sondern ich
habe eben auch Gesprächsimpulse und eine Rätselecke, so dass ich wirklich mit
einer Fabel und den anschließenden Gesprächsimpulsen und Rätseln ganz
wunderbar eine Aktivierungseinheit gestalten kann, ohne dass ich irgendetwas
dafür vorbereiten müsste. Bei dieser Fabel ist es so, da schließen sich so
Fragen an, wie zum Beispiel, können Sie sich daran erinnern, wie das in Ihrer
Kindheit war mit den Geschwistern, wenn es etwas Leckeres gab, aber es hat nicht
für alle gereicht, wie hat man sich da geeinigt?
Das sind so Fragen, die ganz konkret sind und ans Altersleben, in Kindheit und
Jugend anknüpfen, wo viele was dazu sagen können.
Neben diesen Gesprächsimpulsen gibt es eben die Rätselecke und da haben wir
erstmal immer Redensartenrätsel, weil die eben besonders einfach sind und
viele ein Erfolgserlebnis haben. Das ist sehr schön, wenn oftmals im Chor dann
die Redensart ergänzt wird und Menschen mit Demenz dann eben erleben, Mensch, ich
kann ja noch was und das ist ja eigentlich das, was wir mit allen unseren
Betreuungen ja erreichen wollen, dass Menschen mit Demenz eben auch
Erfolgserlebnisse noch haben. Das Tolle am Fabelbuch ist, dass ich dieses
Wochenmuster habe. Das heißt, ich muss gar nicht lange überlegen, welche Fabel
setze ich denn jetzt ein. Ich gucke einfach ins Inhaltsverzeichnis, gucke, aha, jetzt
haben wir März und dann setze ich eben die entsprechende Fabel ein. Also ich
erspare mir mühevolles, zeitaufwendiges Aussuchen einer passenden Fabel. Ich gucke
einfach, welche Fabel dran ist und ich kann die Sicherheit haben, dass die
Fabel dann eben auch in die jeweilige Jahreszeit passt. Das Wichtigste ist aber,
dass es mir gelingt, mit dem Fabelbuch eine freundliche und gemütliche
Atmosphäre herzustellen, in der sich jeder wohl und aufgehoben fühlt, weil
gerade das Menschen mit Demenz brauchen, eine gute Atmosphäre, in der ich mich
wohlfühlen kann.