Philosophieren: Tanzen

Kontra Funk
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19.08.2024
Source:
https://www.spreaker.com/episode/philosophieren-tanzen--60895024
Im Tanzen entwindet sich der menschliche Körper der Schwerkraft des Alltags und bringt flüchtige Verse eines sinnlichen Ausdrucks hervor. So zumindest erscheint es Alexander Christ und Matthias Burchardt, den bekennenden Nichttänzern, in ihrer zaghaften Annäherung an das so bedeutsame Kulturphänomen des Tanzens. (Wiederholung)
guten Tag liebe Hörer mein Name ist
Matthias burcher und Sie hören
philosophieren im kontrafunk der Heimat
der Traumtänzer in einer Welt voller
Marschmusik gemeinsam mit Alexander
Christ diskutiere ich von Woche zu Woche
tiefgründige und manchmal eben auch
alltägliche Themen heute machen wir aus
unserem Unvermögen eine Tugend denn wir
sprechen als bewegungslegerszeniker
voller ehfurcht über das Tanzen sie sind
herzlich eingeladen zuzuhören und
mitzudenken
[Musik]
philosophieren im kontrafunk heute
schwingen wir das intellektuelle
Tanzbein und wir tun es aus einer
Position der Außenseite wir sind nämlich
die Blinden die von der Farbe besprechen
oder Alexander wie hältst du es mit dem
Tanzen ja tatsächlich ist das so ich
habe ziemlich ehfurcht vor diesem Thema
ich bin jetzt nicht gerade ein
kompletter Nichttänzer also man muss ja
ab und zu schon mal tanzen bei der
eigenen Hochzeit beispielsweise da
kommen wir sicherlich gleich noch drauf
zu sprechen also den einen oder anderen
Tanz kann ich dann wenn ich dazu
animiert werde schon leisten aber da
drückt sich genau das schon aus was ich
dabei empfinde ich fange an zu schwitzen
wenn es ums Tanzen geht und gerate in
Stress und würde das natürlich gerne
ganz perfekt können ja das ist mir nicht
gegeben irgendwie dir ja bei mir ist es
ähnlich ich würde mich auch als nicht
Tänzer bezeichnen wobei ich tatsächlich
den obligatorischen Tanzkurs vor der
Hochzeit gemacht habe bei Joachim Lambi
in einer Tanzschule in Köln es ist wenig
hängen geblieben bei mir ich habe diesen
auftagttanz in die Ehe einigermaßen
unbeschadet überstanden aber leider ist
nicht viel hängen geblieben was mir dann
allerdings eingefallen ist sind so die
ersten Tanzschritte die man als
Jugendlicher gemacht hat so frisch
erfüllt von der Pubertät auf der
Tanzfläche im Dunkeln bei Schwarzlicht
oder mit einer Lichtorgel dann der
klammerblu mit Martina Franke daran
erinnere ich mich noch das war irgendwie
schön der klammerblu ja also ich
erinnere mich daran dass ich als
Jugendlicher dann natürlich schon auch
ab und zu mal in die Disco gegangen bin
ich weiß gar nicht gibt sowas heute noch
Discos also jedenfalls bin ich neulich
mal ich meine Club ja ich bin neulich
mal durch meine Heimatstadt Ulm gefahren
und habe festgestellt dass es die
Örtlichkeiten die ich an bestimmten
Stellen aus meiner jugendkante
offensichtlich nicht mehr gibt also die
Disco in die man damals gegangen ist
scheint es nicht mehr zu geben die
Tangente in Ulm vielleicht kann mir ein
hörher helfen und es gibt sie doch noch
an einem anderen Ort das fand ich dann
ganz gut aber ansonsten erinnere ich
mich eigentlich nur daran dass ich mich
so in der Jugend vor vielen Dingen
gedrückt habe also Tanzkurs z.B habe ich
nicht gemacht weil ich mich nicht vor
Carolin meiner Jugendliebe das gestehe
ich jetzt hier mal blamieren wollte und
deshalb habe ich dann gedacht dann
lieber gar nicht bevor sie dann lacht
und sagt das geht ja gar nicht hätte sie
wahrscheinlich gar nicht vermutlich wä
es ganz anders gekommen na ja nur so ist
es eben ja das ist die komische Position
des Philosophen dass man am Rande steht
während die anderen Vergnügen haben und
da würden mich mal die grüne
interessieren ich habe dann gesagt ich
will gar nicht tanzen oder echte Männer
tanzen nicht das war natürlich alles
jämmerliche Ausreden die verdecken
sollten dass ich Angst habe mich zu
blamieren vielleicht dass ich Angst habe
unfähig zu sein dass ich mich aber auch
nicht hinein beeben kann in etwas wo man
aufgeht in einem leiblichen tun und der
Geist eigentlich ein relativ schwaches
Element ist denn man tanzt halt nicht
mit den Gehirnzellen oder mit der reinen
Vernunft sondern mit dem entfesselten
oder vielleicht auch beherrschten
Körper da verrät der Philosoph einiges
glaube ich über seine Psychologie aber
lass uns doch dabei mal kurz bleiben
weil das dachte ich tatsächlich auch
lange Zeit und ich habe inzwischen eine
etwas andere Auffassung dazu also ich
habe am Anfang so gedacht das ist echt
kompliziert mit dem Tanzen da muss man
sich Schritte merken jetzt bin ich auch
jemand der Dinge die machen möchte dann
auch perfekt machen möchte also es muss
dann alles schon eben so sein wie es
eben zu sein hat jedenfalls dachte ich
das und dann dachte ich diese Schritte
aus wen ich lernen das hat etwas sehr
mechanisches etwas sehr regelhaftes
gegen Regeln habe ich mich ohnehin in
meiner Jugend gewährt und das ist eine
Charaktereigenschaft die mir bis heute
erhalten geblieben ist sage ich jetzt
mal mit einem leichten Lächeln das hat
mir also nicht gut gefallen dass das
alles so festgelegt war inzwischen und
das würde ich jetzt gleich mal so als
these in den Raum stellen glaube ich es
liegt an was anderem irgendwann ist mir
vielleicht klar geworden dass ich diese
kindliche Naivität diese
Unvoreingenommenheit dieses unschuldige
einfach etwas machen was einem in den
Sinn kommt was der Körper einem jetzt
gerade so aufträgt Bewegungen zu machen
die sich irgendwie ergeben Kinder denken
darüber ja gar nicht nach dass mir das
abhanden gekommen ist also ich habe
natürlich dann auch meine eigenen Kinder
beobachtet die sich irgendwann zu Musik
angefangen haben zu bewegen und da ist
mir aufgefallen dass Kinder ganz
generell das einfach machen die schauen
auch gar nicht gucken die anderen jetzt
blöd die schauen vielleicht eher was
machen die anderen kann ich das
nachmachen und dann machen die eben
Bewegungen nach die sie bei anderen
sehen aber sie haben eben diese Furcht
gar nicht dabei blöd auszusehen und die
hat mich irgendwann ergriffen also ich
habe irgendwann einfach ja leider würde
ich heute sagen meine Beobachtung der
anderen wie die mich beobachten und
meine Selbstbeobachtung wie wie ich mich
selbst beobachte dabei wenn ich mich
bewege in den Vordergrund gestellt und
das
eigentliche wichtige
entscheidende dass der Körper sich
bewegt völlig nach hinten gedrängt das
tut mir sehr leid tatsächlich ja man
bringt sich selber um eine glückliche
Situation um das sich einlassen auf
einen anderen auf eine Musik auf einen
Raum und bleibt in so einer
intellektuellen Reflexivität die sich
auch selbst tribunalisiert gefangen also
ich sitze zu gerichtüber meinem eigenen
Unvermögen und die Tanzfreude die
Spontanität des Körpers aber auch das
sich einlassen auf das was gerade der
Takt vorgibt das bleibt aberi auf der
Strecke mhm genau so würde ich das auch
sehen also man nimmt dann tatsächlich
sich selbst etwas eine
Ausdrucksmöglichkeit auch eine
Möglichkeit der völligen
Ausgelassenheit mit großem Staunen habe
ich dann zu verschiedenen Phasen meines
Lebens andere Menschen dabei beobachtet
wie sie völlig aus sich herausgehen
erwachsene Menschen wo ich dann
zwischendrin immer wieder den Gedanken
habe erwachsene Menschen die sich zuum
Narren machen vor anderen gleichzeitig
denke ich mir aber nightidvoll oh
erwachsene Menschen die noch so Kind
sein können wir müssen jetzt aufpassen
dass für den Tanz jetzt nicht zu sehr
verlagern in Hinblick auf den spontanen
Körperausdruck sonder es gibt ja auch
sehr erwachsene Formen des tanzen sowohl
im Thema als auch in der Komplexität bis
hin zu der Kunstform des Tanzes die
sicherlich noch ganz andere Dimensionen
haben und auch andere Bedeutungen die
uns dann auch wiederum verschlossen
bleiben nicht nur die Kindlichkeit
sondern auch das Erwachsen werden im
Tanz haben wir uns selber verbockt aber
noch mal wenn wir über unsere
specherposition sprechen ist glaube ich
deutlich geworden dass wir in größter
ehfurcht von dem sprechen was wir nicht
beherrschen und insofern sind wir dann
doch vielleicht qualifizierte Sprecher
wenn wir auch disqualifizierte Tänzer
sind ja ich möchte noch einen weiteren
Aspekt hinzufügen natürlich hast du
Recht gibt ganz besondere Tänze die auch
ja bestimmte Funktionen denke ich haben
wir kommen darauf sicher gleich noch zu
sprechen ich habe große Ehrfurcht auch
vor dem körperlichen können vieler täner
das ist ja schon eine teilweise
akrobatische Form der Bewegung da muss
man ja tatsächlich genau wissen welches
Körperteil nun in welcher Reihenfolge
wie weit gebogen und geschwungen werden
darf verletzungsfrei also ich habe da
wirklich auch von diesem können im
Gleichgewicht zu bleiben die Muskeln
richtig anzuspannen ohne darüber eben
nachzudenken sondern das quasi
automatisch zu machen weil der Rhythmus
in den Körper geht und das dann bestimmt
allergrößten Respekt ja jetzt wo wir bei
der letzten Ehrlichkeit angelangt sind
möchte ich noch einen Aspekt nennen
nämlich auch die leibliche Präsenz der
Tänzer ich gestehe meine Frau tanzt
gerne ich bin nicht Tänzer und wenn dann
andere Männer mit einer tollen
körperpräsenz die so wenn sie stehen
oder reden eher peinlich sind aber dann
plötzlich auf der Tanzfläche heranreifen
einer Ausdruckskraft und in einer ja
männlichkeitspräsenz die ich für immer
vermissen werde dann werde ich
eifersüchtig ja auch da weiß ich was du
meinst und ich möchte noch einen
weiteren Aspekt hinzufügen Tänzer
schwitzen und das ist ja durchaus
unangenehm wenn das jetzt von außen
beobachtet wird allerdings für Tänzer
selbst gar nicht die finden das glaube
ich ganz toll wenn Sie selbst und der
andere Schwitzen weil das zeigt wie
engagiert man ist bei der Sache und ja
also da vereinigen sich wahrscheinlich
ganz viele Dinge
mhm ja wir könnten mal kleine Andeutung
machen dass wir ja so eine Serie von
sehr körperlichen Themen vorbereiten und
da wäre das Schwitzen vielleicht auch
noch eine eigene Sendung Wert ja lass
uns mal ein bisschen in Richtung der
Phänomenologie des Tanzens Fortschreiten
also wie erscheint das Tanzen uns wenn
wir uns mal versuchen dem Wesen des
Tanzens zu näheren es gehört sicherlich
in den Bereich des Spiels also in eine
Tätigkeit des Menschen die frei ist von
Herrschaft frei ist von Arbeit hat
vielleicht ein bisschen was zu tun auch
mit Ritus da gehört es vielleicht auch
noch hin ist vielleicht an der Grenze
von beiden und das Wesentliche scheint
mir zu sein dass der Leib in ein
besonderes Verhältnis zum Raum Gerät der
Raum nämlich ist die Tanzfläche sei der
kreisrunde Platz auf dem Dorfplatz sei
der Tanzboden in der Tenne Seiß das
eigene Wohnzimmer auf jeden Fall muss
ein Raum zur Verfügung stehen der
befreit ist von anderen zweckdienlichen
Dingen die ansonsten das Leben bestimmen
alsowche Arbeitsmöbel oder Tische Stühle
was weiß ich alles muss erstmal aus dem
Weg das heißt wir erleben uns frei im
Raum und frei zum Raum und die
Tanzfläche wird dann ein eigener Kosmos
und die Bewegung die wir dort vollziehen
sind von gänzlich anderer Natur als
diejenigen die wir im Alltag vollbringen
al ist ist wir bewegen uns mal im Raum
aber es ist kein Ortswechsel um ein Ziel
zu erreichen also du hast in der
Vorbereitung gesagt ja man legt ja ganz
schön Strecke zurück aber man tanzt
nicht um Strecken zurückzulegen sondern
das ist etwas was gewissermaßen dazu
gehört aber nicht der eigene Zweck ist
und wir geraten ins Schwitzen und dann
gleich das Tanzen Weise der Arbeit weil
wir unseren Körper kraftvoll einsetzen
aber auch da wiederum geht's nicht darum
ein Werk zu vollbringen oder eine
Leistung an der Natur abzuarbeiten
sondern die Tanzbewegungen tragen einen
ZWECK in sich sie sind Selbstzweck
bezogen und ich habe jetzt vor allem die
Fläche des Tanzens beschrieben ich würde
gerne die vertikale Dimension auch noch
mal benennen nämlich wir sind Wesen die
der Schwerkraft ausgeliefert sind und
das interessant ist dass wir eigentlich
wenn wir keine Kraft aufwenden wie ein
Pudding zusamm sinken müssten und das
ist ja auch sozusagen der schlaffige
körperlich untrainierte Mensch der nicht
zu tanzen versteht der wird auch nach
und nach heruntergezogen und gebückt
während wenn ich mir alte Tänzer
anschaue die haben immer noch eine
Grazie man hat das Gefühl dass das
Tanzen fast dem Fliegen nah kommmt dass
wir die Schwerkraft gewissermaßen in der
Leichtigkeit unserer Bewegung überwinden
oder zumindest den Anschein erwecken als
könnten wir das und insofern ist es auch
eine Form des Menschen zwischen Himmel
und Erde hin und her zu oszillieren die
scheinbar nur im Tanzen möglich ist mM
lass mich einfach ein paar Begriffe
aufgreifen die du jetzt genannt hast
also ich finde ganz interessant dass wir
uns ja da im Tanz sehr schnell bewegen
selbst bei langsamen Tanzstücken wie
nennen wir jetzt mal den langsamen
Walzer der ist ja gar nicht so langsam
da bewegt man sich ja doch relativ
schnell wir bewegen uns also schneller
als wir uns normalerweise bewegen und
was mir beim Tanzen immer ganz besonders
das ja Kribbeln im Bauch oder die
Gänsehaut hervorruft ist wenn man selber
jemanden auch auffordert oder
aufgefordert wird ich weiß nicht ob du
das auch kennst es gehört ja so eine
gewisse Eleganz und eine gewisse
Kultiviertheit dazu einen Tanz zu
beginnen man sitzt oder steht irgendwo
man ist also nicht in der Bewegung und
dann entsteht dieser Impuls entweder man
wird selbst aufgefordert heutzutage ist
es ja so dass Frauen auch Männer zum
Tanzen auffordern früher durfte man das
nicht machen da war es die Rolle des
Mannes die Frau zum Tanz aufzufordern
und sie musste still und demütig darauf
warten endlich auf gefordert zu werden
also jedenfalls kenne ich sowas aus
Romanen und dann fordert man vielleicht
selber auf das ist ein spannender Moment
und dann geht's in die Bewegung des
Tanzes hinein also das hat dann wirklich
etwas
davonilendes ohne dass man den Ort aber
eigentlich verlässt man geht ja nur nur
in Anführungszeichen auf die Tanzfläche
aber es hat trotzdem was finde ich immer
von Aufbruch wegrennen
losrennen Freiheitsdrang der sich bricht
im Prinzip es geht jetzt los es passiert
jetzt was und man geht in die Aktion das
fand ich immer sehr sehr spannend am
Tanzen ja daran werden zwei Punkte
deutlich zum einen die soziale Situation
der Tanz ist nicht nur für die Tänzer
selbst bedeutsam sondern es gibt auch
nicht Tänzer die den Tanz sehen und
zuschauen und sich an der Eleganz der
Bewegung erfreuen im besten Fall und was
du beschreibst ist ja eine
schwellensituation nämlich der Übergang
vom nicht tanzenden Zuschauer hin zum
mittanzenden Tänzer und das erinnert
mich gewissermaßen an die Schwelle
zwischen dem profanen und dem sakralen
Bereich das Betreten eines Tempels da
wird eine andere seinsphäre erschlossen
die einen anderen Raumcharakter hat ich
empfehle unseren interessierten Zuhörern
auch noch mal unsere Sendung zum Thema
Spiel und Spielwelt hier scheint die
Tanzfläche in ganz besonderer Weise ein
Ort zu sein der eine eigene
Gesetzlichkeit verfolgt und aber nicht
ein gesetzesfreier Raum ist sondern auch
von Regeln geprägt ist wie wir gleich
noch sehen werden ich möchte als zweite
analysekategorie wenn ich darf oder
wollst du noch ich wollte noch einen
zweiten Aspekt hervorheben wir haben
zwar schon kurz genannt du hast es
glaube ich als kleines Stichwort in
deiner Aufzählung eben genannt aber ich
würde noch mal gerne zwei Sätze dazu
sagen erwähneen dass der Tanz eben auch
sehr flüchtig ist und vergänglich ist
das heißt wenn der Tanz dann vorbei ist
ich habe ja eben vom beginnen des Tanzes
gesprochen wenn der Tanz vorbei ist dann
beobachtet man eigentlich denke ich das
ähnliche Phänomen dann stellt sich eine
kurze Traurigkeit ein und man sieht da
ist was zu Ende gegangen aber eigentlich
weiß man ja nach einem Tanz kommt der
nächste Tanz nach einem Lied kommt das
nächste Musikstück und man kann im
Grunde wie in einen Reigen und jetzt
würde ich fast schon sagen auch wie in
einen Rausch sich hineintanzen und kann
eben von einem zum nächsten springen was
im normalen Leben außerhalb des Tanzes
ja auch nicht immer geht sondern da sind
dann wirklich Phasen abgeschlossen und
es beginnt vielleicht etwas ganz anderes
was aber eben nicht im selben Modus
weiter verführt werden kann beim Tanzen
ist das anders man kann also einen Abend
lang tanzen eine Nacht durchtanzen und
kann sich damit auch dem normalen Leben
entrücken das wäre auch so ein wichtiges
Bild dass ich noch kurz benennen wollte
ja genau darauf wollte ich auch hinaus
nämlich dass wir auch im Verhältnis zur
Zeit eine besondere Situation haben im
Tanzen wir unterbrechen den Alltag die
Schwere der Pflichten lassen wir hinter
uns auch mit der Schwerkraft verlassen
wir auch die Gravitation unserer
Alltagssorgen und kommen in einen
beschwinteren seinsmodus der natürlich
nur auf Zeit besteht denn wir müssen
zurückkehren in den Alltag aber es
verwandelt sich die Welt da fällt mir
etwas sehr sehr schönes ein wo ich dann
tatsächlich doch noch mal getanzt habe
ich habe in einem Seminar einen
studenden gehabt der sich mit Tänzen des
höfischen Lebens gut auskannte und wir
haben im Ausklang des Semesters uns
getroffen in der Bibliothek im Dunkeln
und da konnte man auf das Dach der
Universität da war so Dachpappe und da
haben wir ganz viele Kerzen hingestellt
haben Musik angemacht und haben diesen
Formationstanz gemacht der aus sich
selbst heraus einen Sinn ergibt auch für
nicht Tänzer also man hat immer
Partnerwechsel gehabt in der
Schrittfolge das war war sehr
befriedigend weil man mit relativ wenig
können an schöne Formation und eine
Einbettung in das soziale bekommen hat
und da war plötzlich die Universität ein
ganz verträumter Ort der nicht mehr der
Wissenschaft gewidmet war sondern auch
auf diesem Dach plötzlich die
Verhältnisse zum Tanzen gebracht hat
auch das ist ja eine metaphorische
Überlegung aber du hast recht der Tanz
ist flüchtig als Kunstform auch jetzt
nicht irgendwie ausstellbar wie eine
Skulptur oder ein Bild sondern wenn dann
vergeht er in der Zeit und vollzieht
sich in der Zeit und ich glaub das wird
ganz deutlich an der Musik die wir hören
im Tanz denn meistens ist der Tanz von
der Musik begleitet ich habe mal
überlegt ob es das ohne gibt aber mir
ist da nichts eingefallen und die Musik
ist ja auch eine Akzentuierung von Zeit
im Modus des Klangs wir haben eine
rhythmisierte und akzentuierte Bewegung
das heißt es gibt eine bestimmte Vorgabe
der Musik auf die man sich einlassen
muss und kann die dann auch mit
binnenbewegung des Körpers und
gestischem Ausdruck begleitet werden und
ein bisschen gleich der Tanz dem
marschieren weil auch das marschiert
sich zum Rhythmus der Musik verhält aber
es unterscheidet sich natürlich in jeder
Hinsicht weil es eben nicht darum geht
irgendwelche kriegerische Potenz zu
demonstrieren in glänzenden Uniformen
sondern es geht um etwas ganz ganz
anderes was im Tanzen zum Ausdruck
gebracht wird mhm also du hast ja völlig
Recht der Tanz ist eng an die Musik
angelehnt damit stark verbunden und
vielleicht ist es auch der richtige
Moment um mal ein bisschen mit
internetwissen zu pralen ich habe mir
mal die Liste der Tänze im Internet
Inter net angeschaut die ist übrigens
für alle Hörer die das mal machen wollen
sehr interessant und sehr sehr lang es
ist erstaunlich wie viel verschiedene
Tänze es da gibt und da fällt ein
natürlich sofort auf dass viele
Tanzarten den Namen Teilen mit
Musikrichtungen also wir kennen alle den
bugi wugi wir kennen den
Bossanova dann kennen wir natürlich Cha
Cha Cha das sind ja alles so Tänze die
man auch in der tanschule
klassischerweise erlernt den Tango den
flamenko ja wahrscheinlich ist es schon
fortgeschritten das wird man in der
Tanzschule vielleicht nicht lernen
flamenko Tanz aber dann gibt's natürlich
auch noch ganz exotische Namen und das
bringt mich auch gleich noch zu einem
weiteren Aspekt Tanzen hat immer ein
bisschen was exotisches und man kann das
selber nachlesen aber ich will jetzt nur
mal exemplarisch nennen aus der Liste
die mir hier aufgefallen ist so ein paar
Name die ich immer schon mal gelesen in
Romanen gehört hatte und nicht genau WUs
wie das geht gavot beispielsweise Gig
gallard dann habe ich furlana schon mal
gehört farandol Fandango auch ein
wunderschönes Wort von dem ich mir
dachte das muss jetzt was ganz
geheimnisvolles sein der Charas der
klingt natürlich schon ungarisch und
dann erschließt sich eine ganze Welt
wenn man diese Namen hört und ich könnte
unendlich weitermachen und irgendwie
finde ich es gerade beschämend dass ich
als gebildeter Akademiker tatsächlich
die Namen Ken aber nicht weiß was es
genau damit auf sich hat ich glaube das
ist auch eine Verkümmerung an leiblicher
sozialer Bildung dass wir das nicht mehr
beherrschen oder nicht mehr genauso gut
wissen wie manches andere er fühlt mich
jetzt mit einer leichten Trauer ich
versuche noch mal anthropologische
Elemente ins Spiel zu bringen also
inwiefern hier Widersprüche im Tanz auch
vermittelt werden die wir in Details
gerade schon angesprochen haben ich
möchte sie jetzt mal systematisch fassen
und das erste wäre für mich der
Widerspruch zwischen Regel und Ektase es
gibt Tänze die sehr stark Regel geleitet
sind du hast das als Unbehagen
beschrieben sich diesen Regeln zu
unterwerfen wobei diese Regeln nicht
unbedingt den Charakter haben einer
zerstörenden und hemmenden Wirkung
sondern einer ermöglichenden Kraft Sowi
die Spielregel ja auch das Spiel
aufspannt und nicht das Spiel verhindert
und verbunden mit diesem kontrollierten
Teil ist auch die große Aufgabe der
Körperbeherrschung also da ist das
Tanzen der Artistik dann noch sehr sehr
nah Tänzerinnen und Tänzer verfügen über
einen großen sp hsinn in Hinblick auf
ihre eene Leiblichkeit über ein Vermögen
des Ausdrucks über eine unglaublichen
Trainingszustand über Ausdauer das so
viel was damit ins Spiel kommt was mir
den größten Respekt abverlangt das ist
genauso wie jemand seinen Geist und
seine Sprache bilden kann kann man eben
auch seinen Leib im Tanz bilden das sind
manifeste der menschlichen Bildung die
da in tensern sichtbar werden dem
Gegenüber steckt aber auch dann das
Element des rauschhaften was mir genauso
unheimlich war also dass man denkt hier
findet Enthemmung statt hier ist Ektase
der Rhythmus wird vielleicht stärker die
Bewegung werden zuckender die dunklen
Triebe des Menschen kommen zum Vorschein
vieles kann man sich da vorstellen das
wäre für mich die erste Spannung also
die zwischen Regel und Rausch und die
zweite Spannung wäre die zwischen der
Individualität wo sich jemand als
souveräner Tänzer hervortut und damit
seine Könnerschaft unter Beweis stellt
indem er sich von anderen abhebt und zum
anderen gibt's das Aufgehen in der
Gemeinschaft dass man entweder als Paar
oder als Gruppe aufeinander Rücksicht
nimmt und eben eingeb ind etwas wo man
selber verschwindet das sieht man beim
Formationstanz z.B dass alle ähnliche
oder gleiche Kostüme anhaben s dass das
einzelne zurückgenommen wird in
deninblick auf das ganze und man eben
auch sich einreihen muss und es eben
nicht darum geht dass man selber glänzt
auch das könnte man als Strukturprinzip
noch benennen wenn wir das jetzt
gegeneinander halten dann haben die
Tänze von denen wir dann im Folgenden
sprechen immer mal mehr vom einen oder
vom anderen ich habe mal versucht die
Tänze ein bisschen zu klassifizieren
also ganz am Anfang steht wahrscheinlich
der rituelle Tanz in dem religiösen
Zusammenhang auch der Ursprung des
Theaters wird in den griechischen
ursprungstänzen gesehen dann gibt's die
Volkstänze die zur Belustigung der
Massen oder der einfachen Menschen
gedacht waren die Gesellschaftstänze bei
Hof von denen wir auch gerade Sprachen
wo die Adligen sich in ihrer
Kultiviertheit demonstriert hatten und
sicherlich auch ihren Spaß hatten dann
gibt's den kunsttanz das Ballett und es
gibt natürlich auch den Stangen und den
animationstanz über den würde ich gerne
auch noch ein Wort verlieren weil ja da
bestimmte sinnliche Aspekte in den
Vordergrund treten die nicht
zwangsläufig dem körperlichen Ausdruck
in Hinblick auf künstlerische Aussagen
unterworfen ist sondern tatsächlich eher
sehr viel konkreteren Zielen dann sag
doch darüber was denn darüber weiß ich
am wenigsten ich kenne es auch nur aus
Büchern und wobei ich tatsächlich mal im
Kölner Pascha im orientalischen Club an
der Stange getanzt habe tatsächlich im
Zusammenhang einer Veranstaltung zum
Thema Aids Leid und Leidenschaft im
Labyrinth der Welt ich weiß nicht ob ich
das mal erzählt habe der war ich in so
einem Nachtclub aber leider war ich der
einzige der da getanzt hat bemerkenswert
finde ich wenn wir darüber sprechen
wollen vielleicht noch mal auch die
Tanzbekleidung weil die auch eine
herausragende Gewandung des Menschen
darstellt also es ist sehr glitzernd
dann gibt's so weite Gewänder die eher
auch den Körper in seiner Leichtigkeit
und seinem Schwung unterstreichen sollen
man kann mit Tanzschuhen tanzen man kann
barfuß tanzen man kann auch nackttanzen
das hat manchmal esoterische Motive
manchmal auch erotische Motive also auch
das wäre noch mit zu bedenken auf jeden
Fall ist das ein Aspekt in dem Schönheit
und Bedeutung zum Ausdruck gebracht
werden manchmal ist die Kleidung auch
sehr zurückhaltend da gibt es jedenfalls
viele Optionen was fällt dir ein zum
Thema tankz und Erotik na ja also ganz
generell finde ich dass das auch ein
Thema wäre du hast ja eben so Punkte
aufgeführt wo gewisse Widersprüche sich
auftun Tanz und Erotik da sehe ich auch
einen Widerspruch einerseits ist das
Tanzen natürlich erotisch weil man sich
körperlich nähert
sich vielleicht näher kommt als man sich
sonst näher kommen würde man kann ja
auch mit unbekannten Menschen tanzen und
auch da umfasst man sich teilweise sehr
eng und damit besteht eine körperliche
Nähe und ein Knistern vielleicht auch
schon das bemerken einer gewissen
Anziehung oder Abstoßung also es hat was
mit Erotik zu tun und gleichzeitig hat
es tanzen ja doch auch Elemente wo man
sehr steif und obwohl man sich nah ist
doch entfernt zu bleiben hat und das
scheint mir ein Widerspruch zu sein der
in dieser Bewegungsform generell
angelegt ist der aber auch eben dazu
führt dass es insgesamt eine Form der
Kommunikation darstellt also tanzen ist
irgendwie eine Form des sich einander
nähern ich gebe zu ich denke natürlich
an Romane ich habe ja vorher erzählt
dass mir selber gewisse Aspekte des
Tanzens immer verborgen geblieben sind
aber ich habe natürlich auch gelesen wie
schriftstell über das Tanzen schreiben
und jetzt erwähne ich als ein Beispiel
nur die Jane Austen Romane die ich sehr
schätze in denen sie eigentlich immer
dann einen Tanz gibt da wird dann drauf
gewartet dass sich jemand den man aus
der Ferne beobachtet hat traut einen
aufzufordern also der Mann fordert die
Frau dann auf und dann haben die beiden
in diesem Moment der Nähe in diesem
Moment der knisternden Erotik das ist in
den Zeilen der Romane ja quasi mit
Händen zu greifen und
herauszulesen die Möglichkeit
miteinander zu kommunizieren ganz geheim
und still und leise ohne dass die
anderen das mitbekommen eine Möglichkeit
der Kommunikation die sich sonst ja gar
nicht ergeben hätte also Tanzen hat was
mit zwei Menschen einfach zu tun die
sich ansprechen für mich in allererste
Linie ich habe natürlich gehört was du
über die Gruppentänze gesagt hast das
ist für mich zu weit weg muss ich ganz
ehrlich sagen also wenn ich an tanzen
denke denke ich an zwei Menschen die
miteinander kommunizieren gehört aber
zum rituellen Tanz sicherlich dazu als
Phänomenbereich ich möchte noch mal auf
den Ausgangspunkt eingehen ich glaube es
geht um die Differenz von Erotik und
Sexualität die Erotik ist ja gerade
nicht der unmittelbare Vollzug des
übereinander herfallens sondern die
Kultivierung des Aufschubs in einem
Spiel von Nähe und Distanz und genau da
ist der Tanz als Kultivierung von Nähe
und vielleicht auch als Modell der
Geschlechterbeziehung gar nicht so ganz
verkehrt denn im paanz von dem wir jetzt
sprechen ist ja in der Regel eine
Beziehung von Mann und Frau thematisiert
und man findet in vielen Bereichen eben
sowas wie eine kultivierte Werbung wir
werden am Ende einen Tango hören der
vielleicht auch davon handelt von der
Verschränkung von Grausamkeit Liebe
Gewalt Tod Schmutz Heiligtum und vieles
andere mehr was da sich musikale sparen
bricht und wir haben diese Symbolik der
Werbung der Zurückweisung der
vollzogenen Ergänzung wir haben auch
eine geschlechterspezifische
Rollenverteilung der Mann führt aber die
Frau verführt also da greift auch
einiges ineinander insofern finde ich
diesen Gedanken ich weiß nicht ob das
Freud gesagt hat wenn würde es ganz gut
zu ihm passen dass es sich beim Tanzen
um eine Kopulation in der Vertikalen
handelt das heißt also es ist etwas was
dem Geschlechtsakt oder dem Spiel der
Geschlechter in der sinnlichen Weise
sehr sehr nah kommt aber eben in der
symbolischen Überhöhung nicht in der
profanen sexuellen Gier das ist
natürlich etwas was den Tanz auch
angreifbar macht in dieser Hinsicht
weshalb man ja auch sich viel Mühe gibt
da jetzt die vielgeschlechtlichkeit
abzubilden oder den Tanz auch
ungeschlechtlich zu machen was mir noch
einfällt dass ich in einem Interview mit
einer Kandidatin aus dieser RTL Serie
Let's Dance gehört habe dass ihr das
unangenehm war dass sie tatsächlich dann
auch mit ihrem Tanzpartner unentrinnbar
verkuppelt war und sie auf unangenehme
Weise auch seinen genital zu spüren
bekam was ich völlig legitim finde aber
es ist eben doch auch Teil dieses Spiels
dass wir die ganze Körperlichkeit auch
in ihrer manifestheit zu spüren bekommen
im Tanz nur um auch sozusagen die
rauschhaften tiefen Element nicht aus
dem Blick zu verlieren wenn wir hier so
in hochkultureller Weise vom Tanz
[Musik]
sprechen sie hören philosophieren im
kontrafunk mit ander Christ und mit mir
Matthias bchert heute zum Thema tanzen
wir kommen der Aufforderung David bowiys
gerne nach und schwingen das tanzbah
zumindest in intellektueller Hinsicht
und werden nun nach den symbolischen
Strahlungen Fragen die vom Tanz ausgehen
in andere Kulturbereiche in den Bereich
der Lyrik in den Bereich der Politik
aber vielleicht auch in den Bereich der
sozialen und der Kosmologie beginnen
möchten wir jetzt mit der Lyrik
Alexander du hast diesen Aspekt ins
Spiel gebracht warum bedeutet dir diese
Strahlen des Tanzes in den Bereich der
Lyrik etwas ja weil ich glaube dass Tanz
und Lyrik wirklich sehr verwandt sind
miteinander und wir werden uns nachher
gleich noch mit einer ja nennen wir es
Theorie dazu beschäftigen aber jetzt
einfach mal vorab ganz einfach sich dem
Thema angenähert aus meiner Sicht sind
es ähnliche Ausdrucksformen in der Lyrik
werden Gefühle verkürzt ausgedrückt aber
sie werden eben in der Verkürzung sehr
viel deutlicher wie ich finde und im
Tanz ist es ähnlich auch da werden
Gefühle ausgedrückt vielleicht manchmal
sogar ohne dass man so recht drüber
nachdenkt idealerweise wie ich
inzwischen glaube ohne jegliches
Nachdenken es werden Bewegungen
ausgeführt der Körper ja der macht
vielleicht sogar was er will jedenfalls
folgt er einem Rhythmus und erfolgt
möglicherweise schon regeln aber es
drückt sich in dem Regel befolgen und in
dem sich bewegen eine große Freiheit aus
und damit ist das zweite wichtige
Element genannt dass die Verwandtschaft
zwischen Tanz und Lyrik für mich
ausmacht die Freiheit kommt darin ganz
stark zum Ausdruck also für mich sind
die beiden Formen diese Ausdrucksformen
sehr
artfand möglicherweise besteht auch eine
Schnittmenge in der Musikalität Beier
Gattungen du hast jetzt eine besondere
Weise des Tanzes mit dem RIL Gedicht
angesprochen nämlich den dansce maabre
den to Tanz und ich bin ganz gespannt
wie du es lesen
wirst
[Musik]
Totentanz sie brauchen kein
Tanzorchester sie hören in sich ein
Geheule als wären sie
eulennester ihr engste Nest wie eine
Beule und der vorgeruch ihrer feule ist
noch ihr bester Geruch sie fassen den
Tänzer fester den Rippen betressten
Tänzer den Galan den achten Ergänzer zu
einem Ganzen paar und er lockert der
Ordensschwester über dem Haar das Tuch
sie tanzen ja unter gleichen und er
zieht der Wachslicht bleichen leise die
Lesezeichen aus ihrem
Stundenbuch bald wird ihnen allen zu
heiß sie sind zu reich gekleidet
beißender Schweiß verleidet ihnen Stirne
und Steiß und Schauben und Hauben und
Steine sie wünschen sie wären nackt wie
ein Kind ein verrückter und eine die
tanzen noch immer im
Takt vielen Dank ich höre hier viel
mementoori nämlich die Atmosphäre eines
Sanatoriums möglicherweise wo die
Menschen das passt ja vielleicht in die
Zeit so auf dem Zauberberg oder wo auch
immer sich mit ihrer schwindzucht oder
was weiß ich eingefunden haben und
irgendwie dem Unausweichlichen trotzen
indem sie dem Verfall die Schönheit
entgegensetzen und in eine Nacktheit und
in eine Körperlichkeit hineingeraten die
nicht nur die Verjüngung der Erotik
kennt sondern auch in die Jugend
zurückführt in die Kindlichkeit war es
die Aspekte die dir hierbei wichtig
waren ja unter anderem aber auch noch
ein paar andere Aspekte also ich sehe
diese Tänzer hier in einer gewissen
Trance die sind ja gewissermaßen so
weggetreten am Anfang und hängen so
zwischen Leben und Tod also ich denke
dein im sanatoriumsbild passt das schon
ganz gut im ersten Teil wird auch viel
über Qualen Ängste über so unangenehme
Dinge wie feule Beule pestgeruch
gesprochen also da ist es schon nicht so
angenehm und dann im Mittelteil finde
ich da kommt dann die Eleganz und die
Schönheit des Tanzes zum Ausdruck werden
andere Worte von RE benutzt da ist der
Galan dann plötzlich da und der traut
sich was der lockert dann der
Ordensschwester über dem har das Tuch
das deutet meiner Ansicht nach ganz viel
vom Tanzen eben generell an also hier
sind gleiche untergleichen unterwegs wir
kennen ja eine schier unendliche Liste
von
totentanzdarstellungen übrigens wenn man
da auch mal nachschlägt dann findet man
ganz viel ich selber habe mir in Lübeck
den berühmten Lübecker Totentanz in der
Marienkirche zu Lübeck schon angeschaut
in Dresden habe ich nachgelesen gibt es
auch eine totentanzdarstellung in der
Dreikönigskirche und so weiter und so
weiter dann gibt in der schädelschen
Weltchronik einen Tanz der Gerippe also
diese Darstellung dass tote tanzen aus
den Gräbern auf steigen und in weißen
Tüchern tanzen oder das Gerippe tanzen
dass die eben aber alle sterben müssen
wie wir alle dass da alle gleich sind im
Tanzen wie im Sterben das eint eben
diese Darstellungen das fand ich sehr
sehr interessant und sehr deutlich im
letzten Teil da wird dann so ein
bisschen dieses kindliche das du auch
angesprochen hast noch klar also erstmal
wird allen zu heiß das heißt sie wollen
sich eigentlich ausziehen sie wünschten
sie wä nackt wie ein Kind sind auch alle
schon ein bisschen verrückt und tanzen
eben wie im Delirium weiter da musste
ich auch so ein bisschen an moderne
Formen denken Stichwort Fassnacht
polonese was es da so alles gibt da
fasst man sich dann auch ich hoffe du
möchtest Dich da jetzt nicht abschätzig
drüber äußern du weißt dass ich ein
großer Fan dieser Tradition und des
Brauchtums bin nein nein gar nicht ich
finde einfach schön wie in diesem
Gedicht von Rilke ganz viele Aspekte zum
Tragen kommen und es zeigt genau das was
ich eingangs sagte dass in der Lyrik wie
im Tanz eben obwohl wenige Worte gemacht
werden obwohl wenige Bewegungen gezeigt
werden ganz viel ausgedrückt werden kann
eigentlich alles der gesamte Kosmos das
ganze Leben du hast jetzt noch weitere
krundzeugen eingeladen die den Tanz als
Schrift deuten nämlich Stefan malame und
dann später auch Paul Valerie das ist
mir auf den ersten Blick erstmal nicht
eingängig gewesen nachdem du es dann
aber erläutert hast und ich es mir
genauer angeschaut habe fand ich das
dann auch sehr plausibel Tanz könnte
sichtbare Dichtung sein wird
vorgeschlagen von malame das musst du
uns erläutern genau malame entwickelt
dazu ja eigentlich wirklich eine ganze
Theorie in einem kleinen Text balet und
er nennt das auch Poesie visible im
Grunde möchte er auf folgenden Punkt
heraus das scheint mir sein wichtigster
Punkt zu sein er möchte deutlich machen
dass der Autor im Gedicht getilgt werden
muss der soll eigentlich nicht sichtbar
werden und dann zieht er die wichtige
Parallele zum Tanz und sagt dort dass
auch in der Person des Tänzers im Tanz
die individuelle Person sich eigentlich
nicht zeigen soll die soll eigentlich
ganz losgelöst sein und es soll nur der
Tanz selbst als Bewegung als ständige
Bewegung als sich weiter verändernde
quasi meandernde neuformierende Bewegung
übrig bleiben für ihn bleibt es dann
eine Konstellation von man könnte sagen
neutralen Tanzfiguren im Raum und das
deutet er wie eine nicht fixierbare
körperschrift er nennt es dann
ekritürkorporell und beschreibt es dann
auch so eine Tänzerin ist jetzt keine
konkrete Frau die tanzt sondern es ist
eine Metapher ein Schwert ein Kelch eine
Blume eine Figur die getanzt wird die
sich dann im Raum zeigt wie eine Schrift
das fand ich ein sehr sehr schönes Bild
und für mich ist es eine gute
Beschreibung der tänzerischen Bewegungen
die für ihn dann in der Folge natürlich
auch keine nachzuarmenden Gesten sind
sondern
körperausdrucksformen der menschliche
Körper verkörpert sich im Tanz selbst
und damit sind Tänzer eben auch
inspiriert Sie beabsichtigen nichts
Bestimmtes sondern werden durch ihr
poetisches tänzerisches Gespür angeregt
das ist die Idee von malame
weiterentwickelt nur GZ kurz von Valerie
da möchte ich gar nicht lange drauf
eingehen er sieht das so ähnlich und
bringt noch einen kleinen zusatzaspekt
der mir wichtig war für ihn ist das
Tanzen dann im Prinzip eine Art
Darstellung des
Innenlebens und das fand ich auch eine
sehr sehr wichtige Beschreibung damit
wollen beide uns drauf hinweisen dass
das Tanzen eine Ausdrucksform ist eine
Kommunikationsform das hatte ich ja
vorher auch schon mal gesagt wenn man
tanzen als Kommunikationsform begreift
wie wie das diese beiden Lyriker tun
dann wird einem klar dass die
Kommunikation durch den Tanz zu Menschen
dazu gehört wie die Sprache wie die
Schrift und ich habe tanzen unter diesem
Aspekt noch mal ganz anders gesehen
magst du das Valerie Zitat noch mal
vorlesen wo tanzen und Gedicht
miteinander verglichen werden weil das
doch auch für unsere Hörer
möglicherweise ein inspirierender Impuls
sein kann ja sehr gerne Paul Valerie
schreibt
ein Gedicht z.B ist
Handlung poem Action denn ein Gedicht
besteht nur im Moment seines Vortrags es
ist also in aktu wier Tanz will dieser
Akt nur einen Zustand schaffen ergbt
sich seine eigenen Gesetze auch er
schafft sich eine Zeit und ein Zeitmaß
die ihm angemessen und wesentlich sind
er lässt sich nicht von der Form seiner
Dauer unterscheiden wer Verse zu
zitieren beginnt lässt sich in einen
Tanz der Worte ein Dance verbal
wunderschön das scheint mir insofern
auch interessant zu sein weil hier eine
wechselseitige Metaphorik genutzt wird
also einerseits ist der Tanz das Vorbild
für das Dichten und umgekehrt ist das
Dichten das Vorbild für den Tanz also
gewissermaßen ein P de zweier
Kunstformen die sich aufs harmonische
miteinander verknüpfen insbesondere weil
auch hier unsere Überlegung zur Zeit
wieder aufgegriffen werden gefällt mir
dieses Zitat ganz ganz gut aber als
Rückfrage müsste man doch auch noch mal
erheben ob es sich um eine generelle
Äußerung zum Tanz handelt oder ob nicht
eine spezifisch moderne Form des
Ausdruckstanzes damit gemeint ist ja das
kann ich nicht beantworten ehrlich
gesagt ich glaube dass man sich das für
beide Formen vorstellen kann wichtig
scheint mir zu sein dass Valerie den
Tanz zu einer allgemeinen Poesie vom
Handeln der Lebewesen erhebt das wird in
seinen Worten glaube ich sehr deutlich
und zeigt noch mal die von mir schon
angesprochen besondere Bedeutung von
Lyrik von Poesie und von Tanz mhm was
mir bei malame auch gefallen hat ist das
Verschwinden im Tanz das ist nicht
unbedingt zwangsläufig dasselbe wie der
Dichter im Gedicht verschwindet denn
manchmal ist ja auch der Tänzer nicht
Urheber der Tanzschritte sondern jemand
der sich einlässt auf eine Tradition und
es ist ähnlich wie in der kirchlichen
Liturgie wenn ich Worte spreche von
denen ich weiß dass sie von Generationen
vorher gesprochen wurden und in
hoffentlich Zukunft auch von anderen
Generationen wieder gesprochen werden
fühle ich mich als Teil eines Ganzen
einer Gemeinschaft die nicht nur in der
Gegenwart zueinander findet sondern auch
in der Vergangenheit und in die Zukunft
hinein die Brücken schlägt und
vielleicht ist auch in einem Tanzschritt
wo man sich ja genau fragen muss wer ist
eigentlich der Autor wer hat den Walzer
erfunden auch das ist ja gewissermaßen
verschwunden denn das verselbständigt
sich ja dann auch gewissermaßen dass ich
weiß ich tanze hier in Schritten die
auch schon von Generationen vorher
getanzt wurden und das könnte auch eine
Form des aufgehoben Seins in einer
gemein schaft bedeuten wenn es nicht
wahrgenommen wird und das wäre dann der
andere Aspekt als Tilgung meiner
Individualität ich muss mich diesen
Schritten fügen damit es klappt damit
sind wir schon bei dem nächsten Thema
nämlich was hat der Tanz als soziale
oder politische Metapher zu bedeuten wir
beide klingen da vielleicht immer für
unsere Hörer sowie Verteidiger früherer
Zeiten und Al hergebrachte Rituale das
ist ja auch gar nicht so falsch dass wir
das gerne sind mir fiel eben bei dem was
du sagtest noch auf dass es auch in
modernen Tanzformen genau dieses Element
gibt dass Menschen die diesen Tanz
beherrschen die sich an einem solchen
vielleicht jetzt neuerfundenen Tanz an
einem Tanzstil beteiligen die jetzt
sagen HipHop das ist vielleicht nicht
jetzt 100 Jahre alt aber ich finde das
trotzdem toll die finden sich wieder in
einer Gruppe in der sie sich aufgehoben
fühlen und da sind wir natürlich genau
bei deiner Frage was bedeutet Tanz im en
Sinne natürlich hat das was damit zu tun
dass man sich darüber dann auch
identifizieren kann dass man sich einer
Gruppe zugehörig fühlen darf und das ist
natürlich für Menschen natürlich wichtig
nach wie vor gerade vielleicht in der
Zeit in der wir vereinzeln ist es
wichtig dass wir gemeinsam tanzen also
ich bin da sicherlich kein
qualifizierter Mensch um das zu
beurteilen aber wenn ich mir so
technoparys angucke ist es schon no was
von Entgrenzung was rauschhaftes was ich
sehe und wenn man böse ist es ist ja
eigentlich nur das vereinzelte zucken
von Menschen die nebeneinander her in
ihrem eigenen Kosmos sind also das ist
so ein bisschen so eine Ambivalenz aber
ich möchte das gar nicht abqualifizieren
ich kenne den Tanz auch als eine
politische Metapher die ich weiß nicht
ob es von Schiller ist auf jeden Fall
würde es ganz gut zu ihm passen die eine
Form von sozialer Harmonie zum Ausdruck
bringen ind dem vieles miteinander
vermittelt wird was eigentlich sonst
auseinander zu brechen droht es beginnt
mit der Möglichkeit als Individuum und
als Gemeinschaftswesen gleichermaßen
aufzutreten was der Tanz nämlich schafft
ist dass die Menschen einander Raum
geben ohne sich mit Gewalt zu bedrohen
also der Tänzer der sich Raum verschafft
mit Brutalität das ist keiner der der
Schönheit verpflichtet ist sondern der
virtuose der Eleganz der sich selber
entfaltet und zugleich dem anderen Raum
lässt ist das Idealbild des tzers wir
wollen uns nicht auf die Füße treten
finde ich einen ganz schönen Aspekt den
man auch ins poliultische übertragen
könnte dann haben wir das Element von
Regelbindung und Selbstausdruck das
finde ich auch nicht verkehrt der
Gemeinschaft anz zeigt wir folgen den
Regeln dem Grundgesetz oder vielleicht
auch den Regeln der Höflichkeit und
empfinden die gerade nicht als
einschränken sondern sie spannen den
Sozialraum auf in dem wir uns bewegen
können finde ich nicht verkehrt wir
haben eine Konvention als Rahmen und
zugleich auch die Möglichkeit diese
Konvention individuell zu interpretieren
und unseren eigenen Ausdruck mit den
Spiel zu bringen also vielleicht ist der
Ballsaal gar nicht die schlechteste
politische metaphor oder bin ich da naiv
und blind nein das sehe ich genauso da
fällt mir jetzt ein Zitat von Joko Ono
ein die hat gesagt es ist besser durchs
Leben zu tanzen als durchzumarschieren
also in jedem Fall ist der ballsal der
bessere Ort als das Schlachtfeld des
Krieges und jetzt will ich das gar nicht
irgendwie banalisieren aber ich würde
tatsächlich sagen wollen im Tanzen zeigt
sich eben auch ein gewisser Widerstand
eine
Widerständigkeit gegen Formen der
Mechanisierung und der Rationalisierung
der Welt im Tanzen bieten sich
Freiheitsräume die sich vielleicht im
Leben sonst nicht ohne weiteres zeigen
oder schwer erkämpft werden müssen im
Tanzen sind sie eigentlich da es ist im
Tanzen angelegt dass jeder seinen Raum
bekommt du hast ja auch die schöne
Formulierung sich nicht auf die Füße
treten gewählt finde ich ganz ganz
wichtig und deutlich das sind alles
Elemente die im Tanzen eben natürlich
angelegt sind und darum ist es auf jeden
Fall der bessere Ort ja klar das gefällt
mir auch gut mit dem Widerstand gegen
das Marschieren und das funktionieren
ich glaube dass wir nicht nur
individuell sondern auch
gesellschaftlich an einer leiblichen
Verarmung in Hinblick auf unsere
spürende und
ausdrucksfähige Leiblichkeit erleben und
erleiden müssen dass wir in den letzten
Jahren eigentlich den totenentanz als
einzige Variante der Schlange vor dem
Impfzentrum erlebt haben ist ja schon
Sinnbild genug und diese sinnliche und
sinnhafte Bewegung des Tanzes als
Gegengift und auch als Gegenmittel gegen
die Rationalisierung und die
Hygienisierung der Welt hätte man sich
wirklich wünschen können denn was ist
Tanz es ist eben auch Sinnlichkeit es
ist im Schweiß des anderen Baden es ist
der Austausch von Körperflüssigkeiten es
ist vieles vieles was auch schwer zu
kanalisieren ist in einer kontrollierten
Welt natürlich auch verbunden mit
Risiken also dass tatsächlich mein Herz
hüpft zu jemanden bei dem es gar nicht
gut aufgehoben ist oder vielleicht auch
jemand entgleitet wo es eigentlich
hingehört die Gefahr ist immer mit drin
aber ich glaube eine Gesellschaft die
nicht mehr tanzt oder die das Tanzen
verkümmern lässt zu einer artistischen
sinnentlehrten Sportart die ist
insgesamt auch eine sehr sehr traurige
Gesellschaft mm wer übrigens relativ
viel über Tanz geschrieben hat den haben
wir heute noch gar nicht erwähnt
Friedrich Nietzsche wir beide sind ja
leidenschaftliche nietzche Leser ich
habe nur ein Zitat von ihm
rausgeschrieben das auch noch mal einen
ganz wichtigen Aspekt benennt er hat
geschrieben die tanzenden wurden für
verrückt gehalten von denjenigen die die
Musik nicht hören konnten das zeigt mir
zweierlei es ist wichtig dass man sich
auf die Ebene der tanzenden begibt wenn
man sie wirklich verstehen will sonst
hält man sie vielleicht für verrückt und
kann die Bewegungen nicht deuten man
kann sie nicht verstehen wir sind eben
auch leicht geneigt jemanden für
verrückt zu halten der sich in einer
Weise bewegt die wir jetzt im Moment
nicht einordnen können also ich muss
mich auf den anderen einlassen das ist
ganz wichtig und das drückt sich glaube
ich aus und im Tanz kann man das da kann
man sich auf den anderen einlassen das
überwindet Grenzen das stellt Kontakt
her und damit ist es tatsächlich das
ideale Mittel um Kontakt zu knüpfen um
in Kontakt zu bleiben und nicht zu
verarmen ich würde dem noch einen
anderen Aspekt abgewinnen wollen nämlich
dass die Sinnstiftung unsereer einzelnen
Handlungen abhängig ist von etwas was
geschieht worauf wir aufmerken müssen wo
wir achtsam sein müssen ich glaube bei
Nietsche geht's auch darum sich
einschwingen auf eine bestimmte Weise
des Seins in der weltseins eine Resonanz
zu etwas das uns um tönt für dass aber
viele Menschen auch blind geworden sind
das kann man auch sehr romantisch
verstehen weiß nicht ob es bei Nin so
gemeint war aber mir fällt das ein dass
eben auch wir abgestumpft sind für
Elemente der Schönheit und des
mitgerissen Seins in die Welt die dem
Tänzer dann noch mal offenkundig wird
ein sehr schöner Gedanke was ich noch
entdeckt habe in der Vorbereitung aber
das möchte ich nur der Vollständigkeit
halber erwähnen ist dass es auch die
Vorstellung von tanzenden Götter gibt
oder im Tanz der Planeten bei Platon im
tetimios z.B findet sich sowas dass man
sagt der Mensch tanzt weil die Welt
selber Tanz ist und das könnte ja auch
einen Zusammenhang zu Nietzsche bilden
der ja dann letztendlich auch vorschlägt
uns auf die Weltmusik einzulassen indem
wir mittanzen in einem geschehen das
größer ist als wir alle und während wir
denken wir könnten marschieren versäumen
vielleicht das Wesen der Welt das nur
als spekulative Ausdeutung unserer
schönen Sendung ja vielen Dank lieber
Alexander das war philosophieren im
kontrafunk
