Der Bus aus Aix hatte mich am späten Vormittag in Lourmarin abgesetzt, an einem Platz, der von Platanen beschattet wurde, deren Blätter sich bereits gelb färbten. Der Mistral war in der Nacht zuvor durchgezogen; man spürte es noch an der Klarheit der Luft, an der fast unwirklichen Schärfe, mit der sich der Luberon gegen den Himmel abzeichnete. Provence im Oktober ist nicht das Provence der Postkarten, sondern etwas Strengeres, etwas, das einem nicht entgegenkommt, sondern wartet, ob man kommt.
Ich hatte mich für drei Uhr am Café de l’Ormeau verabredet. Ich ging die Rue de l’Église hinunter, vorbei an einer alten Magnanerie aus hellem Stein mit halb geschlossenen grünen Fensterläden. An der Tür war kein Schild. Ich wusste nur, dass er dort lebte, wenn er in Lourmarin war, und dass er nicht wollte, dass man es wusste. Im Dorf, hatte der Wirt erzählt, hieß er ohnehin nicht Camus. Man nannte ihn Monsieur Terrasse — ein Inkognito, hinter dem er sich vor dem Pariser Lärm in Sicherheit brachte. Hier saß er im Café, las seine Zeitung, sprach mit dem Schmied, schaute den Knaben beim Fußball zu und schenkte ihnen, wie es hieß, Trikots.
Kurz vor drei saß er bereits draußen, ein wenig zur Seite, mit dem Rücken zur Wand, in einem dunklen Mantel über grauem Pullover. Eine Gauloise zwischen Daumen und Zeigefinger, sehr ruhig gehalten. Er erkannte mich an meinem Hut und stand auf. Sein Händedruck war fest, nicht ausgreifend; seine Augen schmal, sehr aufmerksam. Er war damals sechsundvierzig und sah müder aus, als ich erwartet hatte. Die Tuberkulose, die ihn sein Leben lang nicht losließ, hatte ein Zeichen hinterlassen, das man nicht benennen, aber spüren konnte. Er bestellte einen Kaffee und schob die Zeitung weg.
„Sie kommen aus dem Norden", sagte er. Es war keine Frage. „Setzen Sie sich. Hier sieht man die Berge gut. Wenn man lange genug schaut, hat man den Eindruck, dass dahinter das Meer liegt. Es liegt nicht dahinter. Aber der Eindruck genügt mir."
Ich fragte ihn, ob es ihn störe, hier zu sitzen, im Offenen, wo jeder ihn ansprechen könnte. Er lächelte schwach.
„Hier spricht mich niemand an. Hier bin ich Monsieur Terrasse. Hier interessiert es niemanden, was ein Mann in Stockholm gesagt hat. Hier interessiert es die Leute, ob ihr Sohn beim Fußball gewinnt. Das ist auch eine Form der Höflichkeit. Vielleicht die einzige, die ich noch ertrage."
Über den Nobelpreis
Ich kam, fast unwillkürlich, auf Stockholm zu sprechen. Er ließ die Frage einen Moment in der Luft hängen, blickte auf seine Zigarette.
„Ich habe nicht damit gerechnet. Ich saß mit jemandem zu Abend, als die Nachricht kam, und ich war ehrlich gesagt erschrocken. Nicht aus Bescheidenheit. Aus etwas anderem. Sehen Sie, Malraux hätte ihn vor mir bekommen müssen. Ich war zu jung, das wussten alle. Ein Preis dieser Größe ist nicht nur eine Auszeichnung. Er ist eine Last. Er stellt einen auf einen Sockel, und wer auf einem Sockel steht, kann nicht mehr gehen. Ich aber muss gehen. Ich habe gerade erst angefangen, glaube ich, das zu schreiben, was zählt."
Ich sagte, das klinge fast wie eine Klage.
„Es ist keine Klage. Es ist eine Beobachtung. Mit dem Geld habe ich dieses Haus gekauft. Das war das eigentlich Gute daran. Ich kann jetzt hier arbeiten, ohne dass jemand an die Tür klopft. Das Übrige ist Lärm. In Paris sagt man mir, ich sei ein Heiliger. In Algier sagt man mir, ich sei ein Verräter. Beides ist falsch, beides ist erschöpfend. In Lourmarin sagt man mir, ich sei Monsieur Terrasse. Das ist genauer."
Über die Kindheit
Er bestellte einen zweiten Kaffee. Ich fragte ihn, woher er komme, wie es gewesen sei, dort, wo er aufgewachsen war. Sein Blick veränderte sich. Er wurde nicht weicher, eher klarer.
„In Belcourt, einem Viertel von Algier. Mein Vater war im Ersten Krieg gefallen, ich war noch nicht ein Jahr alt. Ich kenne ihn nicht. Ich kenne nur eine Geste, die meine Mutter einmal erwähnte: dass er, als er einmal eine Hinrichtung mit angesehen hatte, nach Hause kam und sich übergeben musste. Daraus habe ich später meinen Aufsatz über die Guillotine geschrieben."
„Und Ihre Mutter?", fragte ich.
„Meine Mutter war fast taubstumm. Sie konnte kaum lesen. Sie putzte in fremden Häusern. Wir wohnten zu fünft in zwei Zimmern, mit der Großmutter, einem Onkel, meinem Bruder. Die Großmutter herrschte, mit einem Ochsenziemer in der Hand. Meine Mutter sprach nicht viel. Sie saß abends am Fenster und schaute auf die Straße. Das ist eines der stärksten Bilder meines Lebens. Daraus kommt alles, was ich geschrieben habe. Das Schweigen meiner Mutter und die Sonne über dem Meer."
Er hielt einen Moment inne, dann sagte er leiser:
„Wir waren arm. Aber ich habe die Armut nicht als Schande empfunden. Erst später, in Frankreich, lernte ich, dass man sich für sie schämen soll. Wir hatten kein Geld, aber wir hatten das Meer. Das Meer ist nicht teuer. Wer ein Meer hat, ist nicht arm im eigentlichen Sinn. Das Elend wird erst dort untröstlich, wo es kein Meer mehr gibt."
Er erzählte von seinem Volksschullehrer Louis Germain, der seine Mutter und die Großmutter überredet habe, ihn aufs Gymnasium gehen zu lassen, statt in die Lehre. Dem habe er, sagte er, einen der ersten Briefe nach Stockholm geschrieben.
„Ohne Germain wäre ich Hilfsarbeiter geworden. Es gibt ein paar Männer in einem Leben, die einem die Tür aufhalten. Wenn man älter wird, versteht man, dass man kaum etwas ohne sie gewesen wäre. Das ist eine Demut, die zu spät kommt, aber sie kommt."
Über die Schriftsteller
Ich fragte ihn, ob er noch viel Kontakt habe zu den anderen, in Paris. Er zuckte fast unmerklich mit der Schulter.
„Mit denen, die noch übrig sind. Mit René Char vor allem. Er wohnt in L’Isle-sur-la-Sorgue, eine Stunde von hier. Er ist es, der mir Lourmarin gezeigt hat, zusammen mit Grenier, meinem alten Lehrer. Char ist ein Bruder. Es gibt zwei oder drei Menschen, mit denen man wirklich sprechen kann; Char gehört dazu. Wir gehen, wenn ich bei ihm bin, in den Garten und schweigen miteinander. Das ist ein Privileg."
„Und Sartre?", fragte ich vorsichtig.
Er lächelte, aber das Lächeln ging nicht in die Augen.
„Sartre und ich haben uns sieben Jahre nicht mehr gesprochen. Sie wissen, was vorgefallen ist — der Streit über die Lager, die Frage der Gewalt. Er hat geschrieben, ich sei ein guter Mensch ohne Ideen. Es war eine Verletzung. Aber ich bereue nichts. Wenn jemand mir sagt, man dürfe für eine schöne Idee tausend Männer in ein Lager schicken, dann gehe ich. Das ist keine Position, das ist eine Grenze. Sartre konnte sie überschreiten. Ich nicht."
Er drückte die Zigarette aus und sah einen Augenblick auf den Platz, wo zwei Männer mit einer Boulekugel spielten.
„Es ist überhaupt mit der Pariser Welt schwierig geworden. Sie haben aus mir eine Statue gemacht und dann auf die Statue gespuckt. Eine bequeme Übung, weil eine Statue sich nicht wehrt. Ich bin keine Statue. Ich bin ein Mann aus Belcourt, der versucht, ein paar Sätze richtig zu schreiben. Das ist alles."
Er erwähnte Pasternak, für dessen Nobelpreis er sich eingesetzt habe; Faulkner, den er übersetzt habe; Melville, an dem er bewundere, wie das Übel in einem Gleichnis dargestellt werden könne, ohne erklärt zu werden. Von Tolstoi sprach er mit fast scheuer Liebe, von Dostojewski wie von jemandem, mit dem er noch nicht fertig sei. Aus dessen Roman „Die Dämonen" hatte er eine Bühnenfassung gemacht, die im Januar in Paris herausgekommen war.
Über die Familie
Eine ältere Frau ging vorbei und grüßte ihn mit dem Namen Terrasse. Er nickte ihr zu, fast formell. Ich fragte ihn, wie es ihm gehe, hier allein, ob die Familie nicht fehle.
„Francine und die Kinder kommen über Weihnachten. Die Zwillinge sind vierzehn jetzt, Jean und Catherine. Wenn sie da sind, höre ich auf zu arbeiten. Es geht nicht anders, und ich will es auch nicht anders. Ich habe in meinem Leben vieles falsch gemacht. Ich habe meine Frau verletzt. Ich weiß das. Aber die Kinder, das ist eine andere Sache. Mit den Kindern bin ich, wer ich sein müsste."
Er sagte es ohne Selbstmitleid, eher mit der Genauigkeit eines Mannes, der gewohnt ist, sich nicht zu schonen.
„Und meine Mutter, sie lebt noch in Algier. Ich schreibe ihr, sie kann es kaum lesen, aber sie hält die Briefe. Die Lage dort ist, wie Sie wissen. Ich habe versucht, dazu zu sprechen, ohne Pose, ohne Parole. Es ist mir nicht gelungen, die Leute zufriedenzustellen. Ich glaube an die Gerechtigkeit. Aber wenn man mir sagt, ich müsse zwischen meiner Mutter und der Gerechtigkeit wählen, dann werde ich immer meine Mutter wählen. Das hat man mir nicht verziehen."
Über die Welt
Wir saßen lange. Die Schatten der Platanen verschoben sich. Ich fragte ihn, wie er die Welt sehe, jetzt, in diesem Augenblick.
Er dachte lange nach, bevor er antwortete.
„Ich sehe eine Welt, die sich daran gewöhnt hat, schlecht zu sein. Das ist das Schlimmste. Nicht das Übel selbst, das es immer gegeben hat, sondern die Gewohnheit. Wir haben die Lager gesehen, wir haben die Bombe gesehen, wir sehen, was in Ungarn geschehen ist, was in Algerien geschieht. Und wir lernen, damit zu leben, als sei es eine Witterung. Ich will nicht lernen, damit zu leben. Ich will nicht resignieren, und ich will nicht heroisieren. Beides ist eine Lüge."
„Was bleibt denn?", fragte ich.
„Was bleibt, ist sehr wenig und sehr viel. Es bleibt, dass man die Wahrheit ehrlich sagt, auch wenn sie unbequem ist. Es bleibt, dass man dem anderen mit Maß begegnet, dass man sich nicht zum Henker machen lässt, weder auf die eine noch auf die andere Seite. Ich glaube an die Sonne, an das Meer, an einen gerechten Satz, an einen Freund. Ich glaube, dass es eine Schönheit gibt, die man nicht verraten darf. Das ist nicht viel. Es ist genug, um zu arbeiten."
Ich sagte, das klinge fast religiös. Er lachte leise.
„Ich bin kein Gläubiger im üblichen Sinn. Aber ich weiß, dass es etwas gibt, das größer ist als wir, und ich weiß, dass es eines verdient: Ehrlichkeit. Wenn ich morgens aufwache und nicht ehrlich sein kann, ist der Tag schon verloren."
Über die Freude
Ein Junge kam vorbei, mit einem Lederball unter dem Arm. Er grüßte ihn, der Junge winkte zurück. Camus sah ihm nach, und sein Gesicht entspannte sich auf eine Weise, die ich ihm vorher nicht angesehen hatte.
„Sie fragen, ob ich Freude habe. Ja. Mehr, als man denkt. Sehen Sie diesen Burschen? Er spielt am Samstag gegen Cucuron. Ich werde da sein. Ich habe einmal selbst im Tor gestanden, in Algier, für das Racing Universitaire. Die Lunge hat mich aufhören lassen, sehr früh. Aber was ich auf dem Fußballplatz gelernt habe über Männer, über Treue, über das Schweigen einer Mannschaft im Regen — das habe ich woanders nie wieder so gelernt. Wenn ich heute Freude empfinde, dann an einfachen Dingen. An einem Glas Wein mit Char. An einem Spiel. An einem Tag, an dem ich drei gute Seiten geschrieben habe. An der Stille hier am Morgen, wenn die Sonne über den Luberon kommt und alles golden wird."
Er rauchte wieder, langsam.
„Das Glück, das man uns versprochen hat, ist eine schwierige Sache. Ich glaube nicht an das große Glück. Ich glaube an Augenblicke. An jenen Mittag, im Sommer 1936, als ich an einem Strand bei Tipasa lag und das Wasser sehr klar war und ich dachte, dass diese Stunde alles rechtfertigt. Solche Stunden braucht ein Mensch. Vier oder fünf in einem Leben. Mehr nicht."
Über Lourmarin und das, was bleibt
Ich fragte ihn, ob er hier bleiben wolle, ob das hier sein Ort sei.
„Ja. Das ist mein Ort. Ich habe lange gesucht. Paris ist nicht mein Ort. Algier ist mein Ort, aber Algier ist mir verschlossen, vielleicht für lange Zeit. Lourmarin ist die zweite Lösung, und manchmal denke ich, sie ist die wahre. Hier sehe ich die Berge, die mich an die Atlasberge erinnern. Char sagte einmal über mich, ich sei ein Mann zweier Sonnen, der von Provence und der von Algerien. Es ist nicht falsch."
Er deutete mit dem Kopf in Richtung der Dorfkirche.
„Mein Haus liegt dort drüben, es war eine Magnanerie, die alten Steine sind noch da, die Balken auch. Oben habe ich mein Arbeitszimmer. Ich arbeite im Stehen. Ich arbeite an einem neuen Roman. Er handelt von einem Jungen, der ohne Vater in einem armen Viertel aufwächst. Ich glaube, es ist das ehrlichste Buch, das ich je geschrieben habe. Ich nenne es Le Premier Homme. Es wird noch dauern."
„Und außer Schreiben?", fragte ich. „Was tun Sie hier den ganzen Tag?"
„Ich gehe. Ich gehe sehr viel. In die Weinberge, zum Friedhof, der schön ist, zum Stadion hinunter, wo ich den Knaben zusehe. Ich lese die Zeitung hier auf der Terrasse. Ich rede mit dem Bäcker, mit dem Schmied. Vom Wein verstehe ich wenig, aber Char bringt mir etwas bei. Manchmal fahre ich nach Marseille, ans Meer, und sehe den Schiffen zu — das ist eine Art Gebet bei mir. Und das Theater. Es ist mir nicht weniger wichtig als das Schreiben, vielleicht wichtiger. Auf einer Bühne kann ich für drei Stunden vergessen, dass ich Camus bin. Das ist sehr viel wert."
Es wurde kühler. Ein Mann mit einer Mütze trat an den Tisch und fragte etwas auf Provenzalisch. Camus antwortete ihm, lachte kurz, der Mann ging weiter.
„Ich glaube nicht, dass ich noch viele Bücher schreiben werde. Ich werde versuchen, dieses Buch zu schreiben. Vielleicht noch eines danach. Dann werde ich aufhören. Ich will nicht der werden, der sich wiederholt. Maß und Mut, das sind die zwei Worte, die ich mir aufschreibe, wenn ich nichts mehr weiß."
Er sah mich lange an.
„Und Sie? Was werden Sie aus diesem Nachmittag machen?"
Ich sagte, das wisse ich noch nicht.
„Schreiben Sie das auf, was kein anderer aufschreiben kann", sagte er. „Den Rest schreibt schon jemand. Schreiben Sie das, was Sie wirklich gesehen haben. Auch wenn es klein ist. Es ist nie zu klein."
Er stand auf, legte ein paar Münzen auf den Tisch, gab mir die Hand. Sein Mantel war ein wenig zu groß. Er ging die Gasse hinunter, in Richtung der Magnanerie, langsam, ohne sich umzudrehen. Auf dem Platz hinter der Kirche hörte ich, wie der Lederball gegen eine Mauer prallte. Der Himmel über dem Luberon hatte ein Licht angenommen, das man nur sehen kann — die zweite Sonne seines Lebens. Ich blieb sitzen, bis es dunkel wurde.
Dass ich ihn drei Monate später nicht mehr lebend sehen würde, dass am vierten Januar 1960 ein Wagen bei Villeblevin gegen einen Platanenstamm fahren würde, das ahnte an jenem Nachmittag niemand. Vielleicht er. Vielleicht nicht einmal er.
S.
Nachschrift
Die hier geschilderte Begegnung ist fiktiv. Albert Camus (1913–1960) hat den Verfasser nie getroffen. Die biografischen und atmosphärischen Details der Erzählung folgen jedoch dokumentierter Überlieferung.
Camus erhielt im Oktober 1957 als zweitjüngster Preisträger (nach Rudyard Kipling) den Nobelpreis für Literatur. Mit einem Teil des Preisgeldes erwarb er im September 1958 eine ehemalige Seidenraupenzucht (Magnanerie) in der Rue de l’Église in Lourmarin am Fuß des Luberon. Im Dorf nutzte er das Pseudonym „Monsieur Terrasse", verkehrte im Café de l’Ormeau, unterstützte den lokalen Fußballverein Jeunesse Sportive Lourmarinoise mit Trikots und arbeitete im Herbst 1959 weitgehend allein an seinem unvollendeten Roman „Le Premier Homme".
Camus wuchs nach dem frühen Tod seines Vaters Lucien im Ersten Weltkrieg in ärmlichsten Verhältnissen im Algierer Arbeiterviertel Belcourt auf, gemeinsam mit seiner fast taubstummen Mutter Catherine und seiner strengen Großmutter. Sein Volksschullehrer Louis Germain ermöglichte ihm den Bildungsweg ans Lycée Bugeaud; Camus widmete ihm im November 1957 seine Nobelpreisrede. Sein späterer Philosophielehrer Jean Grenier vermittelte ihm die Liebe zur Provence.
Die Freundschaft mit dem in L’Isle-sur-la-Sorgue lebenden Dichter René Char war eine der wichtigsten Bindungen seines späten Lebens. Der Bruch mit Jean-Paul Sartre erfolgte 1952 nach der Kontroverse um „Der Mensch in der Revolte"; die beiden sprachen bis zu Camus’ Tod nicht mehr miteinander. 1957 äußerte Camus in Stockholm im Rahmen einer Diskussion über den Algerienkrieg sinngemäß, er glaube an die Gerechtigkeit, würde aber, vor die Wahl gestellt, seine Mutter verteidigen — was ihm scharfe Kritik der Pariser Linken eintrug.
Camus war mit Francine Faure verheiratet und hatte mit ihr die 1945 geborenen Zwillinge Catherine und Jean. Als Torwart spielte er in der Jugend für das Racing Universitaire d’Alger, bis ein Tuberkuloseausbruch 1930 das Sportlerleben beendete. Am 4. Januar 1960 starb Camus auf der Rückfahrt nach Paris bei einem Autounfall in der Nähe von Villeblevin; im Wrack des Facel Vega seines Verlegers Michel Gallimard fand sich das unvollendete Manuskript zu „Le Premier Homme", das 1994 von seiner Tochter Catherine herausgegeben wurde. Albert Camus ist auf dem Friedhof von Lourmarin begraben.
Wörtliche Zitate Camus’ wurden nicht unverändert übernommen; die wiedergegebenen Gedanken greifen dokumentierte Motive seines Werks und seiner Korrespondenz auf, insbesondere aus „L’Homme révolté", „Noces", „L’Été", dem Briefwechsel mit René Char sowie den postum erschienenen „Carnets".
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