Elektronische Patientenakte gehackt: Zugriff auf 70 Millionen Datensätze

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357 Videoaufrufe·02.01.2025
Kurz vor dem Start der ePA demonstrierten IT-Experten des Chaos Computer Clubs, wie einfach Kriminelle Zugriff auf Gesundheitsdaten erhalten könnten. Schwachstellen in Sicherheitsprotokollen und Kartenverfahren machen die elektronische Patientenakte angreifbar.
Elektronische Patientenakte gehackt. Zugriff auf 70 Millionen Datensätze.
Ein Artikel von Lydia Röber vom 2. Januar 2025.
Kurz vor dem Start der EPA demonstrierten IT-Experten des Chaos Computer Clubs,
wie einfach kriminelle Zugriffe auf Gesundheitsdaten erhalten könnten.
Schwachstellen in Sicherheitsprotokollen und Kartenverfahren machen die elektronische Patientenakte angreifbar.
Eines der ersten Projekte, die im Jahr 2025 durchgesetzt werden sollen, ist die elektronische Patientenakte.
EPA für alle.
Kurz vor dem Jahresende hatte der Chaos Computer Club eklatante Sicherheitsmängel aufgedeckt.
Auf dem Hacker Kongress 38C3 präsentierten zwei IT-Sicherheitsexperten,
wie sie ohne viel Aufwand auf einen Schlag auf alle 70 Millionen Patientenakten zugreifen könnten.
Auf dem Weg. Die EPA auf der Datenautobahn.
Die elektronische Patientenakte EPA wird ab dem 15. Januar 2025 für alle gesetzlich Versicherten eingeführt,
die nicht aktiv widersprochen haben.
Zuerst ab Mitte Januar in den Modellregionen Hamburg, Franken und Teile von Nordrhein-Westfalen.
Ab dem 15. Februar 2025 ist ein bundesweiter Rollout geplant,
sofern die Tests in den Modellregionen erfolgreich verlaufen.
Die EPA soll ein zentralisiertes, digitales Tool zur Speicherung und Verwaltung der Gesundheitsdaten sein
und nach offizieller Lesart den Austausch zwischen Patienten, Ärzten und anderen Akteuren im Gesundheitssystem erleichtern.
Ein digitaler Speicher für alle Unterlagen, die beim Praxisbesuch oder im Krankenhaus erstellt werden.
70 Millionen Krankenakten auf einen Streich.
Nicht einmal drei Wochen vor dem EPA-Rollout wurde jetzt beim Kongress des Chaos Computer Clubs demonstriert,
wie einfach Kriminelle das Datengold abgreifen können.
Der CCC teilte mit, wie leicht sie auf unterschiedlichen Wegen auf die elektronischen Patientenakten zugreifen können,
nachdem Bianca Kastl und Martin Tschirsich auf dem 38. Chaos Communication Kongress die Sicherheitsmängel demonstriert hatten.
Zitat
Zitat Ende
Der leichte Hack der elektronischen Gesundheitsakte.
Zudem demonstrierten die IT-Fachleute, wie Mängel in der Spezifikation es ermöglichen,
Zugriffstoken für Akten beliebiger Versicherer zu erstellen.
Dies ist möglich, so der CCC weiter, ohne dass die Gesundheitskarten präsentiert oder eingelesen werden müssen.
Damit hätten Kriminelle auf einen Schlag Zugriff auf mehr als 70 Millionen Akten.
Der Fernzugriff auf Patientenakten war möglich über unsicher konfigurierte IT,
sowohl in den Gesundheitseinrichtungen als auch bei den Dienstleisterzugängen.
Die Daten mit höchsten Sicherheitsstandards geschützt?
Der Chaos Computer Club fordert aufgrund dieser Sicherheitslücken ein Ende der EPA-Experimente am lebenden Bürger.
Auf den Vortrag beim CCC-Kongress mit der Demonstration der niedrigschwelligen Hackarbeit der EPA
reagierte Gematik, der zentrale Dienstleister für die Digitalisierung des Gesundheitswesens,
der auch die technische Infrastruktur für die EPA entwickelt und betreibt, mit einer Stellungnahme.
Zitat
Die vom CCC vorgestellten Angriffsszenarien auf die neue EPA wären technisch möglich gewesen,
die praktische Durchführung in der Realität aber nicht sehr wahrscheinlich,
da verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein müssen.
Grundsätzlich gelte weiterhin, die EPA für alle wurde und wird mit höchsten und modernsten Sicherheitsstandards gebaut.
Zuvor hatte Gematik ein von ihr in Auftrag gegebenes positives Gutachten des Fraunhofer-Instituts veröffentlicht.
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Und dass eine moderne Sicherheitsarchitektur es ermögliche,
dass die enthaltenen Gesundheitsinformationen in der EPA mit den höchsten Sicherheitsstandards geschützt werden.
Datenschutz Lauterbachs wichtigstes Anliegen
Auch für Karl Lauterbach war der Sicherheitsaspekt maßgeblich.
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Der Datenschutz und die Datensicherheit waren uns zu jedem Zeitpunkt der Einführung das wichtigste Anliegen,
so der Gesundheitsminister noch Ende September, 100 Tage vor der Einführung der EPA.
Die elektronische Krankenakte gibt es seit 2021.
Vor der Einführung des Opt-out-Verfahrens, bei dem man eine Freischaltung der Akte aktiv ablehnen muss,
gab es das Opt-in-Verfahren.
Die Patienten mussten aktiv zustimmen, um eine EPA zu nutzen.
Zu diesem Zeitpunkt belief sich die Zustimmung auf ca. 1%, was eine sehr niedrige Akzeptanz zeigt.
Ab 15. Januar 2025 wird aus der Opt-in eine Opt-out-Entscheidung.
Diese soll die Zahl der EPA-Nutzer vergrößern.
Vorteile betont
Bessere Übersicht und wenig Doppelbehandlungen
Befürworter der EPA betonen die Vorteile.
Grundsätzlich können alle Leistungserbringer sofort auf alle relevanten Daten zugreifen,
ohne diese extra anfordern zu müssen.
Damit sei eine Zeitersparnis verbunden, auch weniger Papierdokumente und die einfache Weiterleitung von Befunden.
Eine bessere Versorgung soll durch schnelleren Informationsaustausch zwischen Ärzten gewährleistet werden.
Das Risiko doppelter Untersuchungen sinke.
Generell gewährleistet die EPA dadurch eine bessere Übersicht,
dass die gesamte Krankengeschichte an einem Platz gespeichert sei.
Von langer Hand vorbereitet
Daten für Daten kraken
Aber die EPA soll nicht nur individuelle Vorteile bringen.
Zitat
Durch die Möglichkeit der freiwilligen Datenfreigabe wird ab 2023
auch die Forschung und damit die gesamte Gesellschaft im Sinne einer verbesserten Gesundheitsversorgung
von der Nutzung der Daten profitieren.
Hieß es schon in dem Entwurf des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr
für eine Digitalstrategie aus dem Jahr 2022.
Inzwischen wird immer klarer.
Interessierten Unternehmen stehen sehr lukrative Vorteile ins Haus,
denn Gesundheitsminister Lauterbach hat Ende 2024 angekündigt,
den Datenschatz mit META, OpenAI und Google heben zu wollen.
Zitat
Hieß es bei Verabschiedung der entsprechenden Gesundheitsgesetze noch
Wir wollen Daten für die Forschung und gegebenenfalls Pharmaindustrie,
bestätigt Gesundheitsminister Lauterbach,
dass man in Verhandlungen mit META, OpenAI und Google zwecks Zugriff auf die Gesundheitsdaten stehe,
schreibt IT-Sicherheitsexperte Günther Born in seinem IT-Blog BornCity.de.
Damit nahm er Bezug auf einen Artikel des Ärztennachrichtendienstes
über den Auftritt von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, SPD,
am 28. November 2024 auf der Digital Health Conference DHC 2024 in Berlin.
Hier verwies der Gesundheitsminister auf die globale Bedeutung dieses Gesundheitsdatensatzes.
Auch die elektronische Patientenakte füttere ein in ein entstehendes System
das größte Digitalprojekt, was es in Deutschland jemals gegeben hat,
was einen der größten Datensätze weltweit entstehen lasse.
Systemanfällig für Fehler und Missbrauch.
Kritiker wie der CCC und andere IT-Experten bemängeln aber vor allem die fehlende Datensicherheit der EPA.
IT-Sicherheitsexperte Günther Born warnt in seinem Blog BornCity.de.
Selbst ohne Datenschutzvorfall oder Missbrauch bietet eine solche elektronische Patientenakte Fallen ohne Ende.
Der gläserne Patient mit seiner Akte, gespeist aus Daten irrender und unfähiger Protagonisten,
Laborergebnisse vertauscht, fehlerhafte Diagnose und so weiter, wird Wirklichkeit.
Das alles gepaart mit technischen Unzulänglichkeiten öffnet Willkür und Fehlentscheidungen Tür und Tor.
Der gläserne EPA-Patient Dr. Med. Michael Spitzbart weitet seine Kritik am Missbrauchspotential der EPA
in einer Stellungnahme auf seinem Facebook-Profil noch aus.
Ich persönlich möchte, dass möglichst wenig Daten von mir gespeichert werden.
Doch der übergriffige Staat will immer mehr Informationen speichern, um dann,
sobald 2028 der digitale Euro eingeführt wird, alles in einer Wallet zu verwalten.
Bankkonto, Impfstatus, CO2-Fußabdruck, Reiseverhalten etc.
Spätestens dann ist der Bürger gläsern und andere entscheiden, ob oder wofür man sein Geld ausgibt.
Der elektronischen Krankenakte widersprechen. So geht's.
Der Widerspruch ist nicht nur digital, sondern auch per Anruf oder direkt in der Kundenberatung der Krankenkasse möglich.
Geht der Widerspruch ein, wird die Akte entweder erst gar nicht angelegt oder, wenn sie schon angelegt sein sollte, wieder gelöscht.
