Wissenschaft im Sauriersaal: Pandemische Gefahren vor und nach COVID-19

Museum für Naturkunde Berlin
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31.10.2024
Referent: Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Insitituts für Virologie Campus Charité Mitte (CCM)
Datum: 15.09.2023
Ort: Museum für Naturkunde - Berlin
Wunderschönen guten Abend, sehr geehrte Damen und Herren.
Mein Name ist Johannes Vogel.
Ich habe die große Ehre, hier in diesem wunderbaren Haus
Generaldirektor zu sein und ich möchte Sie heute Abend im Namen
der Humboldt-Universität, der Charité, der Sparkasse Berlin und
dem Museum für Naturkunde ganz herzlich begrüßen.
Diese Serie Wissenschaft im Sauriersaal ist, wie Sie alle sehen
können, bei Ihren Nachbarn sehr, sehr beliebt.
Wir sind heute Abend volles Haus.
Das sind wir öfters, aber ich glaube insbesondere wegen des wunderbaren
Vortragenden und des sehr, sehr spannenden Themas.
Ich glaube, dass wir einiges aus der Pandemie gelernt haben.
Manchmal glaubt man allerdings auch, dass man nichts gelernt hat.
So ist das im Leben.
Wir haben jetzt heute zwei wissensbasierte, aber vielleicht
gesellschaftlich doch etwas differenziert betrachtete Veranstaltungen.
Heute Morgen haben hier Fridays for Future losgelegt, um am
Brandenburger Tor und dann vom Bundeskanzleramt zu diskutieren.
Und heute Abend reden wir mit einem der meist ausgezeichneten und
weltweit bekanntesten Virologen, nämlich Christian Drosten.
Ganz herzlich willkommen, Christian.
Wie ich schon gesagt habe, wir leben in einer demokratischen
Wissensgesellschaft und es gibt zusätzlich zu wissensbasiertem
auch Meinungen.
Das ist mir alles bekannt und bewusst.
Wir werden uns aber heute bitte darauf fokussieren, nach diesem
tollen Vortrag Fragen zu stellen.
Co-Referate sind heute Abend nicht willkommen.
Und ich kann dann auch meine andere Seite zeigen, wenn das passiert.
Ja, also lassen Sie uns Fragen stellen.
Lassen Sie uns diesem Experten zuhören.
Ob das Ihre Meinung ändert oder nicht, müssen Sie selber entscheiden.
Und hinterher bei einem Glas Wein können Sie dann noch gerne mit
Ihren Kolleginnen und Kollegen Co-Referate halten.
Heute aber nicht öffentlich.
So, also ganz toll, dass Sie alle den Weg hier heute Abend hingefunden
haben. Ganz kurze Einleitung noch zu Christian Drosten, der eben halt
weltweit bekannter Virologe und Evolutionsbiologe ist, denn auch
Viren evolvieren, wie wir, glaube ich, alle gelernt haben in 2021 und
vielleicht auch in der Zukunft noch lernen werden.
Er arbeitet hier an der Charité, ist dort Direktor des Instituts für
Virologie und Professor.
Vorher war er in Bonn, davor hat er in Frankfurt die Promotion
gemacht und hat auch noch in Hamburg dann zwischendrin als
Arbeitsgruppenleiter an einem anderen Leibniz-Institut, nämlich dem
Bernd-Nochte-Institut für Tropenmedizin, gearbeitet.
Er hat unheimlich viele Auszeichnungen bekommen, nicht nur
während der Pandemie oder nach der Pandemie, sondern auch schon
vorher, ist ein bisschen dichter geworden.
Sie kann man hier sehen, nach der oder während der Pandemie das
Bundesverdienstkreuz der ersten Klasse, die Leibniz-Medaille,
Hochschullehrer des Jahres, Berliner Wissenschaftspreis.
Was für mich aber herausgestochen hat, ist sein unermüdlicher Einsatz
während der Pandemie zusammen mit dem NDR, die aktuelle Lage
wöchentlich zu beleuchten.
Dass es dabei, wenn man das so zeitnah macht, auch Herausforderungen
gibt, ist uns, glaube ich, allen bewusst.
Ich glaube aber, dass das bisher einmalig war, sozusagen live von
dem Experten betreut zu werden über Radio und Fernsehen, was die
Situation angeht.
Und dafür, Christian, ganz herzlich unser Dank.
Aber natürlich hast du dafür auch wiederum Preise bekommen.
Da können wir dich heute Abend nicht mit überschütten.
In diesem Sinne, jetzt habe ich natürlich die Latte hochgehängt
für dich, freuen wir uns jetzt auf deinen Vortrag, der alle Erwartungen
übertreffen wird.
Dankeschön.
Ja, danke, Johannes, für die sehr schöne Einführung und auch für
die Einladung hierher zu kommen.
Ich freue mich, dass so viele Leute da sind und sich für dieses Thema
interessieren.
Es ist sehr schön, dass dieser ganze Schlamassel jetzt so mal vorbei
ist und auch solche Veranstaltungen wie heute wieder möglich sind.
Eine Zeit lang ging das gar nicht.
Da gab es dann Sicherheitsbedenken, ob man denn überhaupt noch mal
irgendwann jemals vor einem öffentlichen Publikum sprechen kann.
Aber es geht und die Leute sind auch wesentlich entspannter inzwischen.
Ja, wir wollen über pandemische Gefahren vor und nach Covid-19
sprechen, einfach um, zwar etwas merkwürdiger Titel, aber der sagt
vielleicht, dass dieses Thema nicht erst seit der Pandemie in der
Wissenschaft ist.
Es gibt ja so bekannte Erkrankungen, Ebola zum Beispiel.
Das ist eine Erkrankung, die hat zum Beispiel im Jahr 2014, 13, 14
sehr, sehr schwere Epidemie in Westafrika hervorgerufen.
Und einige Leute haben zu der Zeit gedacht, das könnte auch eine
Pandemie werden, also eine Erkrankung, die nicht nur als Epidemie
in einer Bevölkerung stattfindet, sondern pandemisch.
Also auf der gesamten Erde, in allen Bevölkerungen.
Dieses Virus hat aber nicht das Übertragungspotenzial.
Damals hat man darüber spekuliert, ob so ein Virus wie hier, das über
Körperflüssigkeiten übertragen wird, über ganz engen Kontakt, über
kleinste Wunden in der Haut oder Schleimhaut dann den Körper betritt
und dann die Infektion setzt, ob das vielleicht auch einen Etagenwechsel
durchführen kann.
Also sprich, ob es durch die Luft übertragbar werden könnte.
Und man vermutet bei einigen anderen unserer großen
Infektionserkrankungen, Mumps, Masern zum Beispiel, dass so etwas
irgendwann in grauer Vorzeit möglicherweise passiert ist.
Es ist aber nicht sehr wahrscheinlich, dass das passiert.
Viren ändern nicht eben schnell ihren Übertragungsweg.
Ein respiratorisches Virus bleibt ein respiratorisches Virus
normalerweise und eben ein blutübertragenes Virus bleibt
blutübertragen.
Es gibt kaum Evidenz dafür, dass plötzlich so ein Etagenwechsel
stattfindet oder die Tollwut, eine der schrecklichsten Erkrankungen,
die wir überhaupt kennen, zum Glück heute durch Impfungen ganz
gut zu kontrollieren, wenn auch nicht ausgerottet.
Sie sehen hier typische Opfer und es sind leider in erster Linie
Kinder und zwar in der Tropenzone.
Sie kennen vielleicht, wer von Ihnen mal in den Tropen
unterwegs war, den global verbreiteten gelben Tropenhund, der
universalen Mischling.
Diese Hunde sind die Tollwutüberträger heutzutage und die
Kinder in den Dörfern in armen Ländern spielen mit diesen Hunden
und infizieren sich und sind nicht geimpft.
Die Hunde sind nicht geimpft und darum kommt es leider immer noch
zu ganz schrecklichen Szenen in Krankenhäusern in solchen Ländern,
obwohl man für wenig Geld sowohl die Haustiere als auch die Menschen
durch die Impfung schützen könnte.
Aber auch diese Erkrankung hat kein pandemisches Potenzial.
Die ist, wir können sagen, weltweit enzootisch, also in den Tieren
verbreitet. Nur in den Ländern, wo das künstlich entfernt wurde
durch Impfprogramme, ist das nicht verbreitet.
Sonst gibt es das überall.
Aber eine pandemische Übertragung von Mensch zu Mensch ist bei diesem
Virus nicht zu erwarten.
Einfach, weil die Übertragung über Speichelsekretion läuft und
dann ein Biss, dann die glatte Muskelzelle, die infiziert wird und
dann der retrograd-axonale Transport in das zentrale Nervensystem.
Ein sehr komplizierter, langwieriger Prozess, der nicht einfach schnell
massenhaft generalisiert.
Einige Leute nennen auch HIV, AIDS eine Pandemie.
Rein theoretisch sind hier alle Bedingungen erfüllt.
Es kommt wirklich vor in allen Bevölkerungen der Welt.
Aber für mich reicht das nicht so ganz aus, wenn wir zurückrechnen
und das kann man machen anhand von phylogenetischen Analysen,
wann diese Erkrankung eigentlich entstanden ist, kann man sagen,
die ist wahrscheinlich in den 1920er Jahren erstmalig zum Menschen
gekommen. Man kann es auch geografisch lokalisieren.
Im südlichen Bereich der Demokratischen Republik Kongo vermutet
man, ist das passiert und man kann auch den Ursprung einigermaßen
ableiten. Das sind Schimpansen gewesen.
Aber die Verbreitungsgeschwindigkeit ist hier einfach nicht gegeben.
Auch hier ein Übertragungsweg, der nicht über die Luft geht, sondern
eher ein komplizierter Übertragungsweg über Geschlechtsverkehr
in allererster Linie in natürlichen Populationen, aber auch über
Blut-Blut-Kontakt.
Wahrscheinlich waren die ersten Übergänge zum Menschen eher
Metzgerei von Schimpansenfleisch, also Bushmeat, was in diesen
Ländern konsumiert wird.
Dabei kann man sich ja schneiden, wenn man dieses Fleisch präpariert.
Also nicht jede Erkrankung, die sich weltweit verbreitet, ist
eine Pandemie im politischen Sinne vor allem.
Und das haben wir ja eher im Kopf, wenn wir hier auch so
zusammensitzen, noch durchgerüttelt durch diese Covid-19-Pandemie,
dann denken wir bei dem Begriff Pandemie an dieses Politikum, an
etwas, das ganz starke Reaktionen in der Gesellschaft freisetzt und
das Notfallsituationen macht, für das man Grundprozeduren des
Zusammenlebens ändern muss.
Die definitionsgemäße akademische Pandemie, also die
Infektionskrankheit, die in allen Weltbevölkerungen vorkommt.
Ja, das ist eine schöne Betrachtung, aber die Zeitdimension
ist einfach wichtig, die Dynamik.
Etwas, das innerhalb von Monaten plötzlich alles ändert und sich
plötzlich verbreitet.
Das ist ja, was wir eigentlich unter Pandemie landläufig verstehen.
Und da kommen in Frage eigentlich fast nur virale Atemwegsinfektionen.
Die sind tatsächlich in der Lage, sich so zu verbreiten.
Und das große Präzedenzbeispiel ist die spanische Grippe aus dem
Jahr 1918 vor allem.
Die hat in der Zeit geschätzt zwischen 15 und 50 Millionen
Todesfälle hervorgerufen.
Und wir liegen bei Covid wahrscheinlich in einem ähnlichen
Bereich. Die offizielle Zahl von Verstorbenen liegt etwas niedriger
bei acht Millionen, aber es gibt enorme Dunkelziffern.
Und Sie sehen hier eine Maßnahme, Stoffmasken vor den Gesichtern.
Das sind Polizisten an der Ostküste der Vereinigten Staaten.
Das hat man damals auch schon so gemacht.
Wir haben das auch gemacht.
Bei uns in der ersten Welle mussten wir Stoffmasken benutzen, weil es
nicht genug gab.
Hier zu dieser Zeit gab es natürlich nur Stoffmasken, da gab es nichts
anderes. Aber auch hier hat man versucht zu tun, was man konnte, weil
man davon überwältigt wurde und man wusste auch hier nicht, ob das
wirklich was bringt.
Und Sie können sich vielleicht daran erinnern, was passiert ist, so
ab dem, ja, ich glaube, das war der 25.
Januar 2020, als Wuhan in den Lockdown ging.
Wir hatten in genau der gleichen Woche die erste Gruppe von Patienten
hier in Deutschland, die sogenannte Webasto-Kohorte in München, eine
Gruppe von Patienten, die wir damals diagnostiziert hatten.
Und wir haben gesehen zu der Zeit, dass bei diesen Patienten sehr
viel Virus im Rachen ist und dass das Virus aktiv im Rachen repliziert.
Das zusammen mit dem Eindruck dieses Lockdowns in Wuhan, das war schon
eine sehr besondere Zeit.
Da haben sich viele Leute in Deutschland Gedanken gemacht, was denn
jetzt kommt. Und es war nicht ganz einfach, das öffentlich zu sagen,
was man im Prinzip wusste, dass es jetzt zu einer Pandemie kommen wird
und dass das auch unausweichlich ist.
Wir wollen mal ein bisschen die Grundmechanismen betrachten oder
vielleicht auch etwas die Theorie in diesem Forschungsgebiet.
Diese Erkrankungen, über die wir hier sprechen, sind ja Erkrankungen,
die aus dem Tierreich kommen.
Wir sprechen gleich noch ein bisschen über die einzelnen Wirtstiere von
ein paar beispielhaften Zoonosen.
Aber dieser Begriff Zoonose sagt es eigentlich, also eine Erkrankung,
die von Tieren zum Menschen kommt.
Und wir haben hier einen Wirtswechsel vor uns.
Das Virus hat einen anderen Wirt und kommt dann direkt oder indirekt
zu uns, zum Menschen.
Und dieser Prozess findet nicht einfach statt.
Der ist komplex.
Da sind Evolutionsschritte dabei, Anpassungsschritte.
Und wir sprechen konzeptionell von einer Wirtswechselbarriere, also
eine biologische Barriere, die das verhindert normalerweise, dass so
ein Wirt gewechselt werden kann.
Und man kann das so konzipieren, es gibt eine Wirtswechselbarriere
gegen die sporadische Akquisition.
Das kann zum Beispiel sein, der Rezeptor passt nicht ohne weiteres.
Also aus der komplexen Diversität in einem Wildtierreservoir sind nur
einige wenige Viren in der Lage, den Menschen manchmal zu infizieren.
Aber das sind dann einzelne infizierte Menschen und es geht nicht weiter.
Das ist die erste Barriere.
Die zweite Barriere ist die Anpassung an den Menschen, also ein Virus,
das ganz sporadisch mal beim Menschen ist, das dann irgendeinen Sprung
durchmacht, einen Evolutionssprung, einen Anpassungssprung, der das
Virus dann dazu befähigt, plötzlich ganz schnell und ganz regelmäßig
zwischen Menschen übertragen zu werden.
Und eine der am besten bekannten Quellen von einer hochdiversen
Viruspopulation, aus der dann einige Exemplare zum Menschen gehen
können und wo auch der Wirtswechsel nicht ganz so einfach ist, sondern
eher indirekt, das sind die Influenzaviren.
Sie sehen hier eigentlich die involvierten Tiergruppen ganz gut in
diesem Bild.
Das können Sie sich vorstellen.
Das ursprüngliche Reservoir von Influenza sind Wasservögel.
Dort haben wir eine enorme Diversität und einige von denen können ganz
gut unser Nutzgeflügel befallen.
Und hier haben wir ein Grundprinzip, das erste Mal in diesem Vortrag,
dass Nutztiere zwischen uns und dem ursprünglichen Reservoir stehen,
zwischen uns und den Wildtieren und diese künstliche Haltungsform, die
eigentlich so von der Natur nicht vorgesehen ist, dass man bestimmte
Tierarten in ganz großen Zahlen zusammenhält.
Das führt dazu, dass Amplifikationen, also Vermehrungen von solchen Viren
stattfinden können.
Und weil wir ja diese Nutztiere konsumieren, nicht nur in der Nähe
sind, mit diesen Tieren arbeiten, sondern die Tiere auch zu uns nehmen
mit ihren Produkten, haben wir darüber häufig den Übergang auf den
Menschen. Und bei Influenza ist es so, dass dieses Virus von Vögeln kommt.
Die Vögel sind relativ weit von uns entfernt.
Das sind Wirbeltiere, aber sind keine Säugetiere.
Und der Sprung zu den Säugetieren passiert häufig im Hausschwein.
Das Hausschwein ist ein Säugetier und das ist nah in der Nähe gehalten
mit Geflügel auf Farmen, auf Bauernhöfen und da finden häufig diese
ersten Wirtsübergänge statt.
Wir wissen inzwischen ein bisschen mehr darüber.
Es ist inzwischen relativ gut bekannt, also hier sieht man das auf der
linken Seite nochmal vom Wasservögel in die Nutzgeflügel und dann zum
Menschen. Dieses Prinzip steht.
Häufig ist das Schwein dazwischen, aber wir wissen inzwischen, dass es
bestimmte Viruslinien gibt, die bestimmte Säugetiere direkt infizieren
können. Da sind vor allem die Karnivoren dabei beim H5N1-Virus.
Das H5N1-Virus ist von besonderem Interesse momentan, denn dieses Virus,
das so seit den 2000ern zirkuliert, das kommt aus Asien und das hat sich
immer verbreitet über die nördliche Hemisphäre, vor allem in der alten
Welt Europa nach Afrika rein.
Dieses Virus verbreitet sich jetzt ganz rezent nochmal stärker als vorher
und kommt jetzt auch sehr stark in den Amerikas an und wir haben hier eine
bestimmte Linie, die nennen wir Clade 2344, die zirkuliert momentan von H5N1
bei den Wasservögeln und wir sehen zunehmend jetzt bei diesem Virus
Ausbrüche in Säugern, wie zum Beispiel hier in diesen Robben, aber auch in den
Nerzen, die Sie hier sehen, also Karnivoren in beiden Fällen.
Diese Karnivoren sind offenbar besonders empfänglich für H5N1-Influenza-Viren
direkt aus Wasservögeln und das ist gefährlich, denn diese Karnivoren sind
Säugetiere, wie wir selbst und die bringen dem Virus im Prinzip einen
wichtigen Adaptationsschritt, einen Anpassungsschritt an die Säugetiere
bei. Das hier sind die derzeitigen, bis zum Sommer, in der Zeit der höheren
Aktivität, die Ausbrüche in Nutz- und Wildgeflügel in Europa, hier vom
Friedrich-Loeffler-Institut zusammengefasst und was wir natürlich
fürchten dabei, ist, dass auch Menschen sich infizieren, denn die
letztendliche Adaptation eines Virus und das Anpassen an eine stetige
Übertragung bei Menschen kann nur im Menschen selbst passieren und darum
wird sehr genau geschaut, wie viele Menschen sich infizieren und Sie sehen
hier bei diesen Hunderttausenden von infizierten Wasservögeln in jedem
Monat oder sogar jeder Woche, dass wir dann hier so kleine Zahlen auf der
X-Achse, wer das lesen kann, das sind hier so 10, 20 menschliche Fälle haben
und Sie sehen auch, das war vor allem eine Aktivitätszeit bis so ungefähr zum
Jahr 2015 und dann wurde das weniger. Die Viruslinien, die dann plötzlich
kamen von H5N1, waren offenbar nicht mehr so gut in der Lage, den Menschen
direkt zu infizieren und was wir insgesamt auch nicht sehen, sind
Mensch-zu-Mensch-Übertragungsketten. Das ist das, was man am meisten fürchtet,
kommen später noch mal dazu, warum. Was wir aber jetzt doch aufzeichnen und
ganz kritisch betrachten, ist dieses neue Virus wegen seiner erhöhten Tendenz,
Säugetiere zu befallen. Darum wird genau hingeschaut und hier sieht man zum
Beispiel die aufgezeichneten menschlichen Fälle weltweit seit dem
vergangenen Herbst bis zum jetzigen Frühjahr, es wird dann Sommer und dann
haben wir gerade auf der Nordhalbkugel wieder sehr viel weniger Aktivität, auch
bei den Wasservögeln und man sieht, es ist weiterhin im Bereich von einer
Handvoll bekannten Fällen und was hier jetzt nicht so dabei steht, es gibt keine
nennenswerten Mensch-zu-Mensch-Übertragungsketten weiterhin.
Es gibt aber andere Dinge, auf die die Virologen momentan relativ kritisch
schauen. Das eine zum Beispiel in Polen gab es im Juni in diesem Jahr Nachweise
von H5N1 bei schwer erkrankten Hauskatzen. Fast synchron in einem kleinen Fenster
von ein paar Wochen wurden in ganz Polen Katzen krank an einer schweren
Allgemeininfektion mit Enzephalitis-Komponente, Krampfanfälle und häufig
Tod und diese Katzen waren ganz normale Hauskatzen. Die hatten nichts Besonderes
gemacht, keine Vögel gejagt oder nicht draußen. Manche dieser Katzen waren rein
im Haus gehalten und erstaunlicherweise gibt es auch in Nachbarländern keine
bekannten Nachweise. Wenn man jetzt hier in Grau dieses riesige Netzwerk oder
dieser Baum von Influenzaviren aus Wildvögeln, wenn man das
vergleicht gegen diese bunten Viren hier unten in der Ecke, diese hier, ich glaube
da ist ein Mauszeiger, kann man nicht sehen, diese hier, das sind die Viren aus
den Vögeln in den Katzen und hier sind alle möglichen anderen Viren und
jeder Ast hier ist eine genetische Distanz. Also das ist eine gewisse
diversifizierte Wolke von Viren, die hier so im letzten Jahr zirkuliert hat und
diese hier sind fast alle gleich, die in den Katzen sind. Man fragt sich schon, was
da los ist. Hier ist ein Storch, auch ausgerechnet aus Polen, der noch relativ
nah dran ist in seiner Verwandtschaft an dieser Klade von Viren in Katzen. Das
Ganze ist weit verbreitet im ganzen Land und kommt aber nicht in Deutschland
vor oder in anderen Nachbarländern von Polen und eine Arbeitsgruppe hat das
genauer angeschaut und hat mal diese Virussequenzen, jeweils ein Virus ist
immer an der Spitze von diesem Kladogramm, das ist also ein schematisierter
Stammbaum. Hier unten sehen Sie die Zeitskala, da sehen Sie diese Viren, die
zirkulierten eigentlich alle so im Frühjahr 2023, dann hat man sie nicht
mehr gesehen und dann findet man plötzlich hier diesen Storch und findet
alle diese Katzen zeitgleich, diese Katzenviren und findet hier eine Probe,
die genannt wird Environmental und das ist eine Hühnerfleischprobe. Was hier
mit großer Wahrscheinlichkeit in Polen passiert ist, ist, dass in dieser Zeit hier
im Frühjahr Nutzgeflügel geschlachtet wurde und das war unbemerkt infiziert.
Dieses Nutzgeflügel wird normalerweise schwer krank von H5N1, aber wenn das
Virus gerade in den Bestand eingetragen ist und in der Woche wird geschlachtet,
dann sind die Hühner geschlachtet, bevor sie krank werden, aber das Virus ist
überall in allen Körperflüssigkeiten, das ist eine systemische Erkrankung.
Dieses Fleisch wird dann eingefroren und in den Monaten nach der Lagerung
plötzlich wird diese Charge abgerufen und wahrscheinlich in Supermarktketten
im ganzen Land verkauft und die Leute, die das kaufen, infizieren sich nicht. Es
gab zum Glück keine menschlichen Fälle, aber beim Kochen gibt man auch immer mal
der Katze ein Stück Fleisch ab. Manche Katzen werden auch nur mit so einem
Fleisch gefüttert und das ist die wahrscheinlichste Erklärung für diese
merkwürdige Häufung. Sie sehen auch daran, dass das in Nachbarländern nicht
passiert ist. Die Lieferketten, die sind häufig eben national für solche
Produkte, darum haben wir das in anderen Ländern nicht gesehen und das ist
natürlich besorgniserregend, wenn man sich das klar macht, dass in solchen
Produkten solche Viren sind, die Säugetiere wie Hauskatzen so schwer
infizieren, dass die natürlich selber auch wieder eine Infektionsquelle dann
beispielsweise für den Menschen sein können. Und etwas anderes ist noch ein
bisschen bedenkenswerter und zwar wäre Influenza-Ausbrüche wieder mit dieser
H5N1-Linie. Das ist eine Unterlinie, die ist auf Möwen angepasst, hat man ein
bisschen lang vor allem in Möwen gesehen und plötzlich gibt es nicht nur in
Finnland Ausbrüche in Geflügel betrieben, wie man das eigentlich immer
sieht, sondern plötzlich in Pelztier betrieben.
Das sind also hier diese Provinzen, die betroffen sind von
solchen Ausbrüchen und was man hier jetzt gemacht hat, waren große
Keulungsaktionen aus einem ganz klaren Grund, nämlich man hat hier erstmalig
regulär Tier-zu-Tier-Übertragungsereignisse gesehen.
Also dieses Virus ist in diese Bestände einmal eingetragen worden und hat sich
dann wirklich schlagartig vermehrt und das ist eine neue Eigenschaft dieses
Virus, das hat man in dieser Intensität vorher nie gesehen.
Finnland ist das größte pelzproduzierende Land in Europa, es hat
ungefähr 1,3 Millionen solcher Pelztiere in Nutzhaltung, in 400 Betrieben im
ganzen Land. Das sind Blau- und Silberfüchse, Marderhunde und Nerze und
man hat das Virus analysiert und es hat schon eine adaptive
Mutation für Replikation in Säugezellen, also man weiß, welche Veränderungen bei
H5N1-Influenza typischerweise stattfinden, wenn es sich in den ersten
Schritten an die Replikation in Säugezellen anpasst und eine von diesen
typischen Mutationen ist hier schon vorhanden, aber es braucht eine ganze
Serie von Mutationen. So schnell geht das also nicht mit den Wirtswechseln. Nur
man sieht eben, das Virus stellt so einen Fuß in die Tür und man muss aufpassen,
dass man die Tür ganz schnell wieder zuschlägt, indem man beispielsweise diese
Bestände keult. So grausam das überhaupt natürlich alles ist mit der
Pelzproduktion. Wir können da noch mal ein bisschen näher drüber sprechen bei
dieser Frage, woher kam eigentlich SARS in 2003? Also der Erreger von Covid-19,
der heißt ja SARS-Coronavirus-2, aber wir kennen auch einen Erreger, der heißt
SARS-1 oder SARS-Coronavirus, wie man offiziell nennt und Sie sehen, dass
damals das Ganze schon ein Riesenthema war. Das hier sind zwei internationale
Nachrichtenmagazine. Eins davon ist inzwischen schon pleite, gibt es gar
nicht mehr, aber Sie kennen das noch. Und diese Magazine haben damals schon
solche Titelbilder gemacht, aus gutem Grund. Es gab damals ja einen großen
Ausbruch in China, der sich auch international verbreitet hat. Wir hatten
auch in Deutschland Fälle. Das Ganze war aber viel besser kontrollierbar als die
jetzige Covid-19-Pandemie, obwohl diese Erreger zur gleichen Art gehören, zur
gleichen Virusart. Wir kennen auch bei Viren die Einteilung in Spezies. Und wenn
wir uns anschauen, was eigentlich die ersten Fälle von SARS gemeinsam hatten,
kann man sagen, Tierhandel, Restaurant, Küchenbetriebe mit Verarbeitung von
Wildfleisch in Südchina. Das hier ist zum Beispiel so eine Tabelle aus einer
ersten Publikation, die das zusammenfasst. Da sieht man, dass
also Verwaltungspersonal in so einem Betrieb, dann Koch, Fabrikarbeiter, aber
eben auch in so einem verarbeitenden Betrieb noch ein Koch und das hier, diese
Office-Worker hier, das sind auch eben Büroarbeiter in solchen Betrieben
gewesen. Und man kann diese Viren anschauen, hinsichtlich ihrer Verwandtschaft.
Und was man sieht, ist hier eine Gruppe von Viren, die miteinander von diesem
gemeinsamen Vorfahren abstammen. Das sind die menschlichen Viren aus dem Ausbruch
in 2003. Dieser große Ausbruch, von dem auch dann einige Patienten in Deutschland
gelandet sind. Und dann haben wir hier die passenden Tierviren dazu. Das sind
also ko-anzestrale Viren, die ganz nah verwandt sind und wieder mit einem
nächst älteren gemeinsamen Vorfahren direkt mit denen verwandt sind. Und
interessanterweise, diese Epidemie wurde im Sommer 2003 für beendet erklärt,
weil es keine Fälle mehr gab. Im Winter 2003, 2004 traten aber in China vier
weitere Fälle auf, die eindeutig laborbestätigt sind, die auch zum Glück
nicht zu Weiterübertragung geführt haben. Und die haben wieder ihre eigene
Tierverwandtschaft. Hier diese Tiere sind sogar paraphyletisch, wie wir sagen.
Das heißt, hier gibt es einen ganz direkten phylogenetischen Beweis dafür,
dass diese Menschen, einer davon ist hier gezeigt, von den Viren, sich bei diesen
Tieren wieder infiziert haben. Und das sind nah verwandte, aber wieder genetisch
unterscheidbare Viren. Das heißt, wir haben hier in diesem Bild zwei
unabhängige Übergänge aus dem Tierreservoir zum Menschen vor uns, in
schematischer Art und Weise. Und man hat dann viel Forschung gemacht und hat
gefunden, dass eigentlich nicht nur diese Coronaviren, sondern viele andere,
eine große Diversität von Coronaviren, in Fledermäusen vorkommen. Und hat
eigentlich gesagt, was so die Wasservögel bei Influenza sind, das sind die
Fledermäuse bei den Coronaviren. Und dann hat man auch angefangen, solche
Diagramme zu malen, wo in der Mitte die Fledermäuse sitzen und so alle möglichen
anderen, vor allem Nutztiere, dann empfänglich sind für diese Viren. Und
das Ganze ist weiter beforscht worden. Beispielsweise hier in diesen Arbeiten,
die sind nicht sehr prominent publiziert worden in einem Magazin, das heißt
Virologica Sinica, also chinesische Virologie. Da arbeiten, da publizieren
fast nur chinesische Arbeitsgruppen. Und das hier ist eine Arbeit aus dem Labor
von Cheng-Li Shi, also von der Laborleiterin in Wuhan, die sich lange Zeit mit
SARS-Viren beschäftigt hat, 2016 gemacht. Und was sie hier sieht, ist nicht nur,
dass in mehreren Jahren in einer Fledermaushöhle, die sie beprobt hat,
dieses Virus konstant nachweisbar ist und so eine kleine Saisonalität hat,
sind mal mehr, mal weniger Tiere infiziert, sondern dass auch Menschen, die
regelmäßig in diesen Höhlen arbeiten, durchaus serologische Nachweise haben.
Hier gibt es so ein paar Banden im Western Blot, das ist also ein primitiver
serologischer Test, dass die durchaus Kontakt mit diesen Viren manchmal haben.
Die haben Antikörper, die haben sich mit diesen Viren auseinandergesetzt, ohne es
überhaupt gemerkt zu haben. Und das sind aber, das sind eben Leute, die arbeiten
in Fledermaushöhlen zur Gewinnung, insbesondere von Guano. Sie kennen also
Fledermaushöhlen, da können sie mit Gummistiefeln reinlaufen, das geht so bis
Kniehöhe und da können sie diesen Kot rausschaufeln und verkaufen. Das ist
extrem guter Dünger und solche Industrien gibt es eben in solchen
ländlichen Gebieten und da können sich Leute daran infizieren. Nur davon wird so
schnell keine Pandemie starten. Wir haben auch hier dieses Phänomen vor uns, dass
es auf die Zwischenwirte ankommt und dass diese Zwischenwirte Nutztierarten
sind, die gehalten werden in einer Art, die eigentlich biologisch so nicht
evolviert ist, so nicht vorgesehen ist. Und das sind auch wieder Karnivoren.
In diesem Fall ist es der der sogenannte, ja man sagt auf deutsch Larvenroller, im
amerikanischen sagt man Mousepalm Civet, obwohl die Zibetkatze das hier nicht ist,
die gehört eher nach Afrika. Also unsere deutsche Zibetkatze, dieses Wort ist
falsch dafür. Wir nennen es den Larvenroller. Und das andere ist der
Marderhund, Raccoon Dog auf Englisch. Und dieser Marderhund ist noch stärker als
der Larvenroller ein Nutztier in der Pelzindustrie. Wenn Sie sich dafür
interessieren, diesen Beitrag in der WDR Mediathek heißt 45 Minuten, die Wahrheit
über Pelz. Das klingt so ein bisschen aktivistisch. Ich bin jetzt kein
Pelzaktivist oder so, aber dieser Beitrag ist noch bei YouTube abzurufen.
Schauen Sie sich das mal an. Es ist wirklich beeindruckend, wie das aussieht,
diese Zucht. Das sind also solche Käfige und da werden immer Wildfänge dazu
gesperrt, damit man die gut züchten kann. Und dann sind das eben die
Verarbeitungsstufen. Das ist eine sehr grausame Art der Fellernte. Und da sind
eben Leute in engem Kontakt mit diesen Tieren. Und Sie sehen dann hier auch die
Überbleibsel und Sie sehen den Zwischenhandel. Diese Felle, das sind also
ganz abgezogene Felle, die werden über Zwischenhändler weiterverkauft und die
enden dann hier. Wenn Sie sich in der Sportartikelindustrie diese besonders
teuren, mit Echtfell besetzten Jacken kaufen und Pudelmützen. Das ist ja
heutzutage wieder tolerabel, dass man so ein klein bisschen Fell am Kragen hat oder
am Bommel von der Pudelmütze. Wenn das Echtfell ist, dann ist es praktisch
immer in China gezüchteter Marderhund. Es ist eine sehr große Industrie, die auch
in der Gegend von Wuhan angesiedelt ist, aber auch an vielen anderen Orten in
China. Man schätzt ungefähr 14 Millionen Tiere zum Zeitpunkt des Ausbruchs der
SARS-2-Pandemie. Jetzt komme ich von SARS-1, von dem bekannten Reservoir, auf
SARS-2, wo immer noch Rätsel geraten wird. Wo kommt es her? Als, sagen wir mal, der
Evolutionsbiologie und Ökologie zu geneigter Wissenschaftler, stelle ich mir
diese Frage mit viel weniger Stirnrunzeln. Wir wissen ja, dass Mitglieder
derselben Spezies ähnliche ökologische Nischen besetzen. Und wir wissen aus der
Virologie, dass conspezifische Viren sehr häufig den gleichen Wirt haben. Und hier
passt alles ganz genau zusammen. Darum gehen wir in der Virologie davon aus, dass
das der Ursprung von auch SARS-2 ist, wenn die gleiche Virusspezies schon so
sicher vorkommt und in so großer Regelmäßigkeit. Warum kam es damals aber
nicht zu einer Pandemie? Also nachdem wir jetzt mal diese Betrachtung des
Reservoirs vielleicht ein bisschen verlassen und mal über die nächste
Wirtswechselbarriere gesprungen sind. Und wir sind jetzt bei sporadischen wenigen
Fällen im Menschen, so wie damals 2003. Warum ging das nicht weiter? Hier sehen
Sie zum Beispiel die Epidemiekurve in Guangdong, wo das losging in Südchina.
Und hier sehen Sie die Epidemiekurve allein in Hongkong. Ein großer
Stadtausbruch, der stattfand, bevor man eigentlich genau wusste, welches Virus
hier im Spiel ist. Und Sie sehen in beiden Fällen dasselbe. Das scheint sich
selbst zu limitieren. Das scheint selbst zum Stillstand zu kommen. Und eine
Erklärung dafür ist dies. Das ist das Verbreitungsmuster von solchen
Infektionen am Anfang einer Pandemie. Wenn es gerade losgeht am Anfang der
Infektionskette, hier gezeigt an der nicht etablierten, nicht erfolgreichen
beginnenden Pandemie SARS-1. Das sind 77 frühe Fälle aus Peking. Und man hat hier
einen R0-Wert, der ist gar nicht so schlecht. Also Sie wissen ja, was R0 ist.
Die Zahl der im Durchschnitt von einem Infizierten in der nächsten Generation
von Infizierten betroffenen Patienten. Also ich infiziere zwei Patienten im
Durchschnitt. Dann wird dieses Virus explodieren. Wenn ich weniger als einen
infiziere, dann läuft es wieder tot. Aber diese Mathematik ist eben nicht so leicht,
nicht so einfach. Das sind nur Durchschnittswerte. Die Verteilung, die
dahinter steht, ist am Anfang einer Pandemie, eines Infektionsausbruchs ganz
schief. Was meine ich damit? Kann man einfach zählen. Der hier hat ganz viele
Leute infiziert. Aber die meisten hier haben nur einen oder dann keinen mehr
infiziert. Manche infizieren mehr. Aber die meisten infizieren wenige Leute. Und
es sind eben diese explosionsartigen Ausbrüche von einigen wenigen, die wir
dann Superspreadern nennen. Das kennen Sie vielleicht auch. Superspreading
Events. Also jemand macht den ganzen Raum mit Aerosol voll, weil er alles, weil er
die ganze Zeit hustet und der Raum ist nicht belüftet. Dann gehen da 30 Leute
rein und alle sind infiziert, weil die Luft voller virushaltigem Aerosol ist.
Sowas kann passieren, ist aber nicht der Regelfall. Das sind dumme Zufälle, wenn es
mal zu so einer Situation kommt. Wir sprechen hier von Überdispersion, wenn
wir diese Schiefe der Verteilung benennen wollen für den Durchschnitt. Und das ist
eben der Punkt. Wie leicht kann man in dieser Situation jetzt die
Infektionsketten unterbrechen? Ein Grund für die Überdispersion ist auch
mechanistisch zu finden. Zum Beispiel bei SARS, SARS 1 haben wir gesehen, dass hier
sind Proben aus dem oberen Respirationstrakt, sind noch Daten, die ich
selber im Labor gemacht habe damals. Und Sie sehen relativ viel Virus. Das ist die
Konzentration des Virus hier. Und hier sind, also das untere
Respirationstrakt, also Lunge, also Sputum und endotracheale Aspirate, das ist
Lungenflüssigkeit. Und hier haben wir Abstriche und Speichel. Da sehen wir nur
ganz wenig Virus mit zwei verschiedenen Testen. Und das kommt daher, dass die
Infektion bei SARS 1 praktisch nur hier ganz tief in der Alveole stattfindet,
also ganz tief in der Lunge. So weit muss das Virus kommen. Das kann nicht gut im
oberen Respirationstrakt replizieren. Und das ist ja das Entscheidende für eine
effiziente Verbreitung. Das Virus geht von Rachen zu Rachen, ein kurzer Weg und
nicht von Lunge zu Lunge. Ein ganz langer Weg mit vielen verzweigten Verästelungen
des Respirationstraktes. Da muss sehr viel Virus aufgenommen werden, damit diese
Infektion sitzt. Und das passiert eben nur in diesen blöden Zufällen, in diesen
Superspreading-Events. Und dementsprechend, weil das Virus hier unten in der Lunge
anfängt zu replizieren und die Patienten schon krank macht, die Lunge ist voller
Immungewebe und das Immunsystem bemerkt die Infektion, schüttet Zytokine aus und
macht Fieber. Das Fieber entsteht hier und nicht hier im Rachen. Dementsprechend
sieht auch die Ausscheidungskinetik einer Patientenkohorte im Krankenhaus aus. Hier
sehen Sie eine Patientenkohorte. Das ist die Anzahl von positiven Nachweisen im
Rachen. Und hier sehen Sie die Zeit. Es sind Tage nach Symptombeginn und die
Patienten sind alle wegen Symptomen ins Krankenhaus gekommen. Und Sie sehen, dass
es so ungefähr eine Woche dauert, bis überhaupt nur die Hälfte dieser
Krankenhauskohorte vielleicht mal als infektiös betrachtet werden kann,
wenn wir als Kriterium nehmen, da ist Virus im Rachen. Das muss ja überhaupt
erstmal ausgeschieden werden. Also so lange dauert das und das führt eben dazu,
dass man auch diese Zeit hat, diese Patienten zu isolieren. Und das ist auch
wieder mathematisch ganz interessant zu erfassen. Was Sie hier sehen, ist eine
Wahrscheinlichkeitsdichte-Funktion, die sagt, wann ungefähr die meisten
Patienten ins Krankenhaus gehen nach Symptomausbruch während des
Stadtausbruchs in Hongkong. Und Sie sehen verschiedene Zeiträume. Früh, etwas
später, fast gegen Ende und gegen Ende des Stadtausbruchs. Und das verschiebt
sich so, dass es immer schneller geht, dass die Leute ins Krankenhaus gehen.
Einfach, weil sie wissen, dass diese Erkrankung in der Stadt ist, weil darüber
im Fernsehen berichtet wird, weil sie das hören und Angst bekommen. Und wenn sie
Symptome haben, gehen sie jetzt sofort ins Krankenhaus. Und dann sind sie im
Krankenhaus, noch bevor sie eigentlich infektiös werden. Das ist hier so diese
Zeit. Am Anfang sind schon die Symptome da und dann später kommt erst die
Infektiosität. Und die Patienten haben sich praktisch selbst isoliert. Da musste
keine Behörde kommen und eine Quarantäne verhängen. Das ist einfach ganz
natürlich passiert, weil die Symptome schon da waren. Bei SARS-2 ist es aber
anders. Wir haben ja bei den Webasto-Patienten schon gesehen, das Virus
repliziert im Rachen. Und wenn man viele Patienten aufträgt und auch da wieder
eine Wahrscheinlichkeitsdichte-Funktion der Übertragung macht, kann man sagen,
hier bei Tag 0 ist der Symptomenbeginn und die meisten Patienten haben da schon
ihren Infektiositätsgipfel nicht nur erreicht, sondern bereits wieder
überschritten. Das heißt, vor Symptomenbeginn werden fast alle
Übertragungen schon erledigt sein. Da kann man im Nachhinein fast nichts mehr
machen. Und noch später wird überhaupt erst diagnostiziert. Tag 2, 3 nach
Symptomen. Das war so am Anfang eigentlich der Zeitpunkt, wo die Leute
dann gesagt haben, naja, ich fühle mich schon ernsthaft krank. Das ist nicht
vorübergehend. Jetzt gehe ich mal zum PCR-Test. Dann ist der positiv. Dann
kommt das Gesundheitsamt. Das Gesundheitsamt sagt dann Isolierung. Und
diese paar Patienten aus diesem Schwanz der Wahrscheinlichkeitsdichte-Funktion,
die kann man dann nur noch verhindern in der Übertragung. Alles andere ist schon
passiert. Das ist das Problem gewesen. Darum war diese gesamte Quarantäne mit
einem extremen Aufwand verbunden, aber nicht sehr effizient.
So, jetzt vom Rückblick ein bisschen vielleicht ein Blick in die Zukunft. MERS,
ein anderes Coronavirus, das ein eindeutiges Pandemie-Potenzial hat. Das
heißt Middle East Respiratory Syndrome, weil es in dieser Gegend vorkommt, im
Mittleren Osten. Und es kommt deswegen in dieser Gegend vor, weil es eine Zoonose
ist, die von einem Tier kommt, das im Mittleren Osten typisch ist, nämlich das
Dromedarkamel. Dromedarkamele haben dieses Virus im Prinzip als
Kindergarten-Erkältungskrankheit. Alle Kamel-Kälber werden im ersten
Lebensjahr infiziert, scheiden sehr viel Virus aus, sind danach immun. Alle
erwachsenen Tiere haben Antikörper und eine gute belastbare Immunität. Genau wie
bei Menschen auch ist die Immunität aber auch ein bisschen für Durchbrüche
anfällig, was wir daran sehen, dass die Muttertiere von Kälbern, die gerade
infiziert sind, manchmal auch eine kleine oberflächliche Infektion noch kriegen.
Obwohl sie Antikörper haben. Diese Erkrankung kommt in der nomadischen
Kamelhaltung in Afrika vor, wird dort auch auf den Menschen übertragen. Dieses
Fragezeichen ist nicht mehr aktuell. Wir haben inzwischen zweifelsfrei nachgewiesen,
dass es infizierte Menschen gibt in Afrika. Und vor langer Zeit, wahrscheinlich
5.000, 6.000 Jahre in der Vergangenheit, haben die Kamele dieses Virus auch von
Fledermäusen bekommen, aber haben es seitdem selbstständig für sich, man will
fast sagen, kultiviert. Es ist also enzootisch, wie wir sagen. Und man kann
jetzt Fälle aufzeichnen, hier zum Beispiel Fälle aus dem mittleren Osten,
aus der WHO-Region für den mittleren Osten. Und man sieht, das geht die ganze
Zeit voran. Also alle Länder hier in dieser Gegend, das hellgrüne ist Saudi-
Arabien, das Land mit am meisten Fällen, haben ständig diese Fälle. Und diese
Fälle tauchen häufig in Krankenhäusern aus. Hier ging es auch los, man hat also
einen Mann gesehen in Jeddah in Saudi-Arabien, der hatte eine Lungenentzündung.
Man sieht hier, wie ganz schnell die Lunge schlecht wird. Diese Verschattung,
das also nicht mehr ganz durchsichtig ist, das ist diese Viruspneumonie und hat
dann dieses Virus daraus isoliert und beschrieben. Und sehr schnell danach,
ganz kurze Zeit später, gab es einen Fall in München. Und Sie sehen hier die
Beschreibung dieses Falls, die klinische Beschreibung, auch hier wieder die
Lungenentzündung. Und dann gibt es einen Satz in dieser Veröffentlichung, der
sagt, Relatives reported that the patient owned camels and had taken care of a
diseased animal shortly before onset of symptoms. Daran haben wir das
anamnestisch festgestellt. Also es war gar nicht so, dass man da alle Tiere
durchgetestet hat und dann hat man gesehen, ah, es sind die Kamele, sondern
man hat einfach mal, man ist zum Äußersten geschritten, hat mit dem
Patienten gesprochen und der Patient hat gesagt, naja, ich bin Kamelzüchter, ist
mein Hobby. Das ist halt in der Gegend so. Das ist auch eine Liebhabertierhaltung,
nicht nur eine Nutztierhaltung für durchaus auch Milch und Fleisch als
Nahrungsquelle, nicht nur als kulturell-religiös hochbewertetes Opfertier
zum Beispiel, sondern eben auch, es gibt so eine Liebhaberhaltung wie bei
uns die Pferdehaltung, der Pferdesport, gibt es da einen Kamelsport. Und nachdem
wir diesen Hinweis bekommen haben, haben wir dann eine vergleichsweise
kleine Sammlung von Tierproben aus der Gegend getestet und gesehen, ja, es
stimmt tatsächlich, alle Kamele haben Antikörper, alle anderen Tierarten haben
keine Antikörper und egal, wo wir die Kamele testen, überall haben sie
Antikörper. Die sind also alle schon durchinfiziert und immunisiert. Wir
wussten das nicht. Wenn wir rückblickend schauen, alte Sammlungen von Kamelserien,
die ältesten, die wir gefunden haben, waren von den 80er-Jahren, auch damals
hatten die alle schon Antikörper. Das ist hier so ein Zeitstrahl, wo wir
verschiedene testen. Die meisten dieser Studien sind von unserer Gruppe oder
befreundeten Gruppen in Europa. Wir haben uns mit denen zusammengetan und diese
Seriensammlungen aufgebaut und getestet. Alle positiv und egal, wo wir schauen, die
Kamele sind voller Antikörper, sind also durchseucht, wie wir sagen, natürlich
immunisiert nach einer Infektion als Kalb. Das ist eigentlich kein Problem. Das ist
so etwas wie ein Kindergartenschnupfen bei den Kamelen. Niemand stört sich
daran. Das Problem ist das. Wir haben ja eine enorme Bevölkerungsdurchmischung in
diesem Kulturgebiet gerade und in Saudi-Arabien, wo das Kamel ganz besonders
intensiv gehalten und gezüchtet wird, haben wir ständig diese Ausbrüche auch
in Krankenhäusern. Die Krankenhäuser sind praktisch die Anzeiger dieses
Geschehens. Wir haben das mal genauer untersucht und haben nach Antikörpern
zusammen mit dem Gesundheitsministerium in Riyadh angeschaut. Das sind unsere
Leute im Labor zusammen mit den saudi-arabischen Mitarbeiterinnen und
haben eine Studie, eine Kohorte von Serien angeschaut, die in ihrer
Altersverteilung ungefähr der Bevölkerungsaltersverteilung von
Saudi-Arabien entspricht. Das ist die Bevölkerungsaltersverteilung, das ist das
Altersprofil der untersuchten Proben in der Studie. Was wir sagen können, in
dieser bevölkerungsrepräsentativen Studie ist, wir haben ungefähr 0,15
Prozent Antikörpernachweise in der Normalbevölkerung. Das würde sich
projizieren auf ungefähr 40.000 unbemerkte Fälle von Infektionen in der
Bevölkerung von 30 Millionen, die Saudi-Arabien hat. Und wir haben deutlich
mehr Nachweise in Personen, die mit Kamelen zu tun haben, sowohl Kamelhirten,
das sind immer so Nomaden, die das machen, als auch die Schlachter, die in
der großen Schlachterei betrieben, dort Kamele schlachten. Die andere Frage ist
allerdings, wie ist jetzt wirklich die Übertragung von Mensch zu Mensch? Alle
diese Leute könnten ihre Antikörper haben, weil sie es direkt vom Kamel
bekommen haben. Das wäre auch erstmal kein Problem. Problem ist die Übertragung
von Mensch zu Mensch. Dazu haben wir eine Haushaltsuntersuchung gemacht,
relativ große Haushaltsgrößen hier. Also wir hatten 26 Indexpatienten, die
infiziert waren. Die hatten insgesamt in ihren Haushalten 280 stetige
Kontaktpersonen und wir können sagen, es hat insgesamt in diesen
Situationen zwölf Übertragungen gegeben in 26 Haushalten. Also noch nicht mal eine
Übertragung pro Haushalt, vielleicht so eine halbe Übertragung pro Haushalt.
Entwarnung. Das Problem sind aber die Krankenhausausbrüche.
Wir haben hier ein öffentlich finanziertes Gesundheitssystem, das nicht
immer den höchsten Qualitätsstandard hat. Sie sehen also solche Bilder hier,
auch solche überfüllten Wartebereiche und da kann sich das sehr gut übertragen,
dieses Virus. Da sehen wir 1, 2, manchmal auch 3 bis 4 Übertragungsgenerationen
in solchen großen Krankenhausausbrüchen und das ist eigentlich das, was uns
besorgt. Ich überspringe jetzt mal ein paar Dias ganz schnell, weil ich Ihnen
eine Sache mal nahe bringen will. Das ist das hier. Wir machen uns Sorgen bei
diesen stetigen Übertragungsketten, egal ob die jetzt natürlich irgendwo auf der
Straße passieren oder in einem Krankenhaus, dass es zu einem Fitnessgewinn
kommen könnte, also zu einer Anpassung an den Menschen. Also dieser hier infiziert
einen, der da infiziert zwei, dieser infiziert auch nur zwei, aber dann gibt
es plötzlich eine Änderung in dem Virus, egal welcher Art, eine evolutionäre
Anpassung und jetzt auf einmal infiziert der Durchschnittspatient, der infiziert
vier, der infiziert vier, der infiziert drei. Kann auch mal sein, dass einer nur
einen infiziert, der infiziert aber jetzt wieder vier. Das ist eben das, was
wir befürchten, eine Fitnesserhöhung und die kann nur passieren in einer
Mensch-zu-Mensch-Übertragungskette, denn das Virus braucht eine Zeit der
Mensch-zu-Mensch-Übertragung, um nicht nur eine, sondern mehrere kooperativ
agierende Mutationen anzuräufen und wir könnten hier tief in die Evolutionstheorie
einsteigen. Wir haben hier einen asexuellen Organismus und wir sind hier im
Bereich von genetischer Drift, also von neutraler Evolution und wir haben ein
Phänomen, das nennt sich Müller's Ratchet, also eine Mutation ist immer eher
schlecht für den Organismus und eigentlich laufen solche Organismen tot,
wenn nicht diese Viren einen Kunstgriff machen könnten, den man Rekombination
nennt, Pseudosexualität, wo parallel in einer kontinuierlichen
Übertragungskette mehrere Populationslinien von Viren übertragen
werden und die können an mehreren Stellen des Genoms Mutationen erwerben,
die nur in Kombination, wir sprechen von Epistase, nützlich sind und dieses
Zusammenbringen von parallelen Mutationen aus parallelen Populationsketten
kann nur passieren, wenn kontinuierlich diese Bevölkerung übertragen wird und
weiterlebt und wenn auch nicht nur ein Virus übertragen wird, sondern zwei, drei
oder vier Populationslinien und je näher die Menschen in Kontakt sind, desto mehr
ist die übertragene Virusdosis, darum befürchten wir solche Krankenhausausbrüche,
wo Patienten im Zimmer liegen und den ganzen Tag das Aerosol vom Nachbarn
einatmen und deswegen viele Viren auf einmal abkriegen im Infektionsereignis.
Das ist die große Befürchtung. So und die letzten drei Dias geht es um was
ganz anderes und zwar um das hier. Worüber wir jetzt gar nicht gesprochen
haben, ist ein Übertragungsweg, der ebenfalls Pandemiepotenzial hat, weil
auch dieser Übertragungsweg im Gegensatz zu Geschlechtsverkehr oder zu Blutkontakt
massenhaft stattfinden kann und das ist der Kontakt über Vektoren, Insekten,
Moskitos. Sie sehen hier ein Kuleksmoskito, unseren Hausmoskito, den haben wir auch
hier in Berlin überall und es gibt eine Erkrankung, die heißt West-Nil-Fieber,
die kommt tatsächlich aus dem Nilgebiet aus Afrika und die hat diese Ökologie.
Die Überträgervögel sind eigentlich Singvögel und auch Rabenvögel und zwischen
diesen Vögeln und den Moskitos geht das Virus immer hin und her. Also im Blut ist
das Virus vermehrt, Moskito trinkt von dem Blut und im Körper des Moskitos
vermehrt sich das Virus und wird in die Speicheldrüsen gegeben und der nächste
gestochene Vogel wird wieder infiziert werden und im Blut wird es wieder
amplifizieren. Das ist der normale natürliche Amplifikationszyklus.
Es gibt auch Fehlwerte, diese Moskitos mögen manchmal auch an Menschen oder an
Pferden Blutmahlzeiten zu sich nehmen und diese Tiere oder dieser Mensch werden
auch krank. Das gehört nicht in den normalen Übertragungszyklus, wir sprechen
von Fehlwerten. Das ist die Ökologie von West-Nil und wir kennen in Europa seit
einigen Jahren regelmäßige West-Nil-Ausbrüche im Balkangebiet und wir
wissen, dass dieses Virus eingeschleppt worden ist nach vor allem Ostdeutschland
und auch in Berlin angekommen ist. Wir sind selbst dabei von der Charité
zusammen mit dem LAGESO das zu untersuchen. Wir schauen an, wo dieses
Virus sich verbreitet und wir können sagen, wir haben zwei verschiedene sehr
nah miteinander verwandte, aber unterscheidbare genetische Linien in
Berlin, die sowohl in Vögeln vorkommen, hier sind Vogelnachweise, als auch in
Patienten. Dieses BE, das sind Patienten, die jeweils in der Charité behandelt
wurden, als auch in Moskitoproben hier und hier. Also beide Linien kommen in der
gesamten Ökologie in Berlin vor. Wir finden die auch schon im Frühjahr in
Moskitos. Das heißt, das Ganze ist etabliert, es wird nicht jedes Jahr
wieder neu über Vögel nach Berlin eingeschleppt, sondern ist seit einigen
Jahren in Berlin heimisch geworden und nimmt gerade zu. Und wir können uns ein
Szenario anschauen, das zeigt, was passiert, wenn West-Nil-Virus in eine
naive Amplifikatorpopulation eingetragen wird. Das ist der Fall der USA. 1999 kommt
es in New York zu den ersten Fällen. Sie sehen hier, wie dann über die Zeit die
Ausbrüche über das ganze Land ziehen in einem mehrjährigen Zeitraum und das
Ganze dann zur Ruhe kommt, weil ganz einfach auch Vögel ein Immunsystem
haben und auch dort irgendwann eine Bevölkerungsimmunität eingestellt ist,
sodass das dann zur Ruhe kommt. Aber es dauert mehrere Jahre, die das passiert.
In der Zeit werden viele Menschen infiziert und wir befürchten im Moment,
dass so etwas auch in Deutschland passieren könnte, vielleicht ausgehend
von Ostdeutschland. So, ich fasse jetzt den Vortrag kurz noch zusammen. Schon
bloße Existenz von Erregerreservoren sagt wenig über Pandemiegefahren aus.
Überall sind Viren, überall sind wilde Tiere. Wichtig ist die Nutztierhaltung
als Brücke zwischen den Wildtieren und dem Menschen. Da, wo der Mensch Mastschweine
hält, Rinder hält, das Kamel hält oder auch eben solche Pelztiere hält, nicht
immer nur zum Essen, manchmal eben auch für Bekleidungsindustrie, da passieren
Dinge, die schlecht sind. Da ist die große Kontaktfläche, die Vermehrung solcher
Viren. Neben Influenza A ist MERS-Coronavirus ein potenzielles
pandemisches Virus. Die gegenwärtigen Fälle von Influenza A H5N1 verdienen
Aufmerksamkeit, aber das Virus ist noch nicht so adaptiert, dass man befürchten
muss, dass gleich die nächste Pandemie ins Haus steht. Und West-Nil-Virus
adaptiert sich in Deutschland, sind vielleicht so die Mitnahmemessages
aus diesem Vortrag. Damit danke ich Ihnen für die Aufmerksamkeit.
