Die Große Pyramide von Gizeh: Warum waren die C14-Proben älter?

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Videozusammenfassung
KI-generiertThis video examines the use of radiocarbon (C14) dating on the Egyptian pyramids, specifically addressing why some samples appear older than the established dynastic chronology. It explains that these discrepancies are likely due to the \"old wood problem\" rather than an ancient, prehistoric origin of the monuments.
Die Pyramiden Ägyptens wurden tatsächlich mit C14 untersucht.
Und beim ersten großen Test kam etwas zurück, womit man nicht gerechnet hatte.
Die Proben lagen im Durchschnitt 374 Jahre zu früh.
Jahre später wurde noch einmal getestet. Diesmal mit deutlich mehr Material.
Die Abweichung wurde kleiner. Verschwunden war sie nicht.
Und besonders auffällig wurde ausgerechnet die vierte Dynastie, die Zeit von Cheops, Schäffren und Mykerinos.
Warum war Material aus diesen Monumenten älter als die Zeit, in die wir sie einordnen?
Den Kalkstein selbst kann man mit C14 nicht datieren.
Dafür braucht man organisches Material. Und genau das findet sich im Baumörtel der Pyramiden.
Holzkohle, Pflanzenreste und andere kleine Einschlüsse blieben zwischen den Steinen erhalten.
Über die beiden großen Untersuchungskampagnen hinweg sammelten die Forscher mehr als 450 solcher Proben an Monumenten des Alten und Mittleren Reiches.
Auch an der großen Pyramide. Im Metropolitan Museum liegt heute sogar ein echtes Mörtelfragment aus ihrem Kernmauerwerk.
Die Idee war naheliegend. Wenn organisches Material beim Bau in den Mörtel gelangte,
müsste sein Alter zumindest ungefähr in die Zeit führen, in der dort gearbeitet wurde. Eigentlich.
1984 begann die erste größere Untersuchung. Die Ergebnisse führten grundsätzlich ins dynastische Ägypten.
Aber sie passten nicht sauber zu den historischen Daten, mit denen man gerechnet hatte.
Das Material kam älter zurück. Damit standen zwei Möglichkeiten im Raum.
Entweder verrieten die Proben tatsächlich etwas über eine ältere Bauzeit,
oder das organische Material hatte bereits eine Geschichte, bevor es in den Pyramiden landete.
Mitte der 1990er Jahre wurde deshalb erneut getestet. Diesmal umfangreicher. Und das Bild veränderte sich.
Die neuen Ergebnisse lagen näher an der bekannten Chronologie, typischerweise aber immer noch etwa 100 bis 200 Jahre älter.
Bei der großen Pyramide kam noch etwas hinzu. Die dort untersuchten Proben streuten über ungefähr 400 Jahre.
Dass organisches Material nicht exakt dasselbe Alter besitzt, ist für sich genommen nichts Ungewöhnliches.
Aber diese Proben stammten aus dem Kontext desselben Bauwerks. Damit lag die Frage endgültig auf dem Tisch.
Wenn das Material älter ist, ist dann vielleicht auch die Pyramide älter?
Genau diese Vorstellung hatte bei der ersten Untersuchung sogar eine Rolle gespielt.
Ein Teil der Finanzierung kam von Unterstützern der Edgar Cayce Foundation.
Cayce verband Gizeh mit einer weit älteren Vergangenheit, etwa 10.500 vor Christus.
Die Radiokarbondaten brachten die untersuchten Baukontexte aber nicht einmal annähernd in diese Zeit.
Die Vorstellung einer großen Pyramide aus etwa 10.500 vor Christus bekam durch diese Messungen keine Unterstützung.
Nur blieb damit immer noch die Frage, warum die tatsächlichen Proben älter zurückkamen.
Die naheliegendste Erklärung ist das sogenannte Old Wood Problem.
C14 datiert nicht den Moment, in dem etwas in eine Pyramide eingebaut wird. Es datiert das organische Material selbst.
Ein Balken kann lange benutzt werden, bevor er irgendwann verbrannt wird.
Aus seiner Holzkohle kann später Material in einen Baumörtel gelangen.
Das Labor misst dann die Geschichte des Holzes, nicht den Tag, an dem der Mörtel angemischt wurde.
Und Wiederverwendung ist im alten Ägypten keineswegs nur eine theoretische Möglichkeit.
Damit gibt es einen realistischen Weg, wie eine Probe älter sein kann als der Bauabschnitt, in dem man sie findet.
Die Frage war nur, ob das den gesamten Datensatz erklärt. 2009 wurden die vorhandenen Messungen deshalb noch einmal neu ausgewertet.
Dabei lagen die größten chronologischen Abweichungen ausgerechnet in der 4. Dynastie.
158 Messungen von 12 Fundorten wurden betrachtet. Die Mehrheit lag ungefähr 200 bis 300 Jahre älter als erwartet.
Das verschiebt die 4. Dynastie nicht automatisch um mehrere Jahrhunderte.
Aber es war auch mehr als ein einzelner problematischer Holzsplitter.
Also änderten die Forscher nicht die Messwerte. Sie änderten die Art, wie diese Werte eingeordnet wurden.
Dafür nutzten sie ein bayesianisches Modell. Die Idee dahinter ist einfacher als der Name.
Eine Probe wird nicht völlig allein betrachtet.
Man verbindet sie mit der bekannten Reihenfolge der Herrscher, Bauphasen und ihrem archäologischen Zusammenhang.
Dadurch rückten die modellierten Zeiträume deutlich näher an die etablierte Chronologie.
Die älteren C14-Werte mussten also nicht falsch sein. Sie mussten nur nicht das Alter des Bauwerks anzeigen.
Altes organisches Material und ein jüngerer Bau können gleichzeitig real sein.
2010 folgte eine große neue Radiokarbon-Chronologie Ägyptens.
Diesmal bevorzugten die Forscher kurzlebiges Pflanzenmaterial.
Also Material, bei dem zwischen Wachstum und Verwendung normalerweise keine Jahrhunderte liegen.
211 Radiokarbondaten wurden mit der bekannten Herrscherfolge verbunden.
Und das Ergebnis passte wesentlich besser zur dynastischen Chronologie.
Für Cheops eigene Regierungsphase enthielt dieses Modell allerdings keine neue direkte C14-Messung.
Für mich ist das entscheidend. Die älteren C14-Werte reichen nicht aus, um die große Pyramide einfach Jahrhunderte vor Cheops zu setzen.
Dafür fehlt mir auch außerhalb dieser Messungen eine zweite klare Spur.
Wenn Gizeh bereits lange vor der vierten Dynastie in dieser monumentalen Form existiert hätte,
müsste diese frühere Existenz irgendwo deutlicher greifbar werden.
Diesen überzeugenden Nachweis sehe ich bisher nicht.
Damit könnte die Sache eigentlich beendet sein. Nur gibt es noch dieses kleine Stück Holz.
Im 19. Jahrhundert wurden in einem Schacht aus der sogenannten Königinnenkammer der großen Pyramide mehrere Gegenstände gefunden.
Die Dixon Relics. Zu ihnen gehörte ein Stück Holz, das später lange aus dem Blick verschwand.
Als es wieder identifiziert und mit C14 untersucht wurde, kam ein bemerkenswertes Ergebnis zurück.
3341 bis 3094 vor Christus. Deutlich vor Cheops. Aber auch hier gilt dasselbe Problem.
Das Holz kann bereits alt gewesen sein, bevor es in den Schacht gelangte.
Es beweist keine ältere große Pyramide. Es zeigt aber sehr anschaulich,
warum die physische Datierung dieses Bauwerks komplizierter ist als eine einzige Jahreszahl.
Und die Forschung ist weitergegangen.
2025 erschien eine neue Untersuchung zur Chronologie des Alten und Mittleren Reiches.
Neue hochpräzise Daten aus gut dokumentierten Zusammenhängen stärken insgesamt die dynastische Chronologie des Alten Reiches.
Nicht eine Pyramide aus 10.500 vor Christus. Nicht eine unbekannte Epoche Jahrtausende vor den Pharaonen.
Die spektakulärste Antwort hält den Messungen damit nicht stand. Die älteren Proben verschwinden trotzdem nicht.
Sie können teilweise die Vorgeschichte des Materials widerspiegeln und nicht das Baujahr selbst.
Und vielleicht ist genau das die interessantere Frage.
Wenn die große Pyramide tatsächlich in der vierten Dynastie entstand, dann steckt in ihrem Baukontext Material, dessen eigene Geschichte früher begonnen hat.
Altes Holz. Wiederverwendetes Material. Dinge, die bereits zirkulierten, bevor sie zwischen diesen Steinen landeten.
Dann geht es nicht nur darum, wie alt die große Pyramide ist, sondern auch darum, was ihre Erbauer bereits mitbrachten, als sie dieses Monument errichteten.
Und wie viel ältere Geschichte in einem Bauwerk stecken kann, ohne dass das Bauwerk selbst älter sein muss.
