THOR - AUTONOMIE IM LEBEN - von Maja Nowak

#MajaNowak
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Tiere mit einem Anspruch auf Autonomie gehen nicht aus der Verbindung, so wie wir Menschen das oft tun, wenn wir unabhängig sein wollen.
Kamera: Astrid & Maja
Schnitt: Maja
Musik: Kevin Graham (Artlist)
Website: https://www.maike-maja-nowak.de/
Bücher: https://www.maike-maja-nowak.de/buecher
Mein Weg führte mich zu einer tiefen Bewusstheit für Trauma und seiner Integration. Als Heilpraktikerin für Psychotherapie, Trauma-Expertin, fünffache Bestseller-Autorin, Referentin, Seminarleiterin und Ausbilderin arbeite ich therapeutisch mit Menschen und meinen Impulsgebern, den Hunden. Ich lebe in Brandenburg und in Schweden.
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Wesen, die dazu gemacht sind, zu entscheiden, sich einen Überblick zu
verschaffen, die Ruhe zu bewahren, innerlich zentriert zu bleiben, wenn es
drunter und drüber geht, wie im Falle der Hunde, zum Beispiel die Rasse der
Herdenschutzhunde oder Leithunde und im Falle von Menschen, Entscheidungsträger,
Führungskräfte, die von Natur aus so geschaffen sind, brauchen mitunter auch
Unterstützung. Hier zum Beispiel wird der Raider von einer Border Collie Hündin
darauf aufmerksam gemacht, wie sinnentleert es ist, ein so schnelles
Rennpferd wie diesen Jagdhund stoppen zu wollen und so schmeißt sie ihm einen
Stock vor die Füße, als Vorschlag für eine Ressourcenarbeit, in der der Raider
überhaupt eine Chance hat, sich als Leithund zu präsentieren, indem er den
Stock beansprucht und er greift diesen Vorschlag sehr dankbar auf.
Autonomie heißt in der Tierwelt nicht, dass man niemanden braucht, wie das bei
uns Menschen oft die Idee ist. Wenn wir uns als Kinder, oft auch unbewusst, im
tiefsten Grund nicht beschützt fühlen, dann beschließen wir häufig, so schnell
es geht erwachsen zu werden und unabhängig und alle Fähigkeiten zu
erlernen, die uns helfen, dass wir nie wieder jemanden brauchen, wenn wir uns
in Not fühlen und nie wieder die Enttäuschung erleben, keine Unterstützung
zu bekommen oder eine, die überhaupt nicht zu uns passt.
Wir entwickeln dann einen sehr fleißigen, funktionalen Bewältiger, der für uns
sorgt, der keine Hilfe annehmen kann, der sich sehr verunsichert fühlt, wenn er
Hilfe annimmt, weil er nicht weiß, was er dafür zurückgeben muss, der auch
liebevolle Geschenke nicht annehmen kann und einfach eine große Mühe hat, sich
mit anderen zu verbinden. Diese Art von Autonomie zeigen Hunde
nicht. Sie können innerlich zentriert und
autonom sein, wie Thor mit seinen Herdenschutzhundgenen, der nicht in ein
Haus hinein möchte, ganz typisch für Herdenschutzhunde und für Hunde, die wie
er noch gar kein Leben in einem Haus kennen. Und obwohl er hungrig ist und ich
ihr Futter im Haus verteilt habe, bewegt ihn das nicht dazu, hereinzukommen.
Also diese innere Entscheidung hängt nicht von einem Leckerli dann ab, sondern
es braucht einfach die Zeit, dass er sich einen Überblick verschaffen kann und ich
brauche auch Zeit, um ihn in all diesen Dingen kennenzulernen und Antworten zu
suchen, die angemessen sind. Einer meiner Neffen hat auch so einen
Charakter und möchte alles gern selber entscheiden und nun geht alles eben
nicht. Vielleicht ist es einfach der Umgang und dann die Art und Weise, wie
man dieses Nicht-Alles kommuniziert. Als er ungefähr drei Jahre alt war, wollte
er Steine in einen Kanal wie diesen werfen und er stand dann schräg auf dem
Hang und damit er von seinem eigenen Schwung und damals noch etwas Ungelenk
nicht fortgerissen wird, hielt ich ihn ganz sacht an einem Zipfel seines
Anoraks fest und er drehte sich sehr empört um und verbat sich das, woraufhin
ich mich entschuldigte und ihm sagte, mir ist ganz klar Matteo, dass du das gut
machst und auch ganz allein kannst, aber ich habe Angst, darf ich dich also
festhalten für mich, was er dann ganz freundlich gestattete.
Es liegt ja schon in der Natur eines solchen Charakters, dass jemand frei
entscheiden möchte. Dennoch kann ein Kind das nicht in jeder
Situation und auch ein Hund kann es nicht in der Menschenwelt und meine
Erfahrung ist, je mehr Freiraum man gibt, also in dem Maße, wie es möglich ist,
umso mehr können Entscheidungsträger auch einmal nachgeben.
Ich habe eine große Liebe zu Herdenschutzhunden, weil sie, egal welche
Kompetenz sie unter den Hunden haben, an sich eine große Autonomie besitzen.
Das müssen sie ja, da sie ohne den Menschen Entscheidungen zu treffen haben
zum Wohle der Tiere, die sie beschützen und sowohl die Frieda und der Raida als
auch die Pauline sind und waren Herdenschutzhunde.
Vielleicht kommt diese Liebe daher, dass ich am meisten von Hunden lerne, die
nicht alles mitmachen, über die ich als Mensch nicht hinweg
kommandieren kann. Diese Art Hund hat mir also beigebracht, in Beziehung zu treten.
Raida hat ja die Rasse eines Aidis, also eines marokkanischen Herdenschutzhundes
und er war zusätzlich auch unter den Hunden ein Leithund. Da doppelte sich
also die Autonomie. Ob das beim Thor ebenso ist, wird sich herausstellen.
Er darf jetzt erst einmal in Ruhe ankommen und sich nach und nach zeigen.
Thor mag es ganz offenbar zu beschützen. Sehr gern steht er so da und verschafft
sich einen Überblick und wartet. Herdenschutzhunde wirken ja äußerst
träge und können dann aber blitzschnell reagieren, wenn es darauf ankommt.
Mitunter kann ein Hund, der gerade versucht etwas einzuschätzen, seine anderen Sinne
so abschalten, dass er einfach nicht einmal mit den Ohren zuckt. Und ich hatte
schon viele Menschen in der Arbeit früher, denen gesagt wurde, sie hätten
keine gute Bindung zu ihrem Hund, weil er nicht auf sie reagiert.
Dann kann man auch einfach nicht darauf beharren, dass der Hund kommt, sondern man
geht zum Hund und in dem Moment, wo man im Blickfeld auftaucht, kommt er dann auch
aus seinem Tunnel heraus. Trotz aller Autonomie bringe ich dem Thor natürlich
nach und nach die Hausregeln bei, denn die gelten für alle Mitglieder.
So zum Beispiel das Herkommen und das Warten.
Und ich möchte euch nicht verschweigen, dass auch ich früher so ein Mensch war,
der alles alleine machen wollte und keine Hilfe annehmen konnte und Angst
hatte, enttäuscht zu werden. Denn jemanden zu lieben macht abhängig.
Man verliert seine Autonomie und ich kann nur sagen, über die Hunde habe ich
gelernt, nicht mehr in dieser Weise unabhängig zu sein, sondern zu lieben
und verletzlich zu sein und keine Angst davor zu haben, weil es zu schön ist.
