Zu der Frage, wie ich die Hunde bei- und hinter mir halte - dazu gibt es bald ein eigenes Video.
Website: https://www.maike-maja-nowak.de/ Bücher: https://www.maike-maja-nowak.de/buecher Mein Weg führte mich zu einer tiefen Bewusstheit für Trauma und seiner Integration. Als Heilpraktikerin für Psychotherapie, Trauma-Expertin, fünffache Bestseller-Autorin, Referentin, Seminarleiterin und Ausbilderin arbeite ich therapeutisch mit Menschen und meinen Impulsgebern, den Hunden. Ich lebe in Brandenburg und in Schweden. https://www.maike-maja-nowak.de/
Filmaufnahmen: Maja Nowak, & Astrid de Boer Filmschnitt & Kommentar: Maja Nowak
Musik: ANBR - Yearning Ziv Moran - Around 4AM Mattia Vlad Morleo - Flowing Air Mattia Vlad Morleo - By the River Roie Shpigler - I Still Need You (von Artlist)
Die Trauer ist für mich so etwas wie eine Brücke in die Gegenwart,
auf der man Verluste verarbeitet, die in der Vergangenheit passiert sind.
Früher konnte ich nicht trauern,
denn in unserer Familie wurden alle Verluste größerer Art verdrängt,
wohl weil niemand wusste, wie man mit ihnen umgehen könnte
und jeder Angst hatte, das Fass an Trauer könnte zum Überlaufen kommen.
Es dauerte lange, bis ich begriff,
dass nur die Fähigkeit zu trauern Verluste verarbeiten kann.
Die Trauer befreit Stück für Stück,
das in einem, was schmerzt, wenn man akzeptieren kann, was man verloren hat.
Lebenslang verdrängte Trauer kann in einen Nebel von Hoffnungslosigkeit und Apathie führen,
die wir dann für Trauer halten.
Aber das ist sie nicht.
Man kann nur betrauern, was einem wertvoll und lieb war
und wenn man es tut, erschafft man wie so einen Ehrenplatz im Herzen für all das.
Seit ich gelernt habe, mich der Trauer anzuvertrauen ohne Gegenwehr,
habe ich das Gefühl, sie ist wie so ein bergender, schützender Mantel,
der sich in der Zeit der Trauer um mich legt.
Wenn ein Familienmitglied geht,
dann entsteht natürlich automatisch eine leere Stelle im Verbund.
Das ist ähnlich wie, wenn ein neues Mitglied in eine Gruppe kommt,
der Reißverschluss, dessen Zähne bisher gut ineinander gegriffen haben,
ist ja jetzt kaputt, weil ein Zahn fehlt.
Und so versuchen jetzt alle im Verbund auszugleichen und sortieren sich neu.
Seitdem diese buddhafte Ruhe vom Raida nicht mehr enthalten war in der verbliebenen Gruppe,
musste ich sehr viel ausgleichen.
Und auch Demitja hat versucht, die Führung zu übernehmen,
was natürlich nicht möglich ist.
Zum einen ist er keine Führungskraft und zum anderen ist er schon 14 Jahre alt.
Letztlich ging es darum, einfach alles Mögliche auszuprobieren
und zu schauen, was der Gruppe jetzt gut tut.
Und da die Hunde im Hier und Jetzt leben, sind sie ja sehr anpassungsfähig.
Und ich habe von ihnen gelernt, etwas Altes loszulassen, was es nicht mehr gibt,
und Zuversicht zu haben, dass wir etwas Neues finden werden.
Einen neuen Zusammenschluss, in dem sich alle wohlfühlen.
Vorher habe ich meine Gruppe ja eher so aus der Mitte herausgeführt.
Und der Raida hat, obwohl er nie aktiv irgendetwas getan hat, also sichtbar aktiv,
hat er doch mit seiner Präsenz und Ausstrahlung sehr auf diese Gruppe eingewirkt.
Am deutlichsten macht sich sein Fehlen im Auto bemerkbar,
obwohl die Hunde jetzt vollkommen anders liegen als früher.
Der Raida hat vorher immer das Zentrum im Auto gebildet
und die Hunde haben so an ihm drangelegen, auch wenn ihm das gar nicht so recht war.
Er hat es erduldet.
Seit er nicht mehr da ist, liegen sie in Schnur hinter meinem Fahrersitz.
Das hat mich dann dazu bewogen, auch draußen einmal vorn zu laufen
und nicht mehr aus der Mitte herauszuführen und anzufühlen, wie das ist für alle.
Und siehe da, das hat sich als die Variante erwiesen,
die sich für uns alle am stabilsten und angenehmsten anfühlt.
Wir Menschen sind oft so damit beschäftigt, auf den Hund aufzupassen,
dass wir oft gar nicht wahrnehmen, wie sehr die Hunde auch auf uns aufpassen
und genau mitbekommen, was wir so tun.
Wenn ich mir etwas genauer anschaue, kann ich damit rechnen,
dass punktgenau ein Hund auftaucht, der meiner Blickrichtung folgt
und herauskriegen möchte, was da so spannend ist.
Und gerade so ein entdeckungs- und jagdfreudiger Hund wie die kleine Bambi
wird nach meiner Beobachtung am ruhigsten, wenn er etwas beobachten kann.
Es ist durchaus in Betracht zu ziehen, dass wir auf Hunde sehr langweilig wirken können,
wenn wir nur auf unser Handy schauen oder eben immer nur den Hund beobachten
und selber gar nichts mehr entdecken.
Hinzu kommt, dass Hunde eher jemandem folgen, der bei sich ist.
Und bei sich selbst ist man, wenn man mit allen Sinnen anwesend ist.
Und um zur Trauer zurückzukommen.
Ich habe oft erlebt, dass Menschen von einem anderen, der in Trauer ist,
erwarten, dass er dann immer traurig ist.
Und seltsam berührt sind, wenn er zwischendurch lacht, Freude am Leben hat.
So als gäbe es nur das eine oder das andere.
Und für mich ist das Leben so, dass die Trauer immer die Unterlage der Freude ist.
Und die Freude die Unterlage der Trauer.
Also immer alles vorhanden ist.
Und je nachdem, wovon ich berührt werde, fühle ich das Leben.
Als Raida starb, bekam ich unglaublich viele Grüße geschickt von Menschen,
die mir mitteilten, dass ihnen Raida im Traum erschienen ist.
Und eine Frau erzählte mir, Raida lasse mich wissen immer,
wenn ich eine Schnecke mit Häuschen sehe, dann ist das ein Gruß an mich.
Kurz darauf ging ich in meinen Hof und das erste, was ich sah, war diese kleine Schnecke.
Und nicht nur das, ich trug gerade die Frage in mir,
ob ich einen Hund, den ich im Tierschutz entdeckt hatte, in meine Gruppe aufnehme oder nicht.
Und Raidas Gruß ermutigte mich, Thor in unserem Leben zu empfangen.
Aber das ist eine neue Geschichte.