
HEINRICH HEINE - MEIN KIND WIR WAREN KINDER
Dichtung von Heinrich Heine /
Rezitation: Cornelia Leitz-Kühn /
Anmerkung: Ein Buch will seine Zeit wie ein Kind. Alle schnell in wenigen Wochen geschriebenen Bücher erregen bei mir ein gewisses Vorurteil gegen den Verfasser. Eine honette Frau bringt ihr Kind nicht vor dem neunten Monat zur Welt. (H.Heine)
Mein Kind, wir waren Kinder,
Zwei Kinder, klein und froh;
Wir krochen in’s Hühnerhäuschen,
Versteckten uns unter das Stroh.
Wir krähten wie die Hähne,
Und kamen Leute vorbei —
Kikereküh! sie glaubten,
Es wäre Hahnengeschrei.
Die Kisten auf unserem Hofe,
Die tapezierten wir aus,
Und wohnten drin beisammen,
Und machten ein vornehmes Haus.
Des Nachbars alte Katze
Kam öfters zum Besuch;
Wir machten ihr Bückling’ und Knickse
Und Komplimente genug.
Wir haben nach ihrem Befinden
Besorglich und freundlich gefragt;
Wir haben seitdem dasselbe
Mancher alten Katze gesagt.
Wir saßen auch oft und sprachen
Vernünftig, wie alte Leut’,
Und klagten, wie alles besser
Gewesen zu unserer Zeit;
Wie Lieb’ und Treu’ und Glauben
Verschwunden aus der Welt,
Und wie so teuer der Kaffee,
Und wie so rar das Geld! — — —
Vorbei sind die Kinderspiele,
Und alles rollt vorbei —
Das Geld und die Welt und die Zeiten,
Und Glauben und Lieb’ und Treu’.
Siehe auch hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Heine
https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/heinrich-heine/DE-2086/lido/57c82947cc8189.90141056
https://de.wikipedia.org/wiki/Cornelia_K%C3%BChn-Leitz
