Geheime Dokumente zeigen: China hat russische Soldaten in einem der sensibelsten Bereiche der modernen Kriegsführung ausgebildet — im Schutz vor atomaren, chemischen und biologischen Waffen.
Reuters liegen Unterlagen vor, die zeigen, wie hochrangige chinesische und russische Generäle persönlich an diesem Programm beteiligt waren. Warum riskiert Peking so viel für eine Zusammenarbeit, die eigentlich geheim bleiben sollte? Und was bedeutet das für die Sicherheit Europas?
In diesem Video schauen wir uns an, was die Dokumente wirklich zeigen, warum ausgerechnet dieser Bereich der Ausbildung so bedeutsam ist, und wie Deutschland auf die Enthüllungen reagiert hat.
00:00 Geheime Dokumente enthüllt: Chinas Ausbildung russischer Soldaten 01:28 Was in Pekings Militärakademie wirklich gelehrt wurde 04:11 Warum ausgerechnet die ABC-Abwehr so brisant ist 05:07 Wie Reuters an streng geheime Dokumente gelangte 06:03 Deutschland reagiert – Peking weist alles zurück 06:59 Warum geht China dieses Risiko ein? 07:56 Was die Enthüllungen für Europa und Taiwan bedeuten
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Peking, eine militärische Einrichtung, die bislang weitgehend im Verborgenen arbeitet.
Laut geheimen Dokumenten, die Reuters vorliegen, kamen hier russische Offiziere zusammen.
Zur Eröffnung der Ausbildung erschien sogar der Leiter der Chinesischen Militärakademie für APC-Abwehr, Generalmajor Li Jinshun.
Das Ganze sollte so unauffällig wie möglich bleiben.
Denn die Soldaten lernten hier, wie man sich vor radiologischen, biologischen und chemischen Waffen schützt.
Doch trotz aller Geheimhaltung ist diese Ausbildung plötzlich ins öffentliche Blickfeld gerückt.
Denn Reuters ist in den Besitz geheimer Dokumente und Fotos gelangt, die erstmals Einblicke in dieses Ausbildungsprogramm ermöglichen.
Das wirft eine Frage auf. Wie kann ein derart streng geheimes Projekt überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen?
Diese Frage gehen wir heute nach und schauen uns an, welches Kerkül China möglicherweise verfolgt.
Fangen wir zuerst mit einem Dokument an.
Sein Urheber ist Andrei Belosov, Russlands Verteidigungsminister und eine Schlüsselfigur im Putins Rüstungsapparat.
Im August vergangenen Jahres unterzeichnet er eine interne Erlass.
Dem Dokument zufolge reiste auf seine Anordnung eine Delegation der russischen Streitkräfte nach China,
um an Ausbildungs- und Übungsprogrammen in Einrichtungen der chinesischen Volksbefreiungsarmee teilzunehmen.
Drei Monate später, im November, trafen die ersten Soldaten in dieser militärischen Einrichtung in Peking ein.
Der Kurs dauerte drei Wochen. Das Thema war klar umrissen.
Wie überlebt eine Truppe einen Angriff mit nuklearen, chemischen oder biologischen Waffen und bleibt trotzdem einsatzfähig?
Was lernten die russischen Soldaten dort?
Chinesische Ausbilder erklärten ihnen Modelle von Kernreaktoren.
Sie übten radiologische und chemische Aufklärung und lernten, wie sich Belüftungssysteme vor Kontaminationen schützen lassen.
Alles wurde fotografiert. Und genau diese Fotos sind heute Teil der Dokumente, die heute vorliegen.
Die russische Delegation wurde von General Rustam Muradov, dem stellvertretenden Oberbefehlshaber des russischen Heeres, angeführt.
Auf der chinesischen Seite erschien Generalmajor Li Jinshun persönlich zur Eröffnung.
Wäre es lediglich ein gewöhnlicher technischer Austausch gewesen, hätte dafür kaum die Anwesenheit hochrangiger Generäle auf beiden Seiten benötigt.
Zwei europäische Beamte sagten Reuters, dieses hohe Niveau der Beteiligten zeige, welche Stellenwert diese Zusammenarbeit für beide Seiten haben.
Übrigens, ein Teil dieser Ausbildungsgruppe, die im November vergangenen Jahres nach Peking kam, war Reuters bereits im Mai bekannt.
Damals hieß es, China habe in Peking und Nanjing rund 200 russische Soldaten im Bereich wie Drohnen, elektronische Kriegsführung und Militärluftfahrt ausgebildet.
Jetzt liegen Reuters weitere Dokumente vor und die zeigen, innerhalb derselben Ausbildungsgruppe gab es noch einen weiteren Lehrgang,
einen, der bislang verborgen geblieben war, nämlich ABC-Abwehr.
Der sensibelste Bereich von allen. Warum ausgerechnet ABC-Abwehr?
Genau an diesem Punkt wird die Besonderheit dieser Zusammenarbeit deutlich.
Militärische Zusammenarbeit gibt es in vielen Formen. Panzerfahren oder Drohnensteuerung, das gehört inzwischen fast zur Routine.
China. ABC-Abwehr ist jedoch etwas anders. Sie betrifft den Kern der strategischen Sicherheitsfähigkeit eines Staates.
Die Aufnahme der ABC-Ausbildung in diese Kooperation hat eine strategische Bedeutung, die weit über andere Formen militärischer Zusammenarbeit hinausgeht.
Mit anderen Worten, China hat eine seiner sensibelsten militärischen Fähigkeiten mit Russland geteilt.
Das geht deutlich über gewöhnliche freundschaftliche Unterstützung hinaus.
Kommen wir zurück zu unserer Anfangsfrage. Wie gelangte Reuters an ein so brisantes Dokument?
Die Unterlagen erhalten nicht nur die Kursinhalte.
Sie führen jeden einzelnen Teilnehmer auf mit Dienstgrad, Geburtsdatum, Einheit und sogar der Sicherheitsfreigabe, über die diese Offiziere verfügen.
Reuters hat nicht offengelegt, woher diese Dokumente stammen.
Ob hier bewusst Informationen nach außen gelernt sind oder ob sie das Ergebnis klassischer nachrichtendienstlicher Arbeit sind, lässt sich derzeit nicht überprüfen.
Fest steht jedoch zum ersten Mal gegen konkrete überprüfbare Belege für eine militärische Ausbildungskooperation zwischen China und Russland in diesem sensiblen Bereich vor.
Und nicht nur Vermutungen oder Einschätzungen von außen.
Die Reaktion Deutschlands habt ihr vielleicht bereits mitbekommen.
Das Auswärtige Amt bestellte den chinesischen Botschafter ein und bezeichnete diese Berichte als zutiefst besorgniserregend.
Weiter hieß es, jedes Verhalten, das Russland ermögliche, seinen Angriffskrieg fortzusetzen, bedrohe auch die Sicherheit Deutschlands.
Und Peking? Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning, bezeichnete diese Berichte als reine Verleumdung.
Und genau an diesem Punkt geraten Pekings Aussagen und die vorliegenden Dokumente in direktem Widerspruch.
Pekings Dementi trifft auf Dokumente mit Datum, Unterschriften und Fotos.
Eine Beweislage, die sich kaum mit einem einzigen Satz vom Tisch wischen lässt.
Warum also geht Peking dieses Risiko ein?
Warum tritt ausgerechnet der Leiter einer Militärakademie für ABC-Abwehr persönlich bei einer Veranstaltung auf, die eigentlich möglichst unauffällig hätte bleiben sollen?
Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht.
Eine mögliche Erklärung lautet, es könnte sich um eine bewusst gesetzte Botschaft handeln.
China signalisiert Russland, dass seine Unterstützung real ist und politisches Gewicht besitzt.
Gleichzeitig könnte Peking aussetzen, wo die Reaktionsgrenze des Westens für läuft.
Wird Deutschland tatsächlich Konsequenzen ziehen?
Wird die Europäische Union geschlossen reagieren oder bleibt es, wie so oft bei der Formulierung, man sei zutiefst besorgt?
Während sich in der Praxis kaum etwas ändert.
Sollte dieser Lesart zu treffen, dann wird der Krieg in der Ukraine für Chinas Streitkräfte zu einem realen Lehrfeld für die ABC-Kriegsführung.
Wo die dabei gewonnene Erkenntnisse eines Tages zum Einsatz kommen könnten, lässt sich heute nicht belegen.
Als mögliche Krisenherd gilt jedoch Taiwan.
Ein Szenario, das in sicherheitspolitischen Analysen seit Langem eine zentrale Rolle spielt.
Gerade deshalb verfolgt Europa die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit.
Diese Geschichte ist noch nicht zu Ende.
Wie sich der diplomatische Konflikt zwischen Deutschland und China weiterentwickelt,
ob die Europäische Union zu härteren Maßnahmen greift und welche Konsequenzen diese Enthüllungen noch haben werden,
all das müssen wir weiter beobachten.
China wurde in den vergangenen Jahrzehnten vor allem durch die wirtschaftliche Brille betrachtet.
Doch diese Perspektive greift heute zu kurz.
Zunehmend rückt Chinas sicherheitspolitische Rolle in den Fokus
und damit auch seine Funktion als entscheidende Wegbereiter für Russlands Krieg.
Wer China weiterhin ausschließlich als wirtschaftliche Herausforderung betrachtet,
blendet einen wesentlichen Teil der geopolitischen Realität aus.
Wie seht ihr denn das?
Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentare.
Vielen Dank für's Zuschauen.
Nächste Woche geht es weiter.
Bis zum nächsten Video.
Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017