
Chemiepark fordert Rückkehr zu russischem Gas: „Investitionen müssen sich lohnen“
Die Energiesicherheit Europas ist seit Beginn des Ukrainekrieges weiter fragil. Im Chemiepark Leuna, einem der größten deutschen Chemiecluster, fordern einige Hersteller nun eine Rückkehr zum günstigen russischen Gas.
„Es gibt erste Friedensverhandlungen, angetrieben ja durch die amerikanische Regierung. Es besteht also Aussicht, dass die Waffen schweigen und dann wäre es für alle Seiten wichtig und sinnvoll, dass man auch zur Erdgaslieferung über die Pipelines zurückkehrt. Das wäre für Russland ein wichtiger Anreiz in den Friedensverhandlungen. Für die Ukraine würde es Einnahmen aus den Transitgebühren bedeuten und für die europäische Industrie würden die Erdgaspreise sinken und die Wettbewerbsfähigkeit steigen“, sagt Christof Günther, Geschäftsführer von InfraLeuna.
Deutschland war bis zum Ukraine-Krieg in hohem Maße auf billiges russisches Gas angewiesen, vor allem im Produktionssektor. Flüssigerdgas aus den USA half, die Versorgungslücke in Europa zu schließen.
Günther: „Es wird befürchtet, dass wir uns von Russland abhängig machen. Tatsächlich resultiert unsere Abhängigkeit aber daher, dass wir die Atomkraftwerke abgestellt haben, dass wir die Kohlekraftwerke abstellen, dass wir auch die heimische Erdgasförderung reduziert haben und uns deshalb von Importen abhängig gemacht haben. Und diese Abhängigkeit besteht nach wie vor und man sieht, wie abhängig wir sind, wenn man die Preiseentwicklung betrachtet. Die Preise sind doppelt so hoch wie vor Beginn dieser Krise. Das heißt, wir hängen nach wie vor an diesen Importen und die bestimmen die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie.“
„Unsere Stromkosten waren vor der Krise gut 1 Million im Monat. Jetzt sind wir bei 2,3, also das Doppelte. Und wenn Sie das auf das Jahr hier hochrechnen, sind wir bei über 10 Millionen mehr. Das bei einem Umsatz von rund 150 Millionen ist das natürlich eine enorme Belastung. Wir würden auch gerne hier weiter bauen, wie Sie sehen, die nächste Stufe. Aber bei diesen Energiekosten ist eine Investition nicht wirtschaftlich“, sagt Klaus Paur, Geschäftsführer der LEUNA-Harze GmbH.
Strom ist in keinem anderen europäischen Land so teuer wie in Deutschland, der Preisanstieg wird vor allem mit den hohen Kosten für die Energiewende begründet.
Paur: „Wir haben im letzten Jahr das erste Mal seit der Privatisierung vor 30 Jahren Verlust gemacht, nicht wenig. Auf die Dauer können wir uns das nicht erlauben. Unsere Wettbewerber in Asien, hauptsächlich in China, haben gigantische Kapazitäten aufgebaut und die liefern den Strompreis in China bekanntlich tendierend in Richtung Null. Und gegen so einen zu konkurrieren, ist natürlich furchtbar schwierig.“
In China kommen neben der günstigen Produktion auch Subventionen des Staates hinzu, die zum Teil direkt darauf abzielen, ausländische Unternehmen vom Markt zu verdrängen.
Die umfassenden US-Zölle beeinträchtigen Chinas Handel und Wirtschaft allerdings erheblich, sagte Li Tianbao, emeritierter Professor der Niagara University School of Management, der Epoch Times. Viele Chinesen könnten ihre Arbeit verlieren „in einem so gravierenden Ausmaß, dass es erhebliche soziale Probleme verursachen wird“, so Tianbao.
Der Geschäftsführer des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft sieht ebenfalls große Herausforderungen bei den Themen China, Russland und USA.
Christoph Ahlhaus, Vorsitzender des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft e.V.: „Zum Thema USA muss man sagen, die Vereinigten Staaten sind der wichtigste Handelspartner Europas und Deutschlands. Das heißt, wenn hier der Handel zum Erliegen kommt, wird uns das alle hart treffen. Da sitzen Industrie- und Mittelstand in einem Boot, beispielsweise in der Automobilindustrie. Man darf aber auch nicht vergessen, dass bis zu den sogenannten Tramzöllen immerhin die Einfuhrzölle in Europa für amerikanische Autos 4-mal höher waren als umgekehrt. Da hätte man vielleicht, und das ist auch unser klarer Vorwurf an die EU-Kommission, mal ein bisschen früher sich Gedanken machen können, bevor es zu diesen explosiven Gegenreaktionen kommt. Ich glaube, dass was jetzt erforderlich ist, sind vertrauensbildende Maßnahmen. Frau von der Leyen soll sich lieber heute als morgens Flugzeug setzen und nach Washington fliegen, um die Sache klarzumachen. Ihr Vorgänger hat das auch hinbekommen, 2018, das sollte sie auch schaffen.“
Die angedrohten US-Zölle auf EU-Waren wurden für 90 Tage ausgesetzt. Frieden in der Ukraine und eine damit verbundene Rückkehr zu russischem Gas sind derzeit nicht in Sicht.
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