RAINER MARIA RILKE - DAS ERSTE SONETT

RAINER MARIA RILKE - DAS ERSTE SONETT

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26 Videoaufrufe·04.12.2024

Dichtung von Rainer Maria Rilke aus: Die Sonnette an Orpheus I entst. 1922 /
Rezitation: Gert Westphal /
Anmerkung: Ich habe nie begriffen, wie eine wirkliche, elementare, durch und durch wahre Liebe unerwidert sein kann; da sie doch nichts anderes ist, als der dringende selige Anspruch an einen andern, schön, reich, groß, innig, unvergeßlich zu sein; die an ihn heranflutende Verpflichtung, etwas zu werden. Und sagen Sie, wer dürfte das abweisen, wenn es auf ihn sich richtet, ihn erwählt aus den Millionen, ihn findet, der vielleicht in einem Schicksal verborgen oder mitten im Ruhm unnahbar war? (R.M.Rilke)

Da stieg ein Baum. O reine Übersteigung!
O Orpheus singt! O hoher Baum im Ohr!
Und alles schwieg. Doch selbst in der Verschweigung
ging neuer Anfang, Wink und Wandlung vor.

Tiere aus Stille drangen aus dem klaren
gelösten Wald von Lager und Genist;
und da ergab sich, daß sie nicht aus List
und nicht aus Angst in sich so leise waren,

sondern aus Hören. Brüllen, Schrei, Geröhr
schien klein in ihren Herzen. Und wo eben
kaum eine Hütte war, dies zu empfangen,

ein Unterschlupf aus dunkelstem Verlangen
mit einem Zugang, dessen Pfosten beben, -
da schufst du ihnen Tempel im Gehör.

Siehe auch hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Maria_Rilke
https://www.rainermariarilke.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Sonette_an_Orpheus
https://de.wikipedia.org/wiki/Gert_Westphal

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