ANNETTE VON DROSTE-HÜLSHOFF - WIE SIND MEINE FINGER SO GRÜN

ANNETTE VON DROSTE-HÜLSHOFF - WIE SIND MEINE FINGER SO GRÜN

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Dichter und Denker
68 Videoaufrufe·31.01.2023

Dichtung von Annette von Droste-Hülshoff /
Rezitation: Sophie Rois (Foto) /
Anmerkung: Wo man am meisten fühlt, weiß man am wenigsten zu sagen. (A.v.D-H.)

Wie sind meine Finger so grün?
Blumen hab ich zerrissen.
Sie wollten für mich blühn
Und haben sterben müssen.

Wie neigten sie um mein Angesicht,
Wie fromme schüchterne Lieder.
Ich war in Gedanken, ich achtet's nicht
Und bog sie zu mir nieder.

Zerriss die lieben Glieder
In sorgenlosem Mut.
Da floss ihr grünes Blut
Um meine Finger nieder.

Sie weinten nicht, sie klagten nicht,
Sie starben sonder (ohne) Laut.
Nur dunkel ward ihr Angesicht,
Wie wenn der Himmel graut.

Sie konnten mir's nicht ersparen,
Sonst hätten sie's wohl getan.
Wohin bin ich gefahren
In trüben Sinnens Wahn?

O töricht Kinderspiel!
O schuldlos Blutvergießen!
Und gleicht's dem Leben viel.
Lasst mich die Augen schließen.

Denn was geschehn ist, ist geschehn,
Und wer kann für die Zukunft stehn?