
RAINER MARIA RILKE - ICH WAR EIN KIND II
Dichtung von Rainer Maria Rilke (Foto) entst. 1909 /
Rezitation: Fritz Stavenhagen /
Anmerkung: Und bang und sinnlos sind die Zeiten, wenn hinter ihren Eitelkeiten nicht etwas waltet, welches ruht. (R.M.Rilke)
Ich war ein Kind und träumte viel
und hatte noch nicht Mai;
da trug ein Mann sein Seitenspiel
an unserm Hof vorbei.
Da hab ich bange aufgeschaut:
"O Mutter, lass mich frei..."
Bei seiner Laute erstem Laut
brach etwas mir entzwei.
Ich wusste, eh sein Sang begann:
Es wird mein Leben sein.
Sing nicht, sing nicht, du fremder Mann:
Es wird mein Leben sein.
Du singst mein Glück und meine Müh,
mein Lied singst du und dann:
mein Schicksal singst du viel zu früh,
so dass ich, wie ich blüh und blüh, -
es nie mehr leben kann.
Er sang. Und dann verklang sein Schritt, -
er musste weiterziehn;
und sang mein Leid, das ich nie litt,
und sang mein Glück, das mir entglitt,
und nahm mich mit und nahm mich mit -
und keiner weiß wohin...
Siehe auch hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Maria_Rilke
https://www.rainermariarilke.de/
https://www.rilke.de/
https://www.deutschelyrik.de/home.html
