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Wir diskutieren über Klima, Vogue, Transgender und so weiter.
Wir diskutieren nicht über die zwei Strukturprinzipien der Gegenwart,
Oligarchie against people und KI-Steuerung, neuronale Steuerung,
wie auch immer, also Steuerung über Algorithmen.
Das heißt einerseits eine Vermathematisierung,
andererseits eine komplette Normierung unserer Diskurse.
Die Frage ist wirklich, was füttern wir und was spuckt das aus?
Und wie normiert die Diskurse werden?
Ich würde schon sagen, wir sind bei 84.
Also wir haben ja die ganzen Features von diesem Orwellschen Roman.
Also das Wahrheitsministerium, die Verdrehung der Sprache,
Distanz ist die neue Nähe, Frieden ist jetzt was Schlechtes,
Verstehen ist auch schlecht, Denken ist auch schlecht.
Also allein das.
Denken ist jetzt schlecht, Querdenker.
Verstehen ist schlecht, Putin verstehe.
Ja, etwas hinterfragen ist schlecht.
Das heißt, wir entledigen uns unserer Denkstrukturen.
Das ist das Allerwichtigste.
Wir entledigen uns unserer Denkstrukturen.
Und das Internet ist ja, das ganze Internet basiert ja auf 0,1.
Und deswegen treibt uns ja The Medium is the Message
das Internet in die Polarisierung, weil 0,1 ist 0,1.
So. Was haben wir aber aus der europäischen Geistesgeschichte gelernt?
Tertium non datur.
Das Dritte wurde noch nicht gesagt.
A, B, C. Hegel.
These, Antithese, Synthese.
Sie können es auch, Weltgeist bei Hegel.
Der Heilige Geist ist auch die Verbindung zwischen Himmel und Erde.
Jedenfalls immer das Dritte.
Das Dritte verbindet.
Das heißt, das Internet sozusagen strukturell schaltet ja das Dritte aus,
weil es auf binär ist.
Das heißt, wir müssen uns eigentlich gar nicht wundern.
Die Medienwissenschaftler in den 70er Jahren haben ja schon gesagt,
The Medium is the Message.
Das heißt, wenn das Internet jetzt unser Medium ist,
mit dem wir unseren Messaging machen,
dann ist die Konsequenz der Spaltung vorprogrammiert.
Und dann ist natürlich tatsächlich die Frage, wer hat den Apparat?
Wer hat den Herrschaftsapparat?
Also wer füttert die KI?
Wer sorgt dafür, dass Google, Wikipedia, die KI das ausspuckt,
was sie ausspucken soll?
Wie kann man sie noch austricksen?
Und das ist, glaube ich, eine wichtige Frage, weil also gucken wir uns jetzt mal
andere, sagen wir mal, totalitäre Epochen an.
Ja, also die Nationalsozialisten hatten Enigma.
Das war eine Schreibmaschine.
Da war das A und das Z vertauscht.
Das hieß dann Kryptoschreibmaschine.
Und dann konnte man das relativ schnell knacken.
Aber wer knackt den Algorithmus?
Ist ja dann die Frage, wenn wir sagen, wir verlernen unsere Denkstrukturen,
habe ich gerade gesagt.
Ja, Denken, Verstehen, Hermeneutik, Textanalyse, Geschichte, Kontext.
Das etwas eine Vorgeschichte hat.
Also wir haben ja jetzt der völkerrechtswidrige russische Angriffskrieg
vom 24. Februar.
Wie ein Mantra, der Hamas vom 7. Oktober.
Ja, als wenn die Geschichte an diesem Tag begonnen hat.
Das heißt, Kontext wird genommen oder Kontext wird geframed.
Geschichte wird genommen.
Denken wird genommen.
Denkstruktur werden genommen.
Das wird massiv.
Also das ist tatsächlich, wo ich denke, das wird das Wichtigste sein,
dass wir das Handy irgendwann mal wegwerfen,
dass man sich nicht in diese TikTok, also sozusagen nur noch am Handy hängt.
Weil das ist der
Change of Perception.
Welche Realität nehme ich wahr?
Also wenn jetzt noch die Meta-Brille, wenn Meta jetzt noch mit dieser Brille
kommen wird, ja, dann ist ja der Sog in eine andere Realität.
Der ist ja enorm.
Und ich glaube, das ist tatsächlich das, was jetzt irgendwie ansteht.
Das hängt in der Luft.
Ja, und da wird man irgendwie durchtauchen müssen.
Also ich bin sehr dabei.
Man kann ja Technik sowieso nicht aufhalten,
dass wir Technik zum Instrument machen und dass wir sie nutzen.
Aber wenn wir Internet, Technik, Deutungshoheiten und so weiter,
wenn wir das nutzen wollen und ihnen nicht verfallen wollen,
also ihnen nicht nicht in Abhängigkeit geraten wollen
und auch nicht sozusagen stumpf glauben,
was Chachipiti mir ausdruckt oder ausspuckt,
dann brauche ich mich, meine Vernunft, mein Bauch, mein Gefühl,
meine Haptik, meine Welt, also meine Augen auf die Welt.
Das heißt, ich brauche einen analogen Bezug.
Und je mehr ich sozusagen abgleite in die KI,
digitale Welt, desto mehr wird mir eine Wirklichkeit vorgespult,
die ich sozusagen analog gar nicht mehr abgleichen kann.
Und das finde ich schon gefährlich.
Also gucken wir uns mal so ganz andere Sachen an.
Wir haben uns also daran gewöhnt, dass alles schön ist.
Wir haben uns auch daran gewöhnt, dass das Internet uns ständig weichzeichnet.
Also ich bin jetzt total, gucke mir meine eigenen Videos.
Wo sehe ich mich denn?
Hast du so eine schöne Haut?
So abends beim Spiegel, beim Abschmieden.
Also wir sind ja nicht mehr gewöhnt, was nicht Schönes zu sehen.
Wir sind alle gebotoxt.
Die Oberflächen sind alle strahlglatt.
Also alles ist immer schön.
Und die Frage ist für mich tatsächlich, wie kriegen wir das eigentlich noch hin,
in einer analogen Welt unterwegs zu sein,
wo es Schmutz gibt und Dreck gibt und Pickel und keine Ahnung was.
Also Falten und so weiter.
Was passiert da mit uns, dass wir einen Bruch haben,
dass wir die Welt, die Realität nicht mehr so sehen können oder wollen,
wie sie ist, weil wir immer eine Oberfläche darüber haben müssen,
eine digitale, die mich normiert, die mich harmonisiert,
die mich weichzeichnet und so weiter.
Was ist da mit uns los?
Also was ist mit uns los, dass wir nicht mehr realitätsfähig sind?
Das sind ja wichtige philosophische Fragen.
Die können wir ja auch nicht beantworten.
Aber das finde ich schon interessant.
Und das, was der Todt, wieder Todt, ich habe sehr von ihm profitiert,
was der Todt sagt, ist, wir sind in einem Zustand des absoluten Nihilismus,
weil wir im Grunde, vor allen Dingen als Westen, der sogenannte Wertewesten,
man könnte auch sagen der Konsumwesten, der es komplett überzogen hat.
Wir haben alle irgendwie so ein Grummeln, dass wir jetzt kapieren,
das geht hier so nicht weiter.
Also wir haben da komplett versagt.
Also gegenüber uns und unseren wirklichen Werten.
Also unsere wirklichen Werte.
Franz von Assisi ist das Gelöbnis der Armut,
nicht mehr zu nehmen, als du brauchst und so weiter und so weiter.
Also diese ganze Konsumspiralen, in die wir geraten sind,
das ist nicht unbedingt, das hat mit europäischen Werten zum Beispiel
nicht so richtig viel zu tun.
Und der Todt sagt, der Nihilismus, in dem wir sind,
der treibt uns dazu, Realität nicht mehr wahrnehmen zu müssen
und in die Irrationalität zu gehen, weil sonst müssten wir unser Versagen
sowas von eingestehen und das kriegen wir als Westen gerade nicht hin.
Und das finde ich ein ganz wichtiges Argument, weil der Todt sagt,
in dem Moment riskieren wir, dass die Irrationalität
zum Treiber der Geschichte wird.
Die Irrationalität wird zum Treiber der Geschichte.
Und es hat etwas damit zu tun,
dass wir eine komplette Realitätsverleugnung machen müssen.
Und wir sind ja eingestiegen über Chachipiti.
Das heißt, die Realitätsverleugnung fängt damit an,
dass ich sie nicht mehr wahrnehmen möchte mit meinen Sinnen.
Ich bin bei Sinnen.
Bei Sinnen heißt hier, diese Tischplatte ist warm, der TSH, ich bin bei Sinnen,
sondern ich verlasse mich auf meine eine Maschine, der ich sage,
spuck mir das und das aus.
Dann spuckt die Maschine das aus.
Und dann glaube ich auch noch, was die Maschine ausspuckt.
Also ich sage mal, erbärmlicher geht es eigentlich nicht für eine Zivilisation.
Und darin liegt natürlich die Gefahr, womit ich ja der Sog in die Maschine,
vor allen Dingen auch für jüngere Alterskohorten, die damit ja sozusagen
jetzt aufwachsen.
Ja, also jeder Dreijährige hat ein iPad und kann besser damit umgehen als ich.
Dann kommt ja noch dazu, dass wenn das jetzt weitergeht,
dann werden wir ja in kürzester Zeit
Alterskohorten haben, die überhaupt kein analoges
Erfahrungsleben mehr haben.
Genau, das ist mega wichtig.
Weil wie würden Sie jetzt einem jungen Menschen Hoffnung mitgeben?
Weil er kommt ja in diese normierte Welt.
Er kennt ja nichts anders als irgendwie die digitale Welt.
Ich habe mal damals so Umfragen gemacht.
In der achten Klasse haben die Jugendlichen
Handykonsum von zehn Stunden außerhalb der Schule plus die vier Stunden,
die vielleicht noch digitales Unterricht in der Schule dazukommen.
Und und sie haben ja vielleicht ist vielleicht auch eine Generationenfrage,
weil sie haben letztendlich noch
vielleicht noch eine andere Welt da draußen erlebt, haptisch irgendwie erlebt.
Und wie kann man da jetzt so eine gute Balance finden?
Beziehungsweise wie kann man den jungen Menschen
eine Hoffnung mitgeben, weil was anderes als technokratisch
kennen die eigentlich überhaupt nicht?
Also die Hoffnung stirbt immer zuletzt.
Ja, und sozusagen das menschheitliche Geschehen ist immer über Hoffen,
Träumen, Glauben.
Ja, das schon mal als erstes.
Und das ist eigentlich schon alles Hoffen, Träumen, Glauben.
Hans Jonas, die Hoffnung stirbt zuletzt.
Wenn wir uns das Leben nehmen lassen.
Also wir nehmen uns ja dann auch den utopischen Raum.
Das ist ja das Menschliche, der utopische Raum.
Wir Hoffen, Träumen, Wünschen haben einen utopischen Raum,
von dem wir ahnen, dass wir ihn nicht erreichen, aber uns immer Mühe geben.
Ja, aber das ist was anderes als eine Maschine, die eine Lösung präsentiert.
Und deswegen ist, glaube ich, das menschliche Hoffen, Träumen, Wünschen.
Dabei müssen wir bleiben.
Ich glaube intuitiv, wir werden da bleiben.
Also mein Satz in diesem Moment des Gesprächs ist immer der Satz der Hopi-Indianer.
Hat mir mal ein Hopi-Häuptling mitgegeben.
Evil contains in itself the seeds of its own destruction.
Das Böse enthält in sich selbst die Saat der eigenen Zerstörung.
Also ich glaube, dass dieser ganze digitale Metaverse, maschinell, komplex,
dass das nicht, dass das morgen passiert oder dass das nicht gefährlich wäre.
Das sage ich alles nicht.
Oder dass wir es nicht auch gebrauchen können.
Das sage ich auch nicht, sondern nur, das ist ja eigentlich auch die Dialektik von Hegel.
Also dass sozusagen, wenn ein System zu autoritär, zu massiv, zu orthodox, zu maschinell wird
und wir uns als Menschen darin einsortieren sollen,
dann würde ich mich einfach grundsätzlich darauf verlassen,
dass zu viele Menschen das merken und nicht mitmachen.
Was nicht heißt, dass sie nicht das Internet gebrauchen oder auch gebrauchen sollen,
dass wir damit Lösungen finden für bestimmte Sachen.
Die KI kann bestimmt vielleicht irgendeine Gesundheitsdiagnose,
Messer machen als irgendeinen Arzt, der sich vertun kann, wie auch immer, wo man sie anwendet.
Aber was die Gefahr natürlich ist, ist, dass wenn ich das Internet anmache, ist ja inzwischen überall KI.
Also ich habe ja bei jedem Algorithmus, inzwischen kann man das auch fühlen.
Also ich kann das noch fühlen, wenn ich das jetzt anmache.
Ach so, so wird mir das jetzt ausgespuckt.
Also man hat ja wirklich gerade das Gefühl,
als würde unser Gehören wie auf so eine Skispur gelenkt.
Da ist die Skispur, da sollst du hin.
Und meine Hoffnung wäre tatsächlich, dass die Leute das einfach fühlen.
Und insofern, wo ist die Hoffnung?
Die Hoffnung liegt darin, dass wir das Fühlen wieder lernen und dass wir vor allen Dingen lernen,
dass Fühlen und Intuition der Treiber des menschlichen Daseins ist.
Das ist ja Forschung.
Also es gibt ja dieses große Buch Thinking Fast, Thinking Slow.
Kennen Sie das? Ein dicker Wälzer.
Und eigentlich ist das ja neurologische Forschung, die uns sagt, dass unser Verstand,
wir denken immer, wir sind so vernünftig, so verständlich, so rational
und wir würden alles mit dem Kopf entscheiden.
Nein, das Buch erklärt uns, dass wir in den meisten Fällen
eine emotionale Gefühlsentscheidung erst getroffen haben, Bauch, Herz, was auch immer.
Und dann der Kopf einsetzt und noch mal gerade überprüft, ob diese Geschichte,
also ob das richtig ist.
Also stellen Sie sich mal vor, Sie verlieben sich.
Und da sitzt irgendwie jemand, der ist Arzt und hat viel Geld und so weiter
und der Verstand sagt Ihnen, doch, super, super guter Partner.
Aber irgendwie so im Bauch oder so, sagen Sie, weiß nicht so genau.
Da haben Sie es doch.
Was wird den Ausschlag geben?
In den meisten Fällen dürfte ich, würde ich mal sagen, gibt doch irgendwie
das Bauchgefühl den Ausschluss.
Das heißt, der Kopf überprüft nur und das dürfen wir nicht verlieren.
Ich glaube auch, wir verlieren es nicht.
Ich glaube, die Menschheit kann das gar nicht verlieren.
Deswegen wird das auch, glaube ich, grandios scheitern, dieses Projekt.
Es fängt ja jetzt schon an.
Also ich habe ja jetzt schon das Gefühl, dass alle endlich mal über diese KI reden
und sagen, dann ist das wirklich so toll.
Wir merken doch, wie wir sozusagen wie bei 84 hier in so eine bunte Flörelwelt,
wie am Ende bei 84 sitzen die ja eigentlich nur noch auf so einem Stühlchen
und kriegen ständig irgendwie was ins Essen und kriegen wunderbare Zahlen,
wie groß das Wirtschaftswunder ist.
Und alles ist so teletubby, rosa und hellblau.
Und vermeintlich sind die Leute happy.
Und ich glaube, das Buch haben doch jetzt alle mal gelesen und verstanden,
dass das einen nicht happy macht.
Aber hier ein Satz dazu noch.
Gerade weil das so ist, wird es wirklich wichtig sein.
Retten wir das Buch, retten wir das Buch.
Das ist mein großes Thema.
Also wenn wir uns vorstellen, dass ja auch der ganze Buchbestand aus dem 19.
Jahrhundert und davor, dass das alles digitalisiert wird.
Und dann kommt es in die Cloud, Open Source.
Das heißt demnächst ist das sogenannte verfügbare Wissen, aus dem ja die KI dann
schöpft, nur noch alles in der Cloud, alles digitalisiert.
Sagen wir mal, Sie haben keine Hegel-Gesamtausgabe mehr irgendwo rumstehen.
Dann ist ja die Frage, wenn wir die dann wirklich irgendwie mal wegschaffen
sollten, diese Bücher, weil wir uns denken, jetzt Bibliotheken, die müssen wir heizen,
da müssen Personal drin sitzen, alles viel zu teuer und so.
Wer weiß, was uns noch einfällt.
Dann kommen wir nicht mehr in unsere Schriften, weil dann ist ja tatsächlich
nicht mehr garantiert, dass nicht irgendeiner der KI sagt, sag mal, du bei Hegel,
überall, wo Sozialismus steht, durch Kapitalismus ersetzen.
Und dann macht die KI das.
Und was dann Chechipiti ausspuckt, ist einfach nicht mehr die Realität.
Und da, glaube ich, da liegt jetzt irgendwie so ein Prozess.
Übrigens ist der Prozess auch nicht neu.
Also warum ist das denn für uns so wichtig, dass wir noch irgendeine alte Papyrus-Rolle
aus dem Ägypten finden oder ständig die Bundeslade immer noch suchen oder die
Dafeln von Moses.
Also dieses Gefühl, wir kommen nicht mehr in unsere Schriften ran, das ist, glaube ich,
so ein Ding. Und ich glaube, da machen wir jetzt mal so ein neues Looping.