Fritz Kortner im Gespräch - Das Literarische Kaffeehaus (1965)

Fritz Kortner im Gespräch - Das Literarische Kaffeehaus (1965)

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Text und Bühne
1 Videoaufrufe·10.01.2024

Die Literaturexperten Hans Mayer und Marcel Reich-Ranicki befragen den "Mann des Theaters" zur zeitgenössischen Dramatik und das Inszenieren der Stücke von Beckett, Brecht, Shakespeare und Molière (28.02.1965).
"Gegen den falschen Ton anrennen, war ihm Lebensaufgabe. Er hasste es, wenn da wer "schmarotzt am Gefühl" oder "Sumpfgenüsse unverbindlicher Schmerzen" zelebriert. Fritz Kortner (1892-1970), Schauspielstar im Berlin der Zwanziger und Regisseur im Nachkriegs-Westdeutschland, war wirkungswütig. Aber nicht auf Effekte erpicht, sondern auf Überrumpelung durch Wahrhaftigkeit. Er war besessen von der Gewissheit, dass der Text die Tradition des europäischen Theaters ausmacht. Nach seiner Auffassung musste jedes Spiel von geistiger Durchdringung geprägt sein, also von ständiger Prüfung. Er hasste "Denkdrückeberger". Liebte alle Dünnhäutigen und Skeptischen.
Für Bernhard Minetti, der Kortner in den 1930er Jahren als Kollegen auf der Bühne und nach 1950 als Regisseur erlebte, war Kortner "ein Grosser, einer mit der selten gewordenen Fähigkeit, durch gründlichste Handwerklichkeit die Schauspieler gegenseitig zu stützen", mithin "wirkliches" Zusammenspiel herzustellen."(Die Welt, 21.11.2005)
Fritz Kortner (1892-1970) war ein österreichischer Schauspieler, Film- und Theaterregisseur. Seinen Durchbruch als Schauspieler erlebte er in Karlheinz Martins Inszenierung von Ernst Tollers Schauspiel "Die Wandlung" 1919 in Berlin. Aufgrund jahrelanger Anfeindungen durch die Nationalsozialisten verliess Kortner einige Monate vor Anbruch der NS-Zeit Deutschland. Während der Emigration in Grossbritannien und den Vereinigten Staaten arbeitete er als Drehbuchautor und Schauspieler in der Filmbranche.
Nach seiner Rückkehr in die Bundesrepublik Deutschland war Kortner als Gastregisseur und Schauspieler an zahlreichen westdeutschen und österreichischen Theatern tätig. Am häufigsten führte er an den Münchner Kammerspielen und am Berliner Schillertheater Regie. Mehrfach provozierten Inszenierungen und Filme Kortners aufgrund politischer Subtexte Kontroversen. Kortners aufwändiger, am sprachlichen und gestischen Detail orientierter Inszenierungsstil beeinflusste zahlreiche Regisseure und Schauspieler der Nachkriegszeit.
Neben seiner Arbeit als Theaterschauspieler und -regisseur trat Kortner in etwa einhundert Stumm- und Tonfilmen auf, führte Regie in Kino- und Fernsehfilmen und verfasste Drehbücher und Theaterstücke (Wikipedia).
Siehe auch die Playlist/Sammlung zu Fritz Kortner "Fritz KORTNER - Gespräche, Originalaufnahmen und Filme", hier: https://www.youtube.com/playlist?list=PLQtpW8q-Shshdcj0N7fvH9MhnXb85ht6n