Eine wahre Begebenheit aus Auschwitz über die Tugend der selbstlosen Nächstenliebe.

Der Juli 1941 brannte heiß über dem Konzentrationslager Auschwitz. Hinter dem Stacheldraht in Block 14 lebten Hunderte von Männern, zusammengepfercht, ausgehungert, ihrer Würde beraubt. Unter ihnen war ein 47-jähriger Franziskanerpater namens Maximilian Kolbe – Häftlingsnummer 16670. Sein Kopf war kahlgeschoren wie bei allen anderen, sein gestreifter Anzug hing ihm vom Leib. Doch in seinen Augen brannte noch etwas, das die SS nicht auslöschen konnte: ein stiller Glaube.

An einem schwülen Julitag geschah das Gefürchtete: Ein Häftling aus Block 14 war geflohen. Noch am selben Abend wurde Vergeltung angekündigt.

Am nächsten Morgen trieb die SS alle Häftlinge des Blocks auf den Appellplatz. Die Sonne brannte erbarmungslos. Stunde um Stunde mussten die ausgemergelten Männer in Reih und Glied stehen. Wer zusammenbrach, wurde erschossen. Die Strafe für die Flucht eines Einzelnen war grausam: Zehn Männer sollten stellvertretend in den Hungerbunker.

Gegen Abend erschien SS-Hauptsturmführer Karl Fritzsch. Er schritt die Reihen ab, langsam, mit kühlem Blick. Sein Finger zeigte wahllos auf einen Mann, dann auf den nächsten. Jeder Ausgewählte trat mit todesbleichem Gesicht vor.

„Der da!" Fritzsch deutete auf einen Mann in der mittleren Reihe.

Der polnische Unteroffizier Franciszek Gajowniczek taumelte vor. Ein Familienvater, Anfang vierzig. Aus ihm brach es verzweifelt heraus: „Meine arme Frau! Meine Kinder! Was wird aus ihnen?"

In diesem Moment geschah etwas Unfassbares.

Ein hagerer Mann in der dritten Reihe nahm seine gestreifte Mütze ab und trat aus der Reihe – eine Handlung, die normalerweise sofortigen Tod bedeutete. Ruhig, fast würdevoll, ging Pater Maximilian Kolbe auf den SS-Offizier zu.

Fritzsch starrte ihn an. Die Häftlinge hielten den Atem an.

„Halt!" bellte der Offizier. „Was willst du, polnische Sau?"

Kolbe stand aufrecht vor ihm, ohne Furcht in der Stimme: „Ich bin katholischer Priester. Ich möchte für diesen Mann sterben. Er hat eine Frau und Kinder. Ich bin alt und habe niemanden."

Stille. Selbst die SS-Männer wirkten für einen Moment wie erstarrt. So etwas hatte es noch nie gegeben – dass jemand freiwillig in den Tod ging für einen Fremden.

Fritzsch musterte den Pater, dann Gajowniczek. Schließlich zuckte er mit den Schultern. „Nummer?"

„16670."

„Gut. Tausch akzeptiert." Der Offizier winkte Gajowniczek zurück in die Reihe und schob Kolbe zu den neun anderen Todgeweihten.

Franciszek Gajowniczek stand wie gelähmt. Was gerade geschehen war, konnte er nicht begreifen. Tränen liefen über sein Gesicht. Der Mann, der eben noch neben ihm gestanden hatte, ging nun für ihn in den Tod.

S.

Die zehn Männer wurden in einen unterirdischen Bunker im Block 13 gesperrt – einen fensterlosen Betonraum, kalt und feucht. Kein Wasser, kein Brot. Sie sollten verdursten und verhungern, langsam, qualvoll.

Doch aus diesem Bunker der Verzweiflung drangen in den folgenden Tagen Laute, die die Wachen verstörten: Gebete. Gesänge. Rosenkränze. Die Stimme von Pater Kolbe, der die sterbenden Männer tröstete, mit ihnen betete, ihnen Kraft gab. Wo sonst nur Schreie und Flüche zu hören waren, erklangen nun Lieder.

Nach zwei Wochen lebten nur noch vier – darunter Pater Kolbe. Die SS brauchte die Zelle für neue Opfer. Am 14. August 1941 kam der Lagerarzt mit Giftspritzen. Pater Maximilian Kolbe streckte dem Henker seinen abgemagerten Arm entgegen, ruhig und gefasst. Kurz darauf war er tot.

Franciszek Gajowniczek aber lebte. Er überlebte Auschwitz, überlebte den Krieg, kehrte zu seiner Frau und seinen Söhnen zurück. 54 Jahre wurde ihm geschenkt – Jahre, die ihm ein fremder Priester gegeben hatte.

Bis zu seinem Tod im Jahr 1995, mit 93 Jahren, erzählte Gajowniczek von jenem Tag. Immer wieder sagte er: „Ich kann nur dankbar sein. Dieser Mann gab mir alles – sein Leben. Für mich, einen Fremden."

„Niemand hat eine größere Liebe als die, dass er sein Leben hingibt für seine Freunde." (Johannes 15,13)

Maximilian Kolbe wurde 1982 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen – als Märtyrer der Nächstenliebe.

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