Die Moskauer Metro

Aus der Geschichte lernen
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21 dezember 1937 mein name wurde von der
autoren ist gestrichen
die politische polizei hat gerade drei
kameraden die die geschichte der metro
mit verfasst haben verhaftet
offenbar als volks freunde
jeden tag verschwinden leute im gulag
was haben wir verbrauchen sollen sie
mich doch verhaften
ich habe nichts zu verbergen
gemeinsam hatten wir wunder vollbracht
unser buch haben wir mit hunderten von
arbeitern geschrieben mit leuten die
kaum lesen konnten
es war ein außergewöhnliches
literarisches unterfangen
wir haben die arbeiter die geschichte
der metro schreiben lassen während sie
sie gebaut haben
die erste linie der moskauer metro haben
wir nicht einmal drei jahren
fertiggestellt
zwischen 1932 und 1935 haben sich 70
tausend arbeiter auf diesen bau gestützt
der bau hat aus tausenden jungen und
mädchen vom lande arbeiter ja sogar
brigade leiter gemacht
hand in hand haben wir rekorde gebrochen
damit die 13 ersten stationen und die
zwei bände der geschichte der metro
gleichzeitig fertig wurden wir waren
stolz auf die schönste metro der welt
und stalin auf die erste metro im land
er wirkte sehr gut gelaunt am tag der
eröffnung in ganz moskau wegen fahren
ach wenn doch maxim gorki noch gelebt
hatte nach seiner rückkehr aus italien
1932 bekam er von stalin an
trotz seiner tuberkulose und trotz der
probleme die in der vergangenheit mit
der sowjetmacht gehabt hatte bayer
zurückgekehrt und das revolutionäre
ideal der kultur für alle zu
verdeutlichen
stalin hatte sich alle mühe gegeben
unser namhaftesten schriftsteller
zurückzuholen einen engen freund linie
wir hatten zu mehreren die idee dass die
arbeiter die geschichte des baus der
metro schreiben sollten aber dann gorki
wird es auch geschehen
in einem land in dem sich das
proletariat emanzipiert hat steht es im
zu selbst die geschichte aufzuschreiben
aus der perspektive seiner klasse war
das eine utopie
noch nie standen sich arbeiter und
intellektuelle sogar vereint am selben
ort von brennendem auto da war so viel
enthusiasmus so viel frohsinn auf der
baustelle
und so erzählen sie es auch unserer
erbauer der metro
sie nennen mich den ingenieur aus der
taiga gegen ende des bürgerkriegs wurden
alle hände gebraucht wir wurden in den
ural geschickt
dort habe ich gelernt baustellen im
gebirge zu leiten
ich arbeitete auf staudämmen und in
goldminen
die arbeit in der taiga das bergwerk
mitten im wald
die hohen berge des ural und die
arbeiter dort das hat mir gefallen so
eine schöne zeit
bei uns würde erzählt der bau der metro
kommen nicht voran weil es an
fachkräften fehle da machte ich mich auf
nach moskau
es ist schon seltsam
ohne mich damit brüsten zu wollen aber
ich habe nicht mal den grund
schulabschluss und jetzt verfasse ich
die geschichte der metro ich hatte keine
glückliche kindheit mit 17 bin ich von
zu hause weg zusammen mit zwei anderen
ging ich zum bergbau im don jetzt becken
eines tages sagten die zu mir
aljoscha der anwärter ist da er sucht
arbeiter für den bau der metro
und so fand ich mich plötzlich in moskau
wieder das ist eine riesen stadt aber
auch mit einem riesen lärm
inzwischen habe ich mich daran gewöhnt
nach der oktoberrevolution musste ich
wegen der hungersnot mit meinem großen
bruder von zu hause fort
wir lebten in moskau leningrad in den
großstädten wo der schwarzmarkt blühte
eines tages wurden geschnappt und alle
in einer arbeitsgruppe verfrachtet dort
war ich unter straßenkindern
wir haben in rohbauten übernachten
beim treffen der kommunistischen jugend
sagte der parteisekretär im scherz
natascha der komsomol willig zum bau der
metro schicken
ich wusste gar nicht was die metro war
und antwortete ich gehe nirgendwo hin
anfang der 30er jahre war oskar noch ein
ausufernder asiatischer marktflecken
überall war gedränge auch in den kirchen
die stadt platzte aus allen nähten und
zur hauptstadt der sowjetunion und zur
welthauptstadt des kommunismus zu werden
musste alles neu aufgebaut werden stalin
beauftragte lasak adamovich damit der
sehr radikale beinahe futuristische
vorstellung hatte und ein teil dieses
grandiosen projekts war der baute metro
unter mitwirkung von nikita
chruschtschow seiner rechten hand ging
er das vorhaben im eiltempo an
als die christ erlöser kathedrale
gesprengt wurde sah ich moskau endgültig
im zwanzigsten jahrhundert angekommen
wie heißt es in der internationale
reinen tisch macht mit dem betreff
anstelle der kathedrale ist ein palast
der sowjets geplant höher als das empire
state building und gekrönt von einer 60
meter hohen statue lehnen den kopf in
den wolken
alles wird über groß die pläne für unser
neues moskau lassen ein schwindlig
werden
aber so wie die arbeiten vorangehen kann
niemand sagen wann das alles fertig wird
und unsere enkelkinder die die
oktoberrevolution vielleicht längst
vergessen haben werden kaum noch darauf
achten
1929 habe ich auf einer baustelle in
berlin gearbeitet
die arbeitsbedingungen waren hart wir
kommunisten haben uns dort sehr
eingemischt
nach einem langen streik wurden wir alle
entlassen
danach konnte ich nirgendwo mehr arbeit
finden
hinzu kamen berlin die wirtschaftskrise
es gab mehr als 500.000 arbeitslose
eines tages fällt jemand einen vortrag
über riesige baustellen in der
sowjetunion
das war eine interessante perspektive
schnell waren wir an die 25 kameraden
und bereiteten uns auf die abreise vor
ich konnte noch kein wort russisch aber
ich schickte mich an die metro von
moskau zu bauen
eine großbaustelle des kommunismus
als jugendorganisation für die metro
mobil machte ging ich mit einer freundin
dorthin
ich hatte schon einiges über die arbeit
auf den neuen baustellen gelesen und
hätte gerne mit meinen händen die wände
der tunnel berührt sie ausgehoben und
gespürt aber ich war noch zu jung für
die ärztliche untersuchung
meine freundin und ich haben bei der
altersangabe gemogelt und wir kamen dann
zu schacht nummer 10
technisch war der durchstich sehr heikel
ich bat den genossen chruschtschow mir
die bergbauarbeiter aus dem ural
zuzuteilen leute mit erfahrung
das hat auch gleich gemacht aber diese
männer aus der taiga haben ihre
eigenheiten
für sie hat die arbeit mit ehre und
respekt zu tun
sie waren am stadtrand einquartiert weil
ihnen die überfüllten straßen wannen
zuwider waren sind sie sieben kilometer
zu fuß zur arbeit gelaufen
als ich zu schacht 17 bis 18 geschickt
wurde sagte der betriebsgruppen leiter
das ist haut kommt zu mir denn was ist
aber laufe nicht weg
meine kamera denen und ich waren in
einem ziemlich hässlichen wohnheim
untergebracht
düster und eiskalt aber das war mir egal
ich war sowieso ständig in dem die
truppe wir haben mit unbezahlter arbeit
die bahngleise verlegt das war so eine
art kommunistischer subotnick die
stimmung war fantastisch
mein erster eindruck war eine riesige
baustelle mit lauter unerfahrenen leuten
niemand hat geglaubt dass wir es
schaffen würden die tunnel zu bohren in
all dem matsch keiner hatte eine
vorstellung von der arbeit dort keiner
kannte sich mit irgendwas aus weder mit
den maschinen noch mit abstützungen oder
dem abbau hemmen
für die jungen leute war es hart wenn
ein neuer kam sah er sich alles von oben
bis unten an und ging gleich rückwärts
wieder raus viele wollten ihn schmeißen
auch parteigenossen
ich habe mich auf der metro baustelle
als hilfsarbeiter beworben als mitglied
des komsomol der jugendorganisation der
partei wurde ich dann gleich ins büro
der betriebs zelle gewählt nach acht
stunden wurde ich schon zum leiter einer
brigade aus acht arbeitern an die idee
kollektiv angebots der metro zu
schreiben hat die jungen leute
begeistert
schnell waren rund 100 freiwillige
gefunden die mussten erst einmal
einführung gorki hat einige autoren zu
der baustelle entsandt und keinen
bedeutenden wir sind dort wo spielen
jack begegnet lefkas und valentin katars
die arbeiter wollten von ihnen techniken
des schreibens lernen wie vermutlich das
gefühl von nässe hitze kälte angst oder
gefahr
das schien ebenso einfach zu sein wie
beton zu gießen
uns ging es vor allem darum in der
vielfalt der schilderungen deutlich
werden zu lassen wie jeder mit seiner
neuen verantwortung fuß und die rolle
der partei bei dieser selbstfindung
das buch sollte zeigen wie die metro aus
ihnen neue menschen machte
am ersten tag lief ich mit den anderen
mit und landete bei den duschen
es ging sehr beengt zu und für die
frauen war auch kein umkleideraum da ich
trug einen overall und gummistiefel
darunter ein grob gewebte -ensemble mit
einer schnur um die taille in dieser
kluft fühlte ich mich überhaupt nicht
wohl und der gedanke da runterzugehen
machte mir angst
ich habe mir gesagt natascha du musst
auf überraschungen gefasst sein und
kontakt von meiner regale gefolgt
vor
die erste zeit hieß es einen tag stemmen
und dann drei tage lang pumpen damit der
schacht nicht voll lief später bekamen
wir lange hosen und overalls aus
kautschuk
aber das wasser lief mir noch immer den
hals hinunter ich habe mir ein stück
wachstuch gekauft und daraus eine art
helm gemacht damit es mir nicht ständig
ins hemd lief
es kam häufig vor das material nicht
angeliefert wurde oder niemand sonst in
dem tunnel war dann stehst du da völlig
allein wie mitten in der wüste
das ist grauenhaft wenn du dort
verschüttet wird bleibt keine spur mehr
von dir
um ehrlich zu sein die ersten tage waren
schrecklich ich kannte niemanden und die
leute brüllten sich von morgens bis
abends an
ich habe im umkleideraum in einer ecke
gehockt und geheult geheult forscher
ich dachte hat genosse stalin und so zu
arbeiten gelehrt
in einer nacht kam es fast zur
katastrophe
von überall her drang wasser ein die
gerüste haben gewackelt als würde unter
der erde eine best ja auf uns zurasen
ich konnte gerade noch nach der hand des
komsomol 10 für dort aufgreifen
wir sind in den inneren tunnel gekrochen
da stand alles unter wasser
ich hörte eine frau ganz seltsam
schreien sie war wie versteinert das
gesicht angst verzerrt außerstande auch
nur einen schritt zu tun
meine kumpel und ich haben sie an den
armen gepackt und hochgezogen ihr fehlte
nichts
sie schrie aus lauter angst
wir jungen leute mussten darum kämpfen
dass wir dort unten arbeiten durften
zum glück waren wir ausreichend viel um
uns gehör zu verschaffen
wir haben durchgesetzt eine brigade zu
bilden unter der leitung eines
erfahrenen bergarbeiters 25 jahre im dfb
team gearbeitet hatte als die kommende
molzen in scharen an karmann habe ich
mich mit der leitung gestritten
der parteisekretär wollte dass ich 250
unerfahrene junge leute in die vorderste
reihe sterbe
wer ist ein genosse voller ideen aber er
hat keine ahnung vom einen arbeiter aus
dem
wir sollten den schutt auf ungefähr 100
metern weg schaffen
für ungeübte ist das sehr hart wenn du
dich nicht höchst stößt du mit der stirn
gegen die quer stützen
flugasche fliegt ihr in die augen wenn
wir aus dem schacht kam waren wir völlig
verdreckt und durchnässt
nach sechs stunden dort unten wollten
wir nur noch so schnell wie möglich ins
bett
sobald sie befördert wurden hielten sich
die jungen leute gegenüber den alten
zurück doch der drang den helden zu
spielen ließ sie immer unvorsichtiger
werden dadurch kann es sogar zu unfällen
unsere rekordjagd war schon fast
gefährlich für die schächte plötzlich
sagte der tunnel um 60 zentimeter ab und
darunter verlief die hauptwasserleitung
des ganzen viertels wenn das rohr
platzte dann gute nacht
dann waren wir tot ganz moskau wurde auf
uns herab stürzen
mitunter mussten schäden an stellen
behoben werden wo nicht mal genug luft
war um ein streichholz anzuzünden
aganovic kam oft in die schächte
hinunter er war ein bauleiter der über
jedes detail bescheid wusste wir alle
sahen in ihm einen schon etwas älteren
freund jedes wort machte schnell in
allen bauabschnitten die runde zum
beispiel ihr müsst euch beeilen genossen
und wir gaben ihm unser wort und zu
beeilen
für kagan olic war unser buch eine art
fantastische abenteuer geschichte er
liebte den deutschen science fiction
roman der tunnel der gerade verfilmt
worden war
indem ließ ein genialer ingenieur von
einem bunten haufen einen tunnel unter
dem atlantik bis nach amerika graben das
war noch eine nummer größer
die mädchen hatten es anfangs ziemlich
schwer
sie sind gestolpert in den ungewohnten
rosen und die jungs haben über sie
gespottet
ich hielt mich zurück der leiter einer
komsomol brigade sollte nicht unflätig
fluchen die jungs haben ständig rum
geflucht was der brigade leiter zu
unterbinden suchte nicht doch jungs wir
haben frauen dabei
ich musste ein bußgeld von 10 kopeken
verhängen für jedes schimpfwort aber es
geht dabei nicht um das geld sondern ums
prinzip
zwei frauen wurden zu uns nach unten
geschickt wir hätten nie gedacht dass
sie dort klar kommen würden
doch dann haben sie genauso geackert
videos nach einem monat wurden sie sogar
zustoße arbeiterinnen ernannt
einige tage lang habe ich den bohrhammer
beobachtet ich wagte mich nicht mal in
seiner nähe
schließlich nahm ich all meinen mut
zusammen schnappte ihn mehr und drückte
auf den knopf
die ersten minuten hatte ich eine
heidenangst inzwischen ist der hammer
für mich alltag
damals waren außer mir erst nur zwei
andere junge frauen da unten aber schon
bald waren sie ein dutzend genug für
eine eigene regale
wir wurden die karpaten berge genannt
wenn es sehr heiß war haben wir uns
ausgezogen
der ingenieur hat zwar gerettet aber das
war uns egal so viele dass schaufel
leichter und das war doch ein schöner
anblick
ich habe zehn monate da unten gearbeitet
und kam über die dritte lohnstufe nicht
hinaus die brigade leiter setzten mich
ein wo sie mich gerade brauchten sie
arbeiteten mit der hacke und mir blieb
nur die schaufel
am ende reichte mir das wenn es
unmöglich war befördert zu werden musst
du dich halt gehen
ich wechselte in ein anderes team für
beton verkleidungen schon nach ein paar
monaten wurde ich als beste beton
arbeiterin ausgezeichnet und mir wurde
eine schicht mit sechs arbeitern
unterstellt
die brigade von dimitri krajewski wurde
in seltenheim einquartiert wie wir
so lernten wir uns kennen sie wurden
besser bezahlt und ihre arbeit da unten
schon interessanter darum rate ich bei
ihnen arbeiten zu dürfen
dimitri krajewski führte wie ich ein
tage vorüber die metro wir haben uns
ausgetauscht
eines abends sind wir zu einem treffen
mit professionellen schriftstellern
gegangen zwei jahren da ein junger mann
und eine ältere dichterin keiner hat je
einen schriftsteller vor sich gehabt
wir haben sie angestaubt als wären sie
außerirdische besonders die dichterin
mit ihren stöckelschuhen und rot
geschminkten lippen
ich sollte laut die seite vorlesen auf
der ich meinen ersten arbeitstag mit
dimitri krajewski beschrieben wie
schüchtern nicht ab letzlich war
einmal haben wir zu zweit an den
rundbogen aufgestellt der ist aus
irgendeinem grund gebrochen und auf mich
gestürzt
ich hatte eine blutige nase eine
gebrochene rippe und mir blieb die luft
weg
dimitri krajewski schüttete mir
salzwasser ins gesicht um mich mundtot
zu machen
sobald ich wieder bei mir war habe ich
weiter gearbeitet bis zum ende der
schicht
es war unglaublich wie sich unsere
arbeiter autoren durch das schreiben
entwickelt haben
bei einem unfall sagten sie sich diese
szene kommt gut in meinem tagebuch
ganz langsam veränderte sich ihre
sichtweise und dabei dieser zeitdruck
etwas derartiges hatte es noch nie
gegeben
es war immerhin eine baustelle mit
70.000 arbeitern
so als würden soldaten im krieg
aufgefordert gleichzeitig ein buch
darüber zu schreiben
unser unterfangen hatte etwas
unwirkliches
unser sowjetischer tunnelbohrer arbeitet
voll elektrisch er wurde in fünf monaten
in 25 verschiedenen fabriken gebaut was
rein sowjetischen material sowjetischen
händen mit ihnen schaffen wir vier meter
in 24 stunden sogar vier mitte 50 das
ist unser rekord
die ausländischen spezialisten hatten
höchstens einen meter in 24 stück für
möglich gehalten
der tunnelbohrer ist von oben bis unten
und auch waagerecht unterteilt und in
jedem abschnitt steht ein arbeiter der
burg mit meiner freundin tanja war ich
trotz des verbots viermal im
wasserdichten inneren der lärm ist
ohrenbetäubend
dimitri krajewski unser brigade leiter
hat uns für verrückt erklärt danach so
hat er behauptet könnten wir keine
kinder mehr bekommen
die ganze brigade hat um jeden
zentimeter mehr gekämpft um noch einen
kubikmeter beton in den tunnel diesen zu
können die zielvorgaben standen alle 24
stunden neu auf einer tafel
es näherte sich der moment des
durchstichs zu schacht nummer 14
nur zehn meter fehlten uns noch tag und
nacht habe ich mich gefragt wie das sein
würde
ich kauf mir den hammer und holte weit
aus
als es daran ging die verbindung
herzustellen zwischen schacht 14 und 15
waren die jungs so feuer und flamme dass
sie 25 bis 30 stunden durchgearbeitet
haben
ich kam auch nicht mehr aus dem schacht
ich blieb dort und lauschte den
vertrauten stimmen den geflüster einem
ukrainische lied und fühlte mich wohl es
war wie in einem märchen
auf der seite von schacht nummer 14
völlige stille die jungs horchten ob sie
mich arbeiten hörten
kaum hatten sie mich ausgemacht legten
sie sich ordentlich ins zeug und zehn
minuten später kam der durchbruch
ihr vorarbeiter warf sich in das loch
und wir wurden gefilmt
unsere brigade erhielt eine prämie von
1500 rubel
mir wurden 200 rubel und ein
ferienaufenthalt zu teilen
während wir unsere geschichte der metro
verfassten machten sich andere
schriftsteller notizen auf der
großbaustelle des zweiten
fünfjahresplans sie schrieben romane
über die staudämme die hochöfen oder die
flüsse deren verlauf geändert werden
sollte
stalin wollte aus uns ingenieure der
seelen machen
schön dass sich rom auch mit dem herzen
des modernen lebens annehmen der
produktion aber müssen alle
schriftsteller aus dem selben holz
geschnitzt sein
die vision und der hollywood beau
fahruntüchtigkeit nicht
wer ums leben
maxim gorki war zum schirmherrn der
sowjetischen literaten geworden um ihn
herum herrscht ein einziges gerangel um
auszeichnungen lukrative aufträge oder
eine wohnung in moskau
auch unsere arbeiter autoren wurden
ambitionierte ich machte fortschritte in
der aufgabenverteilung
die männer haben geraucht und gequatscht
statt was zu tun
immer dasselbe diese frau kann nicht
arbeiten aber will uns rumkommandieren
ich habe angefangen ordnung zu schaffen
und durchgesetzt dass sie während der
arbeit nicht rauchen und nicht so viel
quatschen
als schichtleiterin bin ich sogar zur
fünften lohnstufe aufgestiegen
im oberen tunnel gab es probleme mit dem
beton deshalb sollte provisorisch
bruchsteinmauerwerk verwendet werden
die anderen hatten damit noch nie
gearbeitet
ich sollte es ihnen zeigen
irgendwann kam ich in den schacht und
sah das alles krumm und schief
ich ließ sie alles wieder abreißen die
arbeiter haben protestiert weil sie
dadurch geld verloren
aber ich habe ihnen gesagt ein guter hut
ist mehr wert als der lohn dafür
unsere jungen arbeiter autoren sind neue
menschen aufgewachsen unter der
herrschaft der bolschewiki frei von
religion und verdummung der junge
mädchen begegnen einander unbefangen und
unverdorben sie lernen voneinander und
arbeiten zusammen vergnügen sich im
treiben gemeinsam sport obwohl die
sozialistische gesellschaft noch nicht
verwirklicht ist werden sie es leichter
haben im leben als wir
ihre eltern und großeltern doch es fehlt
ihnen an nachsicht und geduld sie haben
es allzu eilig uns auf der müllhaufen
der geschichte zu entsorgen
die jungs haben einen wettbewerb
organisiert wer die meisten schaufeln
für als erster war kriegen oft an
in der vorgegebenen zeit schaffte er 130
schaufeln bei der bahn noch übertraf bei
ihm waren es 180 schafkopf seitdem
amüsiert zu und meinte gut wie uns wenn
ihr 180 schafft dann schaffe ich 300 er
fing an zu schaufeln wie eine windmühle
es war unglaublich er ackerte drauflos
wie ein wildes tier
aganovic achtet auf jedes noch so kleine
detail und war andererseits offen für
unsere wünsche als ich ihn zum ersten
mal dort unten erlebt habe wartete er
bis sich alle in dem stollen versammelt
hatten und wandte sich dann persönlich
an den brigade reiter college of bist du
mit einem lohn zufrieden
collette chef antwortete die bezahlung
ist in ordnung aber solange ich in
diesem heim wohnen kann ich nicht
heiraten
aganovic notierte sich das und sagte
dann du kannst sofort heiraten
prompt bekam kolosov eine wohnung
bei jeder redaktions versammlung
wetterte karanovic gegen die feinde
wir sollten nicht nur die helden zeigen
sondern auch die taugenichts die
saboteure und drückeberger
die gehen alles egal sei er wollte dass
das buch die ganze baustelle zeige aus
technischer und aus menschlicher sicht
und dass es deutlich macht wie sehr die
metro die menschen verändert habe jeden
einzelnen und alle als kollektiv
wir haben den jüngeren beigebracht die
unterschiede des terrassen des gesteins
zu erkennen und damit umzugehen aber
auch die klassenfeinde zu erkennen den
verräter der sich wie wasser in der
tischdecke breitmacht um uns unsere
siege zu nehmen
auf der hut zu sein vor klassen feinden
das macht einen jeden arbeiter aus im
herbst 1934 mussten wir die methodik
ändern nicht nur aus zeitgründen die
tagebücher waren aufrichtig bewegend und
voller details aus der wirklichkeit der
metro aber sie entsprachen nicht dem
proletarischen ideal
die kommunistische partei schickte eine
liste mit fast 300 personen von denen
sie wünschte dass sie zu wort kämen 300
lange interviews
und alle standen stramm auch unsere
großen schriftsteller ploski willen ja
sogar isaak babel in der redaktion kann
mehr als 10.000 zeiten zusammen sie zu
redigieren und einzugliedern meint
gewaltiger aufwand
auch wir haben brigaden gebildet und
rekorde gebrochen in literarischer
produktion
nach kochs brigade hat mehr als einmal
die rote fahne des stalin wettbewerbs
gewonnen
doch das ging nicht immer mit rechten
dingen zu schach doch erwies sich als
ein wenig soziales element
mir wurden 30 neue anvertraut die gerade
erst eingestellt worden waren
ich habe bis zum schluss mit ihm
gearbeitet einer von ihnen war ein
komsomolez diakowska wir mussten ihn
ständig antreiben diesen faulenzer er
sagte zu mir
dimitri versuch nicht jemandem etwas
beizubringen was er schon weiß davon
verstehe ich genauso viel wie du
schließlich habe ich abitur
tja wenn der herr so viel weiß dafür von
mir keine nachsicht erwarten
ich schrieb einen bericht über ihn er
flog wie ein korken klopp von da unten
oben wieder raus
unser brigade leiter ist mehr dumm rum
gelaufen als das er gearbeitet hätte
außerdem war mir aufgefallen dass er
immer wieder verloren vollschutz
aufschrieb wenn es in wahrheit nur zwei
waren
das habe ich dem abschnittsleiter
gemeldet er wurde abgezogen und ich
wurde statt seiner brigade leiter
daraufhin hat er urlaub genommen und
wurde nie wieder gesehen
wir hatten schon erfahrung genug um
mitzukriegen wann die ingenieure falsch
lagen
diskutiert wurde mit ihnen selten aber
wenn es um qualität ging war mit uns
nicht zu spaßen
einmal gab ein ingenieur anweisung den
beton zu mischen obwohl das wasser
verunreinigt war
als mitglied des qualitäts komitees habe
ich mich wieder setzt in meinen augen
war dieser anweisung sabotage
der ingenieur wurde abberufen und kam
vor ein gericht
mir war klar dass er auf biegen und
brechen den plan erfüllen wollte wir
haben auch oft alles gegeben um die
ziele zu erreichen aber niemals auf
kosten der qualität
ende 1934 drehte sich der wind maxim
gorki war mit ehrungen überhäuft worden
aber von ihnen gar nichts erzeugung der
tod seines sohnes hat den mitgenommen
gesundheitlich baute er wirkte wie ein
gefangener in einem goldenen käfig dann
das blutige attentat auf tiere sergej
kirow leningrader parteisekretär und
mitglied des zentralkomitees italiens
möglicher nachfolger er starb durch
einen kopfschuss
die polizei hat schnell einen
terroristen verhaftet
doch das genügte ihr nicht es wurden
komplizen besucht und die komplizen der
komplizen
kaum zwei jahre vergingen dass die
oberste führungsriege der bolschewiken
wir auf der anklagebank
alle weggefährten lebens folgen einer
nach dem anderen eines komplotts gegen
kiel hofft beschuldigt und als verräter
hingestellt am start dem vaterland und
dem sozialismus
und wir in der redaktion waren wegen der
zusammenarbeit mit verrätern und des
kontakt zu ausländischen schriftsteller
land ebenfalls verdächtig
von großer bedeutung war auf der metro
baustelle wie sich das verhältnis der
arbeiter zueinander gewandelt hat das
ist mir am tag des unfalls in der
station balanstr sowjets aufgefallen als
dort ein teil der decke eingestürzt ist
einem mann gelang es einen träger mit
einem herumliegenden balken abzustützen
er war schichtleiter einer der als
einfacher saison hilfsarbeiter noch
ausgang gekommen war und nun zwischen
600 und 800 rubel im monat verdient er
ist das risiko also nicht des geldes
wegen eingegangen diese selbstlosigkeit
und fähigkeit spontan das richtige zu
tun werden wir immer brauchen die besten
maschinen nützen nichts ohne die
menschen demnächst nehme ich an einer
technischen fortbildung teil und hoffe
beim zweiten bauabschnitt der metro
vorarbeiterin zu sein
ich arbeite viel aber ich spüre
keinerlei erschöpfung
die meiste zeit verbringe ich unten im
schacht und ich bin politisch aktiv
leider komme ich so gar nicht mehr zum
lesen
das leben ist heute interessanter als
die bücher
bevor ich zur metro kam war ich nicht
besonders qualifiziert jetzt bin ich
schichtleiter und ich schreibe
regelmäßig für die zeitung der stoß
arbeiter der metro wenn ich etwas sehe
das zu kritisieren ist greife ich zur
feder den drückeberger ist unsere
zeitung natürlich ein dorn im auge
für vorbildliche ordnung im wohnheim
haben wir eine nähmaschine und einen
plattenspieler erhalten und ich bekam am
8 märz zum frauentag eine prämie von 100
rubel im wohnheim gibt es auf
diskussionsabend einmal haben wir
diskutiert was eine wahre kommunistische
familie ist dimitri k s gehört erzählt
er sei vor der heirat in eine junge frau
in der mikro verliebt gewesen
ihren namen hat er nicht verraten jetzt
kann ich es ja sagen das war ich
seit ich in moskau wohne gehe ich oft
ans theater in deutschland konnte ich
mir so etwas nicht leisten
ich habe auch angefangen auf russisch zu
schreiben und habe artikel an arbeiter-
zeitungen geschickt
als anerkennung habe ich vier bände von
linien auf deutsch ein buch von stalin
und mehrere von maxim gorki bekommen
aber ich habe nicht vor die arbeit in
der metro aufzugeben
denn dabei lerne ich viel über den
sowjet menschen und wie es in der udssr
so läuft
der erste band unseres buchs erzählungen
der metro bauarbeiter lag rechtzeitig
zur u-bahn eröffnung am 15
mai 1935 vor die partei hatte eine
auflage von 100.000 exemplaren
beschlossen
es war schwierig das papier dafür
aufzutreiben
der zweite band wie wir die metro
wollten erschien vier wochen später im
juni
wir hatten genügend material für einen
dritten band doch plötzlich
interessierte das nur mehr
gestern war ich an der station zur
kolnik der erste fahrgast am schalter
erhielt ich die fahrkarte nummer eins
serie a voller begeisterung für ich bis
zum platz der revolution
ein ausländer erzählte mir von einem
mann in den usa einen kapitalisten der
die ersten fahrkarten einer metro sammle
schicke deine sagte er
die bringt dir was ein nein ich werde
sie nicht nach amerika schicken meine
kostbare fahrkarte nummer eins die werde
ich hüten wie ein heiligtum als ein
zeugnis seines langen lebens
der bau der metro geht weiter wir
brechen rekorde als werden orden
verliehen
aber mit dem herzen sind wir nicht mehr
dabei unser heldenmut ist tot
der zweite bauabschnitt geht zu ende elf
neue stationen sollen nächsten monate
öffnet werden ob ich ihn auch sehen
würde
die angst sitzt in mir jedenfalls seit
unsere redaktion aufgelöst wurde denkt
niemand mehr daran die arbeiter
schreiben zu lassen
sie hätten zu sehr angst etwas falsches
zu schreiben oder die ingenieure die
befürchten jeden moment wegen sabotage
vor gericht gestellt zu werden oder die
parteikader die einer nach dem anderen
des hochverrats beschuldigt werden und
schon gar nicht die schriftsteller diese
verfluchten kleinbürgerlichen
individualisten seit maxim gorki tot ist
leben wir nicht mehr dem selben land die
politische polizei ist allgegenwärtig
das ist nur noch eine stimme zu hören
ich stimme es darin
auch
