
Zwei Drittel der Einzelhändler erwarten 2026 sinkende Umsätze – ein Drittel Onlinezuwachs aus China
Die Mehrheit der deutschen Einzelhändler rechnet in diesem Jahr mit sinkenden Einnahmen. 65 Prozent erwarten Umsätze leicht oder deutlich unter dem Vorjahresniveau, ergab eine Umfrage unter 600 Unternehmen des Handelsverbands Deutschland.
„Das Konsumklima bleibt heute deutlich unter dem Niveau des Vorjahres“, sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth, und weiter: „Die Stimmung entspricht der Situation im zweiten Corona-Lockdown.“
Das Problem für viele Unternehmen seien die steigenden Kosten für Beschäftigung, Energie und Wareneinkauf. Allein der Online-Handel sei wieder zum Wachstumstreiber geworden, doch er geht davon aus, „dass ein Drittel dieses Zuwachses allein auf die beiden Drittstaatenplattformen Temu und Shein zurückzuführen ist, die häufig mit sehr unfairen Mitteln hier in den Wettbewerb eingreifen.“
Am 29. Juni fand eine Untersuchung des Bremer Umweltinstituts bei 7 von 18 getesteten Kleidungsstücken der Online-Plattform Shein einen Verstoß gegen EU-Grenzwerte für Chemikalien. Ab dem 1. Juli gilt auch für Pakete mit geringem Warenwert, die in die EU geschickt werden, eine pauschale Zollabgabe von drei Euro pro enthaltener Warengruppe. Ob diese Faktoren den Handel beeinflussen, bleibt abzuwarten.
Laut HDE wird die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland in diesem Jahr voraussichtlich erstmals seit der Wiedervereinigung unter die Marke von 300.000 fallen. Knapp 5.000 Händler dürften aufgeben, sagte HDE-Präsident Alexander von Preen. „Sie lesen da auch viel drüber, dass die Städte vereinsamen, dass man weniger Frequenz hat, und diese Tendenz scheint sich auch im Jahr 2026 zu bestätigen. Das hängt insgesamt auch mit der Aufenthaltsqualität in den Städten zusammen.“
Der HDE warnte ausdrücklich vor einer Abschaffung der Minijobs, oder einer Verschlechterung deren Bedingungen. Ferner brauche es einen verbindlichen Deckel von 40 Prozent bei den Lohnnebenkosten. Zudem sprach sich der Verband erneut für eine Flexibilisierung bei den Ladenöffnungszeiten aus.
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