Tod am Matterhorn – warum unterschätzen so viele Bergsteiger diese Ikone? | Doku NZZ Format

Memories Transcend Time.
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Seit der ersten Bestiegung des Matterhorns hatten wir 603 Todesfälle.
Und das ist der tödlichste Berg.
Es gibt keinen anderen Berg auf der Welt, der so viele Tote hatte.
Der Berg selber ist ein Labyrinth.
Du wirst müde, die Konzentration lässt nach.
Irgendwann willst du eigentlich nur noch nach Hause.
Letztes Jahr hatten wir wirklich viele Todesfälle.
Ein Familienvater mit Sohn, zwei Kollegen,
Alleingängerinnen, Alleingänger.
Die Häufigkeit wurde dann schon ein Problem für das Team.
Das Matterhorn ist nicht ein Berg, wo man einfach mal so gehen kann,
noch wenn man sehr gut ist.
Jetzt ist ein Jahr vorbei und dieses Bild geht mir nie mehr aus dem Kopf.
Lautlos ist dieser Mensch einfach so rückwärts mit dem Rucksack,
nach allem heruntergefallen.
Ohne Bergführer, ohne Erfahrung, mit der falschen Ausrüstung.
Viele von ihnen haben eigentlich hier oben noch nichts verloren.
Oh, schau jetzt hier.
Also so wie dein Berg, da kannst du das Heilige auch im Rucksack lassen.
Und den möchtest du nicht verwundern, dass so viele Unfälle passieren.
Das Matterhorn ist schon rein zum Anschauen.
Das ist einfach einer der schönsten Berge der Welt.
In den Bergsteigerkreisen ist und bleibt das Matterhorn
einfach einer von diesen Gipfeln, die man im Palmares haben muss.
Ich bin der Anjan Truffer, ich bin Bergführer hier in Zermatt
und der Rettungschef von der Erzermatt und der Gemeindezermatt.
Anjan hat schon mehr als 200 Gäste sicher aufs Matterhorn gebracht.
Neben seiner Arbeit als Bergführer
ist er auch bei mehr als 100 Rettungseinsätzen am Berg dabei gewesen.
Immer wieder auch mit tödlichem Ausgang.
Auf der heutigen Mission mit der Erzermatt
bereitet das Team den Berg für den bevorstehenden Ansturm auf.
Es ist Anfang Juni.
Der Berg ist 4478 Meter hoch und noch komplett mit Schnee bedeckt.
Deshalb ist er aktuell nur aus der Luft zu erreichen.
An eine Gipfelbesteigung ist noch nichts zu denken.
Jedes Jahr versuchen mehr als 3000 Menschen,
auf das Matterhorn zu klettern.
Die Standardroute führt über den Hördlegrat.
Dieser Weg ist mit Bohrhaken und Fixseilen ausgestattet.
Das soll den Aufstieg für die Bergsteiger sicherer machen.
Teil unserer Aufgabe ist klar,
dass wir jedes Jahr die Installationen kontrollieren.
An verschiedenen Punkten haben wir Fixpunkte angebracht.
Das sind zum Teil nur kleine Bohrhaken,
wo man den Karabiner oder die Seile einhaken kann.
Und das sind weiter oben Fixseile,
also richtige dicke Tau,
mit denen man sich draufziehen kann.
Wenn man das nicht so absichert und sicher macht,
dann würde es viel mehr Unfälle geben.
Wenn einer so nicht durch das Matterhorn kommt,
ist er sicher am falschen Ort.
Es ist Mitte Juli.
Am Matterhorn herrschen jetzt beste Bedingungen.
Die Bergsteiger-Saison läuft auf Hochtouren.
Ich bin Melli Rüfenacht, bei uns das Fee,
und gehe leidenschaftlich gerne auf den Berg.
Meine Kinder wissen, dass es eine Leidenschaft ist von mir
und dass ich extrem glücklich bin, wenn ich in die Berge gehe.
Es ist sogar manchmal so, wenn ich länger nicht gehe,
dass sie manchmal sagen,
hey, Mami, geh wieder mal auf den Berg.
Das Matterhorn ist einer meiner Lieblingsberge.
Ich gehe es sehr, sehr gerne.
Vor einem Jahr hat Melli einen Absturz am Matterhorn beobachtet.
Jetzt kehrt sie zum ersten Mal an den Berg zurück.
Hallo, Melli.
Schön, dass es geklappt hat.
Du bist wieder in der Hütte.
Es waren etwas komische Umstände.
Aber schön.
Ich bin Edith Lehner, 59-jährig.
Ich bin Hüttenwartin der Hörnlihütte
seit 7 Jahren zusammen mit meinem Mann Martin.
Die meisten Bergsteiger übernachten in der berühmten Hörnlihütte,
bevor sie am nächsten Morgen den Aufstieg zum Gipfel wagen.
Gehen wir starten?
Im Prinzip habe ich eine sehr positive Beziehung zum Berg.
Ich habe meinen Mann hier gelernt zu lieben.
Wir sind zusammen hier auf dem Matterhorn.
Und dass wir hier Hüttenwart sein dürfen,
an diesem Berg, der sehr berühmt ist,
ist sicher eine dankbare Geschichte.
Wir sind prinzipiell für die Hütte zuständig.
Was am Berg läuft, will ich nicht ganz klar distanzieren.
Das steht mir auch nicht zu, zu urteilen.
Aber wenn wir sehen, dass jemand schlecht ausgerüstet kommt,
die Schuhe nicht hat, keine Seile, kein Gescheit,
probiert man es sicher zu sensibilisieren.
Aber die wenigsten hören.
Wenn du alleine gehst, musst du schon noch ein Seil mitnehmen.
Es ist kein Klettersteig auf dem Matterhorn.
Nein, aber bist du sicher,
dass du das Matterhorn besteigen willst?
Ja, aber da musst du dich informieren.
Es kommen wirklich sehr viele Fragen,
wie der Weg in die Solvayhütte,
ob es mit dem Klettersteig gehen soll.
Einfach so blöde Fragen, muss ich wirklich sagen.
Man muss sagen, das gehört nicht hier an diesen Platz.
Hier kommt man vorbereitet.
Die Veränderungen am Berg sind vielleicht so,
dass die Leute eher Klettersteigmässig unterwegs sind
oder Trailerunning,
wo man natürlich nicht denkt, dass man so ist.
Es ist ein Alpinenberg, man muss klettern,
man muss ausgerüstet sein,
man muss Erfahrung im Gebirge haben.
Es ist natürlich schon nicht so gut,
wenn die anderen Gäste kommen und versuchen,
das Matterhorn zu machen.
Was hat er gesagt?
Er will das Matterhorn im Klettersteig setzen.
Wo kann man sich das einhalten?
Über ein Seil bräuchten wir eine Leinung.
Keine Ahnung.
Letztes Jahr hatten wir leider Gottes
während der Hüttesaison sehr viele Abstürze,
mit unterschiedlichen Hintergründen.
Familienvater mit Sohn, zwei Kollegen,
Alleingängerin, Alleingänger.
Die Häufigkeit wurde ein Problem für das Team.
Das wollen wir nicht so schnell loslassen.
Aber mein Job ist primär,
dass das Team stimmen kann
und der Alltag weitergeht,
bei einem Todesfall oder bei einer Rettung.
Die Nacht ist kurz.
Die meisten Bergsteiger starten um 3.50 Uhr.
Auch Melli ist heute Morgen unterwegs.
Sie ist auf dem Hörnli-Grad und geht Richtung Gipfel.
Es ist dieselbe Route,
die ein verunfallter ukrainischer Bergsteiger
vor einem Jahr gewählt hat.
Es ist ein Jahr vorbei.
Ich bin gespannt, was mit mir passiert.
Ich denke an den Bergsteiger,
den ich gesehen habe,
wie eine letzte Ehrenwiese.
Ich denke nochmals an ihn.
An dieser Stelle.
Ausser wir zwei weiss niemand,
wo das passiert ist.
Ich sehe ihn noch jetzt so vor mir.
Irgendwie habe ich das Gefühl,
es ist normal, bewusst dorthin zu gehen.
Nicht einfach durchzusausen,
an dieser Stelle hinzugehen.
Und bei ihm eine Ehrenwiese.
Das klingt vielleicht komisch,
aber ich denke nochmals an ihn.
Ich denke einfach.
Er stand hier.
Hier haben sie etwas mit dem Seil gemacht.
Dann ist er zurückgegangen.
Er stand eigentlich schon hier.
Dann haben sie hier etwas mit dem Seil gemacht.
Dann stand er noch mehr zurück.
Ich bin jemand, der manchmal ein Wort wechselt,
wenn ich nicht so viel Zeit habe.
Ich habe ihm gesagt, er solle aufpassen,
dass er nicht zu weit zurückstehe.
Ob alles gut sei.
Wir haben englisch gesprochen.
Er hat gesagt, es sei alles gut,
es sei ein schöner Tag.
Er würde jetzt jemanden umkehren.
Für ihn sei hier fertig,
er möge nicht mehr, es sei schwierig.
Ich habe auch noch im Kopf
wie Charly Schappler gestanden,
mit einem grossen Pickel,
auf einen Bein gestützt.
Sehr, sehr freundlich.
Er ist dann effektiv umgekehrt
und kam uns hinterher.
Hinter uns kamen noch andere,
die abgestiegen waren.
Dann gab es hier etwas Trübel.
Er hat, wie er es bei mir gemacht hat,
einen Schritt zurück gemacht,
aus Freundlichkeit.
Damit sie Platz hatten
und durchkommen konnten.
Wir waren schon weiter unten,
mussten aber auch warten,
weil hier auch Bergsteiger
etwas zu tun hatten.
Wir standen hier
und schauten hoch,
um zu sehen, was sie hier machen.
Danach macht er nochmals
einen Schritt zurück,
verliert das Gleichgewicht
und fällt rückwärts
in die Nordwand.
Das ist ein Bild,
das geht mir nie mehr aus dem Kopf.
Das ist lautlos,
er hat keinen Ton,
es ist kein Schrei, nichts.
Lautlos ist dieser Mensch
hinter der Zeit das Gleichgewicht verloren,
durch einen Schritt aus Freundlichkeit
zurückgegangen,
rückwärts in die Nordwand.
Ich sehe ihn einfach
wie eine Puppe,
rückwärts durch den Rucksack,
allem heruntergefallen.
Was wir uns durch diese Unfälle
richtig bewusst machen,
ist die Ehrfurcht vor dem Berg.
Dass man Respekt hat
vor dem Berg,
dass man sich bewusst ist,
es ist jedes Mal eine Tour,
die nicht ohne ist,
wo man mit voller Konzentration gehen muss.
Das habe ich mir nach den Unfällen gesagt.
Ich gebe jedes Mal
den Berg wieder aus.
In der Schweiz sterben
jedes Jahr im Schnitt 24
Alpinisten beim Bergsteigen.
Doch auch beim Wandern
gibt es tödliche Unfälle.
Etwa 50 pro Jahr.
Ich glaube auch nicht,
dass das Matterhorn an und für sich selber
gefährlicher ist.
Es ist der Mensch, der es noch gefährlicher macht.
Dadurch, dass es so viele Prüfwellen gibt,
ist automatisch mehr los.
Das ist reine Mathematik.
Wenn man
3'000 auf den Berg geht,
passiert mehr, als wenn man nur 300 auf den Berg geht.
Der Berg
ist technisch eigentlich nicht schwierig.
Es hat eigentlich nur zwei Kletterstellen,
an denen man um den vierten Grad klettern muss.
Alles andere ist eigentlich
ein richtiges Gemsgelände.
Das Schwierige am Berg ist,
den Weg zu finden, die Route zu finden.
Es ist zum Teil
fast wie ein Labyrinth.
Es sind nach wie vor
zu viele Leute unterwegs,
ohne Bergführer,
ohne Erfahrung, zum Teil mit
der falschen Ausrüstung.
Das ist das, was den Berg
gefährlich macht.
Auf einer Höhe von 4'003 Metern
steht die Solvay-Hütte.
Ein Biwak für Bergsteiger in Not.
Wir sind hier für die Solvay-Hütte
oder Solvay-Biwak.
Wie gesagt,
ich habe hier etwas süss gesehen.
Es ist eher spartanisch.
Es hat hier ein paar Betten.
Unten und oben
mit Dächern.
Hier hinten ist noch mal ein kleiner Raum.
Es ist eigentlich gedeicht für acht Leute.
Aber
das meiste, was ich hier gesehen habe, waren 43.
Also
das ist schon ziemlich eindeutig.
Es ist eigentlich gedeicht
als Notunterkunft, aber wird leider
sehr oft in den
regulären, teuren Plänen eingebaut.
Es gibt viele Bergführer,
die wollen die Hütte am liebsten
in die Luft sprengen.
Das ist eine Tatsache. Wenn wir
morgens früh hier ankommen,
sind hier entweder schon Rückstarter,
dann hast du schon wieder Leute vor dir,
die einen Steinschlag auslesen können.
Wenn man die Hütte nur als Notbiwak
bräuchte, wäre das super,
aber das ist ein Wundsteichen.
Das geht leider nicht.
Ich sehe es eher von der Bergretterseite.
Wir haben hier jeden Sommer
viele Evakuationen.
Wenn man sich nur anschaut, wie viele Menschen
leben, die die Hütte im Jahr retten,
bin ich eigentlich eher
ein Befürworter der Hütte.
Rein als Bergführer,
wenn ich mit den Gästen unterwegs bin,
spreche ich mich natürlich
genau gleich über die Hütte auf wie alle
anderen Bergführer.
Schau dir das mal an!
Du musst dir mal die Brille anschauen.
Mit dir in die Ostwand.
Jetzt kommen wir hier in zwei Gärten.
Siehst du die da unten?
Jetzt haben wir Glück.
Die, die wir da unten gesehen haben,
sind einfach viel zu weit weg von der Route.
Dann haben sie ein langes Seil offen
und das löst.
Das hat sich gleich wieder verklemmt.
Dann müsste der andere rübergehen
und der Riesenstrahl.
Dann gibt es einen Steinschlag.
Die anderen zwei,
die du da siehst,
die sind total neben der Route.
Die sind dann in der Brüche
los und krischeln.
Es ist immer wieder interessant
zu sehen, die Varianten,
die gewählt werden.
Du wirst einfach mit den Seilen nicht arbeiten.
Ich möchte dich nicht verwundern,
dass so viele Unfälle passieren.
Du wirst die unteren auch wieder
steinanlassen.
Es sind jetzt viereinhalb Stunden,
die sie unterwegs sind.
Von der Hörnlihütte bis hier.
Fast fünf Stunden
für die Hälfte des Aufstiegs.
Du musst vorher die Bergführer
mit ihren Gästen
gemütlich zwei bis zweieinhalb Stunden
machen.
Zehn Meter offen das Seil.
Da siehst du, wie der Mond
immer wieder verhedert und einheicht.
So wie dein Berg.
Da kannst du das Seil auch im Rucksack lassen.
Du musst einfach ehrlich sein.
Die haben am Berg eigentlich nichts verloren.
Aber wir werden es nachher sehen.
Wir warten jetzt, bis sie kommen.
Dann fragen wir sie auch mal,
was sie für einen Plan haben.
Und dann
lernen wir wieder etwas.
Interessant ist eigentlich,
dass viele dieser Todesfälle
irgendwo auf der Strecke passieren.
Vor allem, weil die Leute
gar nicht auf der Route sind.
Das braucht enorme Zeit.
Je länger du an diesem Berg bist,
desto höher ist das Risiko,
dass etwas passiert.
Wenn du zu lange unterwegs bist,
wirst du gemütlich.
Die Konzentration lässt noch.
Irgendwann willst du eigentlich nur noch nach Hause.
Viele dieser Unfälle passieren
im Abstieg und nicht im Aufstieg.
Hallo.
Wie geht es dir?
Sehr gut.
Powervoll.
Du fühlst dich gut?
Ja.
Freilich?
Freilich, gut.
Kein Problem mit
Kopfschmerzen oder so.
Du bist gut akklimatisiert.
Wahrscheinlich ja.
Was denkst du?
Ist es ein guter Weg, weiterzumachen?
Ich glaube nicht.
Wenn du die Wettervorstellung anschaust ...
Ja, ich habe geschaut und gesehen,
dass es um 1 Uhr ...
Es ist wahrscheinlich schneller jetzt.
Sie haben es korrigiert.
Sie haben es um 11 Uhr geändert.
Scheisse.
Ja.
Vielen Dank.
Kein Problem, mit Freude.
Wir werden uns kümmern.
Ja, das tust du.
Der Berg bewegt sich nicht.
Du kannst immer wieder zurückkommen.
Das sind zwei, die das gehört haben.
Das ist eigentlich selten.
Die haben keine Ahnung,
wie sie mit den Seilen arbeiten.
Das kannst du jetzt auch probieren,
abzuseilen.
Haben wir noch etwas zu kommentieren?
Comedy Pool, oder?
Ja.
Am ganzen Matterhorn
vermissen wir immer noch 20 Personen.
Viele davon liegen
unter der Ostwand.
Das ist ein grosser Bergschrund.
Wenn man hier reinkriecht,
ist es in der Berge quasi unmöglich.
Aber es ist auch sehr gut zerklüftet.
Es kann auch sein,
dass man sonst
in eine Felsspalte fällt.
Leider geht das.
Die Leute sehen das
meistens nicht so gut aus.
Es ist nicht immer ein ganzes Körperteil
am Boden, den man hier findet.
So verschwinden einfach die Leute.
Es ist sicher so,
dass heutzutage
Social-Media-Influencer
einen grossen Einfluss
auf das haben.
Du siehst in den Bergen allgemein,
ob das Matterhorn ist oder nicht.
Du siehst hier einfach
Kreuze und Chaos, die hier kommen.
Die wollen hier einfach
ihre Ferien erleben.
Viele von ihnen
haben hier eigentlich
ein Leben verbracht.
Unter dem Strich muss man
immer wieder betonen,
es ist ein Wunder, dass nichts mehr passiert.
Was ich mir wünsche, ist,
dass der Respekt wieder etwas präsenter wird.
Der Respekt
gegenüber dem Gebirge,
unserer Landschaft.
Der Respekt ist für mich das Wort,
das in die Zukunft gehen muss.
Miteinander respektvoll sein,
mit der Landschaft, mit den Ressourcen,
finde ich eigentlich fast das wichtigste Wort.
Mein Credo ist eigentlich immer,
dass möglichst alle mit einem
Bergführer aufs Matterhorn gehen sollten.
Denn da bin ich fast sicher,
würden die Umfälle
mehr oder weniger verschwinden.
Aber das kannst du in der Schweiz
nicht machen.
Wenn ich das einmal gehört habe,
müsste ich sogar die Bundesverfassung ändern,
weil die Berge sind für alle zugänglich,
abgesehen von dem.
Noch wenn ich morgen sagen würde,
jetzt könnt ihr nur noch mit dem Bergführer
das Matterhorn kontrollieren.
Denn du kannst auch nicht
rund um das Matterhorn ein Zeug aufstellen
und sagen,
jetzt kannst du nur noch hier durch.
Und jeder, der kein Dicker hat
oder einen Bergführer, kann nicht durch.
Das geht nicht.
Das Problem werden wir immer haben.
Das wird die nächste Generation haben
und noch viele Generationen nach uns.
Und das wird auch
die Geschichte des Matterhorns
ständig bewegen
und immer wieder ankurbeln.
Unten auf dem Hörnligrat
ist ein Bergsteiger abgestürzt.
Die Rettungscrew der Air Zermatt
ist bereits vor Ort.
Tödliche Unfälle gibt es beim Bergsteigen
immer wieder.
Auch Melli ist von diesem Schicksal betroffen.
Ja.
Ich habe schon einmal jemanden verloren,
der mir sehr nahe stand.
Das ist sicher etwas,
wenn man jemanden verliert,
der ihm sehr nahe steht.
Etwas,
das man mitträgt.
Und das ich das Gefühl habe,
das trotzdem
immer präsent ist.
Ja.
Ich weiss gar nicht,
was ich sagen soll.
Ja, ich musste einmal
einen meiner besten Kollegen erreichen.
Und das
geht einem extrem nahe.
Und da machst du dir natürlich auch Gedanken.
Warum?
Das müsste sein.
Aber es gibt vielleicht,
da müssen wir auch ein bisschen
philosophisch denken
oder weiter denken,
dass es irgendwo noch
etwas anderes gibt.
Seine Zeit war einfach abgelaufen.
Man kann das Ganze verarbeiten.
Das Leben geht weiter,
wie man so schön sagt.
Und trotzdem passieren solche Dinge,
die Einschnitte in das Leben geben
und einen zu dem machen,
was man ist.
Und es gibt sicher immer Momente,
in denen man zurückdenkt,
wenn man jemanden verliert.
Wenn man in einer ähnlichen
Situation am Berg ist,
wo man dann an den Menschen zurückdenkt
und denkt,
hey, war es eigentlich genau so?
Und war jetzt hier
vielleicht das Quäntli Glück
nicht auf der Seite
von diesem Menschen?
Das ist leider so.
Aber ich glaube auch,
jeder, der an den Berg geht,
lebt mit dem.
Oder ist sich dem bewusst.
Wenn du mit denen
oder wenn ich mit meinen
Bergführer-Kollegen rede,
die viel unterwegs sind,
da hat jeder schon mal Glück gehabt.
Du brauchst das Glück auch.
Das ist eine Tatsache.
Die Frage ist einfach,
das muss jeder selber beantworten.
Wie bist du zufrieden mit deinem Leben?
Was gibt dir das zurück?
Für mich ist der Beruf
extrem erfüllend.
Wenn ich mit meinen Gästen
zum Berg gehen kann,
oder wenn ich auch nebenan
bergen kann, Leute retten kann
und jemandem helfen kann,
das gibt dir extrem viel zurück.
Und es macht dich auch irgendwo
die Erde.
Du bist mit beiden Beinen auf dem Boden.
Du hast viele Probleme,
die andere Menschen haben.
Habe ich ganz sicher nicht,
wenn du das siehst,
wenn du solche Sachen erlebst.
Was ich extrem versuche, ist,
im Moment zu leben.
Wenn ich auf einen Berg gehe
und ich bin auf dem Gipfel,
dann geniesse ich das voll.
Ich schätze diesen Moment.
Wenn ich in den Bergen bin,
habe ich ein Bergpanorama.
Zusammen mit den Leuten.
Auch wenn ich mit den Kindern
etwas mache.
Das schätze ich in diesem Moment.
Wenn man viel erlebt,
gerade in den letzten Jahren,
in denen ich
viel erlebt habe
und Leute verloren habe,
die mir sehr wichtig waren
und sehr nah waren,
dass man solche Momente
noch viel mehr schätzt.
Dass man im Leben mehr Wertschätzung hat,
weil einem bewusst wird,
dass es endlich ist.
