KSC Legendentalk mit Sergej Kiriakov

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29.12.2024
KSC Legendentalk mit Sergej Kiriakov
Herzlich Willkommen zur neuen Serie KSC Legenden Talk.
Ich habe heute einen Freund von mir, wirklich, ich behaupte das mal.
Ich hoffe, dass er gleich zustimmt.
Und einen wunderbaren Fußballer, einen wunderbaren Menschen.
Begrüßen Sie mit mir Sergej Vyacheslavovic Kerejakov.
Das habe ich aber jetzt falsch ausgesagt.
Hätte ich das aber früher gewusst, dann hätte ich nur Vyacheslavovic genannt.
Wo kommt der Name her?
Das ist der Name von meinem Vater.
In Russland sagen wir nicht nur den ersten Namen, Sergej.
Und dann, wenn du älter bist, sagen sie aus Respekt auch den zweiten Namen deines Vaters.
Es ist so, wir Badener kennen ihn natürlich unter Kiki.
Damals Außenstürmer bei uns in der ganz, ganz großen Zeit.
Die große Zeit von KSC mitgemacht.
War das denn so, wenn deine Mutter zum Beispiel, als du jünger warst, ein kleiner Junge,
dann hat sie zweimal gerufen, Sergej, und Sergej ist nicht gekommen.
Und dann irgendwann hat sie gerufen, Vyacheslavovic.
Und dann hast du gewusst, jetzt muss ich aber nach Hause kommen.
Oder war das nicht so?
Nein.
Ja, die Mama hat dich genannt.
Nein, nein.
Das war so gewesen, ich wurde nach Vater meines Vaters, also nach meinem Opa genannt.
Der heißt Sergej auch.
Ja, okay.
Und bei mir und bei anderen Familien geht es immer so.
Wenn ein Sohn geboren ist, auf die Welt kommt, dann bekommt er den Namen seines Vaters.
Gut, bei uns ist es so eher, dass man als Zweitnamen den Namen des Patenonkels bekommt.
Es gab immer einen Pate und ich heiße Adam, grausam, Adam.
Auch nicht schlecht.
Wie sagen denn die Leute in deiner Heimat zu dir?
Haben die schon immer Kiki gesagt?
Nein, Kiki nennen sie mich nicht, natürlich.
Ich sage einfach so Sergej.
Oder Kiri, Kiri heißen vier Buchstaben von meinen Nachnamen.
Kiriak, also Kiri, Kiri.
Du bist seit dieser Woche hier, gestern oder vorgestern gekommen.
Wo lebst du eigentlich?
Wo ich hier lebe?
Nein, nicht hier, in Russland.
In Russland, ja.
In St. Petersburg lebst du noch da?
Ja, in St. Petersburg, klar.
Ich wohne dort mit meiner Familie, mit einer Frau und zwei Kindern.
Und ich habe noch Wohnsitz in Berlin.
In Karlsruhe habe ich auch was.
Ich bin überall, ich bin international.
Hast du nicht nur Immobilien hier?
Hast du immer Immobilien hier?
Warst du mal ein ganz reicher Mann?
Blöde Frage.
Nein, nein, war ich, ich weiß nicht.
Du bist in Orjol aufgewachsen, ich habe das mal nachgeschaut.
Das ist ein richtig schöner Ort.
Kleine Stadt, südlich von Moskau.
Ja, so groß wie Karlsruhe, oder?
Oder kleiner?
Ja, ein bisschen kleiner.
Es liegt 300, über 300 Kilometer entfernt von Moskau.
Ja.
Und das war der Grund gewesen, warum ich von der kleinen Mannschaft als Jugend nach Moskau gegangen bin.
Also nicht so weit weg gewesen.
Und dort in Moskau gab es damals einen Sportinternat, Fußballinternat.
Und der hat mich natürlich angeladen, weil ich in der Jugend auch nicht schlecht war.
Und ja, dann bin ich dort gegangen und dort hat es sich weiterentwickelt.
Hat dein Vater auch Fußball gespielt?
Nein.
Gar nichts?
Wo hast du das Talent her?
Das hat mit dem Sport überhaupt nichts zu tun.
Gar nichts?
Ich weiß es nicht.
Cool.
Hätte ich jetzt so nicht gedacht.
Und dann gehst du mit 17 Jahren aber nach Moskau.
Das war doch ein Kulturshow, oder?
Nee, früher schon.
Mit 13.
Mit 13 schon?
Okay, das stand dann doch irgendwo anders.
Aber dann gehst du mit 13 in eine 14-Millionen-Stadt.
Gut, du bist dann ein bisschen eingebunden in dieses Trainingscamp und Trainingsleistungszentrum.
Aber war das okay?
War gut, war gut.
Du hast viele Möglichkeiten, ins Kino zu gehen, woanders hinzugehen, spazieren zu gehen.
Moskau ist eine schöne Stadt.
Es gibt so viele Möglichkeiten dort.
Nach der kleinen Stadt, in der ich gewohnt habe, war es natürlich super.
Und ja, Freizeit habe ich wenig gehabt, weil ich immer im Training war.
Dann kam noch die Schule dazu.
Ich habe nicht so viel gesehen.
Aber wenn ich ein bisschen älter war, dann habe ich das gemacht.
Okay.
Bist du, ich zum Beispiel, oder wir, unsere Jugend waren ja oft Arbeiterkinder.
War das bei dir auch so?
Dass man gesagt hat, okay, ich bin jetzt eher ein Arbeiterkind.
Und war das dann die einzige Möglichkeit, im Leistungssport nach oben zu kommen?
Oder was habt ihr den Eltern gemacht?
Wie war dein Elternhaus?
Ja, ich war auch so gewesen.
Mein Vater hat den ganzen Tag gearbeitet.
Meine Mutter auch.
Ich kam allein von der Schule nach Hause, habe etwas gegessen und dann sofort zum Training gegangen.
Aber in Russland haben wir so viele Möglichkeiten gehabt.
Das heißt, im Sommer spielten wir Fußball, trainierten auf dem Fußballplatz.
Und im Winter spielten wir Eishockey.
Ach, echt?
Ja.
Eishockey auch gespielt.
Und ja, ich glaube, das war eine schöne Zeit gewesen.
Musstest du dich irgendwann entscheiden?
Warst du auch talentiert im Eishockey?
Ja, genau.
Zwischen Fußball und Eishockey, weil im Eishockey war ich auch gut drauf.
Irgendwann kam der Zeitpunkt, wo ich mich richtig entscheiden musste.
Entweder in Fußball zu bleiben oder in Eishockey.
Hättest du ungefähr dieselbe Position gespielt wie im Fußball?
Natürlich.
Immer vorne.
Vorne, ja.
Tore zu machen.
Ja, genau.
Wie ist es denn, du kommst dann irgendwann nach Moskau
und bist dann direkt mit 18 Jahre alt.
Warst du Profi oder wie hieß das bei euch?
Dann warst du Profi.
Und wie war die Umstellung da?
Ging das vom Camp zum Profifußball?
War das okay oder ist das vergleichbar wie hier?
Ja, das war nicht so einfach.
Aber ich habe damit überhaupt keine Probleme gehabt.
Ich habe Angebot gekriegt von einem Profimann von Dynamo Moskau.
Und ich bin dann mit 17 oder mit 18 sofort ins Kader reingegangen.
Also als Jugendspieler.
Ich habe noch mit 17 den ersten Einsatz.
Einsatz wie die Profimannschaft.
Und beim ersten Spiel kam ich später rein,
weil die Mannschaft verliert dann 0 zu 2.
Und ich habe das dann zum Schluss noch 2 zu 2 gemacht.
Mit 17.
Das erste Profispiel.
Cool.
Also wenn man 17 Jahre ist und in der Profimannschaft in Russland eine gute Liga gehabt hat,
wie viele Zuschauer habt ihr?
Damals war es nicht so viel,
weil das Spiel im Herbst stattgefunden hat.
Es war kalt.
Es ist immer kalt, oder?
Nicht immer, aber im September, Oktober ist es schon kalt in Russland.
Und deswegen sind nicht so viele Leute gekommen.
Du warst dann für die UDSSR Nationalspieler in dieser Zeit.
Also musstest ja was können.
Und schießt in 10 Spielen 5 Tore.
Und ihr habt eine tolle Mannschaft gehabt damals.
Ja klar.
Ganz starke Spieler.
Die waren 1988 Zweiter in Deutschland bei der EM.
Und ich habe natürlich später auch ein paar Spiele gemacht.
Mit 19 habe ich das erste Spiel gemacht für die UDSSR Mannschaft.
Und gleich wieder ein Tor gemacht.
Wir waren in Polen im Freundschaftsspiel.
Und ich wurde eingewechselt in die 40. Minute.
Ich war überglücklich.
Mit 19 für die UDSSR Mannschaft, erstes Spiel und gleich ein Tor.
Wahnsinn.
Und dann kommt noch eines.
Die UDSSR war ja damals im Wandel.
Klaas Norst, Perestroika.
Habt ihr da schon gedacht, wenn ich richtig gut bin, kann ich in den Westen?
Das war ja vorher viel, viel schwieriger.
Da konnten ja nur, wenn ich mich nicht erinnere,
Eishockeyspieler und Fußballspieler mit erst 28 Jahren.
Und auf einmal wird der Markt frei.
Ihr seid in einer freien Marktwirtschaft.
Auf einmal kommt da Merchandising.
Es kommt Wannenwerbung.
Das gab es ja vorher alles nicht.
Und dann hat man gemerkt, der Markt wird frei.
Und ihr könntet theoretisch in den Westen.
Und die brauchten ja auch das Geld.
Die wollten das Geld ja auch.
Ja, klar.
Und ich habe auch gespürt, dass ich genug stark bin für die russische Liga.
Und ich wollte auch probieren, woanders zu spielen.
Im Westen, in einer starken Liga.
Aber was ich dazu sagen wollte, ich habe damals viel Selbstvertrauen.
Ich war in der Jugend zweimal Europameister.
U18 und U21 gewesen.
Selbstvertrauen war ohne Ende.
Mein erster Angebot war aus Frankreich.
FC Lens.
Wegen mir ist der Ex-Präsident nach Moskau gekommen, um mit mir zu sprechen.
Ich habe fast diesen Vertrag unterschrieben.
Aber zwischen den Vereinen gab es irgendwelche Probleme.
Das hat zum Schluss nie geklappt.
Wie kamst du nach Karlsruhe?
Hast du überhaupt Karlsruhe gekannt?
Nein.
Aber kurz vor dem EM92 in Schweden habe ich einen Anruf von meinem Berater gekriegt.
Und er hat mir erzählt, dass es einen Verein wie Karlsruhe SC gibt, der Interesse an dich hat.
Aber wir mussten vor dem WM schon einen Vertrag unterschreiben.
Dann haben wir uns ein paar Gedanken gemacht.
Entweder machen wir das nach dem EM.
Vielleicht spiele ich ein gutes EM.
Und dann natürlich noch Angebote.
Vielleicht bessere Angebote von Top-Vereinen.
Oder wenn nicht, dann ist es auch nicht schlecht.
Und dann haben wir uns entschieden, nach Deutschland zu gehen und den Vertrag zu unterschreiben.
Der Winnie hat dich beim Länderspiel beobachtet.
Er wollte dich beobachten, du hast aber nicht gespielt.
Aber er hat trotzdem mit dir gesprochen.
Aber der Vertrag war schon unterschrieben.
Ja, der Vertrag war schon unterschrieben.
Es war Deutschland gegen die KUS damals.
Die Gemeinschaft der Berliner Staaten.
Er hat mich in der Halbzeitpause gesehen.
Als Ersatzspieler kommst du auf den Platz und spielst mit dem Ball.
Er hat mir später erzählt, ich habe das genau gesehen.
Wie du mit dem Ball umgehst.
Du bist der richtige Mann für uns.
Die Bundesliga war ja schon die Liga damals.
Italien war die Nummer eins.
Heute ist England Nummer eins.
Aber Deutschland kam ja direkt dahinter.
Das war ja schon damals die Größe.
Karlsruhe hast du leider nicht so ganz gekannt.
Ja, das stimmt.
Kein großer Verein.
Aber ich wollte das anfangen.
Für mich war es scheißegal, wie ich spiele.
Ich wollte unbedingt von der ersten Minute an zeigen,
dass ich gut drauf bin.
Das war mein Ziel gewesen.
Vor allem hat er auch deinen Selbstvertrauen gesehen.
Wie du hier in der Bundesliga gestartet bist.
Das war ja Wahnsinn.
Du warst ja damals beim Eintracht Frankfurt.
Genau.
Ich habe nie so viele Fußballer gekannt.
Das hat mich nie so interessiert.
Manchmal hat der Trainer mich gefragt,
ob ich ihn kenne.
Dann hat er gesagt, nein.
Es sei denn, er ist besser als ich.
Aber dich habe ich gekannt.
Dann hat man schon mal geguckt.
Wir hatten auch zwei Spiele hier.
Einmal haben wir 4-1 verloren.
Mit dem Eintracht Frankfurt.
Da hat man schon gesehen,
dass du so schlecht nicht bist.
Da habe ich gesagt, zu dem muss ich hin.
Wir müssen den jüngeren Menschen mal sagen,
wie du gespielt hast.
Ich würde sagen,
Ribery wäre ein Vergleich.
Würdest du Ribery vergleichen?
Weiß ich nicht.
Doch, ich finde viele schon.
Auch auf diesem Niveau.
Du warst unglaublich selbstbewusst.
Ich habe nicht so genau wie Ribery
an den Flanken gespielt.
Ich war überall.
Du weißt das.
Damals, als wir vorne gespielt haben.
Du warst ganz vorne.
Bisschen hinten, links und rechts.
Überall.
Mein Ziel war,
was er von mir sehen wollte,
den Ball einzunehmen.
Und dann entweder allein zu gehen,
bis zum Tor.
Und dann passend zu dir.
Oder Flanke.
Du warst koppelstark.
Du musstest dich suchen.
Oder den Ball halten
und dann vielleicht warten,
bis du wieder
mit den anderen kommst.
Das war oftmals unsere Aufgabe.
Bälle zu halten,
um zu wachen,
damit man mit den anderen mitspielen kann.
Das war ziemlich hart, fand ich.
Früher waren die Verteidiger
eine andere Nummer,
als heute,
was Brutalität angeht.
Und vor allen Dingen,
es wurde viel mit langen Bällen geschlagen.
Und dann musste der Körper rein.
Und der Gegner kommt und haut dir erstmal rein.
Wir hatten drei Verteidiger,
drei verschiedene,
mit Burghard Reich,
mit Slaven Biele und Dirk Schuster.
Und die musstest du irgendwie lernen,
alle drei zu bespielen.
Dann konntest du auch die Bundesliga bestehen, oder?
Ja, klar.
Was ich an dir so toll fand,
du hast den ersten Ball,
wenn es ging, immer mit nach vorne genommen.
Das sieht man heute so selten.
Und dann bist du auf den Gegner drauf
und dann hast du Lösungen gefunden.
Das machen so wenige Fußballprofis heute.
Das habe ich so in der Jugend gelernt.
Ich habe gelernt,
den Ball so einzunehmen
und dann
Situationen eins zu eins aussuchen.
Und meine Stärke war,
das Dribbeln, eins gegen eins,
zu spielen.
Ich war schnell,
ich war dribbelnstark
und natürlich auf Rücks und Tor
diese Wege zu suchen.
Und ja, bis zum Abschluss.
Das erste Spiel habe ich gesehen,
da war ich so begeistert.
Das war das dritte Spiel,
2-0 Rückstand
und dann kommt Kiki.
Ja, das war ein richtiges Spiel.
Es hat alles geklappt,
nach dem, was ich wollte.
Wir lagen zurück,
0 zu 2, ohne Chancen.
Die Zuschauer haben
gepfiffen und dann
ging es los. Kurz vor der Pause
haben wir das erste Tor gemacht
und Elfmeter
auch gemacht.
Rausgeholt, nicht geschossen.
Meinetwegen geschossen.
2 zu 2 zur Pause.
Ich habe gespürt,
dass hier etwas passieren kann.
Obwohl damals
Werder Bremen war die beste Mannschaft
in der Bundesliga.
Die waren davor Meister geworden.
Gute Truppe, guter Verteidiger.
Auch Brazet.
Polvarek im Tor.
Damals Nationaltorhüter.
Brazet, Windenrufe im Sturm.
Borowka,
der gerne auf deiner Seite gespielt hat,
wenn du mal über links kamst.
Du hattest noch mal
so ein Spiel.
Das war die beste Halbzeit.
Wobei Valencia
warst du auch mega stark.
Dieses Spiel in Dortmund,
0 zu 3 nach elf Minuten
und dann hast du innerhalb von
20 Minuten drei Tore geschossen.
Das war auch sensationell.
Entweder waren sie
Deutscher Meister oder sogar Europapokal Sieger.
Champions League Sieger.
Das Jahr drauf
haben sie fünf Stück von uns bekommen.
Um das auch mal klarzustellen,
in welcher Liga wir auch gespielt haben.
Tolle Saison.
Sechster Platz am Ende des Tages.
Man musste ein bisschen auf
Leverkusen im Pokal
gegen Berlin Amateure
warten, ob wir in den UEFA Cup
kommen.
Und dann kam die Mega-Saison.
Fand ich so.
Das zweite Jahr war noch besser als das erste.
Und dann
auch international noch zu spielen.
Diese Dreifachbelastungen
mit wundervollen
Spielen.
Wo die Leute gesagt haben,
wir fangen an mit der ersten Runde
gegen PSV Eindhoven.
Da haben wir das erste Spiel
hier gehabt. 2-1 gewonnen.
Ein schweres Spiel.
Rote Karte für Manni.
Und wir haben mit zehn
gekämpft, obwohl wir 2-0
geführt haben. Davor haben wir
zwei Tore gemacht, 2-0 für uns.
Und dann natürlich ging es los.
Mit zehn Mann
haben wir versucht, unsere Tore zu verteidigen.
Aber am Schluss
kriegen wir von 11
Meter 2-1.
Und dann war Rückspiel.
Ein geiles Spiel.
Du hast mich so viel angeschrien.
Gib den Ball, ich stehe ganz allein.
Und zwei oder drei Situationen.
Wenn ich eins gegen eins gehe,
natürlich dann alle Gegner ausgespielt.
Und eins gegen eins
gegen die Nationaltore.
Ja,
die Nationaltore waren eine Legende
in Holland.
Aber das sensationelle
2-0.
Du wirst freigespielt.
Ich weiß nicht mehr von wem. Von Manni.
Quer.
Im Schraffraum.
Also ich hätte ihn direkt geschossen.
Und du nimmst ihn an, die kretschen
beide an dir vorbei.
Ich habe gesehen, das Gegenspieler kommt rein
am Ball. Und wenn ich dann direkt
aufs Tor geschossen hätte,
hat er den Ball blockiert.
Meinst du?
Er hätte nochmal ausgespielt.
Allein schon zu
erfahren, dass man
mal zu sehen, zu spüren,
dass ein Stadion mit
35.000 Menschen
so 2-3 Sekunden nur den
Atem anhalten, bis der Ball
dann drin ist. Du nimmst ihn an,
ziehst auf, alles war ruhig
und dann hast du ihn reingeschoben.
Können euch
liebe Leute mal anschauen auf YouTube.
Sensationelles Tor
von Kiki.
Und dann kam das Rückspiel, das ist wie du saßt.
Wie hieß der? Van Breuken hieß der Torwart.
Die hatten eine riesen Mannschaft,
die waren Tabellenführer in der Niederlande
und haben ein
sensationelles 0-0-Tor, wo der Windi
bis heute noch sagt,
Kiki und Edgar, ihr zwei,
euer bestes Spiel.
Sehe ich ein bisschen anders.
Aber Kiki war immer noch
begeistert.
Und dann kam natürlich
unser Spiel, das muss man etwas sagen, oder?
Drei Einzelnen
in Spanien
verloren. Ohne Chance.
Und zum Schluss
hatte er eine Chance. Ich weiß nicht,
ob du das noch weißt, dass
der Ede Becker war ja unten auf der Bank
und der Windi hat dem Ede Becker
gesagt, er soll auswechseln.
In diesem Freistoß
sagt Manni Bönder, ich hoffe, du hättest nicht ausgewechselt.
Und diesen Freistoß habe ich dann
reingeköpft. Und
die Menschen, die Zuschauer,
haben erst gar nicht erkannt, dass der Ball drin war.
So habe ich das noch
in Erinnerung. Und der läuft
nach innen am Netz vorbei,
aber man hätte auch meinen können, es wäre von außen gewesen.
Und da war auch erst mal Ruhe.
Und irgendwann, als ich dann geschrien
habe oder nach vorne ging,
dann gingen unsere ganzen Fans
hoch. Und das war die einzige Chance.
Burkhard sagt immer, ich hätte auch
noch ein Tor bekommen, aber es war leider abseits.
Aber du hast mir damals eine kleine Chance
gegeben.
Und wenn du dich erinnerst,
wir saßen zusammen im Hotel
unten an der Bar und haben
ein bisschen miteinander gequatscht
und gesagt, gegen diese Mannschaft
haben wir keine Chance, überhaupt nicht.
Wir mussten natürlich versuchen.
Ja klar, wir werden das tun, aber
trotzdem.
Wir wussten ja, wie gut die waren.
Auch wie gut sie nach Bordeaux waren,
mit Zinedine Zidane und so.
Wir waren ganz schwächt,
aber die Spanier haben es nicht direkt
gemerkt. Und als sie es dann irgendwann
gemerkt haben, hat uns Oliver Kahn
alleine im Spiel gehalten.
Und wir sind
nach Hause geflohen. Ich kann mich noch erinnern,
ich saß dann im Flugzeug und habe gesagt,
boah, wie viel Glück wir heute gehabt haben.
Aber wir waren wieder da.
Und Oliver Kahn, direkt das erste Interview,
zu Hause hauen wir die weg,
zu Hause sind sie dran.
Und das hat so den Mut gegeben, nach vorne
zu gehen.
Und dann
kam das Rückspiel.
Für mich war ganz wichtig,
was ich gesehen habe,
was wir nach dem Warm machen.
Wir waren im Weiß,
weißt du noch?
Genau, wir waren im Weiß.
Die halbe Mannschaft war schwarz.
Also nach dem Warm machen.
Okay.
Dann haben wir uns Gedanken gemacht,
heute kann was passieren.
Im Rückspiel, genau.
Hast du den Trikot noch?
Von Valencia oder?
Immer noch.
Aber
glaube ich vom ersten Spiel,
nicht vom Rückspiel.
Weißer von Valencia.
Ich habe alles geschenkt.
Weißer von Valencia, habe ich noch zu Hause.
Und dann ging es los.
Und in der ersten Minute
haben wir auch verloren.
Zwei, drei Chancen,
aber richtige Chancen gehabt.
Uli hat gehalten und dann
kam das eine Tor.
Das eine Tor.
Und dann sind wir in sich zusammengebrochen.
Ja, das haben die nicht erwartet.
Ja, genau.
Die haben gedacht,
die werden dann so spielen wie im ersten Spiel.
Ja, genau.
Sie schießen ein Tor und dann sind wir durch.
Und die waren nervös.
Ja.
Und das Selbstvertrauen war weg.
Und dann ging es weiter.
Weißt du, was so schön ist?
Wir hatten ja ein paar Jungs, die richtig hinlangen konnten.
Und die haben das dann auch probiert.
Wenn eine Mannschaft, die so gute Fußballspieler hat,
auf einmal anfängt
zu treten,
dann tun sie sich in der Regel
selbst weh oder machen grobe Fouls.
Weil sie es nicht können.
Ja, genau.
Und ich finde heute noch,
wie du siehst, sie haben es dann
wirklich so probiert.
Hätten wir am Schluss noch mehr Tore gebraucht,
hätten wir mehr geschossen, oder?
Ja, das stimmt.
Dann kam
Bordeaux.
Da hieß es immer ...
Schon wieder nach Spanien, hast du damals gesagt.
Bei der Auslosung.
Ja, genau.
Schon wieder nach Spanien.
Das Schöne war, die meisten haben noch geglaubt,
ich meine das ernst.
Was du alles weißt.
Ja, natürlich.
Weißt du eigentlich noch,
als ich mir meinen neuen Mercedes gekauft habe
und du vom Laufen kamst
und dich mit dem Schuh draufgestellt hast?
Das war ein Tag alt,
der Mercedes war ein SL.
Und ich guckte aus dem Auto rüber
und du ziehst den Fuß weg.
Da habe ich so eine Schramme drin gehabt in der Haube.
Aber ich bin ja dein Ehemann.
Dann war es okay.
Ja, dann halt wieder nach Spanien,
nach Bordeaux
mit Dugarry, Pitschke,
Lizarazu.
Und da sehe ich den großen Sünderding Sedan.
Ja, nach dem Valencia-Spiel,
da haben wir wirklich
Selbstvertrauen.
Und wir haben gemerkt,
dass wir können.
Wir können mithalten
oder wir können doch
dominieren während des Spiels.
Und mit diesem Selbstvertrauen
haben wir natürlich auch
das erste Spiel gemacht.
Wir waren nicht schlecht.
Dieses Tor, das wir kassiert haben,
das war nur ein Freistoß.
Kurz vor Schluss.
Ja, kurz vor Schluss.
Und wir haben ein gutes Spiel gemacht.
Und vor allem auch in der Liga sind wir immer besser geworden.
Wir sind dann irgendwann immer
zwischen 3 und 5
gewesen.
Dort 1-0 verloren.
Das war wohl
ein hartes Spiel.
2-0.
Ich habe da so von der Seite
zugeguckt und der Hürz, glaube ich,
hieß der Torwart,
wie der allein in dich da reingesprungen ist.
Und da habe ich gedacht, boah nochmal,
das ist ein Weinbruch, oder?
Der Schütze
kommt auf die Flanke.
Du versuchst mit dem Kopf.
Nee, nee, mit dem Fuß.
Aber ich habe das gemerkt.
Der Ball geht weiter.
Und dann im richtigen Moment
hat er gestartet und dann
den Ball reingemacht.
Und
genau, dann kam
Porto
und dann irgendwo
ganz am Schluss fand ich,
wir waren etwas müde, weil wir doch mit einem
kleinen Kader durch die ganze Liga,
durch die ganzen 3 Wettbewerbe
gegangen sind.
Und der eigene war verletzt.
Wir hatten dann viele Verletzte.
Ich meine, die Bänder hat sich Kreuzbandriss gehabt.
Ich habe einen Kreuzbandriss gehabt.
Wer war noch verletzt?
Dirk Schuster, glaube ich, hatte nochmal irgendwas.
Also es hat dann an Verletzungen
nur so gehagelt.
Du spielst eine überragende Saison
und
dann ruft Barcelona.
Das war ja auch bekannt. Barcelona wollte dich
haben. Sie haben zugeschaut.
Sie haben dich beobachtet.
Du bist aber nicht gegangen wegen mir.
Natürlich.
Ich habe sofort gesagt, entweder wir zusammen
oder keiner. Oder keiner geht hin.
Ja.
Viele Journalisten aus Spanien
haben bei mir angerufen und gefragt.
Ich habe gesagt, ich weiß nicht davon.
Aber ich habe das
gemerkt.
Ich habe gemerkt, dass
im Kampf der Presse
auch der ein oder andere Trainer
dabei ist bei dem Spiel.
Extra wegen mir.
Ich weiß nicht, warum es
nicht geklappt hat.
Natürlich wollte ich auch
in einen
Top-Club
gehen.
Schade, dass es nicht geklappt hat.
Man hat ja gesehen, ob das Valencia
oder die Tabellenführer waren.
Wir spielen zweimal gegen Real Madrid
und zweimal auf Augenhöhe.
In Almeria
führen wir 2-0,
kriegen drei Mann vom Platz gestellt
und spielen mit
acht Mann immer noch 2-2
gegen. Die haben 2-0 geführt.
Hast du auch ein Tor gemacht,
wenn ich mich erinnere?
Ich glaube schon.
Wir konnten
am Schluss,
das wissen die meisten gar nicht,
vier Spieltage vor Schluss
theoretisch noch Deutscher Meister werden.
Wir haben dann hier gegen Bayern noch gespielt.
Hätten wir das gewonnen,
hätten wir 1-1 gespielt.
In den letzten Spieltagen haben wir Pech gehabt.
Das kann passieren.
Wir wurden
von einem Sportstudio
vor dem letzten Spiel
und nach dem Spiel
mussten wir gehen.
Du hast mittlerweile 38
Länderspiele gespielt.
Du hättest noch
mehr haben können.
Dann gab es den Brief der 14.
Das heißt, die 14
Topspieler von Russland.
Russland war es dann schon.
Wie ich das gelesen habe
oder recherchiert habe, ging es darum,
dass die
Reebok als Schuhmarke hatte,
aber ihr teilweise schon eigene
Schuhmarken
vertreten habt.
Du warst stabil geblieben.
Du hast gesagt, ich stelle nicht mit.
Ich habe mein Wort gegeben
und bis zum Schluss
mein Wort gehalten.
Riesenmannschaft gehabt.
Es geht nach Amerika.
Riesenchancen gehabt.
Ihr seid dritter
in der Vorgruppe geworden, seid ausgeschieden.
Es haben die
sechs besten Spieler gefehlt,
unter anderem auch du.
Schweden ist zweiter geworden,
Brasilien erste in der Gruppe.
Dann kam
als zweiter Werde gegen Saudi-Arabien.
Dann gegen Rumänien.
Beides jetzt nicht
die absolut besten Mannschaften
zu dieser Zeit.
Wir waren im Halbfinale.
Doch dann wieder gegen
Brasilien kam es
wieder, wie in der Vorrunde.
Ja, könnte sein.
Aber wie gesagt,
wir haben unsere Entscheidung getroffen
damals, obwohl
bis zum letzten Moment,
bis zum Abflug nach Amerika,
habe ich immer einen Ruf gehabt
vom Trainer,
von der Zahlmannschaft.
Und er hat
natürlich die Tür aufgemacht,
für mich. Ich muss nur Bescheid
sagen. Wenn er sagte ja,
dann wäre ich auch mitgeflogen.
Und ja,
aber ich habe
viele Freunde.
Wir waren zusammen, wir halten zusammen
diese sechs oder sieben
Mann. Wir halten zusammen
und bis zum Schluss haben wir gesagt,
nee, das geht. Entweder alle
zusammen oder keinen.
Das war eigentlich auch so das, was
uns so extrem stark gemacht
hat, glaube ich. Oder dieses
unglaubliche Team, diese
Menschen, die hier beim KSC
zusammenkamen,
vielleicht nicht alle Freunde waren, aber
das mega,
die Macher,
die körperlich, also von der
Mentalität und dann die überragenden
Fußballer dazu, wie Schütte,
Manni, du,
das war außergewöhnlich.
Ja.
Ich erinnere mich sehr
mit viel
Spaß,
wenn ich erinnere mich an solche Spiele,
wo wir
ein oder andere
das Spiel
treten wollten, also
Manni mit seinen Freistoßen,
du mit deinen Kopffehler, Schütte
mit seinen Dribblingen und Flanken,
zum Beispiel.
Ja, super Truppe.
Und dieser Zusammenhalt, was auch
top, top.
Wie aus der Kabine zum
Spiel gegangen, das war
super. Auch diese Einstellung,
die außergewöhnlich ist,
da kam schon mal vor,
ohne uns
zu nahe zu drehen, wenn Ödingen kam,
irgendeiner in die Kabine gefahren,
ja, gehen wir spielen heute? Ach, Ödingen,
ach ja gut.
Opfer.
Und wenn wir dann fertig waren, haben wir mit
Ach und Krach 2-1 vielleicht gewonnen,
dann kam der selber rein, ich könnte auch den Namen
sagen, kam der selber rein und hat gesagt,
oh gut, jetzt wissen wir aber auch, wie es geht.
Ja, ja, genau, genau.
Hast du eigentlich den Spiegel bezahlen müssen vom Bus?
Du bist mal Bus gefahren, weißt du das noch?
Nee, nicht mehr.
Warst du das nicht?
Ich weiß es nicht mehr.
Dann warst du dann Dirk Schuster vielleicht.
Die Busse
gingen weg und wir
saßen alle im Bus und dann sind wir
bis ins Hotel gefahren und
haben aber leider,
weil das ja auch ein bisschen schwieriger ist,
Bus zu fahren, haben wir
einen Spiegel unterwegs verloren.
Ich habe gedacht,
du wärst das gewesen.
Ich könnte nicht Bus fahren.
Ja, ich weiß nicht.
Ich glaube, wenn es der Dirk war, auch nicht.
Bussi war
sauer, unser Busfahrer.
Genau.
Du gehst zum HSV, sechs Jahre
KSC, war schon die beste Zeit.
Ja, war super.
Die schönste Zeit in meiner Karriere.
Super Menschen auch.
Hat Spaß gemacht,
viel Spaß gemacht.
Fußballleben ist so,
man muss irgendwann Tschüss sagen.
So ist das, genau.
Und dann bin ich zum HSV.
Ich würde noch sagen,
dass ich die letzten zwei Jahre
schwer verletzt war beim KSC.
Deswegen bin ich abgestiegen.
Ach so, ja.
Das stimmt, ja klar.
Obwohl, du warst beim Abstieg
ja dabei, ja klar.
Da war aber wenig gespielt.
Ich konnte nicht so,
ich war nicht so gesund gewesen.
Ja,
und bin ich zum HSV und
muss ganz
ist ein neuer Anfang
für mich gewesen.
Neuer Verein, muss noch
auch viel beweisen.
drei Stürmer waren da,
Toni Yeboah, dein Partner, Ex-Partner.
Mein Freund.
Du weißt, er ist wirklich ein guter Spieler, guter Stürmer.
Toni war der Beste.
Und Martin Dahlen
kam später aus England.
Und es war
ein Kampf für die erste Elf.
Ich hab zwei Jahre mit Toni
im Zimmer gelegen
und hab mit ihm immer Eiflerblatt geübt.
So, als wenn du mit ihm gesprochen hast
und Russisch geübt hast.
Und dann, wenn wir morgens zum Frühstück kamen,
musste ich ihm immer zeigen,
was er von mir gelernt hat.
Dann haben alle gelacht.
Aber beim HSV-Zeiten konnte er gut durch, ne?
Ja, er konnte nachher
richtig gut durch, ja.
Toni ist ein wundervoller Mensch.
Du weißt, wann er geboren ist.
Sechster, sechster, 66.
Echt?
Okay.
Sechster, sechster, 66.
Steht im Pass oder was?
Ich hab jetzt gedacht,
du hast eine Anspielung gemacht,
dass er vielleicht älter wäre.
Kiki, in Frankfurt war der
unglaublich.
Ich hab selten einen Spieler gesehen,
der so eine Wucht hatte.
Der war ja kleiner als ich
und eine unglaubliche Kopfvollstärke.
Und ein wundervoller Mensch.
Ein Lieber.
HSV, TV Berlin,
gehst wieder zum Veni zurück.
Riesenaufruhr.
Also was heißt das?
Es sollte unbedingt der Durchmarsch in die Bundesliga.
Aber da sieht man,
dass viele Stars nicht immer
eine Mannschaft machen.
Schwieriges Umfeld.
Viele Stars, aber keine Kämpfer.
Und kein Abräumer.
Das war natürlich
der Punkt,
warum wir so schlecht waren
in dieser Saison.
Die Erwartungen waren groß
von uns, aber zum Schluss
sind wir fast
abgestiegen.
Das letzte Spiel, glaube ich,
haben wir geschafft.
Wie kommst du dann?
Du gehst zwei Jahre nach China.
Drei Jahre.
Auf einmal kriegte ich einen Anruf
von China.
Ein chinesischer Berater.
Er hat mich eingeladen,
nach China zu gehen,
einfach zu angucken, was dort los ist.
Da bin ich hingeflogen und
dann habe ich mich sehr gut gefallen.
Ich habe noch ein paar Tage trainiert
und sofort einen Vertrag unterschrieben.
Super Zeit.
Der Start war groß.
Sechs Millionen Einwohner.
Super Stadion.
Super Trainingsgelände.
Alles, was du brauchst.
Sogar viel besser als hier in Deutschland.
Und Geld war auch da.
Ist klar.
Ihr habt ja in diesem
südöstlichen Gebiet,
wo die 400, 500
Millionen Menschen wohnen,
seid ihr da trotzdem geflogen?
Da kann man ja nicht durchfahren.
Nein.
Auswärts spielen, nur mit Flug.
Überall sind große Stadien.
Von 50.000 bis 70.000.
Gute Plätze.
Qualitätsplätze.
Riesenspaß gemacht.
Du warst relativ frei,
aber die chinesischen Spieler
mussten oft sehr diszipliniert sein.
Zum Beispiel in Zweiergruppen.
Du hast mir das mal erzählt.
Zum Training gehen oder so.
Ja, wir haben
eigene
kleine Hotels.
Die Chinesen wohnen woanders.
Die müssen überall
zum Frühstück, zum Training,
zum
Mittagessen, zum zweiten
Training, nur zusammen
gehen.
Zwei, drei Disziplinen.
Bei uns,
bei den Ausländern, war alles frei.
Wir machten alles,
was wir wollten.
Hast du Englisch gesprochen?
Ja, nur Englisch.
Du warst ja noch Trainer
in Russland.
Jugendtrainer, Nationaltrainer.
Ja, beim russischen Fußballverband.
Da bist du aber jetzt nicht mehr.
Nach dem
Verband habe ich noch
eine Mannschaft in der ersten Liga
vom Abstieg gerettet.
Das war die Saison 2016-17.
Die sind
immer aufgestiegen
und dann sofort nach der
nächsten Saison gleich wieder ab.
Das war das erste Mal
in der Klubgeschichte,
dass ich diesen Klub gerettet habe.
Trotzdem musste ich weg.
Ich wollte
eine neue Mannschaft haben, neue Spiele.
Aber der Klub hatte
kein Geld dafür.
Kiki, ist das Zufall,
dass wir so viele gute Trainer
bei uns haben?
Glaubst du, das liegt auch
daran, dass der Winnie uns
unglaublich viele Freiheiten gegeben hat?
Auch auf dem Platz
eigene Entscheidungen zu treffen.
Es war ja sehr oft so,
dass wir noch mal vor dem Spiel standen
und gesagt haben,
lasst uns die Basics durchgehen.
Dirk ist Fußballlehrer,
Du bist Fußballlehrer,
Oliver Kahn war Vorstand,
Bayern München.
Ich bin auch Fußballlehrer.
Ich glaube, dass dieses Denken
über den Fußball
bei uns ganz extrem geprägt war.
Bei jedem anderen
ist es
verschiedene
Geschichten.
Da kann man nichts sagen,
wenn wir etwas zusammen machen,
richtig oder nicht richtig.
Du verstehst sowieso,
Fußball ist ein bisschen etwas anderes
als die anderen.
Bei mir auch.
Wir haben gute Erfahrungen
als Spieler.
Das hilft uns.
Natürlich
müssen wir Chancen kriegen,
um zu zeigen, dass wir
als Trainer auch gut sind.
Nicht nur als Spieler,
sondern auch als Trainer.
Aber Chancen
bekommst du nicht so oft.
Wollen die Leute
in der heutigen Zeit
Menschen wie wir überhaupt haben?
Ich habe
das Thema ja abgehalten.
Ich fühle mich in den Rollen,
die ich jetzt habe, super wohl.
Ich möchte das gar nicht.
Ich bin auch hier bei uns
die Geschichte.
Ich liebe diesen Verein.
Ich habe aber gemerkt,
dass ich mich aus dem Sport
interessierter Zuschauer bin,
aber keine Meinung dazu
äußern soll.
Das tut mir nicht gut.
Mir nicht und dem Verein auch nicht.
Deswegen gucke ich
in dieses wunderschöne Stadion.
Du hast deine Rolle gefunden.
Das ist auch gut so.
Bei mir ist es etwas anderes.
Ich will noch
weiterarbeiten.
Bist du ein bisschen jünger als ich?
5, 6 Jahre.
Du bist 1970 geboren.
Oh, 1. Januar.
1. Januar.
Ich werde jetzt 55.
Und ich werde
62, 7 Jahre alt.
6,5 Jahre.
Du bist ein alter Mann.
Du bist immer müde.
Auf dem Platz
hin- und herlaufen
und dann noch schreien.
Was machst du da?
Und du sparst
deine Nerven.
Ja, das stimmt.
Ich war manchmal
ein bisschen extrem.
Jeder Trainer
steht unter Druck.
Sehr stark unter Druck.
Und
wie du
mit diesem Druck umgehst,
das liegt an dir.
Damit musst du aber auch arbeiten.
Viele machen nichts
und sind in 30 Jahren noch genauso,
wie sie vorher auch waren.
Irgendwann muss man auch in Gelassenheit
sich üben.
Es geht um Gesundheit auch.
Deswegen musst du aufpassen.
Wenn du das machen kannst, dann okay.
Wenn nicht, dann lieber weg von diesem Job.
Das neue Stadion?
Wunderbar.
Hast du die VIP-Räume schon mal aufgesehen?
Noch nicht.
Du siehst es heute das erste Mal ausverkauft.
Du wirst sehen, auch die Stimmung
ist überragend.
Es ist ein tolles Stadion.
Schade, ich wollte eigentlich zum Spiel
gegen den HSV kommen.
Leider hat es bei mir nicht geklappt.
Ich muss in Russland etwas tun.
Deswegen bin ich ein bisschen später
angekommen.
Ich hoffe, es wird heute
eine gute Stimmung und wir werden
ein gutes Spiel sehen.
Das Spiel ist ausverkauft.
Wir werden uns lachen.
Wie damals früher.
Kann der KSC noch mal ganz nach oben kommen?
Ist das noch mal machbar?
Oder sind die finanziellen Möglichkeiten
so weit auseinander?
Ich habe diese Woche
einen Vortrag gehalten über Wirtschaft
und Umsätze.
Wenn KSC aufsteigen würde,
hätten sie 80 Millionen Umsatz.
Bayern kratzt an einer Milliarde.
Elfmal mehr.
Zwölfmal mehr.
Heute geht es alles
ums Geld.
Nicht so wie damals bei uns.
Deswegen,
wenn du Geld hast, kannst du
sich gute Spiele leisten.
Wenn nicht, ist es ganz schwierig, nach oben zu kommen.
Das ist klar.
Schwer.
Schwer zu sagen, ob der KSC
das schafft oder nicht. Natürlich, wir wünschen
ihnen, dass sie es schaffen.
Aber schwer zu glauben.
Ab Dauer wird es schwer.
Kiki, du lebst in
St. Petersburg.
Eine wunderschöne Stadt.
Weißt du eigentlich, dass
St. Petersburg das teuerste
Stadion der Welt hat?
Weil die
auf diesen Delta
sind.
Welcher Fluss ist das?
Neva.
Die mussten um die Stabilität
des Stadions reinkriegen,
mussten sie so
hunderte oder tausende
Betonpfeiler in den Boden rammen
und darauf haben sie das Stadion
gebaut.
Die haben schon mal aufgehört.
1,3 Milliarden
hat das gekostet.
Ungefähr.
Aber toll, wenn sie
das Dach zu machen, im Winter,
wenn draußen minus 20 ist
oder 30.
Du kannst
ganz normal mit T-Shirt
drin sitzen und dann Fußball
zu fahren. Was man alles für 1,3 Milliarden
bekommt.
Gibt es da auch Skiveranstaltungen?
Nein.
Wie auf Schalke zum Beispiel.
Lieber Kiki, das war's.
Es war wunderschön mit dir.
Es war toll. Bisschen anstrengend, aber
es geht.
Ach komm, ich hab's dir
leicht gemacht heute, oder?
Es geht.
Ich hab auch keine Fragen mehr.
Ich weiß eigentlich alles.
Lieber Kiki, es war wunderschön.
Schön, dass du da bist bei uns
in Karlsruhe.
Wir sehen uns in zwei Wochen wieder.
Alles Gute.
Dankeschön.
