Was ist ein Märchen? - Merkmale & Wissenswertes

Arnold Erklärt
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01.11.2024
Im Deutschunterricht spielen Textsorten eine große Rolle. In diesem Video erkläre ich dir, was der entscheidende Unterschied zwischen Wirklichkeit und Märchen ist.
(Einsatzempfehlung für Lehrkräfte: Textsorten / Literarische Gattungen erarbeiten oder wiederholen, ggf. die Schüler selbst ein Erklärvideo zur Sage oder Kalendergeschichte machen lassen / Klasse 6-11)
Checkt mal diese Märchenseiten aus:
http://www.maerchenlexikon.de/
http://www.zeno.org/M%C3%A4rchen
https://maerchen.com/
Frösche mutieren zu Adligen, Tische verwandeln sich in All-Inclusive-Buffets und kleine Mädchen werden durch den Wald geschickt, um ihrer Oma Alkohol zu besorgen.
Außerdem verliert man jegliches Gefühl für Raum und Zeit. Komisch, schwindelig, Märchen.
Ich glaube, ich habe eingangs schon einen großen Fehler gemacht, indem ich versucht habe, Märchen mit den Kriterien zu vergleichen, die wir in der Wirklichkeit an Sachen und Ereignisse anlegen.
Märchen genügen diesen nämlich nicht. Und das führt uns schon im Kern zur Frage, was ist eigentlich ein Märchen?
In der Welt des Märchens begegnen uns Könige, aber auch kleine Mädchen, die manchmal sogar rote Karten tragen, Prinzen und Prinzessinnen, Fantasiewesen wie Einhörner und magische Gegenstände, zum Beispiel ein Zauberstab.
Nun, das führt uns zur Frage, was hat es denn damit auf sich und was ist ein Märchen?
Bei Märchen handelt es sich meistens um kurze Proserzählungen, also nicht um Gedichte. Sie werden von einem Erzähler vermittelt und in diesen kleinen Erzählungen passiert Magisches.
Das Besondere ist nun, und das macht das Märchen aus, dass an diesen wunderbaren und unnatürlichen, nicht erklärbaren Dingen kein Anstoß erregt wird.
Doch im Märchen wundert sich die Prinzessin nicht, wenn der Frosch redet. Das Wunderbare und Magische wird im Märchen also als gewöhnlich und natürlich behandelt.
Von Friedrich Panzer wurden Märchen definiert als fantastisch wunderbare Erzählungen, die der Unterhaltung dienen.
Doch zu wessen Unterhaltungen sind Märchen denn da? Von Kindern?
Im 17. Jahrhundert waren Märchen noch gar nichts für Kinder. Das liegt übrigens auch daran, dass die ziemlich brutal waren.
In einer Volksmärchensammlung von den Krims wird insgesamt 14 mal jemand der Kopf abgeschlagen.
Heute sind Märchen natürlich für Kinder geeignet und die besonders gruseligen und grausamen Geschichten werden vermutlich von Erwachsenen auch nicht zum Einschlafen vorgelesen.
Der Begriff Märchen ist wortgeschichtlich gesehen eine Verniedlichung des Wortes Mär, das noch im 16. Jahrhundert bei Martin Luther für eine glaubhafte und glaubwürdige Botschaft steht, also auf einem realistischen Ereignis beruht.
Ist eine Mähre für Luther noch etwas wahres, so ändert sich das im 18. Jahrhundert.
Hier findet sich zum ersten Mal die Verniedlichung Märchen oder Märlein und hier wird bereits durch die Verniedlichung deutlich, dass es sich um eine unwahrscheinliche Geschichte handelt.
Noch unterscheiden muss man zwischen Volksmärchen und zwischen Kunstmärchen.
Das ist beim Volksmärchen so nicht der Fall, weil ja eine Gruppe von Personen daran beteiligt war, das Märchen mündlich zu überliefern.
Deswegen ist bei Volksmärchen, wie zum Beispiel Rotkäppchen, nicht ganz klar, wer der Autor ist.
Diese Märchen, die wortwörtlich also dem ganzen Volk gehören, wurden von den Gebrüdern Grimm im 19. Jahrhundert gesammelt.
Im Januar 1811 schreiben sie in einem Brief
Wir sammeln also alle und jede Tradition und Sagen des gewöhnlichen oder gemeinten Mannes, mögen sie traurigen oder lustigen, lehrenden oder fröhlichen Inhalt haben.
Hier ist es meistens so, dass eine Hauptfigur, männlich oder weiblich, zum Beispiel ein Ritter, loszieht und eine Aufgabe oder ein Rätsel bewältigen muss.
Schließlich will er doch später die Prinzessin heiraten.
Hier auf dem Weg trifft er einen Bösewicht, das ist in unserem Fall jetzt die hässliche Hexe Knutterzack,
die mit ihrem gefährlichen Zaubertrank das ganze Volk von Linsental in ein paar erbärmliche Linsen verwandelt hat.
Der Held ist natürlich so ehrenwert, dass er diesen Zauberflug wieder rückgängig machen will.
Und so siegt das Gute schlussendlich und das Böse wird bestraft.
Womit wir bei den Merkmalen eines Märchens wären.
Und, noch fit? Jetzt bist du gefragt.
Denk mal an ein paar Märchen, die du kennst. Und erzähl mir nicht, du kennst keine Märchen. Jeder Mensch kennt Märchen.
Und überleg bitte mal, welche Merkmale sind typisch für Märchen?
Pausiere das Video an dieser Stelle.
Hast du dir Merkmale ausgedacht, beziehungsweise welche gesammelt?
Hier findest du einen Merkmalskatalog. Um diesen im Detail anzuschauen, kannst du das Video nochmals pausieren.
Vielleicht fällt dir auf, dass du die meisten der Merkmale bereits kennst.
Hm, ein Schriftsteller setzt sich doch nicht hin und arbeitet einen Merkmalskatalog ab, oder?
Also such dir mal ein Märchen deiner Wahl aus und geh die Merkmale einzeln durch.
Und überleg mal, erfüllt dieses Märchen wirklich alle Kriterien?
Und wenn es nicht alle erfüllt, ist es dann überhaupt ein Märchen?
Dein Ergebnis kannst du gerne in die Kommentarleiste schreiben oder mir davon in der Schule erzählen.
Viel Erfolg beim Klassenarbeiten in der Schule.
