Urin trinken um nicht zu verdursten, Urin trinken um Krebs zu heilen... Urin scheint ein wahres Wundermittel zu sein, doch wie gesund, ungesund oder sogar schädlich ist Urin denn wirklich?
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Urin trinken?
Was eigentlich gegen jeden gesunden Menschenverstand sprechen sollte, ist mittlerweile immer öfter
in den Medien zu sehen.
Sei es um Krebs zu heilen oder um in einer Notsituation eine vollständige Dehydrierung
hinaus zu zögern.
Deshalb kläre ich heute, ob es denn so eine gute Idee ist, wenn es mal wieder heißt
Better Drink My Own Piss.
Urin, Hahn, Pippi oder Pisse.
Viele Namen, alle beschreiben aber die gleiche Sache.
Nämlich ein flüssiges Ausscheidungsprodukt von Wirbeltieren, also auch vom Menschen.
Er ist zwingend notwendig, um den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt, also Salze, Basen
und Säuren, im Körper zu regulieren.
Doch warum sollte man nun etwas, das der Körper offensichtlich nicht mehr benötigt, wieder
zu sich nehmen?
Und ist es schädlich, wenn man es doch tut?
Um darauf eine Antwort zu finden, schauen wir uns zunächst mal den Weg der Urinentstehung
und schließlich dessen Zusammensitzung an.
Der Produktionsort des Urins befindet sich in den Nieren.
Sie werden andauernd mit großen Mengen Blut durchströmt und stellen dabei eine Art Filter
dar.
Wasser und Stoffe unter 4,4 Nanometer Durchmesser werden vom Blut abgetrennt.
Alle anderen, größeren Teilchen verbleiben im Blutkreislauf.
Die gewonnene Flüssigkeit nennt sich dann Primärhahn, von dem ein Mensch unglaubliche
180 bis 200 Liter am Tag produziert.
Dass diese Menge wohl kaum ausgeschieden werden kann, versteht sich wohl von selbst.
Ein Großteil des Primärhahns wird anschließend nämlich wieder zurückgewonnen, da er noch
sehr viele wertvolle Bestandteile wie Glucose, also Zucker, Aminosäuren, Elektrolyte und
natürlich sehr viel Wasser enthält.
Nach diesem weiteren Filtrationsschritt bleiben dann 1 bis 1,5 Liter Enthahn übrig, der nun
auch als Urin bezeichnet werden kann.
Doch was steckt jetzt alles in ihm drin?
An erster Stelle natürlich Wasser.
Für das steht das aus dem Lateinischen stammende Wort Urin nämlich auch wortwörtlich.
Aber auch viele Stoffe, die der Körper nicht mehr benötigt.
Wie z.B.
Hahnstoff, also Kohlensäure Diamid, das beim Abbau von Aminosäuren entsteht und Hahnsäure,
also Trihydroxypurin, das beim Abbau von Nukleinsäuren entsteht.
Aber auch kleine Mengen Glucose, Proteine, Hormone und noch einige andere Stoffe befinden
sich drin, die zusammen dann eine Flüssigkeit mit einem pH-Wert zwischen 4,6 und 7,5, also
relativ sauer ergeben.
Möchte man sich den Urin nun wieder zuführen, sei es aus Gründen der Flüssigkeitsaufnahme
oder dem angenommenen heilenden Effekt, dann gibt es hauptsächlich zwei Gefahrenpotenziale,
die es zu beachten gibt.
Krankheitserreger und der hohe Salzgehalt im Urin.
Der weit verbreitete Glaube ist doch, dass Urin steril und somit keine Gefahr von Keimen
anzunehmen ist.
Das ist aber nur teilweise richtig.
Der Urin, der sich in den Nieren und der Blase befindet, ist tatsächlich steril.
Beim Austreten aus dem Körper kommt er allerdings mit den Bakterien in Kontakt, die sich im
unteren Ende der Harnröhre befinden.
Und so enthält gesunder Urin rund 10.000 Keime pro Milliliter, die aber zu der normalen Bakterienflora
gehören und im Normalfall auch keinen Schaden zufügen, wenn sie dem Körper von oben wieder
zugeführt werden.
Anders sieht das aber bei Harnwegsinfektionen aus.
Dann befinden sich nämlich eine Vielzahl an E.coli-Bakterien, Chlamydien und Gonokokken
im Urin.
Nimmt man diesen infektiösen Urin nun zu sich, dürfte ein Durchfall wohl noch die
harmloseste Folge sein und allein der wäre in einer sehr durstigen Situation schon lebensgefährlich.
Das zweite große Gefahrenpotenzial des Urintrinkens birgt der hohe Salzgehalt, vor allem da er
mit zunehmender Dehydrierung des Körpers auch zunimmt.
Die Gefahr dabei heißt Osmose, der natürliche Konzentrationsaustausch, wobei Wasser von
Gebieten geringer Konzentration zu Gebieten höherer Konzentration bis zum Eintreten eines
Konzentrationsgleichgewichts fließt.
Anstatt dass der Urin dem Körper also als Wasserquelle dient, entwässert er ihn stattdessen,
da er einen deutlich höheren Gehalt an Salzen aufweist als die Zellflüssigkeiten.
Vergleichbar mit dem Trinken von Salzwasser diffundiert dabei Wasser aus den Zellen ins
Blut und schließlich in den Darm und Durchfälle sind die Folge.
Außerdem schaffen die Nieren es irgendwann nicht mehr den erhöhten Elektrolytgehalt
aus dem Blut zu filtern, die Ionen stören schließlich die Signalübertragung im Körper
und Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand sind die Folge.
Ist Urin also trinkbar?
Klar, sinnvoll ist es aber wohl niemals.
Meines Wissens nach gibt es keine einzige wissenschaftliche Studie, die belegt, dass
gesunder Urin einen heilenden Effekt hat.
Wie immer kann der reine Glaube daran aber Berge versetzen und so kann dieser Plazibo-Effekt
wohl tatsächlich etwas bewirken.
Die Naivität dafür ist aber nur schwer zu erlangen.
Im Notfall, bei drohender Dehydrierung, ist aber auf jeden Fall davon abzuraten.
Das Trinken des Urins führt dann zu Durchfällen aufgrund von Keimen und der Entwässerung
und dadurch sogar bis zum Organversagen.
Einzig und allein die reine Befriedigung des Trinkens würde einem in so einer Notsituation
vermutlich helfen.
Viel sinnvoller ist es dabei doch, das Salz im Urin vom Wasser zu trennen und das Kondensat
zu trinken.
Wie das geht und was man noch alles Tolles mit Urin machen kann, erfahrt ihr beim Stefan
vom Kanal Survival Deutschland.
In Kooperation mit mir hat er nämlich ein Video zu Urin-Mythen produziert und in einem
vorherigen Video hat er sogar seinen eigenen Urin getrunken.
Und das nicht zum ersten Mal, ich glaub er steht ja drauf.
Also schaut da gerne mal vorbei.
Ansonsten bewerten und abonnieren nicht vergessen und falls ihr das letzte Video zur Größe
von YouTube noch nicht gesehen habt, schaut's euch an.
Es lohnt sich.
Ciao, bis dann!