CHRISTIAN MORGENSTERN - DAS WÖRTLEIN

CHRISTIAN MORGENSTERN - DAS WÖRTLEIN

L
29 Videoaufrufe·07.08.2024

Dichtung von Christian Morgenstern /
Rezitation: Fritz Stavenhagen (Foto) /
Anmerkung: Harmlos flog manch Wörtlein aus, böse ist es angekommen;
sagst du etwas grad heraus, wird's gewöhnlich krumm genommen (Ch.Morgenstern)

Kürzlich kam ein Wort zu mir,
staubig wie ein Wedel,
wirr das Haar, das Auge stier,
doch von Bildung edel.

Als ich, wie es hieße, frug,
sprach es leise: „Herzlich“.
Und aus seinem Munde schlug
eine Lache schmerzlich.

„Wertlos ward ich ganz und gar,“
rief's, „ein Spiel der Spiele,
Modewort mit Haut und Haar,
Kaviar für zu viele.“

Doch ich wusch's und bot ihm Wein,
gab ihm wieder Würde,
und belud ein Brieflein fein
mit der leichten Bürde.

Schlafend hat's die ganze Nacht
weit weg reisen müssen.
Als es morgens aufgewacht,
kam ein Mund - es küssen.

Siehe auch hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Morgenstern
https://www.deutsche-biographie.de/sfz65418.html
https://www.liebesgedichte-geschichten.net/christian-morgenstern.html
https://whoswho.de/bio/christian-morgenstern.html