
HEINRICH HEINE - BRIEF AN DEN FREUND CHRISTIAN SETHE
Aus dem Brief an einen Freund 1816 /
Rezitation: Cornelia Leitz-Kühn /
Siehe auch hier:https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Heine
So z. B. auch: ''Ein Jüngling liebt ein Mädchen, Die hat einen andern erwählt; Der andere liebt eine andre, Und hat sich mit dieser vermählt.
Das Mädchen heiratet aus Ärger den ersten besten Mann, Der ihr in den Weg gelaufen; Der Jüngling ist übel dran.
Es ist eine alte Geschichte, Doch bleibt sie immer neu; Und wem sie just passieret, Dem bricht das Herz entzwei.''
Anmerkung (Hamburger Abendblatt vom 28.1.2006 anlässlich seines 150. Todestags):
Heine wurde in Düsseldorf geboren und in Paris begraben. Aber mit Hamburg hatte er eine Affäre, ein Verhältnis, das eng und schwierig war, zwiespältig und wechselhaft und das bis ganz zuletzt leidenschaftlich geblieben ist. Mit Hammonia, Hamburgs Stadtgöttin, die er in seinem "Wintermärchen" ausführlich zu Wort kommen läßt, verband ihn eine lebenslange Haßliebe.
Es begann mit einem gutgemeinten Mißverständnis: Damit sein mittelloser Neffe, der sich damals noch Harry nannte, hier den ehrbaren Kaufmannsberuf erlerne, lud der angesehene Bankier Salomon Heine diesen aus Düsseldorf nach Hamburg ein. Salomon Heine residierte in einem Haus am Jungfernstieg, besaß aber außerdem ein stattliches Landhaus im damals noch weit außerhalb gelegenen Ottensen. Wäre alles wie geplant gelaufen, gäbe es in Hamburgs Geschichte einen wackeren Kaufmann mehr - und in der deutschen Literaturgeschichte einen großartigen Dichter weniger.
Gott und Hammonia sei Dank, kam es anders: Denn daß sich der Neffe partout nicht zum Kaufmannsberuf eignete, erwies sich schon bald. Aber so schnell gab Salomon nicht auf. Trotz des ausgebliebenen Lehrerfolgs richtete ihm eben dieser Onkel, den der Dichter oft als Geizhals beschimpft hat, 1818 sogar eine eigene Tuchhandlung ein, die als "Harry Heine & Comp." firmierte, zuerst am Graskeller, später in der Kleinen Bäckerstraße. Nach ein paar Monaten war die Firma pleite.
Statt sich um Verkäufe, Absatzzahlen und Bilanzen zu kümmern, hatte der junge Mann ganz anderes im Kopf: einerseits die Poesie, zum anderen Salomons älteste Tochter, seine "veilchenäugige" Cousine Amalie. Aber weder mit der Dichtung noch mit der Liebe ging es in Hamburg so recht voran. Am 6. Juli 1816 schrieb der 18jährige seinem Freund Christian Sethe:
"Es scheint, als sei mir die Muse untreu geworden und habe mich allein nach Norden ziehen lassen und sei zurückgeblieben. Ist auch ein Weib. Oder fürchtet sie sich vor den furchtbaren Handelsanstalten, die ich mache? Wahr ist es, es ist ein verludertes Kaufmannsnest hier, Huren genug aber keine Musen."
Immerhin konnte Heine aber im Februar und März 1817 zum ersten Mal Gedichte in der Zeitschrift "Hamburger Wächter" veröffentlichen, allerdings nicht unter eigenem Namen, sondern unter dem wunderlichen Pseudonym Sy Freudhold Riesenharf. In Hinblick auf die vielfältigen Kränkungen, die der in den vornehmen Bankierskreisen mitunter recht unbeholfen auftretende Dichter erlitt oder zu erleiden glaubte, vor allem aber angesichts der Zurückweisung durch die heißgeliebte Amalie war das freilich nur ein schwacher Trost.
Mit gebrochenem Herzen verließ Heine 1819 die "Schöne Wiege meiner Leiden", wie er Hamburg in einem Gedicht nannte, um in Bonn Jura zu studieren - wiederum finanziert von dem angeblich so knickrigen Salomon. Doch noch war es kein endgültiger Abschied, denn bereits ein Jahr später zog seine Mutter nach Hamburg. Heine kam wiederholt zu Besuch und war nun nicht mehr der erfolglose Lehrling und bankrotte Geschäftsmann, sondern schon ein anerkannter Dichter. Der vornehme "Hamburgische Correspodent" nannte Heine am 27. Mai 1823 sogar den "deutschen Byron".
"Sei mir gegrüßt, du große, geheimnisvolle Stadt, die einst in ihrem Schoße mein Liebchen umschlossen hat", dichtete Heine sichtlich versöhnt, obwohl er Amalie nicht mehr in Ottensen antraf. Sie war längst verheiratet und lebte in Ostpreußen. An einen Freund schrieb er: "Die alte Leidenschaft bricht nochmals mit Gewalt hervor. Ich hätte nicht nach Hamburg gehen sollen; wenigstens muß ich machen, daß ich so bald als möglich fortkomme."
In Wahrheit ging es aber gar nicht mehr um die alte Leidenschaft, sondern bereits um eine neue. Heinrich hatte sich nämlich in Amalies jüngere Schwester Therese verliebt, die damals 16 Jahre alt war. Diese "neue Torheit" ging genauso unglücklich aus wie die alte.
