Im Rausch des Aufruhrs. Deutschland 1923 - Christian Bommarius, 16.01.23

1923 ist das Jahr der Hyperinflation, in der Angestellte die Geldscheine eines Wochenlohns mit der Schubkarre transportierten. 1923 ist das Jahr der Besetzung des Ruhrgebiets und einer heftigen Streikwelle. 1923 ist das Jahr von blutig niedergeschlage-nen kommunistischen und nationalsozialistischen Aufstandsversuchen. Und es ist das Jahr radikaler Gegensätze zwischen bitterer Armut einerseits und einer orchideenhaft blühenden Unterhaltungskultur. 1923 ist in seiner Ambivalenz das Ende der Nachkriegszeit und der Auftakt zu den Goldenen Zwanzigerjahren der Weimarer Republik.
„Es ist keine Aufzählung von Daten und Ereignissen, es ist kein erweiterter Kalender, es ist auch mehr als eine Collage; es ist ein raffiniertes literarisches Werk über ein wahnsinniges Jahr." Heribert Prantl
Gefördert durch die Stiftung ME Saar
Christian Bommarius
geb. 1958, studierte Germanistik und Rechtswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn sowie der Universität Hamburg. Nach journalistischen Stationen, etwa als Korrespondent beim Bundesverfassungsgericht, war er von 1998 bis 2017 Redakteur der Berliner Zeitung, anschließend Kolumnist der Süddeutschen Zeitung und ist seither freier Publizist. Für sein publizistisches Werk wurde Bommarius mit dem Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste Berlin ausgezeichnet.
Das Jahr 1923
Mit diesem Projekt möchten wir Menschen dafür sensibilisieren, dass unsere vermeintlich auf festen Füßen stehende Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist. Denn rechtspopulistische Strömungen und autoritäre Politik finden immer mehr Zuspruch. Ein Blick zurück in das Jahr 1923 kann wertvolle Impulse geben, um aus den Krisen und dem Scheitern der ersten deutschen Demokratie zu lernen. Denn Demokratie ist, so Christian Nürnberger, „etwas Anspruchsvolles, hochgradig Geordnetes, ein lange und schwer erkämpfter, unwahrscheinlicher Ausnahmezustand, ein Garten des Menschlichen, der dauernder Pflege bedarf."
In einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe werden wir das in seiner Ambivalenz kaum zu überbietende Jahr 1923 in zwei Vorträgen wissenschaftlich durchleuchten, um schließlich in einer musikalischen Lesung das Jahr in Text und Klang erlebbar zu machen.
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