Angesichts sinkender Absatzzahlen und einer schwindenden Wettbewerbsfähigkeit steht die deutsche Automobilindustrie vor großen Herausforderungen. Innovative US-Marken wie Tesla sowie eine neue Welle günstiger chinesischer E-Autos bedrohen ihre Spitzenposition. Wie kann sich die deutsche Automobilwirtschaft in diesem internationalen Wettbewerb behaupten? Darüber sprachen wir mit Richard Gaul, dem ehemaligen Kommunikationschef von BMW. ________________________________________________________________
Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus mit einem Abonnement, digital oder als Wochenzeitung: 👉 https://angebot.epochtimes.de/
Wir freuen uns über rege, themenbezogene Diskussionen. Bitte achten Sie dabei auf eine angemessene Umgangsform! Beleidigungen sind nicht erwünscht. Danke. ________________________________________________________________
Former BMW communications chief Richard Gaul discusses the challenges facing the German automotive industry against US and Chinese competition. He argues that while China dominates the budget EV market through subsidies and a \"greenfield\" start, Germany must leverage its strengths in high-end design, brand identity, and long-term quality to remain competitive.
Angesichts sinkender Absatzzahlen
und einer schwindenden Wettbewerbsfähigkeit steht die
deutsche Automobilindustrie vor großen Herausforderungen.
Innovative US-Marken
wie Tesla sowie eine neue Welle billiger chinesischer
E-Autos bedrohen Deutschlands
Spitzenposition. Wie kann sich die deutsche Automobilwirtschaft
in diesem internationalen
Wettbewerb behaupten? Darüber sprechen wir jetzt
mit den Ex-BMW-Kommunikationschef Richard Gaul.
Guten Tag, Herr Gaul.
Grüß Gott, Herr Rausch.
Herr Gaul, Tesla hat gestern den Nachfolger des ersten Roadsters
bei einer Live-Demonstration auf dem SpaceX-Testgelände vorgestellt.
Aufgrund eines Saugsystems mit Ventilatoren
und sogenannten Kaltgasdüsen, die mit komprimierter Luft arbeiten,
sind kurze Flugmanöver, Rollen und extreme Beschleunigung möglich.
Warum gibt es solche Entwicklungen in Deutschland nicht?
Also man muss bei Elon Musk immer sehen,
der macht ja alle paar Monate fast einen spektakulären Auftritt,
um seinen Börsenkurs zu stützen.
Er hat zum Beispiel allein für das Self-Driving Car,
also das automatische Fahren, das kündet er seit fast 15 Jahren
an und es ist noch immer nicht in Europa zugelassen.
In Amerika ist es zugelassen, weil die andere Regeln haben.
Also das, was Musk da jetzt vorgestellt hat, ist toll für den Zirkus,
aber natürlich völlig sinnlos für ein normales Auto.
Auch völlig sinnlos für den öffentlichen Verkehr.
Es wird wahrscheinlich auch nie
eine Zulassung für diese Luftnummer geben.
Richtig ist, dass wir in der Automobilindustrie
einen Innovationswettlauf haben,
aber ich sehe da die deutsche Automobilindustrie auch in einem sehr,
sehr guten Platz unter dem ersten Drei.
Ein Problem hat die deutsche Automobilindustrie mit den Kosten
in Deutschland, sowohl die Arbeits- wie die Umweltkosten,
wie vor allen Dingen auch die Energiekosten.
Deswegen bauen auch die deutschen Automobilhersteller inzwischen mehr
als die Hälfte ihrer Autos im Schnitt nicht mehr in Deutschland,
sondern in irgendwelchen anderen Standorten bis hin zu China und USA.
VW und Mercedes-Benz liegen im Innovationsranking jetzt erstmals hinter
einem chinesischen Hersteller als Zweit- und Drittplatzierter.
Insgesamt sind drei chinesische Konzerne unter den Top 6.
Was macht die Chinesen so stark?
Die Chinesen hatten den Vorteil,
mit einer grünen Wiese anfangen zu können.
Die Chinesen haben irgendwann gesagt,
wir machen gar nicht erst den Wettbewerb um die Verbrenner mit.
Wir bauen auch Verbrenner, aber da machen wir,
wie man so schön sagt, State of the Art.
Wir bauen Verbrenner, die halbwegs wettbewerbsfähig sind und billiger.
Wir machen unser gesamtes innovatives Know-how in Elektroautos.
Und da haben sie dann schneller durchstarten können.
Sie haben auch schneller durchstarten können mit ihren Werken.
Das ist aber jetzt vorbei.
Die Automobilindustrie in China ist jetzt eine normale Industrie,
die die normalen Regeln erfüllt.
Die Kosten werden steigen und die Wettbewerbsfähigkeit
oder der Kostenvorschwung, den die Chinesen haben, wird schrumpfen.
Also die EU-Kommission und auch viele europäische Staaten
haben Angst vor dem Exportüberschuss an chinesischen E-Autos,
die man auf dem heimischen Markt nicht abgesetzt bekommt
und jetzt nach Europa geliefert werden.
Die Chinesen machen alle keine Gewinne
mit ihren Elektroautos, gar keine Gewinne.
Die Deutschen machen alle mit ihren Elektroautos.
Die chinesische Automobilindustrie hat inzwischen Überkapazität.
Die Chinesen subventionieren die Automobilexporte sehr hoch,
sodass sie im internationalen Wettbewerb preislich günstiger sind oder
mindestens gleich gut wie die vergleichbaren nicht chinesischen Autos.
Und diese Subvention führt dazu,
dass sie im Grunde genommen Autos verkaufen.
Wir dürfen nie vergessen,
China ist in einer existenziellen Wirtschaftskrise, das Land China.
Die chinesische Industrie insgesamt und die chinesische Bauindustrie,
die chinesische Verschuldung ist
in einer exorbitanten Wirtschaftskrise.
Das heißt, im Eigenland ist Autos verkaufen im Moment schwierig.
Dann haben sie dank Trump Schwierigkeiten nach Amerika,
also in den USA, zu exportieren.
Und dann bleibt als einzig großer Markt,
dem wo man den Überschuss anbieten kann, der deutsche.
Nicht der deutsche, beziehungsweise der europäische natürlich.
Und wie sollte die EU oder Deutschland damit umgehen?
In dem Moment, in dem es sich um subventionierte Preise handelt,
hat die EU die Möglichkeit, sie durch Zölle künstlich zu erhöhen.
und den, wenn Sie so wollen, den Subventionsvorteil auszugleichen
und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen
oder der Europäer wiederherzustellen.
Die deutsche Automobilindustrie baut
nach der chinesischen Automobilindustrie die meisten Elektroautos.
In der Welt ist Deutschland gemessen an der Größe des Landes
und der Größe der Automobilindustrie
ein großer, aber nicht ein Weltwettbewerber,
sehr wettbewerbsfähig.
Die deutschen Automobilhersteller mit ihren Produkten
können ihre Elektroautos überall in der Welt verkaufen,
und zwar zu akzeptablen Preisen.
Das Problem, was heißt Problem,
die Deutschen haben ja kaum billige Autos.
Das ist vom Standort her auch kaum möglich,
in Deutschland billige Autos zu bauen.
Billig heißt unter 20.000 Euro.
Die Chinesen haben diesen Markt,
wenn sie so wollen, inzwischen übernommen.
Der wird ein bisschen von den Franzosen und Italienern,
aber im Wesentlichen von den Chinesen.
Die Deutschen müssen sich auf die teureren Autos konzentrieren
und das funktioniert nur,
wenn die teureren Autos dann auch besser sind.
Was wird das Erfolgsrezept für die deutsche Automobilindustrie sein?
Worauf sollten sie sich konzentrieren?
Also Innovation ist das eine. Nicht der schnellste mit neuen Techniken,
sondern der beste mit neuen Techniken. Design ist ganz wichtig.
Design ist bei Automobilen einer der Hauptkaufkunden.
Sie können mit gutem Design mit unter 2.000, 3.000,
4.000 höheren Preisen, also mit in Anführung weniger gutem Design.
Es geht darum, dass das Design akzeptiert ist.
Die Deutschen können da besser als fast alle anderen
auf der Welt Marken führen.
Sie erkennen einen BMW, einen Mercedes,
einen Audi immer gleich als Audi, BMW oder Mercedes.
Und zwar nicht nur an den Logos, sondern auch an Design-Werten.
Das ist bei vielen
der vor allen Dingen asiatischen Wettbewerber nicht der Fall.
Und nicht zuletzt Qualität.
Die Qualität ist für einen Autokäufer sehr groß, sehr wichtig.
Der beste Promoter eines Autos ist der Fahrer.
Wenn ich Ihnen erzähle, dass ich zufrieden mit meinem BMW bin,
dann glauben Sie mir eher als der Werbung
oder auch selbst als einer Automobilfachzeitung.
Darum ist die Qualität des Produktes im Nutzen,
nicht in der Erstnutzung oder in der Gelegenheit des Tests,
sondern in der Dauernutzung, ist entscheidender Kauf.
Die deutsche Arbeitskraft gehört
im internationalen Vergleich zu den teuersten der Welt.
Inwiefern spielt dies bei der aktuellen Situation
der deutschen Automobilwirtschaft eine Rolle
und welchen positiven Beitrag könnte hier die Politik leisten?
Die Deutschen waren schon immer,
was die Arbeitskosten angeht, ein teurer Standort.
Sie waren aber bis vor wenigen Jahren auch die Besten.
Also wenn man das beste Produkt hat, kann man es auch toll verkaufen.
Die Politik müsste die Arbeitskosten im Sozialverhältnis senken.
Wenn Sie überlegen,
welche Sozialkosten bei uns auf den Arbeitslohn kommen,
dann ist das Brutto für Netto in Deutschland,
also das Netto von Brutto in Anführung,
in Deutschland schlechter als in fast allen Ländern der Welt.
Die Politik könnte dort die Sozialkosten für die Mitarbeiter,
für die Arbeitnehmer senken.
und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Arbeitskosten verbessern.
Vielen Dank für das Interview, Herr Gaul.
Bitteschön.