CITY - z.B. Susann

CITY - z.B. Susann

58 Videoaufrufe·25.05.2026

Das Lied z.B. Susann von City ist viel mehr als nur ein Lied über Berlin. Es ist eine poetische, versteckte und teilweise verschlüsselte Beschreibung des Lebens in Ost-Berlin, der DDR und der deutschen Teilung. Gerade weil offene Kritik in der DDR gefährlich war, arbeiteten viele Ostrock-Bands mit Bildern, Andeutungen und Codes.

Der Song erschien 1987 auf dem Album Casablanca — also kurz vor dem Mauerfall.

Der Inhalt wirkt zunächst wie persönliche Erinnerungen:

Kindheit zwischen Trümmern,
Nachkriegs-Berlin,
erste Liebe,
Straßenbahnen,
der Blick hinüber nach West-Berlin.

Aber darunter steckt politische Bedeutung.

Besonders wichtig ist:
Der Song beschreibt Berlin als geteilte Stadt. Ost und West sind ständig präsent — aber nie direkt ausgesprochen. Genau das machte den Song in der DDR so brisant.

Einige zentrale Bilder:

„Straßenbahnen bis an den Streifen Niemandsland“
→ beschreibt die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin.
„Wanzenkino“
→ damit war gemeint, dass Ost-Berliner von bestimmten Stellen aus Westfernsehen sehen konnten.
Der Blick auf den Mercedesstern und McDonald’s
→ Symbol für den kapitalistischen Westen, der plötzlich sichtbar direkt „da drüben“ existiert.

Der eigentliche Clou steckt aber vermutlich schon im Titel:

„z.B. Susann“ rückwärts gelesen ergibt ungefähr „N N A S U S .B.Z“ — viele interpretierten das als versteckten Hinweis auf die „SBZ“, die Sowjetische Besatzungszone. Das war ein alter politischer Begriff für die DDR.

Noch spannender ist die Zeile über das Jahr 1968:
Die Zensur in der DDR störte sich daran besonders, weil 1968 sofort mit Rebellion, Freiheitsbewegung und dem Prager Frühling verbunden wurde.

Der „Prager Frühling“ war der Versuch, den Sozialismus freier zu machen — bis sowjetische Panzer alles niederschlugen. Viele DDR-Bürger verstanden diese Anspielung sofort.

Der Sinn des Liedes ist deshalb:

Erinnerung an eine verlorene Kindheit,
Sehnsucht nach Freiheit,
Kritik an Teilung und politischer Enge,
aber auch Liebe zu Berlin trotz allem.

Das Lied sagt im Grunde:
„Wir haben gelernt, zwischen den Mauern zu leben — aber vergessen haben wir sie nie.“

Gerade diese Mischung aus Nostalgie, Melancholie und versteckter Kritik machte Ostrock damals so stark. Viele Menschen hörten zwischen den Zeilen Dinge, die man öffentlich nicht sagen durfte

Zeitstempel