Die Eurokrise und ihre Konsequenzen begegnen uns fast täglich in den Nachrichten. Doch welche möglichen Szenarien gibt es denn eigentlich für die Zukunft Europas? Einige Wege, wie die europäische Integration sich weiterentwickeln könnte, erklärt explainity in diesem Erklärfilm.
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Geschütztes Werk gemäß § 60a und § 60b UrhG, weil für schulische Unterrichtszwecke geeignet und bestimmt.
Die Euro-Krise ist eine knifflige Angelegenheit,
denn wie sich die Lage in Europa weiterentwickelt,
hängt von einer Reihe ganz verschiedener Dinge ab.
Wie die Bürger in Wahlen abstimmen zum Beispiel,
ob große Banken zusammenbrechen,
antieuropäische Bewegungen an Kraft gewinnen
oder ob Krisenstaaten unter ihrer Schuldenlast zusammenbrechen.
Weil das alles so kompliziert ist,
wollen wir es uns etwas leichter machen
und uns Europa als eine Schulklasse vorstellen.
Dazu betrachten wir die Klasse 7a einer internationalen Schule
in Oberwalden in der Schweiz,
die von Austauschschülern aus verschiedenen europäischen Ländern besucht wird.
Wie in jeder Klasse gibt es hier ein paar Streber,
die gut zurechtkommen und tolle Noten haben.
Der deutsche Michel und die französische Marianne zum Beispiel.
In der Klasse geht das Gerücht um,
dass die beiden ganz schön davon profitieren,
dass sie auf den bevorzugten Plätzen im Klassenzimmer sitzen.
Auf der anderen Seite gibt es Schüler,
die schon mal fast sitzen geblieben sind
und mit den Anforderungen nicht so gut klarkommen.
Teils haben sie auch private Probleme,
weshalb sie in der Schule manchmal unkonzentriert sind.
Dimitrios aus Griechenland zum Beispiel oder Isabella aus Spanien.
Genau wie für Europa gibt es auch für die Schulklasse
eine Menge Möglichkeiten, mit Leistungsunterschieden umzugehen.
Wir picken uns mal die drei meistdiskutierten heraus.
Erstens die Methode L-Bogen,
zweitens die Grüppchenbildung
und drittens den Mannschaftskreis.
Los geht's mit der L-Bogen-Methode.
Michel und Marianne können sich dazu entscheiden,
einfach ihr Ding durchzuziehen.
Es wäre ihnen egal, wie es ihren Klassenkameraden ergeht.
Sie selbst haben weiterhin gute Noten,
das ist für sie die Hauptsache.
Dass die leistungsschwächeren Schüler vielleicht sitzenbleiben
und die Klassengemeinschaft auseinanderbricht,
nehmen sie in Kauf.
Der zweite Weg, die Grüppchenbildung.
Die beiden Vorzeigeschüler wollen nicht,
dass die Klassengemeinschaft völlig zerbricht.
Außerdem lästert die Parallelklasse schon über die Streitigkeiten in der 7a.
Deshalb tun sich Michel und Marianne
mit einigen mittelmäßigen Schülern zusammen
und bilden eine Bande,
die zusammenhält wie Pech und Schwefel.
Ihnen gegenüber stehen die Schüler mit den schlechtesten Noten,
die in der Bande nicht mitmachen dürfen.
Der dritte Weg, der Mannschaftskreis.
Marianne und Michel bilden eine Lerngruppe,
in die sie alle ihre Klassenkameraden aufnehmen.
Ihre eigenen Noten werden etwas schlechter,
weil sie weniger Zeit haben, für sich selbst zu lernen.
Ihre Eltern sind da wenig begeistert,
aber die beiden können zu Hause erklären,
dass es echt furchtbar peinlich wäre,
wenn einer aus ihrer Klasse sitzenbleiben würde.
Und wirklich bekommen die schwächeren Schüler jetzt auch bessere Noten.
Von Oberwalden zurück auf die europäische Bühne.
Auch hier gibt es, wie in unserer Schulklasse, drei Szenarien.
Entstehen im Rahmen der Europäischen Union Staaten,
die als Einzelkämpfer jeweils für sich das Beste wollen
und die sich nicht für die Belange der anderen Länder interessieren?
Die EU wäre dann nichts weiter,
als die Summe einzeln agierender Teilstaaten
mit einem ziemlich brüchigen Rahmen.
Von einer Fiskalunion oder einer gemeinsamen Aufnahme von Euro-Bonds
kann in dieser Version kaum die Rede sein.
Obwohl die Kluft zwischen den EU-Ländern
eigentlich von der Wirtschaft ausging,
würde darunter die gesamte europäische Identität leiden.
Wie in der Oberwalder Schulklasse
könnte es auch zur Grüppchenbildung kommen.
Dann würden sich z.B. Deutschland, Frankreich und einige weitere Staaten
zu einer kleineren Gemeinschaft der stärkeren zusammenschließen.
Es gäbe zwar in der EU noch immer einen gemeinsamen Rahmen,
aber im Inneren eine Trennlinie
zwischen wirtschaftlich starken und schwachen Staaten.
Die dritte Möglichkeit wäre ein gemeinsames Vorgehen aller Länder
mit einer abgestimmten Politik,
nach der für Kredite und Schulden gemeinsam gehaftet wird.
Ein starker und stabiler europäischer Rahmen also.
Dies ist derzeit aber besonders in der Bevölkerung
von wirtschaftlich starken Ländern wenig populär.
Käme es tatsächlich zu einer erfolgreichen gemeinsamen Wirtschaftspolitik der EU-Staaten,
würden die Bürger wahrscheinlich mehr Vertrauen in die europäische Integration gewinnen
und eine stärkere Verbindung der EU-Staaten insgesamt befürworten.
Was die Zukunft bringt, ist nur sehr schwer vorherzusagen.
Nur zwei Sachen sind wohl sicher.
Ein Richtig oder Falsch gibt es in dieser Frage nicht.
Keiner der Wege führt für alle Länder aus der Krise und in eine bessere Zukunft.
Die zweite Gewissheit, welchen Weg die EU gehen wird,
haben ihre Mitgliedstaaten selbst in der Hand.
Genau wie unsere Klasse 7a aus Oberwalden.