Ich zeige meine Partie gegen Großmeister Tamas Banusz von der Europameisterschaft 2012. Mit dem Königsgambit konnte ich meinen starken Gegner bereits früh überraschen. Und wie ist es dann weiterlief, hätte ich mir vor der Partie nicht träumen lassen... Hier kannst Du die Partie Huschenbeth vs Banusz nachspielen: https://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1662220
Bei GM Huschenbeth findest Du einen Mix von bester Schachunterhaltung und lehrreichem Schachtraining. Wer bin ich? Mein Name ist Niclas Huschenbeth, ich bin Großmeister und zweifacher deutscher Meister im Schach. Meine Leidenschaft für das königliche Spiel teile ich auf diesem Kanal und in meiner Schachschule Chessence.
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In diesem Video möchte ich dir gerne eine spektakuläre Partie zeigen von mir, in der
ich mit dem Königsgambit gegen einen Großmeister innerhalb von 9 Zügen auf Gewinn stand.
Also, worum handelte es sich bei dieser Partie?
Sie wurde gespielt im Jahr 2012 und zwar in Bulgarien bei der Europameisterschaft.
Es war die vorletzte Partie und ich spielte gegen den starken ungarischen Großmeister
Und wir steigen ein, würde ich sagen.
Erstens e4, e5 und jetzt bekommen wir das Königsgambit aufs Brett.
Das erste Mal, dass ich diese Eröffnung in einer Partie gespielt habe und natürlich
war da auch meine Absicht, meinen Gegner zu überraschen.
Ich schlägt f4, Springer f3 und hier hat Schwarz natürlich unheimlich viele Möglichkeiten
zu spielen.
d5, Springer f6, Springer e7, g5, d6, Springer c6 und so weiter und so fort.
Mein Gegner wählte h6, jetzt d4 und nun der Zug g5, um den gewonnenen Bauern auf f4 zu
stützen.
Springer c3, Läufer g7 und die Bauernkette wird jetzt direkt von mir angehebelt mit dem
Zug g3.
Tatsächlich hatte ich diese Variante noch ein weiteres Mal auf dem Brett, ein paar Jahre
später gegen Weltklassespieler Zoltan Almagy und da spielte mein Gegner Almagy den richtigen
Zug f schlägt g3 an dieser Stelle.
Dennoch bekam ich auch dort eine gute Stellung, konnte sie allerdings nicht gewinnen.
In dieser Partie spielt man gegen den Zug d6 und das ist tatsächlich bereits schon
ein Fehler.
Nach diesem Zug gewinnt Weiß in der Praxis über 70% seiner Partien.
g schlägt f4, g4, das war die Idee, hier von Schwarz den Springer anzugreifen und wenn
der Springer zieht, dann die Dame nach h4 zu bringen.
Aber ich kann mit dem Zug Turm g1 antworten und den Bauern auf der g-Linie fesseln.
Wie soll Schwarz diesen Läufer decken oder verteidigen?
Nun, mein Gegner spielte König f8, aber so oder so ist schon rar teuer in der Praxis,
wurde auch Läufer f8 und Läufer f6 gespielt, aber wie dem auch sei, in typischer romantischer
Königs-Gambit-Manier opfert hier Weiß den Springer auf f3, Läufer e3, Dame schlägt
f3 und das war hier eine Fernschach-Partie zwischen zwei Top-Fernschach-Spielern und
selbst da hat Weiß gewinnen können.
Und beim Fernschach können die Leute Computer benutzen und haben sehr viel Zeit für ihre
Züge und wenn selbst da Schwarz sich nicht verteidigen kann, dann ist das ein klares
Indiz, dass diese Stellung trotz Minusfigur bereits sehr schwierig ist für Schwarz.
Zurück zur Partie, mein Gegner spielt König f8 und jetzt lasse ich tatsächlich auch einfach
den Springer stehen auf f3.
Hier, du kannst diesen Springer haben, ich habe nur einen Bauern dafür, aber ich habe
die deutlich bessere Entwicklung und der König auf f8 ist natürlich auch nicht optimal platziert,
plus dieses wunderbare Zentrum auf e4, d5 und f4.
Mein Gegner schlug nicht auf f3, spielte stattdessen f5.
Wir können uns das ja auch einmal anschauen.
Schwarz kann sich kaum entfalten, kaum seine Figuren entwickeln, das weiße Figuren-Spiel
ist sehr klar, er hat die G-Linie, das ist unheimlich schwer zu verteidigen, wenn überhaupt
möglich für Schwarz.
Übrigens, falls du dich fragst, warum die Engine-Leiste sich hier links im Moment nicht
bewegt, leider ist sie gerade stehen geblieben, die Engine hat sich verabschiedet, aber ich
sage dir einfach, wie die Stellung jeweils zu bewerten ist.
Tatsächlich ist sie jetzt schon sehr gut zu bewerten, wir haben gerade den 9.
Zug gespielt und im Prinzip steht Weiß schon auf Gewinn.
F5 gespielt, aber ich lasse den Springer einfach weiterhin stehen und entwickle meinen Läufer
nach c4.
Und jetzt greift mein Gegner zu auf f3.
Falls er hier auf e4 schlagen würde, dann war meine Idee, den Springer nach vorne zu
bringen, ich möchte einfach unbedingt diesen Springer hier abgeben, koste es, was es wolle
und hier muss Schwarz auf jeden Fall schlagen, aber dann öffnet sich die F-Linie für meine
Figuren und wer steht da auf der F-Linie?
Der schwarze König, der sich ziemlich unwohl fühlt in dieser Stellung.
Dame h4 Schacht, hier wäre König d2 möglich oder auch Läufer f2, Dame h5, Springer d5,
eine Beispielvariante, Weiß würde in der Folge lang auch hier, er hat die offene F-Linie
und Schwarz hat eine sehr schwierige Verteidigungsaufgabe vor sich.
Wir folgen weiter der Partie, g schlägt f3, Dame schlägt f3 und jetzt schlägt mein Gegner
auf e4 und danach ist es einfach komplett verloren, nach 11 Zügen bereits.
Was sollte er spielen?
Stattdessen Springer f6, sich weiterentwickeln, das wäre doch am besten gewesen, aber ich
würde auch hier meinen Gegner nicht beneiden um seine Verteidigungsaufgabe, Springer schlägt
e4.
Hier nochmal eine Beispielvariante, Weiß kann noch weiteres Material opfern mit dem
Zug Springer g5, um natürlich weitere Linien zu öffnen für die Schwerfiguren.
Die Schwerfiguren sind deine stärksten Figuren, die beiden Türme und die Dame und wir wollen
diese Figuren zum Einsatz bringen und Türme brauchen vor allem offene Linien und darum
geht es hier mit diesem Opfer, wird auch die F-Linie gegen den schwarzen König geöffnet
und Schwarz wird sich auf kurz oder lang nicht verteidigen können.
Zurück zur Partie, F schlägt e4, aber natürlich schlage ich jetzt nicht auf e4, sondern ziehe
einfach meine Dame einen Schritt zur Seite und bedrohe den Läufer auf g7.
Und tatsächlich kann Schwarz diesen Läufer nicht besonders gut verteidigen.
Falls Läufer f6 an dieser Stelle, dann dringt die weiße Dame auf g6 ein, es droht Matte
auf f7.
Was könnte Weiß nun spielen nach Dame d7, eine Aufgabe an dich, halte gerne das Video
dazu an und nutze das hier als Training.
Nun sicherlich Weiß hat viele Fortsetzungen, die auch zum Gewinn führen, aber eine recht
schöne und zwingende Variante ist Dame schlägt g8, Turm schlägt g8, Turm schlägt g8, König
e7 und Springer d5 Schach.
Und nun eine ganz nette Variante ist hier König e6, f5 Schach, König schlägt f5 und
jetzt der super coole Läufer schlägt h6 und Springer e3 ist ziemlich schwierig zu
verhindern für Schwarz, es geht auf jeden Fall weit das Material für den Nachziehenden
verloren.
Und falls der König nach f7 zieht, dann Springer b6 Schach, greift die Dame auf d7 an, deckt
den Turm auf g8 und Schwarz verliert das Material wieder und Weiß hat dann eine Gewinnstelle.
Also spielte mein Gegner Dame e7, um den Läufer auf diese Art und Weise zu decken, das lädt
natürlich nur so ein, dass Springer d5 kommt.
Jetzt Dame f7, falls Dame d7, dann könnte ich hier den Bauern weiter nach vorne bringen
und das wäre auch ziemlich tödlich.
Dame f7 und hier wäre es am besten eigentlich gewesen, einfach mal das Material einzusammeln,
ich habe ja aktuell eine Figur weniger und jetzt könnte ich Springer b6 spielen, decke
damit den Läufer, greife die Dame auf f7 an und greife den Turm an auf a8 und habe
jetzt eine Qualität gewonnen und der Angriff geht ja auch immer noch weiter, f5, um weiter
Linien zu öffnen.
Ich habe quasi hier mehr Material plus Angriff, also eine komplette Gewinnstellung.
Ich wollte aber in typischer Königs Gambit Manier, romantischer Manier, nicht das Material
von meinem Gegner nehmen, sondern stattdessen lieber noch mehr Material opfern und spielte
den Zug f5 und mein Gegner schlägt diesen Bauern.
Ich konnte in meinen Augen kaum glauben, das ist wirklich hier zu viel des Guten.
Das Beste, was er hätte tun können, ist der Zug Läufer f6 und jetzt sollte ich doch
einmal die Figur zurückgewinnen, den Springer auf g8, Springer zu 6, Langehochrade, auch
hier war es eine Gewinnstellung, aber Schwarz kann noch weiter Widerstand leisten.
In der Partie schlug mein Gegner auf f5 und habe ich einfach Langehochherd, der Turm kommt
nach f1, alle meine Figuren sind im Angriff und es gibt absolut keine Verteidigung für
Schwarz.
Er hat zwar hier Figuren und Bauern mehr, aber das nützt reichlich wenig, wenn so viele
Figuren noch auf den Anfangsfeldern stehen und nicht bei der Verteidigung helfen können.
Das ist für dich auch immer ein ganz wichtiger Faktor zu sehen, wie viele Verteidiger gibt
es und wie viele Angreifer in der Stellung, denn wenn wir einen Angriff durchführen,
dann zählt nicht, wie viel Material irgendwo noch an der Seite steht auf dem anderen Flügel,
sondern zählt, wie viele Verteidiger hat mein Gegner wirklich in der Stellung und wie
viele Angreifer habe ich, um meinen Gegner, um den gegnerischen König matt zu setzen.
Und hier ist es ein sehr großes Übergewicht für Weiß.
Gut, b5, Läufer b3, kleines Störfeuer, ändern nichts, Springer f6 und Turm df1 und der Rest
ist jetzt ziemlich einfach, Springer schlägt d5, Läufer schlägt d5, Dame schlägt d5,
was sonst? Hier ist auch wiederum alles angegriffen und jetzt sammle ich die Früchte ein,
die hier am Boden liegen. Läufer eingesammelt, Turm eingesammelt, damit habe ich bereits eine
Qualität mehr und jetzt sammle ich auch noch den Springer auf b8 ein, im Prinzip durch diese
Fesslung. Mein Gegner spielt auch Läufer a3, schlug auf a2, aber da passiert absolut nichts,
denn Schwarz hat auch kein Material mehr. Ich habe hier einen ganzen Turm mehr und deshalb
gab sich mein Gegner geschlagen. Ja, das war ein Start-Ziel-Sieg für mich mit dem ersten Mal,
beim ersten Mal, dass ich das Königsgambit gespielt habe. Das hat wirklich in Perfektion
funktioniert, dieses Figurenopfer, was nicht nur aus praktischer Sicht, sondern auch aus
objektiver Sicht unheimlich gefährlich ist für Schwarz und dann hat mein Gegner nicht die besten
Verteidigungszüge gefunden und fand sich schon sehr bald in einer sehr schlechten Lage wieder.
Mich würde interessieren, was denkst du zu dieser Partie? Schreibe es mir gerne in die
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