Stein auf Stein - Die Grabung an der Höggenstraße in Soest

LWL-Archäologie für Westfalen
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6 Videoaufrufe·14.05.2024
Julia Ricken und Tristan Altenhoff sind beide bei der Stadtarchäologie in Soest tätig. Julia Ricken als Leitung derselben, Tristan Altenhoff als Grabungsleiter. Bei der Stadtarchäologie muss man ein „Allrounder“ sein, Schwerpunkt liegt aber – vor allem wie in diesem Falle bei Altstadtgrabungen – im Mittelalter und der Frühen Neuzeit.
Bei der Grabung in der Höggenstraße kamen mehrere Fundamente heraus, die eine vielschichtige Bebauung belegen. Die Höggenstraße liegt im „Hinterhof“ der Jakobistraße, der alten Handelsroute (Hellweg) durch Soest. Zusammen mit früheren Grabungen im Umkreis verdichten sie das Bebauungsbild der westlichen Altstadt.
ja hallo ähm die Stadtarchäologie sost
hatte letztes Jahr wieder die
Gelegenheit an mehreren Stellen in der
Altstadt also in der alten im alten
stadtkngrabung durchzuführen und eine
davon stellen wir Ihnen heute jetzt hier
vor und zwar um das einmal einordnen zu
können sind wir im westlichen
stadtkernbereich man sieht hier einmal
das Urkataster von
1828 umgezeichnet außen rum verlaufen
die noch heute zum größten Teil
bestehende stadtumwehrung und wir
befinden uns eben im westlichen Bereich
direkt an der gelben Markierung das soll
der Hellweg sein die Jakobistraße die
quer durch Soß verläuft wie her rin
gerade schon sagte und die blauen
Gebäude sind die mittelalterlichen
Steinwerke die entweder archäologisch
bauhistorisch oder archivalisch belegt
sind wir finden davon also wirklich kann
man sagen jedes Jahr immer mehr durch
die Archäologie vor allen Dingen denn
bauhistorisch ist soweit alles
abgearbeitet worden schon in den 90er
Jahren und archivalisch
ja ist es größtenteils auch schon
aufgearbeitet deshalb liegt das dann an
der Archäologie da neue Erkenntnisse zu
finden und wenn wir uns einmal anschauen
diese vergrößerte Lupe das rote
grabungsgebiet das ich hier rausgezogen
habe im urkatasta war dieses Gebiet
unbebaut und das ist ganz spannend weil
der die Jakobi Straße eben der Hellweg
ist mit einer
sehr heute noch sehr dichten Bebauung
also hier einmal Fotos vor aus dem 20
Jahrhundert aber im Prinzip sah so auch
schon vorher aus und auch nachher und im
Gegensatz dazu die parallelverlaufende
höggenstraße also deutlich ein viel
lockerer lockere Bebauung mit
Wirtschaftsgebäuden typisch auch diese
großen Toreinfahrten in den Scheunen die
dann
direkt an der Straße stehen genau und so
zeigt es sich in größten Teilen auch
noch heute in der höenstraße F dort
stand als wir
ja zu der Fläche gerufen wurden war ein
Druckereigebäude das ist hier einmal das
lang Rechteck Gebäude das geht noch ein
Stück weiter als jetzt dieses Rot
umzeichnete Areal das lang rechteckige
Gebäude und rechts daneben im Prinzip
zwei quadratische Gebäude noch mal
angebaut aber der rote Bereich in dem
haben wir gegraben denn nur dort wurde
unterkellert also sprich nur dort wurden
wir
tätig gleich nach Entfernen dieses
dieser
Gebäudeteile kam natürlich auch schon
die modernen Fundamente oder die
neuzeitlichen Fundamente zutage sehen
das einmal hier in einem Luftbild also
links dieses lang rechteckige Gebäude
und rechts die beiden quadratischen
Gebäude Gebäude dran gesetzt und sofort
konnten wir eben auch die baufugen
erkennen heißt welches Gebäude war
zuerst da welches kam dann das hört sich
erstmal alles nicht spannend an denn wir
haben natürlich auch Bauakten dadurch
dass unser Stadtarchiv die ja auch alle
brav aufbewahrt konnten wir die Bauakte
schon
1884 das erste Mal
Nachweisen für dieses Gebäude dieses
langrechteckige Gebäude was wir da
dokumentiert haben die Bauakte von 1874
zeigt aber dann wirklich nur einen
Aufriss an der höckenstraße man sieht
das hier mit dieser großen Toreinfahrt
und der Herr schwollmann so heißt der
Antragsteller schreibt eben er möchte
ein massiven Backsteinbau errichten viel
mehr erfahren wir da nicht zu erst
wieder
1891 als willlhel Jahn dieses
langrechteckige Gebäude gekauft hat und
das dann für eine Druckerei umbauen
wollte diese Druckerei die gab es
übrigens schon 1858 fast an der Stelle
und die ist jetzt wieder dahinezogen
also ist eine ganz schöne ganz schöner
Zirkelschluss hinterher
1891 die Zeichnung sieht man schon die
ist wesentlich qualitativer ausgeführt
einmal die schöne Front hin zur
jakobiraße allerdings also die die wir
hier sehen das ist zur jakobiraße hin
aber zurückliegend bei der högenstraße
macht er die Einfahrt ganz dicht also da
ist dann keine scheuneneinfahrt mehr und
er zeichnet noch die Trennwände ein die
zu Zeiten des Stalls dort gestanden am X
Y und Z ich hoffe das erkennt man auf
der Bauakte und diese trennwende die
konnten wir eben auch im archäologischen
Befund noch nachvollziehen außerdem
konnten wir nämlich die bodenbelegge
noch
dokumentieren also wir haben hier ein
Teil von dem Plattenboden der ganz
typisch ist für die deleneinfahrt also
diese großen plattig verlegten Steine
wir haben im mittleren Teil aufrechtes
bruchsteinpflaster gesetzt und im
hinteren Bereich wir konnten nicht bis
ganz an die Spitze gehen wegen des
Kellers der eben nicht bis ganz H h
hinging aber im hinteren Bereich wird
der Boden aus festgetretenem M Erdreich
bestanden haben und da war warum auch
immer eine buntmetallwanne eine riesige
bundtmetallwanne komplett heile in dem
Boden vergraben ohne etwas drin also wir
konnten da jetzt auch nicht sagen das
wurde mit etwas vergraben wir wissen es
nicht genau auf Höhe von dem laufniveau
also vom pflasterniveau vom Stall
außerdem noch ein hundeskelett
das in den Innenraum dann ja vergraben
wurde das sind äh ja die neuzeitlichen
Befunde die wir da rausgeholt hatten
leider keine großartigen Funde mehr die
zur Druckerei gehören aber wir haben wie
gesagt noch weiter schöne Bauakten also
wir haben 1914 noch mal ein Anbau der
beantragt wurde dieser kontoanbau der
rote der hier zu sehen ist auch wieder
zur Jakobi Straße also gar nicht zur
höenstraße der da vorgesetzt wurde die
Front wurde
verändert und letztendlich wurd dann
1824 und 37 diese beiden quadratischen
Gebäude an dieses langrechteckige
Gebäude dran gesetzt und 196 in den 60er
Jahren sieht man diese wunderbare
architektonische Schönheit die man auf
dem Foto erkennt die auch lange Bestand
hatte dann noch mal umgebaut wurde und
wie gesagt letztes Jahr wurde das alles
dem Erdboden gleich gemacht und jetzt
ein ganz neues Druckereigebäude da
aufgezogen so das war jetzt die die
moderne jetzt kommen wir aber zu der
Neuzeit oder auch Frühneuzeit denn unter
diesen ganzen modernen Fundamenten da
kam eine Masse einfach an Befunden raus
die bis ins Hochmittelalter reichen und
dazu wird Tristan Altenhoff jetzt weiter
was
erzählen so genau sie sehen hier einmal
den grabungsplan von der
högggenstraße und was ich Ihnen hier
einmal gelb markiert habe das ist eine
planierschicht auf die wir sofort
während der Grabung gestoßen sind
innerhalb dies dieser planerschicht
hatten wir zahlreiche frühneuzeigliche
Keramik Westerwälder humpenfragmente und
so weiter und so fort dazwischen
deutlich jüngere Störung die daher
rühren dass das lange Zeit noch als
Garten genutzt wurde und dort dann eben
Sachen wie man das so getan hat schnell
mal eingetieft wurden aber ansonsten
sind wir da schön in der
Frühneuzeit wenn wir uns dann den hier
umrandeten Bereich einmal anschauen dann
haben wir hier eine frühneuzeitliche
Mauer F22 ich hoffe Sie können das auf
dem Plan noch lesen wir haben die
Pflasterung aus hochkant gestellten
Steinen welche wir an vier Stellen noch
nachweisen konnten und wir haben eine
Ausbesserung der Pflasterung damit das
nicht ganz so abstrakt wird habe ich
hier mal ein paar Fotos davon wir haben
einmal links oben links unten und rechts
unten die frühneuzeitliche Pflasterung
relativ ordentlich gesetzt sie machen
sich erst ein parzellenartiges
Gittermuster füllen das dann mit ihren
hochkant gesetzten Stein auf und dann
haben sie ihre Pflasterung wir sehen
auch ganz in der Mitte sehen wir die
frühneuzzeitliche Mauer und dann haben
wir wenn sie sich das Bild rechts oben
mal anschauen im linken Rand die
Ausbesserung und wie man das gerne
gemacht hat man hat das Ganze relativ
ordentlich angefangen man muss es
ausbessern und dann hat man sich da an
die Ordnung nicht mehr so ganz gehalten
wir gehen davon aus dass das Ganze in
einem Zusammenhang steht und einen
frühneuzeitlichen Raum oder Vorraum
bezeichnet der dann auch an Ort und
Stelle nicht nur abgerissen wurde
sondern auch alles dort planiert wurde
halt in diese
planierschicht zwei sehr
außergewöhnliche oder sehr interess
Funde die wir so gleich in den ersten
Tagen machen konnten sind diese beiden
ofenkachelfagmente wir haben hier links
einmal das Fragment einer bärmannkachel
aus der Mitte des 16 Jahrhunderts und
rechts einmal das Fragment einer
weiteren ofenkache mit einem sogenannten
Putto also einem jung mit einer Laute
beides Indikatoren dafür dass die
Menschen die dort gelebt haben wohl auch
der höheren besser gestellten Schicht
angehört haben
müssen dann habe ich hier für Sie eine
kleine Auswahl aus den Zahl weiteren
frühneuzeitlichen Funden also wir sind
hier bei allen Sachen so im 16 bis 18
[Musik]
Jahrhundert genau wir haben einmal links
oben ein apothekengefäß aus der Mitte
des 18 Jahrhunderts wir haben rechts
oben ein Geschoss wir haben drei
Pfeifenköpfe aus dem 18 Jahrhundert wir
haben auch z.B ganz unten eine
sogenannte Nestel oder auch drei Münzen
aus der Mitte des 18 Jahrhunderts das
datiert also alles ganz schön im rechten
Bild sehen sie dann einmal ein Dreibein
Topf eine Schale zwei Teller und zwei
von den eben schon erwähnten
humpenfragmenten also im Endeffekt
Bierkrüge das Interessante ist was sie
dazwischen sehen dieser Stein das ist
der Teil einer Gussform diese Humpen
waren immer versehen mit einem
zindndeckel und das ist eine Gussform
für einen solchen zindeckel das heißt
jetzt nicht dass da irgendwie Zinngießer
ansässig gewesen wären das geben auch
die schriftköllen gar nicht her aber ich
denke dieser fundzusammenhang dass man
das beides an einer Fundstelle hat ist
schon durchaus
bemerkenswert so dann sehen wir hier
einmal von im linken Bild von links nach
rechts ein Teil der alten Druckerei die
schon besprochen wurde wir sehen in der
Mitte einmal den Befund 39 über den noch
zu sprechen sein wird zwischen der F11
und der F22 wurden auch die eben
besprochenen Gefäße wirklich so in sito
wie sie das rechts unten im Bild sehen
können vorgefunden das heißt die waren
wahrscheinlich noch relativ heile und
wurden dort dann einfach
entsorgt so dann kommen wir noch zu
unserem grabungsplan zurück da habe ich
ihn jetzt hier ganz viel
markiert so und zwar habe ich ihn hier
einmal mit sieben Pfeilen Mauern
markiert die wir auf jeden Fall in das
Mittelalter datieren können z.B haben
wir ganz an der Nordecke der Grabung
haben wir mit Befund 1 quasi den
ursprünglichen mittelalterlichen Teil
der heute noch stehenden Umfassungsmauer
und eine recht interessante Situation
haben wir dann in der Ostecke was ich
ihn einmal oval markiert habe
das ist das ganze in Bildern sie sehen
im linken Bild die Ecke eines Kellers
der noch auf 1,9 x 2,5 m erhalten war
und sie können hoffentlich auch noch
erkennen dass das ganze mal ursprünglich
nach Nordwesten weiter verlief wenn wir
uns das vorstellen dass das noch
Nordwesten weiter verlief dann wären wir
genau an der Außenseite der eben
besesprochenen Pflasterung gelandet
sodass wir dort einen Zusammenhang
durchaus für möglich halten sie sehen
ein relativ schönes Sichtmauerwerk nach
innen und was uns dann Rätsel aufgegeben
hat ist der hier gelb markierte Bereich
es muss sich hierbei um eine spätere
Hinzufügung handeln wir haben das dann
abgetragen wie sie es im rechten Bild
sehen können und auch dahinter kam das
Sichtmauerwerk dieser Kellerecke zu Tage
das kann nur so gemauert worden sein
wenn das Gelb unterlegte wirklich
nachträglich eingefügt wurde wir dachten
eventuell erst an eineer Treppe das
passt mit den Maßen nicht so ganz und im
Endeffekt sind wir hier offen für Ideen
und Anregung was das denn sein könnte
als wir diese Steinsetzung dann entfernt
hatten in dem rotmkierten Bereich haben
wir dann die letzte Steinreihe einer
mittelalterlichen Steinsetzung vorfinden
können und was sie deutlich besser
kennen sollten ist ganz rechts im Bild
dieser dunkle Streifen das ist die
Verfüllung davon die Verfüllung konnten
wir 14C datieren und zwar schön ins 14
Jahrhundert das bedeutet für diesen
letzten Mauerrest dass der entweder im
14 Jahrhundert entstammt oder eben
früheren Jahrhunderten
so hier haben wir noch mal die Übersicht
wir haben uns eben in der Ostecke der
Grabung befunden und wir hatten dann
halt viele weitere Mauerrest man kann
sich im Endeffekt vorstellen mit so
ziemlich jedem Tag kam ein weiterer
Mauerrest zu Tage und es wurde mit unter
auch nicht besser was wir auf jeden Fall
sagen können wir haben verschiedenste
Mauern die nicht immer Fluchten wir
haben verschiedenste Mauern die nicht
immer gleich gemacht wurden das deutet
schon mal auf eine sehr intensive
Bautätigkeit in der höenstraße 5c hin da
wurde immer wieder gebaut abgerissen und
so weiter
wenn wir uns das dann noch mal in
Bildern angucken dann fange ich mal am
besten mit dem schönsten Beispiel an sie
sehen links oben die
f55 vermutlich eine eine
mittelalterliche Steinsetzung ein Keller
leider war das ganze etwas erschwert man
kann das hoffentlich noch erkennen da
ist ein großes Punktfundament mittendrin
was der Bagger auch wirklich erst in den
allerletzten Tagen entfernt bekam aber
wir haben an einer Stelle das
Sichtmauerwerk uns anschauen können wir
konnten das ganze natürlich auch
vermessen und rechts unten auf der sehen
Sie dann den Befund 39 wo vermuten dass
das Ganze gut miteinander passt das wäre
vom Winkel von der Machart durchaus
passend gewesen sodass wir es hier mit
den Resten eines relativ großen
mittelalterlichen Kellers mit Maßen von
3,3 x 5,8 m mindestens zu tun gehabt
hätten also hier passt mal etwas ganz
gut
[Musik]
zueinander was sie
dann in der Mitte in der Mitte oben se
der Befund 91 war eine Steinsetzung die
noch auf drei Seiten erhalten war und
kurz dahinter war auch als Versturz die
vierte Seite auch noch zu erkennen
sodass wir davon ausgehen können diese
Steinsetzung hat mal 6,4 x 4,5 m
gemessen wir haben uns zu diesem
Zeitpunkt ungefähr anderthalb Meter
durch die sster Stadtgeschichte gegraben
und können hier sehr schön datieren wir
können davon ausgehen dass diese
Steinsetzung der zweiten Hälfte des 12
oder der ersten Hälfte des 13
jahrhunderts entstammt und dann
irgendwann im Verlauf des
Spätmittelalters abgerissen wurde wir
haben also den frühesten Steinbau auf
unserer Grabung vorliegen und haben
somit auch den Nachweis für das
Einsetzen erster steinener profaner
Gebäude im Hochmittelalter wie es auch
in anderen Städten durchaus üblich ist
das Hochmittelalter war eine sehr V
allem wenn es um Steingebäude geht sehr
bauintensive Zeit links unten und unten
in der Mitte sehen Sie dann noch drei
weitere Mauer Befunde die wir auch in
das Mittelalter datieren können die
allerdings aufgrund ihrerhaltung und sie
waren leider nicht mehr sonderlich groß
äh nicht in einen größeren Zusammenhang
gesetzt werden
konnten so hier noch ein paar Eindrücke
von unserer Grabung ist zwar durchaus
mit Wetter und Widrigkeiten zu kämpfen
wie Sie sehen können aber
ich hoffe dass wir ihn da ein kleinen
Eindruck vermitteln können ich bedanke
mich erstmal bei allen die bei dieser
Grabung mitgewirkt haben tatkräftig
vielen Dank dafür und Frau Ricken und
ich wir bedanken uns fürre
Aufmerksamkeit ه
[Musik]
