HEINRICH HEINE - DER HERBSTWIND RÜTTELT DIE BÄUME

HEINRICH HEINE - DER HERBSTWIND RÜTTELT DIE BÄUME

Dichter und Denker
Dichter und Denker
16 Videoaufrufe·15.03.2023

Dichtung von Heinrich Heine ersch. 1823 /
Rezitation: Brigitte Trübenbach /
Anmerkung: Die Deutschen sind ein gemeingefährliches Volk: Sie ziehen unerwartet ein Gedicht aus der Tasche und beginnen ein Gespräch über Philosophie. (H.Heine)

Der Herbstwind rüttelt die Bäume,
Die Nacht ist feucht und kalt;
Gehüllt im grauen Mantel,
Reite ich einsam im Wald.

Und wie ich reite, so reiten
Mir die Gedanken voraus;
Sie tragen mich leicht und luftig
Nach meiner Liebsten Haus.

Die Hunde bellen, die Diener
Erscheinen mit Kerzengeflirr;
Die Wendeltreppe stürm ich
Hinauf mit Sporengeklirr.

Im leuchtenden Teppichgemache,
Da ist es so duftig und warm,
Da harret meiner die Holde -
Ich fliege in ihren Arm.

Es säuselt der Wind in den Blättern,
Es spricht der Eichenbaum:
Was willst du, törichter Reiter,
Mit deinem törichten Traum?