15 Minuten

15 Minuten

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86 Videoaufrufe·22.06.2025

15 Minuten

Ich wohn in einem Viertel, wo die Straßen leise sind,
Cafés an jeder Ecke, spielende Kinder, Wind.
Die Schule liegt drei Häuser weit, der Markt ist nebenan,
und alles ist so freundlich, wie man’s sich nur denken kann.

Doch meine Nachbarin zieht aus, seit letztem Jahr wird’s eng,
die Mieten steigen leise, wie ein unsichtbarer Zwang.
Die Straße wurde schöner, doch sie hat hier keinen Platz,
weil Schönheit oft bedeutet: Du fällst aus dem Takt.

15 Minuten – klingt wie ein Traum,
doch nicht jeder passt in diesen Raum.
Wenn Nähe zum Ziel wird und Freiheit zum Preis,
bleibt mancher zurück auf dem Asphalt aus Eis.
15 Minuten – so nah, so bequem,
doch wer hier nicht mitkommt, bleibt einfach nicht stehn.

Der Bäcker kennt mich mit dem Namen, ich kenn den Arzt im Block,
doch mein Job ist draußen, weit entfernt vom neuen Taktstock.
Ich darf hier wohnen, aber Arbeit liegt woanders,
in einer Stadt, die plötzlich Grenzen zieht wie Landkarten aus Panzerglas.

Man sagt mir, bleib doch hier, warum so weit hinaus?
Doch was, wenn meine Träume eben nicht im Viertel hausen?
Wenn Vielfalt sich verliert, weil alles sich gleicht,
und Nachbarschaft zur Mauer wird, die leise trennt und schweigt?

15 Minuten – klingt wie ein Plan,
doch der Horizont fängt nicht am Gartenzaun an.
Wenn jede Idee ein Käfig sein kann,
dann fragt man sich irgendwann: „Wo fing das an?“
15 Minuten – und alles perfekt,
doch wer sich nicht fügt, wird leicht überdeckt.

Was, wenn die Stadt mich nicht mehr versteht?
Wenn das Viertel glänzt, aber die Seele vergeht?
Was, wenn Kontrolle sich als Fürsorge kleidet
und die Karte des Glücks nur ein Teil der Welt zeigt?

Ich will nicht in Zonen, nicht in Rastern leben,
ich will mich bewegen, nicht nur existieren.
Denn Freiheit bedeutet, auch gehen zu können,
nicht nur im Kreis die Wege zu kennen.

Man spricht von Klima, von Zukunft, von Sinn,
doch wer nicht mithält, fällt einfach raus, ganz still und bestimmt.
Ich seh die Stadt sich wandeln, doch nicht für uns alle,
denn nicht jeder hat den Schlüssel zur neuen Stadt der Falle.

Mein Vater wohnt am Rand, zu weit vom nächsten Arzt,
kein Radweg führt dorthin, obwohl man’s doch so plant.
Nicht alle leben im Modell, das sie malen,
und manche Träume muss man sich bezahlen.

15 Minuten – klingt nach System,
doch das Leben passt selten in einen bequemen Rahmen.
Wenn Menschen verschieden und Wege weit sind,
wie passt dann Gerechtigkeit in dieses Bild?
15 Minuten – die Stadt wird neu,
doch nicht jeder gehört hier automatisch dazu.

Ich will Nähe, ich will Wege – doch auch Weite, auch das Meer.
Ich will Träume in Bewegung, und nicht Städte aus Beton so leer.
Denn eine Stadt lebt nicht von Plänen, nicht von Zonen oder Macht –
sie lebt von all den Menschen, Tag und Nacht.