Bettina Bäumer_ Geheimlehre des Kaschmirischen Shivaismus (3.Teil mit Christian Hackbarth-Johnson)

Bettina Bäumer_ Geheimlehre des Kaschmirischen Shivaismus (3.Teil mit Christian Hackbarth-Johnson)

B
Bettina Geitner

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🔔 Inhaltsübersicht:
00:44 Bettina Bäumer
04:00 Kaschmirischer Shivaismus
05:00 Drei Wege_ Shivaismus Mensch, Kundalini, Shakti
08:00 Spirituelle Erfahrungen
11:00 Zölibat Indien
12:30 Spiritualität in der Praxis
14:00 Spiritualität Geld

Bettina Bäumer, vormals Gastprofessorin an den Universitäten von Wien, Bern und Salzburg und Fellow am Indian Institute of Advanced Studyin Shimla, leitet eine Forschungsbibliothek in Varanasi, Indien (Abhinavagupta Research Library).

CHRISTIAN HACKBARTH-JOHNSON, Dr. theol., geb. 1964, Studium der Ev. Theologie in Tübingen, Wien und München (1984–1993), Vikariat in der Ev. Luth. Kirche in Bayern (1994–1996), Promotionsstudium an der LMU München (1998–2002), freiberufliche Ar-beit in der religiösen und spirituellen Erwachsenenbildung als Religionswissenschaftler und Lehrer für Zen und Yoga, interreligiöse Reiseseminare in Indien auf den Spuren von Swami Abhishiktananda (2005–2016), Postdoc im FWF-Forschungsprojekt zur interreligiö-sen Biographie von Bettina Bäumer an der Universität Salzburg (2016–2019).
Kaschmirischer Shivaismus war eine herausragende Entwicklung des alten Indiens. Er ist Ausdruck eines tief im Bewusstsein verankerten Drangs nach Selbsterkenntnis und fand seine Blütezeit etwa 600-1200 n.Chr. in der Gesellschaft des Tals von Kaschmir. Er wurde von den herrschenden Königshäusern oft umfänglich gefördert und die Herrschenden waren mitunter selbst Tantriker. Es entstanden Tempel, Schulen und Universitäten für Forschung und Lehre rund um die Bewusstheit und auch unzählige Schriften hierzu. All dies wurde mit der Invasion der Muslime, die jedwedes nicht-islamische Denken als schädlich betrachteten, zu Beginn des 13. Jh. und in den folgenden Jahrhunderten fast vollständig ausgelöscht.
Nur ein kleiner Teil der tantrischen Schriften wurde von den sog. Pandit-Familien, die mit dieser Aufgabe betraut waren, bewahrt und durch handschriftliche Kopien über die Generationen gerettet. Dabei entstanden einige Fehler, weil auch die meisten Angehörigen dieser Familien des Sanskrits nicht (mehr) mächtig waren. Erst mit den Sikhs zu Beginn des 19.Jh. und später den Engländern kam es wieder zu einer Förderung der Spiritualität in Kaschmir, und Sanskrit-Gelehrte machten sich daran, einen Großteil (wenn auch nicht alles) der Fehler in den Schriften des kaschmirischen Shivaismus zu korrigieren. Mit der Übergabe der englischen Kolonie an die hinduistische Regierung 1949 versiegte auch die Förderung, und in der Hoffnung auf eine Fortsetzung dieses Prozesses der Wiederbelebung der Schriften wurden diese an Universitätbibliotheken in der ganzen Welt weitergegeben, wo sie zunächt weiter verstaubten und ab den 60ern nach-und-nach wiederentdeckt und erforscht wurden.
Derweil gab es auch im seinerzeit bis etwa 1700 n.Chr. muslimisch beherrschten Kaschmir, sowie in anderen Regionen Indiens, ein paar wenige Linien, in denen die Lehren des kaschmirischen Shivaismus von den Meister*innen auf die Schüler*innen vertraulich weitergegeben wurden. Der letzte bekannte Guru der Trika-Linie (der maßgeblichen Tradition des nondualen kaschmirischen Tantra) war Swami Lakśmanjoo, der 1991 verstarb.
Kaschmirischer Shivaismus entstand, als Spiritualität im zeitgenössischen Indien weit überwiegend als ein aus den Veden rezitierter ritueller Formalismus verstanden wurde, der - ähnlich den Priestern der katholischen Kirche des Mittelalters und den Rockstars der Evangelikalen von heute - von brahmanischen Priestern institutionalisiert und zum Zwecke der Macht und der Pflege des Egos benutzt wurde. Zusammen mit den weltzugewandten Lehren der Bhagavad-gītā und dem von Buddha beeinflussten Patañjali-Yoga brachte der Shivaismus letztlich den kaschmirischen Tantrismus hervor.
Der Shivaismus, neben Shaktiismus und Vishnuismus eine der 3 Hauptströmungen im Hinduismus, entwickelte sich in der hinduistischen Gesellschaft als Unterströmung zu zahlreichen unterschiedlichen Erscheinungsformen.

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