
Da Capo: August Everding im Gespräch mit Anton Dermota 1987
Anton Dermota, ein talentierter Sänger und Künstler, studierte in seiner Jugend Komposition und Orgel an der Universität in Ljubljana (Laibach). Später erhielt er ein Gesangsstipendium in Wien. Im Jahr 1934 debütierte er in Cluj (Klausenburg) und zog schnell die Aufmerksamkeit von Dirigent Bruno Walter auf sich, der ihn an die Wiener Staatsoper holte. Seine erste Rolle dort war der 1. Geharnischte in Mozarts Zauberflöte, mit dem er das Wiener Publikum durch sein herausragendes Talent beeindruckte.
Bald darauf erhielt er bedeutende Hauptrollen, wie die des Alfredo in La traviata im Jahr 1937, und wurde zu einem beliebten Sänger in Wien. Im Jahr 1944 wurde er in die Liste der Gottbegnadeten des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda aufgenommen.
Während seiner Zeit an der Wiener Staatsoper erlebte Dermota die grösste Katastrophe, als das Gebäude am 13. März 1945 bei einem alliierten Luftangriff in Flammen aufging. Er half dabei, Noten und Einrichtungsgegenstände zu retten und blieb der Staatsoper auch in ihrem provisorischen Quartier im Theater an der Wien treu. 1946 wurde er zum Wiener Kammersänger ernannt und gehörte in den 1950er Jahren zum berühmten Wiener Mozart-Ensemble, zusammen mit anderen herausragenden Sängern wie Maria Cebotari, Elisabeth Schwarzkopf, Wilma Lipp, Irmgard Seefried, Sena Jurinac, Erich Kunz und Paul Schöffler.
Es war daher selbstverständlich, dass Dermota bei der Wiedereröffnungspremiere der wiederaufgebauten Staatsoper am 5. November 1955 als Florestan in Beethovens Fidelio mitwirkte. Am 26. Oktober 1977 feierte er sein vierzigjähriges Bühnenjubiläum an der Staatsoper in der Titelrolle von Pfitzners Palestrina.
Die Salzburger Festspiele waren Dermotas zweites künstlerisches Zuhause. Von 1937 (als Balthasar Zorn in den Meistersingern unter Arturo Toscanini) bis Ende der 1950er Jahre trat er dort fast ununterbrochen auf, insbesondere in seinen großen Mozart-Rollen.
