In Monterrey finden vier WM-Spiele im Estadio BBVA statt. Es verfügt über 53.500 Plätze und wird auch „El Gigante de Acero“ („Der Gigant aus Stahl“) genannt. Während des Turniers heißt es offiziell „Estadio Monterrey“.
Wenn das Azteca die historische Seele des mexikanischen Fußballs ist, dann verkörpert der Gigante de Acero dessen futuristische Zukunft. Wenn 53.000 Rayados-Fans gleichzeitig singen, beschreiben viele Besucher das Stadion als „eine Stahlkonstruktion mit Herzschlag“. Direkt hinter dem Stadion erhebt sich eines der berühmtesten Wahrzeichen Mexikos: der Cerro de la Silla („Sattelberg“). Das Stadion wurde bewusst so ausgerichtet, dass der Berg wie eine natürliche Hintergrundkulisse wirkt. Die Aussicht auf den Cerro de la Silla wurde so berühmt, dass manche Besucher irgendwann mehr Fotos vom Berg als vom Spiel machten. In mexikanischen sozialen Medien entstanden Witze wie: „0 Fotos vom Spiel – 347 Fotos vom Berg.“ Tatsächlich posten viele Besucher zuerst den Berg – und erst danach den Fußball.
Weil die Arena extrem modern ist, finden dort auch regelmäßig Großkonzerte statt. Fans sagen deshalb oft: „Manchmal muss man prüfen, ob heute Rayados spielt oder Coldplay.“
Mexikanischer Fan: „Ich trinke nur bei wichtigen Spielen.“ Freund: „Und wann sind wichtige Spiele?“ Antwort: „Wenn Fußball gespielt wird.“
Eine der kuriosesten Geschichten aus Monterrey ereignete sich während eines historischen MLB-Spiels in Mexiko. Zahlreiche Zuschauer verfolgten heimlich ein Fußballspiel zwischen Rayados und Tigres auf ihren Handys. Als dort ein Tor fiel, jubelten plötzlich Tausende Menschen im Stadion. Die amerikanischen Baseballspieler verstanden überhaupt nicht, warum das Publikum auf einmal ausrastete. Mexikanische Medien feierten die Geschichte später mit dem Tenor:
„In Monterrey gewinnt Fußball sogar gegen Baseball.“
Die BBC bezeichnete das Stadion einmal als eines der schönsten Sportstadien der Welt. Darauf sind die Menschen in Monterrey besonders stolz.
Das berühmteste Spiel der Stadt ist der sogenannte „Clásico Regio“, das Derby zwischen C.F. Monterrey (Rayados) und Tigres UANL. Dieses Duell spaltet ganze Familien. Die Rivalität ist so intensiv, dass viele scherzen: „Um nicht ins Fettnäpfchen zu treten, fragst du in Monterrey lieber zuerst nach dem Lieblingsverein. Danach nach dem Namen deines Gegenübers.“ Gegner von Tigres behaupten scherzhaft: „Tigres-Fans reden auch dann über Tigres, wenn es gar nicht um Fußball geht.“ Oder: „Wie erkennst du einen Tigres-Fan?“ Antwort: „Keine Sorge. Er erzählt es dir innerhalb der ersten 30 Sekunden.“
Frage: „Was passiert, wenn Mexiko Weltmeister wird?“ Antwort: „Ganz Mexiko macht gleichzeitig Carne Asada. Und für diesen Fall steht der Grill schon bereit.“
Das ist vielleicht der mexikanischste Fußballwitz überhaupt. Carne Asada bedeutet wörtlich „gegrilltes Fleisch“, steht im Land der Kakteen jedoch für weit mehr als nur Essen. Gemeint ist meist ein geselliger Grillabend mit Familie, Freunden, Musik, Fußball und guter Stimmung. Ein weiterer beliebter Spruch lautet: „Ist das Spiel wichtig genug für Carne Asada?“ Antwort: „Jedes Spiel ist wichtig genug für Carne Asada.“
„In Monterrey braucht man keinen Anlass für Carne Asada. Carne Asada ist der Anlass.“
Mittlerweile gilt die mexikanische Liga als eine der stärksten Fußballligen Nordamerikas. Besonders bekannt ist sie für ihre dramatischen Playoffs, die sogenannte „Liguilla“. Die Anhänger lieben dieses Format, weil dort oft völlig verrückte Meisterschaften entstehen. Teams können monatelang eher durchschnittlich spielen – und am Ende trotzdem den Meisterpokal in die Höhe stemmen.
In anderen Teilen Mexikos gibt es bis heute den alten Witz, Regiomontanos würden selbst beim Geldausgeben sparen. Aus diesem Grund werden sie oft scherzhaft „codos“ („Geizhälse“ oder „Sparfüchse“) genannt.
Monterrey ist anders als viele andere mexikanische Städte. Die Stadt gilt als wirtschaftsstark, industriell, modern, stolz und extrem arbeitsam. Deshalb sagen die Menschen im Land der Azteken oft: „Monterrey fühlt sich manchmal mehr wie Texas an als wie Mexiko.“ Mehrere mexikanische Quellen beschreiben Monterrey als „La Capital Industrial de México“ - „Die Industriehauptstadt Mexikos“
Die Menschen hier sehen sich selbst als harte Arbeiter. Hier wird gearbeitet – sehr viel gearbeitet. Über diesen Umstand existieren natürlich auch zahllose Witze wie: „Monterrey macht sogar Überstunden beim Überstundenmachen.“ Oder: „Ein Regiomontano macht Urlaub, indem er an einem anderen Ort arbeitet.“ „Regiomontano“ nennt man übrigens Menschen aus Monterrey.
Monterrey ist außerdem berüchtigt für seine extreme Sommerhitze. Beliebte Sprüche lauten: „Heute nur 39 Grad – ein angenehmes Frühlingswetter.“ Oder: „In Monterrey grillt die Straße zuerst dich.“ Oder: „Der Sommer in Monterrey hat nur zwei Stufen: heiß und warum-lebe-ich-hier-eigentlich.““
Warum lieben viele Menschen Monterrey? Weil die Stadt neben Industrie, Hochhäusern und wirtschaftlichem Erfolg auch Berge, Natur, Fußballkultur, Grillfeste und eine starke Familienkultur bietet.
Deshalb sagen viele Mexikaner:
„Mexiko-City hat die Energie. Guadalajara hat die Tradition. Monterrey hat den Charakter.“
Ahoi
Ihr Freischwimmer
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Foto: Morogris / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0