In diesem Jahr habe ich zu Fasching viele Krapfen gegessen.
Wirklich viele.
Mit Hagebuttenmarmelade, wie es sich gehört. Mit Heidelbeerfüllung. Mit Vanillecreme. Mit Nougat. Manche mit Puderzucker bestäubt, andere in Kristallzucker gewälzt, wieder andere mit Schokoglasur überzogen.
Kolleginnen brachten welche mit, die Chefs verteilten Tabletts. Man will ja nicht unhöflich sein.
Stefan kam ebenfalls mit einer Schachtel nach Hause. Es gab kein Entkommen.
Es gab Tage, da dachte ich kurz, ich sehe bald selbst aus wie ein Krapfen.
Der Entschluss zu fasten kam nicht dramatisch. Eher leise. Ich hatte es noch nie gemacht. Vielleicht wäre es gut, einmal bewusst darauf zu verzichten. Nicht aus Diätgründen. Nicht aus schlechtem Gewissen. Sondern um zu sehen, wie sehr Süßes bei mir Gewohnheit ist.
Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und dauert vierzig Tage bis Ostern. Ursprünglich war sie eine Zeit der Besinnung und des Verzichts. Heute fasten viele aus ganz unterschiedlichen Gründen – manche aus Tradition, andere um Gewohnheiten zu unterbrechen. Bei mir ist es unspektakulär: Ein Stück Schokolade hilft mir oft beim konzentrierten Arbeiten. Nach scharfem Essen greife ich fast automatisch danach. Und Kaffee ohne Kuchen am Wochenende fühlt sich unvollständig an.
Als Stefan und ich beschlossen zu fasten, lagen noch eine halbe Tüte Chips und eine angefangene Schokolade im Schrank.
„In sechs Wochen schmecken die Chips doch wie Pappe“, sagte ich. Und offene Schokolade auch nicht besser.
Wir fasten.
Aber erst essen wir noch alles auf.
Also haben wir am letzten Wochenende die Reste vernichtet.
Direkt gegenüber von meiner Arbeit liegt ausgerechnet einer der besten Bäcker der Stadt. Wenn ich im Büro die Fenster öffne, zieht der Duft von frisch gebackenem Streuselkuchen und anderen Leckereien herein. Manchmal reicht ein einziger Luftzug – und ich merke, wie schnell ich mit mir selbst ins Gespräch komme.
Drei Geburtstage fielen in diese Fastenzeit. Auch mein eigener. Natürlich habe ich Kuchen gegessen. Man muss es ja nicht gleich zur Charakterprüfung erklären.
Was geblieben ist, ist weniger der Verzicht als die Aufmerksamkeit. Wie deutlich eine Gewohnheit wird, wenn man sie unterbricht.
Es war keine große Veränderung. Nur eine kleine Verschiebung.
Und vielleicht gehe ich ein bisschen leichter in den Frühling.
Sogar meine Hose scheint das bemerkt zu haben.